13.6.2009 bis 11.10.2009 - LWL-Industriemuseum Zeche Hannover

Eiskalte Leidenschaft

Italienische Eismacher im Ruhrgebiet

Die Geschichte des Ruhrgebiets ist eine Geschichte von Wanderungsbewegungen. Mit der Industrialisierung kamen Menschen der unterschiedlichsten Herkunftsländer in die Region. Heute gehört hier für jeden Vierten Migration zur eigenen Geschichte oder zur Erfahrung der Elterngeneration. Die Italiener bilden dabei die zweitgrößte Gruppe von Zuwanderern im Revier. Die italienschen Eismacher nehmen unter diesen eine Sonderstellung ein: als Handwerker und Unternehmer mit langer Tradition genießen sie in Deutschland ein hohes Ansehen und Sozialprestige. Seit den Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders sind italienische Eisdielen in den Städten des Ruhrgebiets besonders präsent.

Aus ihrer langen Tradition der Saisonarbeit heraus haben die italienischen Gelatieri in Deutschland und anderen Regionen Europas zudem eine einzigartige Form der saisonalen Pendelmigration entwickelt.

In acht Abteilungen mit insgesamt über 150 Exponaten beleuchtet die Ausstellung die Geschichte der Eismacher und Eismacherinnen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Handwerks- zeug der Eismacher, eine originale Eisdiele von 1960, persönliche Erinnerungsstücke und eine Fotoinstallation geben den Besuchern der Ausstellung einen lebendigen Einblick in das Leben der Gelatieri und ihrer Familien.

Konzept

Das Konzept zur Ausstellung entwickelte sich aus einem Impuls der italienischen Community im Ruhrgebiet, die anregte die lange Tradition der italienischen Migration ins Ruhrgebiet und die Erfolge der italienischen Speiseeishersteller als Handwerker und Kleinunternehmer darzustellen.

In Zusammenarbeit mit Verbänden, Vereinen, Familien und Zeitzeugen entstand die Ausstellung. Sie zeigte den Beginn der Auswanderung aus den Tälern der Dolomiten nach Österreich und Deutschland in den 1890er Jahren, die Ankunft der ersten italienischen Eismacher im Ruhrgebiet um 1900 sowie die Geschichte der mobilen Eisverkäufer und der ersten Eissalons in den 1930er Jahren.

Weitere Abteilungen zeigten den Rückzug der Italiener aus Deutschland im Laufe des Zweiten Weltkriegs, den Boom der italienischen Eisdielen in den 1950er Jahren sowie Stagnation und Professionalisierung in der Gegenwart. Eine eigene Abteilung war dem Phänomen der saisonalen Pendelmigration und den Auswirkungen auf Familie, Bildung und Alltag gewidmet.

In der Ausstellung kamen Zuwanderer und Eingesessene in Hörstationen mit ihrer eigenen Stimme zu Wort. Ihre Erinnerungen wurden in der Ausstellung gegenüber gestellt und in den allgemeinen historischen Kontext gesetzt.

Ausstellungsbereiche

In acht Abteilungen mit insgesamt über 150 Exponaten beleuchtet die Ausstellung "Eiskalte Leidenschaft" die Geschichte der Eismacherinnen und Eismacher von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute.

Das Zoldo-Tal: die Heimat der Gelatieri, um 1900 Foto: privat

Vom Eisen zum Eis - Die Heimat der Gelatieri

Der Ursprung der italienischen Eismacher liegt in den zwei kleinen Tälern Zoldo und Cadore in den Dolomiten. Seit über einhundert Jahren macht sich ein Großteil der Bewohner im Frühjahr auf den Weg in den Norden, um in Deutschland, den Niederlanden, Österreich oder anderen europäischen Staaten als Eismacher zu arbeiten.
Die Saisonarbeit hat in den Dolomiten eine lange Tradition. Jahrzehnte bevor die ersten Eismacher Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Eiskarren in den Norden zogen, verkauften die Männer der Region in den Wintermonaten Maronen oder heiße Birnen in den umliegende Städten Norditaliens. In den Sommermonaten arbeiteten sie in der Landwirtschaft, der Holz- oder der Eisenverarbeitung.

