30.10.2011 bis Dezember 2013 - Aachen Volkhochschule und andere Orte

Bewegung

Migration in Aachen seit 1945

Aachen – eine Stadt auf dem Weg in die Einwanderungsgesellschaft. Die Ausstellung präsentiert das Thema auf drei Ebenen: 1. Ausgangslage – Alltag in Aachen (Leben, Wohnen, Arbeiten und Freizeit) 2. Chronologie der Zuwanderung in vier Phasen, parallele Darstellung der bundesrepublikanischen und Aachener Entwicklung (Nachkriegszeit und Wiederaufbau; „Gastarbeiter-Anwerbung“ und Wirtschaftswunder; Verschleppte Integration und neue Zuwanderung; Mit dem neuen Zuwanderungsgesetz in die Einwanderungsgesellschaft?). 3. Schlaglichter (Vertiefung von ca. 8, mit exemplarischen Biografien, die u.a. die Besonderheiten der Stadt Aachen mit Grenzlage und Hochschule aufgreifen). Ergänzend werden 3 Zeiträume (z.B. Frühindustrialisierung und Zuzug belgischer Fachkräfte) beschrieben, um den Zeitraum nach 1945 in ein historisches Kontinuum zu stellen.

Ausstellung

Die Ausstellung befasst sich mit den verschiedenen Aspekten von Zu- und Einwanderung, Integrationsbestrebungen, gelungener Eingliederung ebenso wie Ausländerfeindlichkeit, Ressentiments und vermeintlicher Chancengleichheit.
Sie ist als reine Bild-Textausstellung an verschiedenen Standorten zu sehen. Als erste Station wurde die Nadelfabrik Aachen (ehemals Haus der Identität und Integration) ausgewählt, welche aufgrund ihres Leitgedankens, eine ethnische Identität der Menschen in Aachen-Ost durch verschiedene Programme zu stärken, als Standort besonders geeignet ist.
Zwei Schwerpunkte zeichnen die Wanderausstellung aus: Zum einen wird die Vielfalt der 15 unterschiedlichen Themen, die in die vier übergeordneten Bereiche Leben, Politik, Arbeit und Chancen gegliedert sind, anhand von so genannten Schlaglicht-Säulen verdeutlicht. Zum anderen bilden Biografien ausgewählter Personen auf Rautenwänden den Rahmen der Ausstellung- der Mensch flankiert die Fakten, ist Teil der Geschichte(n), nimmt Bezug auf das Geschehene und regt durch seine Aussagen immer wieder zur Auseinandersetzung mit dem Thema Migration an.
Vielfach scheint Geschichte in der Rückschau, aus der Distanz betrachtet, homogen zu sein. Kategorisiert, chronologisiert und eingeteilt stellt sich ein zeitlicher Abschnitt vermeintlich als Ganzes dar. Bei näherer Betrachtung jedoch ergeben sich unterschiedliche Perspektiven, bestehend aus vielen Einzelteilen und Einzelthemen. Migration im Besonderen ist kein homogenes Thema. Migration hat »Ecken und Kanten«, reibt sich, erzeugt Spannungen und wird emotional diskutiert. Auf der anderen Seite werden in der Historiographie gesellschaftliche Entwicklungen in ihren zeitlichen Kontext eingeordnet. Derzeit zeichnet sich eine Geschichtsdarstellung weniger durch ihre nationale Fixierung sondern durch den Einbezug multikultureller, globaler Perspektiven und einer transnationalen Erinnerungskultur aus.
Diesen Kontrast, einerseits eine Multiperspektivität, die vielen Einzelthemen, welche noch zudem aktuelle gesellschaftliche Spannungen aufgreifen, zu zeigen und dabei gleichzeitig die Gemeinsamkeit als Stück Stadtgeschichte im historischen Kontext abzubilden, galt es gestalterisch umzusetzen.

