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Bomann-Museum Celle, Museum für Kunstgeschichte

Nicht von hier?

Migration und Integration im Celler Land

Wanderungen unterschiedlicher Art prägten und prägen die Schicksale vieler Menschen in Vergangenheit und Gegenwart: Menschen verlassen ihren Wohn- und Arbeitsort, ihre Familie, ihr gewohntes Umfeld aus den unterschiedlichsten Gründen: Not, Arbeitslosigkeit, Abenteuerlust oder Drang nach der Fremde. Dabei werden nicht alle Wanderungsbewegungen von und nach Celle dargestellt. Stattdessen präsentiert das Museum in der neuen Dauerausstellung die Besonderheiten der Migration für Stadt und Landkreis Celle an drei großen Beispielen.

 

Hier erfahren die Besucher des Bomann-Museums, wie sehr Stadt und Landkreis Celle bis heute von Menschen geprägt sind, die zu unterschiedlichen Zeiten hierher kamen - freiwillig oder unter Zwang - und geblieben sind. Dabei reicht die Ausstellung von hugenottischen Glaubensflüchtlingen im 17. Jahrhundert bis hin zu den êzidisch-kurdischen Flüchtlingen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein großer Teil der Ausstellung widmet sich dem Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen in Folge des Zweiten Weltkriegs, durch den sich die Bevölkerungszahl in Stadt und Landkreis verdoppelte.

Konzept

Das Umgestaltungskonzept des Bomann-Museums Celle verzichtet auf die Beibehaltung der alten Abteilungen Volkskunde, Stadtgeschichte, Handwerks- und Industriegeschichte sowie Textilgeschichte. Zugleich steht weniger das herausragende einzelne museale Objekt im Mittelpunkt. Stattdessen rückt der Mensch und - damit verbunden - die Bedeutung der Exponate für sein Leben, also ihre historisch-soziale Relevanz in den Mittelpunkt der Darstellung.

Im Ausstellungsbereich "Nicht von hier?" widmen sich drei Themeninseln den oben beschriebenen Epochen und Personenkreisen. Blickachsen zwischen den geschaffenen Räumen ermöglichen den vergleichenden Blick, zeigen Parallelen aber auch Unterschiede auf. Dabei kommen die Menschen persönlich zu Wort. Auszüge aus dem "Journal von Jean Migault" über Leiden und Flucht einer hugenottischen Familie sind ebenso zu hören, wie persönliche Erlebnisse von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg oder Erfahrungen êzidischer Kurden in Celle. Immer wieder steht die Frage nach "Heimat", "Begegnung", "Arbeit" und "Wohnen" in Mittelpunkt.

Eine enge Zusammenarbeit enstand mit dem Êzidischen Kulturzentrum in Celle. Weiterhin ist der Ausstellungsteil so gestaltet, dass er aktualisiert und erweitert werden kann. Außerdem befindet sich direkt in der Ausstellung ein Bereich, der Sitzplätze für Gruppen (Schulklassen etc.) und technische Ausstattung für Vorträge, Referate, Gesprächskreise bietet.

Ausstellungsbereiche

Seit Oktober 2013 präsentiert sich das Bomann-Museum, eines der bedeutendsten kulturgeschichtlichen Museen in Niedersachsen, völlig neu. In den letzten Jahren wurden alle Dauerausstellungen umgestaltet. Entstanden sind dabei sieben Rundgänge, die die Kulturgeschichte von Stadt und Region auf unterschiedliche Weise beleuchten.

Celle und sein Umland – eine Reise durch die Zeit

Ein chronologischer Rundgang führt in die Celler Stadtgeschichte ein. Ergänzend nimmt ein Film die Besucher mit auf eine Rundreise durch den Landkreis, die viele Themen der neuen Dauerausstellungen vor Ort zeigt.

 

Rauch, Gestank und Plackerei – Das Bauernhaus

Ein neues Gesicht hat das seit Gründung des Museums eingebaute niederdeutsche Bauernhaus erhalten. Inszenierungen machen typische Arbeiten wie Dreschen, Kochen oder Schlachten anschaulich. Die Lichtführung unterstreicht den Charakter des Hallenhauses, in dem sich Wohnräume und Stallungen unter einem Dach befinden.