Während das Cadore -Tal für die Herstellung von Brillengestellen berühmt war, wurden in Zoldo Schlösser und vor allem Nägel in allen Größen hergestellt.

Ende des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Täler dramatisch. Unwetter zerstörten die Holzsägewerke und der Absatzmarkt für Nägel brach ein. Die Bewohner der Täler entschlossen sich nun vermehrt zur Auswanderung. Viele gingen nach Lateinamerika oder zogen in die USA. Andere arbeiteten nur in den Sommermonaten in den verschiedenen Ländern Europas und kehrten im Winter nach Hause zurück.

Eiskarren-Verkauf, um 1900 Foto: Alberto Piva

Von Karren und Cafés - Die Anfänge der italienischen Eismacher in Europa

Die Täler Zoldo und Cadore gehörten bis 1866 zum Königreich Lombardo-Venetien und damit in den Einflussbereich der Habsburger Monarchie. Entsprechend zogen die ersten Eismacher Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst in die Regionen der Donau-Monarchie, nach Österreich und Ungarn.
Von dort aus breiteten sich die italienischen Eismacher im 19. Jahrhundert immer weiter in den Norden und Osten Europas aus. Schon um die Jahrhundertwende zogen die ersten Eiskarren durch die Straßen des Ruhrgebiets, denn die rasant wachsende Industrieregion bot einen interessanten Absatzmarkt für das Speiseeis. Bei den Ordnungsbehörden stießen die fahrenden Händler hingegen vielfach auf Skepsis.

Ende des 19. Jahrhundert wurde der Eisverkauf aus Karren in Wien sogar für einige Jahre verboten, um die österreichischen Eiskonditoren mit ihren Ladengeschäften vor der mobilen Konkurrenz zu schützen. Und auch im Ruhrgebiet wurde das Eiskarrengeschäft mit strengen Vorschriften belegt.
Die Familien der Eismacher blieben in dieser Zeit in der Regel in Italien zurück, während die Männer von Juni bis September in den Norden zogen. Die Wintermonate verbrachten die Männer als Handwerker und Arbeiter in den Betrieben der heimischen Dörfer in Italien oder als Wanderarbeiter im italienischen Umland.

Blick in die Ausstellung

Eiszubereitung und Kühltechnik um 1900

Zur Zeit der Jahrhundertwende war die Zubereitung von Speiseeis eine aufwändige und mühsame Arbeit. Zur Herstellung der Eisspezialitäten wurde von vielen Eismachern eine Eismaschine mit Kurbelantrieb verwendet. Der untere Teil der Maschine bestand aus einem Holzbottich mit einem Innengefäß aus Metall, dass durch den Kurbelantrieb der Maschine rotierte. Der Zwischenraum zwischen Bottich und Metallgefäß wurde zur Kühlung mit zerstoßenem Eis gefüllt.
Mit einer solchen Eismaschine konnten je nach Größe rund bis zu zwanzig Liter Speiseeis hergestellt werden. Zum Betrieb waren zwei Personen nötig: Während eine den Kurbelantrieb betätigte, strich die zweite die Masse aus Milch, Ei und Zucker gegen die kalten Wände des Bottichs, die innerhalb von gut zwanzig Minuten gefror.

Zur Kühlung wurde bis in die 1950er Jahre industriell gefertigtes Stangeneis verwendet. Die Eismacher mussten die großen Eisstangen zerkleinern und in die Kühlbehälter füllen. Das zerstoßene Eis wurde zusätzlich mit Salz vermengt, um die Temperatur weiter zu senken.
                   
Die konstante Kühlung des Speiseeises war eine Herausforderung. Insbesondere in den Sommermonaten kam es immer wieder zu Salmonellen-Erkrankungen durch unzureichend gekühltes Speiseeis. Verschiedene Städte des Ruhrgebiets erließen in den 1910ern daher erste Vorschriften, die unter anderem den Verkauf der Waren an Kinder unter 16 Jahren verboten. Einheitliche Verordnungen, zur Sicherung der Hygienestandards wurden erst in den 1930ern erlassen.