Konzept

Vier Leitfragen strukturieren die Ausstellung:

1. Deutschland ist heute ein modernes Migrationsland – Wanderung ist eine Grundkonstante menschlicher Existenz. Wie haben sich die Phänomene Zuwanderung, Abwanderung und Integration in Aachen niedergeschlagen? Was sind die für Aachen spezifischen Ausprägungen des Migrationsregimes in der Bundesrepublik?

2. Migration ist ein nicht wegzudenkender Teil der Aachener Gesellschafts- und Stadtgeschichte. Welches Bild haben die Bürger Aachens – gleich welcher Herkunft – von der Geschichte der Zuwanderung und wie sahen/sieht die Realitäten aus? Wie hat sich Migrationsgeschichte in Aachen abgespielt?

3. Die Geschichte von Migration ist eine Geschichte von Menschen. Wie prägten und prägen zugezogene Aachener das Stadtbild? Wie veränderte sich Aachen und wie veränderte Aachen das Leben der Menschen, die zugezogen sind?

4. Migrantinnen und Migranten sind Teil und Akteure der Stadtgeschichte. Ohne ihren Anteil an der städtischen Entwicklung wäre Aachen heute ärmer, rückständiger und weniger weit entwickelt, weniger weltoffen und pluralistisch. Wo liegt der Verdienst der Migrantinnen und Migranten für die städtische Entwicklung und anhand welcher Beispiele kann dieser konkret sichtbar gemacht werden?

Migrationsprozesse und ihre gesellschaftlichen Folgen sind in den Medien oft negativ besetzt. Rückschläge, Versäumnisse und Gefahren werden betont. Die Ausstellung will, ohne die negativen Facetten – wie Integrationsprobleme, Gettoisierung, rassistische Kriminalität usw. – auszublenden, deutlich machen, dass Migrationsgeschichte eine säkulare Alltagserfahrung mit vielen positiven Zügen und nicht nur ein wichtiger Teil unserer Vergangenheit, sondern auch unserer Zukunft ist.
Entsprechend dieser Zielrichtung liegt der thematisch-geographische Fokus auf der Stadt Aachen als Lebens- und Erfahrungsraum der Zielgruppe. Der Blick für die im Alltag anzutreffenden gesellschaftlichen Folgen von Migration soll geschärft werden, indem die Besucher etwas über vergangene und gegenwärtige Ereignisse, Menschen und Prozesse „vor ihrer Haustüre“ erfahren können.
Herzstück der Ausstellung sind 15 Schlaglichter, auf vier Themenfelder verteilt. Hier geht es vor allem um die Frage, wie sich das Leben der Einwanderer in Aachen in all ihren Facetten entwickelte und veränderte. Sie zeigen exemplarisch den Weg Aachens in die Einwanderungsgesellschaft und illustrieren, wie sich diese Einwanderungsgesellschaft heute in Aachen darstellt.
Die Schlaglichter stehen abseits der Chronologie (s.u.), müssen über einen eigenen selbst gewählten Weg erschlossen werden und dienen dem Besucher als Möglichkeit, Migration als Alltagsphänomen im städtischen Raum zu begreifen.
Greifbar und lebendig werden diese Entwicklungen durch die Präsentation von insgesamt zehn individuellen Lebenswegen in Aachen. Die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit Migrationshintergrund berichten über Fremdheitsgefühle, Zukunftsträume, Angst und Glück, sie zeigen das Schwanken zwischen alter und neuer Heimat und zeugen von Verlustängsten und Hoffnungen für die Zukunft.
Der historischen Einordnung dient die Chronologie der Einwanderungsgeschichte, die vier Phasen unterscheidet: Nachkriegszeit und Wiederaufbau prägen die Jahre zwischen 1944 und 1955. Es folgt die Gastarbeiter-Anwerbung und das Wirtschaftswunder bis 1973, dem Jahr, in dem der Anwerbestopp eine Zeit der verschleppten Integration einleitete und parallel dazu neue Einwanderung über verschiedene Flüchtlingswellen einsetzen. Das Jahr 2000 markiert mit dem neuen Zuwanderungsgesetz dann den Beginn der vierten und letzten Phase, in der sich Deutschland mit einem Bekenntnis zur Einwanderung zum modernen Migrationsland entwickelt.
 

