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22.07.2016 – 02.07.2017 - Museum Europäischer Kulturen Berlin

daHEIM

Einsichten in flüchtige Leben

Bezugnehmend auf die aktuelle Situation von Zuwanderer*innen durch Flucht in Deutschland und Europa entstand in Zusammenarbeit mit der Künstlerin barbara caveng, der Initiative KUNSTASYL und Bewohnern des Wohnheims für Asylsuchende in der Staakener Straße in Berlin-Spandau ein gemeinsames Ausstellungsprojekt: „daHEIM: Einsichten in flüchtige Leben“ zeigt mit Mitteln der Kunst und Methoden der Kulturanthropologie in einem experimentellen und werkstattartigen Prozess Erfahrungen, Wünsche, Lebensperspektiven und Wohnwelten von Menschen, die fliehen mussten.  Historisch eingebettet wird das aktuelle Thema mit Beispielen von Geflüchteten in, nach und aus Europa im 19. und 20. Jahrhundert.

Konzept, Idee und Umsetzung

Die Präsentation 'daHEIM: Einsichten in flüchtige Leben' nimmt Bezug auf die aktuelle Situation von Zuwanderer*innen durch Flucht in Deutschland und Europa, historisch eingebettet mit Beispielen von Migrant*innen in, nach und aus Europa im 19. und 20. Jahrhundert.

Bewohner*innen des Wohnheims für Asylsuchende in der Staakener Straße, Berlin-Spandau, und KUNSTASYL, eine Initiative von Künstler*innen, Kreativen und Asylsuchenden, übernahmen im März 2016 die Ausstellungsräume. Das Projekt wurde in einem werkstattartigen Prozess realisiert, den die Besucher*innen vor Ort verfolgen und mit den Akteur*innen diskutieren konnten.

Präsentationen wie diese, die aktuelle gesellschaftliche Prozesse begleiten und reflektieren, lassen sich in der Museumswelt nur mit sog. partizipativen Methoden realisieren. Dabei geht es um die Teilhabe von Nicht-Professionellen oder Amateur*innen in allen Bereichen der öffentlichen wie internen Museumsarbeit: Individuen als Besucher*innen, als Mitglieder von Interessengruppen, Vereinen oder Organisationen. Letztliches Ziel ist die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten zur Bestimmung ihres kulturellen Erbes. Diese Form der „sozialen Inklusion“ im Museum ist nur durch Partizipation zu erreichen: Sie stellt das Mittel dar, das den Involvierten Zugänglichkeit zu allen Museumsbelangen ermöglicht, so dass diese sich am Ende im Museum ernst genommen und repräsentiert fühlen. Mit 'daHEIM' ist das Museum Europäischer Kulturen in seiner partizipativen Ausrichtung noch einen Schritt weiter gegangen. Kann man eigentlich noch von einer Ausstellung im herkömmlichen Sinne sprechen?

Nein – am Anfang standen 550 qm Fläche zur Disposition. Verhandelt wird ein Raum. Durch diesen Raum geht eine Welle. Sie ist Meer und Tränen. Ihr Wasser ist salzig und nagt am Konstrukt der Kultur. Die Bewegungen der Welle werden erzeugt von denen, die uns in unseren Vorstellungen vom Menschsein erschüttern und gegen die wir uns nicht nur an den europäischen Außengrenzen verbarrikadieren, sondern gegen die wir auch unsere Sprachfähigkeit zur Verteidigung unserer Territorien einsetzen. Indem wir sie „Flüchtlinge“ nennen und nicht von „Menschen“ sprechen, vollziehen wir ihre soziale Ausgrenzung. Durch sie, die den Gefahren des Meeres knapp entronnen sind, sehen wir uns gefährdet und schreiben ihnen, kaum dass sie das Ufer erreicht haben, genau jene Erscheinungen zu, mit denen das Meer - „das gefahrvollste und gewaltigste Element“ (G.W.F. Hegel) - das Leben des Menschen bedroht: Die Welle wird zur „Flüchtlingswelle“ und tritt als „Flüchtlingsstrom“ über nationale Grenzen. Nicht einmal die verunglimpfende Wortverbindung „Flüchtlings-Tsunami“ unterliegt einer Ächtung.