Eiscafé Majer, um 1930 Foto: Mariateresa Majer

Aufstieg und Niedergang – Italienische Eisdielen in den 1930er und 1940er Jahren

Nachdem Ende der 1920er Jahre in vielen deutschen Städten die ersten italienische Eisdielen eröffnet hatten, etablierten sich in den 1930er Jahren mehr und mehr Eisdielen im Ruhrgebiet. Getrieben von der wirtschaftlichen Not in den Heimattälern und der Hoffnung auf gute Geschäfte in Deutschland, entschlossen sich viele Familien zur Saisonwanderung. Die politische Nähe zwischen den faschistischen Regimes in Italien und Deutschland begünstigte die Zuwanderung.

Bis zum Ersten Weltkrieg waren meist nur die Männer in den Norden gezogen. Da sich der Verkauf des Eises nun zunehmend vom Straßengeschäft in feste Eisdielen verlagerte, folgten die Frauen nun verstärkt ihren Männern. Sie halfen bei der Bewirtschaftung und Bedienung in den Eisdielen. Die Kinder blieben in der Regel bei den Großeltern in Italien.

Das Jahr 1943 beendete die Hochphase der italienischen Eismacher in Deutschland. Nach dem Sturz Mussolinis zerbrach die deutsch-italienische Koalition. Aus Freunden wurden Feinde. Viele Gelatieri verkauften ihre Eisdielen und zogen nach Italien zurück. In der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende lagerten andere das Inventar ihrer Geschäfte bei Bekannten ein, um nach dem Krieg schnell einen Neuanfang beginnen zu können. Während der Bombenangriffe auf das Ruhrgebiet wurden in den letzten Kriegsjahren auch zahlreiche Eisdielen zerstört.

Eisdiele der Familie Piva, 1940er Jahre Foto: Alberto Piva

Schwierige Anfänge – die ersten Eismacher nach dem Krieg

Bereits wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten die italienischen Eismacher nach Deutschland zurück und nahmen in den weitgehend zerstörten Städten des Ruhrgebiets ihr Handwerk wieder auf. Die ersten Eisdielen entstanden in provisorischen Baracken. Aufgrund der Lebensmittelknappheit hatten viele Eisdielen zunächst nur wenige Stunden am Tag geöffnet und schlossen, sobald das letzte Eis verkauft war.
Schon Mitte der 1950er Jahre setzte ein großer Eisdielen-Boom ein. Er machte das Eisgeschäft auch für Italiener aus Mittel- und Süditalien interessant. Mit der Anwerbung von italienischen Arbeitern durch die deutsche Regierung kamen ab 1955 rund zwei Millionen Italiener aus allen Regionen des Landes nach Deutschland.

Viele von ihnen arbeiteten zunächst in den Zechen und Industriebetrieben des Ruhrgebiets. Einigen von ihnen gelang es, in das Eismacherhandwerk zu wechseln. Im Gegensatz zu den traditionellen Eismachern aus Zoldo und Cadore pflegten diese neuen Eismacher oft nicht die Tradition der Saisonarbeit, sondern hatten ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland.
 
Das Zusammenleben zwischen Einheimischen und italienischen Zuwanderern war nicht immer einfach. Viele Italiener verfügten kaum über deutsche Sprachkenntnisse. Die langen Arbeitstage und Wochenendarbeit boten kaum Gelegenheiten für Begegnungen außerhalb der Eisdielen. Vorurteile der Deutschen gegenüber den neuen italienischen „Gastarbeitern“ erschwerten zudem das Miteinander jenseits der vermeintlich heilen Welt der Eiscafes.