Begleitprogramm


Während der Laufzeit in der Nadelfabrik (November 2011 – Februar 2012) gab es ein Begleitprogramm:

Stadtgeschichte als Migrationsgeschichte
Vortrag mit Diskussion

PD Dr. Christoph Rass

Die Geschichte urbaner Räume wird in hohem Maß vom Kommen, Gehen und Bleiben, von der Mobilität des Menschen bestimmt. Die Gesellschaft einer Stadt befindet sich durch Zu- und Abwanderung in ständigem Wandel, Migration ist eine Konstante ihrer Geschichte. Zugleich haben es wenige Phänomene schwerer, ihren Platz im kollektiven Gedächtnis einer Stadt zu beanspruchen, insbesondere dann, wenn es nicht um eine einseitig problemorientierte, sondern eine ganzheitliche Wahrnehmung der Veränderungen geht, die gerade Zuwanderungsprozesse mit sich bringen. So bleibt auch die Migrationsgeschichte Aachens nicht zuletzt von selektiven Wahrnehmungen geprägt. Aber auch die Geschichte dieser Stadt lässt sich als eine Geschichte von Abwanderung, Zuwanderung, Niederlassung, Konfliktlösung, Toleranz und Integration, oder eine Geschichte von Abschottung, Ausgrenzung, Flucht und Vertreibung erzählen. Der Vortrag unternimmt einen Rundgang durch die Vergangenheit Aachens, um die jüngere Migrationsgeschichte der Stadt in deren Bewusstsein hineinzuerzählen. Er gewährt damit zugleich einen Einblick in Konzept, Produktion und Inhalt der Ausstellung "Bewegung – Migration in Aachen seit 1945" und lädt zur intensiven Beschäftigung mit den dort präsentierten Materialien und Geschichten ein.

 

In Aachen angekommen – Fünf Aachener Einwanderer erzählen ihre Geschichte
Gespräche und Diskussion

Fünf individuelle Lebenswege, die nach Aachen führten: Fünf „Aachener mit Migrationshintergrund“ berichten, wie Aachen zu ihrem neuen Zuhause wurde. Ihre Geschichte und Geschichten erzählen vom Leben in Deutschland, von Utopien, Erwartungen und Enttäuschungen; sie berichten über Fremdheitsgefühle, Zukunftsträume, Angst und Glück; sie bestehen aus dem Schwanken zwischen alter und neuer Heimat, Verlustängsten und Hoffnungen für die Zukunft.
Die Wege, die diese Menschen ausgerechnet nach Aachen führten, sind ebenso unterschiedlich und schillernd wie ihre Beweggründe, in Aachen zu bleiben. Spannende Lebenswege machen die Geschichte der Einwanderung lebendig.
Moderation: Achim Kaiser

 

Was weißt du von mir - Ein arabischer Abend
Lesung mit Musik

Suleman Taufiq, Raed Khoshaba

Im Wechsel zu Raed Khoshabas Spiel auf der arabischen Laute, liest Suleman Taufiq aus seinen Werken:
In seinen Erzählungen und Gedichten zeigt er, dass persönliche Identität - von vielfältigen Eindrücken, Erinnerungsfetzen und Fantasien unterlaufen - heute mehr und mehr zu einer Illusion wird. Doch die Texte sind auch eine Art Liebeserklärung an die Fremde. Humorvoll wird erzählt, wie die Protagonisten dieser Fremde allmählich heimische Ge¬fühle entwickeln.

Informationen und Kontakt

Ansprechpartnerin:
Frau Dr. Carmelita Lindemann
Volkshochschule Aachen
Peterstr. 21-25
52062 Aachen
Tel.: 0241 – 4792 227
Email: carmelita.lindemann@mail.aachen.de