Zeche Hannover

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Trinkhalle in Essen-Rellinghausen, 2007. Foto: Brigitte Kraemer

6.5.-16.08.2020

Trinkhallen - Treffpunkte im Revier und immaterielles Kulturerbe

Fotografien von Reinaldo Coddou H. und Brigitte Kraemer

Trinkhalle, Bude, Büdchen, Kiosk – so vielfältig wie die Bezeichnungen sind auch die Formen der Trinkhallen im Revier. Im Ruhrgebiet haben diese kleinen Läden in ihrer einhundertjährigen Geschichte eine besondere Ausprägung und Bedeutung erlangt. Sie sind oft nicht nur pittoreske Verkaufsstellen, sondern vor allem auch Treffpunkte und Kommunikationsorte. Im Malakowturm wird eine Auswahl von insgesamt 50 Fotografien aus Serien von Reinaldo Coddou H. und Brigitte Kraemer gezeigt.

Die Ausstellung musste wegen der Museumsschließungen aufgrund des Coronavirus verschoben werden und kommt nun doch zur rechten Zeit: Erst vor zwei Wochen wurde die Trinkhallenkultur zusammen mit dem Steigerlied ins Landesinventar des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Beide stünden für Solidarität und sozialen Zusammenhalt und damit für eine ganz besondere Facette der kulturellen Ausdrucksformen in Nordrhein-Westfalen, begründete NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen die Wahl.

Antragstellerin für die Anerkennung der Trinkhallenkultur als immaterielles Kulturerbe war die Aachener Architektin Marie Enders, die in ihrer Abschlussarbeit die Trinkhallenkultur eingehend untersuchte. Die Präsentation ihrer Ergebnisse ist in der Ausstellung des LWL-Industriemuseums zu sehen.

Treffpunkt an der Straßenecke - der Kiosk Blumenstraße in Duisburg. Foto: Reinaldo Coddou H.

100-jährige Geschichte

Die Trinkhallen blicken im Ruhrgebiet auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Entstanden sind sie ursprünglich zur Versorgung der Bürger und Arbeiter mit Mineralwasser. In der Hochphase der Industrialisierung entwickelten sie sich zu kleinen Verkaufsläden, die neben Getränken auch Süßwaren, Zigaretten, Reisebedarf und Alltagsartikel anboten.

Auch heute noch finden sie sich an Plätzen und vor Werkstoren, in Siedlungen und in Straßenzügen des Reviers. Für die Menschen im Revier, aber auch für viele Auswärtige sind die Trinkhallen "typisch Ruhrgebiet".

 

Die Fotografen

Der in Ostwestfalen aufgewachsene und heute in Berlin lebende Fotograf Reinaldo Coddou H. hat zum ersten Tag der Trinkhallen im Ruhrgebiet 2016 die Büdchen im Revier in den Blick genommen und seitdem mehrere hundert Trinkhallen fotografiert. „Die Buden sind so vielfältig wie die Menschen im Revier. Das zeigt sich auch in ihrer Erscheinung. Ob elegant, grob gestaltet, herausgeputzt oder in die Jahre gekommen – für die Menschen im Ruhrgebiet sind Trinkhallen wichtige Treffpunkte und oft auch Orte der Leidenschaft“, weiß der Fotograf Reinaldo Coddou H.

Die Herner Fotografin Brigitte Kraemer hatte in den Jahren 2006 bis 2008 im Auftrag des LWL mit ihrer Kamera das Ruhrgebiet durchstreift und Kioske und Trinkhallen in den Focus genommen. Im Mittelpunkt ihrer Bilder stehen die Menschen in und an der Bude. Die Fotos zeigen Kinder, die ihr Taschengeld in Süßigkeiten umsetzen, Jugendliche, die den Kiosk als Treffpunkt nutzen, oder Frauen und Männern aus der Nachbarschaft, die an der Trinkhalle ihr Schwätzchen halten. Brigitte Kraemers Bilder sind gesellschaftskritische, sozial engagierte und humorvolle Studien des ganz gewöhnlichen Lebens.

Bitte beachten Sie: Die Ausstellung ist im Malakowturm der Zeche Hannover zu sehen. Der Zugang ist nicht barrierefrei. Außerdem ist die Anzahl der Besucher beschränkt, um die Abstandsregeln aufgrund der Corona-Pandemie einhalten zu können.

Mehr zur Ausstellung erfahren Sie in einem WDR-Hörfunk-Beitrag von Matthias Hennies.