Eiscafé der Familie Peddio, Bochum 1960er Jahre Foto: Giovanna Peddio

Mythos Eisdiele – Italienische Eiscafés in den 1950ern und 1960ern

Die 1950er und 1960er Jahre entwickelten sich zur Hochphase der italienischen Eisdielen in Deutschland. Wiederaufbau und Wirtschaftswunder kurbelten die Nachfrage an. Viele Eisdielen wurden mit modernster Ausstattung neu eröffnet. Allein in Dortmund gab es Mitte der 1960er Jahre über dreißig italienische Eisdielen. Mit der Verbindung von italienischem Flair und modernem Design entsprachen sie dem Zeitgeist und wurden vor allem bei Jugendlichen zu gesuchten Treffpunkten. In Schlagern und Filmen dieser Zeit war Italien ein beliebtes Thema und der erste Auslandsurlaub führte für viele Deutsche nach Italien. Die italienischen Eisdielen brachten den Urlaub vor die eigene Haustür.

Bei der Eisherstellung, 1960er Jahre Foto: Dario Olivier

Gekocht und gekühlt – Die Herstellung des Speiseeises

Eis wird gekocht. So lautet zumindest der Sprachgebrauch der Eismacher. Tatsächlich werden die Grundzutaten des Speiseeises - Eier, Zucker und Milch – vermischt und zunächst auf 85 Grad erhitzt, bevor die Gelatieri sie dann auf Gefriertemperatur herunterkühlen. Zusätzlich werden entsprechend der gewünschten Geschmacksrichtung, Fruchtsäfte, Gewürzmittel oder Geschmacksstoffe in die Eismasse gemischt.

 

Trotz mancherlei Erleichterung blieb die Eisherstellung auch nach der Einführung elektrisch betriebener Eismaschinen in den 1950er Jahren eine anstrengende Tätigkeit. Das Schleppen der schweren Zuckersäcke, Aufschlagen der Eier mit dem großen Schneebesen, vor allem aber das Herausholen der fertigen Eismasse aus dem Bottich war sehr beschwerlich. Erst in den 1970er Jahren brachten elektrische Mixer weitere Erleichterungen.

Bis in die 1950er Jahren boten die meisten Eisdielen in Deutschland nur bis zu fünf verschiedenen Sorten an: Vanille, Erdbeere, Schokolade, Zitrone und Mokka. Ein Jahrzehnt später vervielfachte sich das Angebot. Dabei richteten sich die italienischen Eismacher den Bedürfnissen ihrer deutschen Kundschaft an. Während in Italien vor allem Fruchteis beliebt war, boten die Eisdielen in Deutschland verstärkt das dort beliebte Milchspeiseeis an. Heute haben viele Eisdielen über 30 verschiedene Geschmacksrichtungen in ihrem Sortiment, darunter so ausgefallen Sorten wie Haferflockeneis oder spezielle Eissorten für Diabetiker.

Eisdiele Claudio, Bochum 1960er Jahre Foto: Giovanna Peddio

Familienbetrieb Eisdiele

Wenn der Vater mit dem Sohne - Familienbetrieb Eisdiele

In der Eisdiele trug die ganze Familie zum reibungslosen Geschäftsablauf bei. Bis weit in die 1970er waren die Rollen klar verteilt. Die Männer waren für die Eisproduktion und den Verkauf hinter der Theke zuständig. Zudem vertraten sie das Geschäft nach außen und waren als Geschäftsführer eingetragen. Die Frauen übernahmen in den Eis-Salons die Bedienung der Kunden am Platz, die Verwaltung der Gelder und die Betreuung des Personals. Sobald die Kinder die Schule in Italien abgeschlossen hatten, kamen sie ebenfalls nach Deutschland, um in den Familienbetrieb einzusteigen.

In den 1950er Jahren war das Eismacherhandwerk noch fast ausnahmslos eine Männerdomäne. Das hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Heute wird jede siebte Eisdiele in Deutschland von einer Frau betrieben.

Schule in Italien - Ferien in Deutschland

In den Anfängen gingen die jungen Männer allein ins Ausland. Ihre Frauen blieben mit den Kindern in Italien zurück. Seit den 1950er Jahren war es üblich, dass die Ehefrauen ebenfalls mit nach Norden reisten. Dies stellte die Familien vor besondere Herausforderungen.