Inmitten dieser Grenzziehungen überlässt das Museum Europäischer Kulturen nunmehr Raum und ermächtigt zur Handlung. Dies ist mehr als Geste zur Teilhabe, es ist ein radikaler Akt. Ein Museumsraum wird zum performativen Ort von Geschehen und Verwandlung. Differenz wird nicht aufgehoben, sie darf sein. Im Museum zeigt sich Europa souverän.

© Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Ute Franz-Scarciglia
“ © Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Ute Franz-Scarciglia

Aufbau der Ausstellung

Am 4. März 2016 hatten Menschen den Sonderausstellungsraum des Museums Europäischer Kulturen übernommen. Sie stammten aus Albanien, Afghanistan, Bosnien, Irak, Kosovo, Pakistan und Syrien. Gemeinsam war ihnen, dass sie aus ihren Ländern fliehen mussten – aus welchen Gründen auch immer.

Auf den Wänden des Ausstellungsraumes zeichneten sie ihre Erinnerungen an die verlassene Heimat, an die Flucht, an das Meer, an ertrinkende Menschen. Installationen von ausgemusterten Bettgestellen aus Not- und Gemeinschaftsunterkünften erinnern an Zelte aus Lagern, an Boote oder an das verlorene daHEIM. Individuen erzählen damit ihre persönliche Geschichte und drücken ihre Gefühle aus. Mit biografischen Beispielen von Menschen, die in den letzten beiden Jahrhunderten in, nach und aus Europa migriert sind, werden die aktuellen Schicksale verglichen. Biografien aus jenen Zeiten zeigen, dass es Zuwanderung durch Flucht immer gegeben hat – dass Menschen weggehen, fliehen, ankommen, bleiben, ihr Leben bewältigen. Und Träume haben. Diese sind auch auf den Etiketten zu lesen, die an Pflanzen im Museumsgarten hängen, gemeinsam gesetzt von Zuwander*innen, Museumsmitarbeiter*innen und Besucher*innen.

Begleitprogramm

Jeden 2. und 4. Samstag im Monat, 14:30 Uhr

Tandemführung für Jugendliche und Erwachsene, in Deutsch und Englisch

Was bedeutet daHEIM für Menschen, die fast alles verloren haben außer dem Leben selbst? Diwali Haskan, Iman Ganem, Jasim Gull oder Said Sabbagh gewähren Ihnen im Tandem mit einer/m Kulturvermittler_in „Einsichten in flüchtige Leben.“ Lassen Sie sich ein auf ihre Geschichten und spüren sie dem Ausdruck gegenwärtiger Erinnerungen sowie historisch biografischer Erfahrungen nach.

 

ASYLUM // Call me by my name

19.01.2017, 19:00 Uhr

Lesung | Performance

Dachil, Jasim, Atef, Kumrije, Said und Berket sind einige der Protagonisten der Ausstellung daHEIM: Einsichten in flüchtige Leben. Sie kommen aus Irak, Afghanistan, Syrien, Kosovo und Eritrea und haben in Deutschland Asyl beantragt. Ihre Verfahren wurden unterschiedlich entschieden: Dachil, Berket und Said wurde Asyl nach den Richtlinien der Genfer Konvention gewährt, Atef erhielt subsidiären Schutz, Jasim ist geduldet und Kumrijes Antrag wurde als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt. Was steht hinter solchen Entscheidungen? Auf welcher rechtlichen und politischen Grundlage werden sie getroffen? Welche Konsequenzen sind für die Einzelnen damit verbunden?

Eine Performance-Lesung mit Auszügen aus den Anhörungen von Asylsuchenden und die Deutung der Asylparagraphen und -begriffe durch Amnesty Deutschland schaffen ein Gegenüber von persönlichen Geschichten und rechtlichen Grundlagen. Eine Veranstaltung des Museums Europäischer Kulturen und KUNSTASYL, einer Initiative von Künstler*innen, Kreativen und Asylsuchenden gemeinsam mit Amnesty Deutschland.

 

Weitere Veranstaltungen finden Sie hier.

Informationen und Kontakt

Ansprechpartner (während der Ausstellung/dauerhaft):

Prof. Dr. Elisabeth Tietmeyer, Direktorin

mek@smb.spk-berlin.de

Link zur Ausstellungshomepage

 

Museum Europäischer Kulturen

Arnimallee 25

14195 Berlin

Homepage des Museums