Die Luftaufnahme zeigt die Abfalldeponie einer Aluminiumoxid-Raffinerie. Foto: J Henry Fair

13.07.-27.10.2019

Hidden Costs. Ewigkeitslasten

Fotografien von J Henry Fair

„Hidden Costs“ zeigt Luftaufnahmen aus aller Welt mit Schwerpunkten in den USA und Deutschland. J Henry Fair fotografiert weltweit jene Wunden, die das Industriezeitalter dem blauen Planeten geschlagen hat. Fairs ästhetische Fotografien ziehen auf den ersten Blick das Auge an. Beim zweiten Blick folgt der Verstand: Wollen wir so leben?


Verseuchte Gewässer, überformte Reviere, geplünderte Landschaften teils gigantischen Ausmaßes – aus 300 Metern Höhe aufgenommen sind die „versteckten Kosten“, die die Industrialisierung Welt, Mensch und Natur hinterlässt, offensichtlich. Henry Fair zeigt diese „Ewigkeitslasten“, an denen der Blaue Planet bereits heute schwer trägt, auf großformatigen Fotografien. Eine Auswahl von 45 Arbeiten ist in der Maschinenhalle und auf dem Außengelände der Zeche Hannover zu sehen.

Sisyphusarbeit

"Sisyphus"

Texas City, Texas, USA - 24/3/2006

Foto: J Henry Fair

Eine Planierraupe verteilt einen Vorrat an Petrolkoks, ein Kohlenstoff-Nebenprodukt des Ölraffinationsprozesses. Tatsächlich werden etwa 71 Prozent von der Industrie als Energieträger genutzt. Der kohlendioxid- und schwefelreiche Petrolkoks wird für die Herstellung von Zement, Kalk und anderen industriellen Produkten sowie in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen verbrannt. Als Kohlenstoff-Träger kommt Petrolkoks vor allem bei der Herstellung von Aluminium und Stahl zum Einsatz.

Im Interview spricht der Fotograf über sein Projekt


 

Ein Schwerpunkt der Ausstellung sind die Vereinigten Staaten und Kanada, wohl auch, weil der US-Amerikaner Fair in seiner Heimat, in der das Wort „Klimawandel“ auf dem Index der Regierung steht, eben auch einen Schwerpunkt des Problems erkennt. Aber auch in Europa, in Deutschland, an Rhein und Ruhr findet Fair seine Motive – und diese finden wir somit auch in der Ausstellung. Die Ausstellung wurde 2018/2019 in der Henrichshütte Hattingen gezeigt und wird nach der Präsentation in Bochum noch an weiteren Standorten des LWL-Industriemuseums zu sehen sein.

Die bewaldeten Berge, Täler und Bäche, die hier einst standen, sind unter dem Abraum des Bergbaus begraben. Foto: J Henry Fair

Anlass der Schau ist das Ende des Bergbaus im Ruhrgebiet 2018. Denn auch wenn der Bergbau endet, müssen weiterhin Pumpen permanent Wasser abführen, damit der Pott nicht „absäuft“. Die RAG hat diese „Ewigkeitsaufgabe“ 2007 in eine Stiftung ausgegliedert.

Henry Fair geht mit seinen Luftbildern diesen „Ewigkeitslasten“ nach und besucht dabei nicht nur das Ruhrgebiet. Der amerikanische Fotograf und Umweltaktivist gibt mit seinen Bildern tiefe Einblicke, zumeist aus dem Flugzeug in etwa 300 Metern Höhe aufgenommen. Die Arbeiten faszinieren zunächst in ihrer Abstraktion mit ihren prominenten Farben. Der zweite Blick und erste Gedanke lässt uns fragen: Das also ist das Schicksal unseres „Blauen Planeten“?

Ein gesalzener Wald

"To Salt a Forest"

Heringen, Deutschland - 2/10/2014

Foto: J Henry Fair

Dieser Berg aus Kali-Bergbauabraum ragt 200 Meter über die umliegenden Wälder und Bauernhöfe. 1973 wurde mit der Aufschüttung des „Monte Kali“ begonnen. 2016 lag das Gesamtgewicht des Berges aus 96% Kochsalz bei 200 Mio. Tonnen. Der nahe gelegene Fluss Werra ist so belastet, dass die meisten Tiere und Pflanzen, die auf Süßwasser angewiesen sind, hier nicht mehr überleben können.


Um Fragen wie diese in unsere Köpfe zu bekommen, fotografiert Fair weltweit und stellt auch weltweit aus. Tatsächlich zielt Fairs Arbeit auf uns ab, unser Bewusstsein, unsere Haltungen, unsere Handlungen. Denn, laut Fair, enthalten die Dinge, die wir kaufen, keine Informationen über die „hidden costs“ für die an ihrer Produktion beteiligten öffentlichen Güter: die verschmutzte Luft, das verschmutzte Wasser, die zerstörten Lebensräume oder die ausgebeuteten Arbeiter. Und dennoch werden wir den Preis zahlen, wenn wir nichts dagegen tun, angefangen in unserem persönlichen Handeln. Also doch die Glasflasche mit Mineralwasser aus der Bochumer Quelle statt der PET-Flasche aus Oberitalien?

Begleitprogramm

Führungen durch die Ausstellung am letzten Samstag im Monat (27.7., 31.8., 28.9., 26.10.). Beginn jeweils 15 Uhr, kostenfrei

Mi, 31.7. – Fr, 2.8. jeweils 10 – 13 Uhr
Three Days for Future. Upcycling mit Köpfchen. Kreative Ideen für Nachhaltigkeit und schicke Wiederverwertung. Workshop für Kinder ab 7 Jahren. Kosten: 15 Euro, Anmeldung erforderlich

Sa, 31.8. 15–16.30 Uhr
Die Zeche im Grünen. Wie sich die Natur ihren Platz zurückerobert. Naturführung für Familien. Kosten: 2,50 Euro

So, 1.9. 16–18 Uhr                                       
Die Industrienatur der Zeche Hannover. Familienführung rund um das Zechengelände in Kooperation mit der Biologischen Station Östliches Ruhrgebiet. Anmeldung unter Tel. 02323 55541 oder info@biostation-ruhr-ost.de. Kosten: 5 Euro / erm. 3 Euro

Do, 12.9. 18.30 Uhr
Die Emscher - der geopferte Fluss. Geschichte und Perspektiven. Vortrag und Diskussionsrunde mit dem Biologen Dr. Mario Sommerhäuser. Kostenfrei

Mo, 15.10. – Mi, 17.10. 10–13 Uhr
Three Days for Future. Upcycling mit Köpfchen. Kreative Ideen für Nachhaltigkeit und schicke Wiederverwertung. Workshop für Kinder ab 7 Jahren. Kosten: 15 Euro. Anmeldung erforderlich

Do, 24.10. 18.30 Uhr
Was nach der Zeche bleibt: Ewigkeitsaufgabe Wasserhaltung. Vortrag und Diskussion. Kostenfrei

Katalog
Hidden Costs. Ewigkeitslasten. Fotografien von J Henry Fair. Hg. LWL-Industriemuseum, Robert Laube. 120 reich bebilderte Seiten. Klartext Verlag, Essen 2018, ISBN 978-3-8375-2052-1. Preis: 19,95 Euro.