Während die Eltern die Sommermonate in Deutschland verbrachte, blieben die Kinder bei den Großeltern in Italien oder besuchten ein Internat. In den Sommerferien reisten viele Kinder zu den Eltern nach Deutschland. Der Kontrast zwischen Italien und Deutschland war groß. Nicht nur Sprache und Gebräuche waren andere, auch der Gegensatz zwischen den kleinen Bergdörfern und den Großstädten des Ruhrgebiets beeindruckte die Kinder.

Kontakt per Brief und Telefon

In den Monaten der Trennung blieben die Familien per Brief und Telefon in Kontakt. Schriftlich wurde von Todesfällen, Geburten und Hochzeiten berichtet und vor allem vom Alltag in Deutschland und Italien erzählt.
Bis in die 1970er Jahre gab es bei weitem nicht in allen Haushalten in den Dolomiten einen Telefonanschluss. Telefoniert wurde in der Post oder in den Gastwirtschaften der Dörfer. Besonders den Kindern fiel die lange Trennung von den Eltern schwer. Nur im Winter war die Familie vereint.

Pelz statt Pistazieneis - Eismacher im Winter

Sobald die Tage kürzer wurden, schlossen die Gelatieri ihre Eisdielen und kehrten für die Wintermonate in die Dolomiten zurück. Ein wichtiger Treffpunkt für die Eismacher war die Fachmesse in Longarone am Fuße des Zoldo-Tals. Hier tauschten sie Informationen über die Marktlage aus und stellten neue Eiskreationen vor.

In den Bergdörfern herrschte reges Treiben. Die Eismacher aus aller Welt waren für einige Monate in ihrer Heimat mit ihren Familien vereint. Sie genossen das gemeinsame Leben und zeigten stolz den errungenen Wohlstand. Die Ferien im Heimatdorf brachte vielen die notwendige Ruhepause vor der nächsten anstrengenden Saison in der Eisdiele.

Eisdielen im Ruhrgebiet heute

Heute finden sich in jeder Stadt des Ruhrgebiets italienische Eisdielen. Mit originalem italienischen Eis, ausgesuchter Ausstattung und italienischem Personal versprechen viele von ihnen hochwertige Eisspezialitäten und ein besonderes italienisches Flair und Lebensgefühl. Bei ihren Kunden genießen die italienischen Eismacher hohes Ansehen, und die Eisdielen haben sich als Wirtschaftsfaktor im Geschäftsleben der Städte etabliert.
Das Eismachergeschäft befindet sich jedoch gegenwärtig im Wandel. Einige Familien halten an der traditionellen Lebensweise fest. Sie schließen die Eisdiele in den Wintermonaten, pendeln zwischen Deutschland und Italien und schicken ihre Kinder in Italien zur Schulen. Andere gehen jedoch dazu über, den Mittelpunkt des Lebens nach Deutschland zu verlagern. Sie halten ihr Geschäft aus wirtschaftlichen Gründen auch in den Wintermonaten geöffnet.

Viele alt eingesessene Eismacherbetriebe haben Nachwuchsprobleme. Die Kinder der Eismacher wollen vielfach die aufreibende und beschwerliche Saisonarbeit in Deutschland nicht auf sich nehmen. Sie streben hoch qualifizierte Berufe an und finden ansprechende Tätigkeiten in Italien. Mittlerweile werden etliche „italienische Eisdielen“ nicht mehr von traditionsreichen Eismachern aus dem Zoldo- oder Cadore-Tal betrieben, sondern von Deutschen oder Zuwanderern aus anderen Regionen Europas.

Begleitprogramm

Das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover und die Agentur fare event & promotion haben eine umfangreiche Veranstaltungsreihe rund um die italienischen Eismacher im Ruhrgebiet zusammengestellt:

Sa, 13. Juni, 19 Uhr
Eröffnung der Ausstellung und Auftakt der Veranstaltungsreihe
 
So, 14. Juni, 12 – 14 Uhr
WDR-Tag „Woher? Wohin...? Geschichte und Geschichten um das italienische Speiseeis.“ Livesendung des Funkhaus Europa mit umfangreichem Begleitprogramm.
 
So, 14. Juni, 18 – 21 Uhr
Kulturabend „Speiseeis: Die wahre Geschichte eines Mythos“
Lesung der Historikerin Luciana Polliotti, der Schauspielerin Ines Burkhardt und der Kabarettistin Luciana Caglioti.
Veranstalter: fare event& promotion, WDR-Funkhaus Europa, StLB Dortmund.
Ort: Stadt- und Landesbibliothek, Königswall 18, 44137 Dortmund

Historischer Eiskarren, um 1900. Foto: LWL

Sa, 27. Juni, 18 – 2 Uhr
Extraschicht – Nacht der Industriekultur
Deutsch-italienische Begegnung mit dem Comedian Heinrich del Core und deutsche Italienschlager mit dem Duo Claudia Schill und Helmut Sanftenschneider.
Eintritt nur mit Extraschicht-Ticket
 
So, 28. Juni, 14 – 18 Uhr
Familientag „Pinocchio e la stracciatella“
Schüler und Schülerinnen der Annette-von-Droste-Hülshoff- Schule und der Weilenbrink Schule in Bochum zeigen mit Musik, Tanz und Spiel, wie Pinocchio zur Zeche Hannover kam.
 
So, 12. Juli, 16 Uhr
Geschichts-Tour „Von Karren und Cafés“
Ein historischer Rundgang durch die Sonderausstellung

Eisbecher, Foto: LWL

So, 26. Juli, 20 Uhr
Filmabend und Vortrag „Die Enkel der Gelatieri“
Die WDR-Dokumentation von Monika Siegfried-Hagenow und ein Vortrag der Historikerin Anne Overbeck beleuchten die Geschichte und Gegenwart der italienischen Eismacherfamilien.
 
So, 16. August, 16 Uhr
Geschichts-Tour „Von Karren und Cafés“
Ein historischer Rundgang durch die Sonderausstellung
 
So, 23. August, 16 Uhr
Eiskalte Leidenschaft – zur Darstellung von italienischem Eis in den Medien
Präsentation von Studierenden des Instituts für Volkskunde der Universität Bonn

Eissortenschildchen, Bochum Wattenscheid, Aduo Vio, Foto: LWL

Sa, 05. September, 17 Uhr
Italienischer Filmabend „Hexen von heute“
Kunstvoller Episodenfilm mit dem italienischen Leinwand-Star Silvana Mangano in fünf starken Frauenrollen.
In Kooperation mit der Filminitiative Herdecke e.V.
Ort: Kino ONIKON, Goethestraße 14, 58313 Herdecke
 
So, 06. September, 11:15 Uhr
Italienische Filmmatinee „Cinema Paradiso“
Eine Hommage an das italienische Kino und seine Filmvorführer.
In Kooperation mit der Filminitiative Herdecke e.V.
Ort: Kino ONIKON, Goethestraße 14, 58313 Herdecke

Do, 10. September, 13 – 18 Uhr
Tagung „Eis verbindet? Handwerk und Industrie im Dialog“
Zur Situation und Perspektive des Eismachergewerbes in Deutschland
Veranstalter: fare event & promotion, Mercurio, IHK Dortmund
Ort: IHK Dortmund, Märkische Straße 120, 44141 Dortmund
 
So, 11. Oktober, 16 Uhr
Finissage der Ausstellung und Abschluss der Veranstaltungsreihe

Waffeleisen zur Eishörnchenproduktion, 1960er Jahre, Foto: LWL

Literatur

Katalog zur Ausstellung
Osses, Dietmar und Anne Overbeck (Hrsg.): Eiskalte Leidenschaft. Italienische Eismacher im Ruhrgebiet, LWL- Industriemuseum, Klartext Verlag Essen 2009
ISBN 978-3837500912

Informationen und Kontakt

AnsprechpartnerIn:
Dietmar Osses
Kurator und Museumsleiter
dietmar.osses@lwl.org

Anne Overbeck
Kuratorin
anne.overbeck@dingedurchdenken.de

www.zeche-hannover.de