 

Heide – Honig – Hightech: Eine Region im Wandel

Dieser Rundgang zeigt die Bedeutung der Landwirtschaft für die Kulturgeschichte des Celler Raumes. Vorstellungen von einem idyllischen Landleben bestimmen bis heute das Bild vom Bauern. Die Realität besteht jedoch bis ins 19. Jahrhundert aus schwerer Arbeit und der Abhängigkeit von verschiedenen Dienstherren. Globale Märkte schaffen heute neue Abhängigkeiten und Verflechtungen, der Landwirt wird zum Unternehmer.

 

Herd und Heim – Bildung und Verein: Bürgerkultur in Celle

Hier blickt das Museum in die Epoche des Biedermeier. Anschauliche Biografien illustrieren die familiären Verhältnisse von Celler Kaufleuten und Handwerkern. Auf den Spuren dieser Personen geht es in das öffentliche Leben im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit nehmen durch das Engagement des Bürgertums Institutionen und Entwicklungen ihren Anfang, die bis in die Gegenwart fortwirken.

 

Leistung, Streik und Gastarbeit – Perspektiven der Arbeit

Fortschritte in Technik und Wissenschaft prägen seit Ende des 19. Jahrhunderts auch Celle. Die Entdeckung von Rohstoffen, Erfindungen und Forschergeist verändern Produktionsverfahren und Arbeitsweisen. Am Beispiel einzelner Unternehmen werden die Arbeits- und Lebensbedingungen von Handwerkern und Arbeitern veranschaulicht und Voraussetzungen für Unternehmertum und Umsatzsteigerung skizziert.

 

Gemalt, besungen, bereist – Die Entdeckung der Heide

Hier wird der Blick auf die Lüneburger Heide gerichtet – auf ihre Entdeckung durch Reisende, Künstler und Literaten. Bis ins 19. Jahrhundert gelten die Heideflächen als öde und trostlos. Dann  macht Hermann Löns die Landschaft berühmt. Aber nicht nur Autoren entdecken ab dem 19. Jahrhundert die Schönheit der Heide. Auch Maler spüren der Strahlkraft dieser Landschaft nach. Die Dichter der Heide – neben Hermann Löns darf da Arno Schmidt nicht fehlen. Durch ihn hat die Heide einen Platz in der Weltliteratur gefunden. Ein Teil der Ausstellung ist daher diesen beiden Literaten gewidmet, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Nicht von hier? Migration und Integration im Celler Land

Wanderungen unterschiedlicher Art prägten und prägen die Schicksale vieler Menschen in Vergangenheit und Gegenwart: Menschen verlassen ihren Wohn- und Arbeitsort, ihre Familie, ihr gewohntes Umfeld aus den unterschiedlichsten Gründen: Not, Arbeitslosigkeit, Abenteuerlust oder Drang nach der Fremde. Die Besonderheiten der Migration für Stadt und Landkreis Celle werden an drei großen Beispielen in der neuen Dauerausstellung dargestellt.

 Da Zuwanderung seit dem 17./18. Jahrhundert für die Region Celle stark prägend war, gebührt ihr bei einer Neukonzeption ausreichender Raum. So lassen sich die bereits im 17. Jahrhundert nach Celle kommenden Hugenotten vor allem in der Westerceller Vorstadt nieder. Sie tragen als hauptsächlich im Textilbereich tätige, wohlhabende Handwerker wesentlich zur Verfeinerung der Lebensart in Celle bei. Dass Celle zu einem Zufluchtsort für französisch-reformierte Glaubensflüchtlinge wird, verdanken sie vor allem Eléonore Celle. Als Geliebte und spätere Gemahlin nutzt die Französin ihren Einfluss auch zugunsten der verfolgten Angehörigen ihres Glaubens.

Während im 19. Jahrhundert nur wenige Fremde in die Region kommen, ändert sich dies gravierend in Folge des Zweiten Weltkrieges. So beginnt 1943 der Zustrom der Flüchtlinge, deren Zahl nach Kriegsende zusammen mit der der Vertriebenen stark ansteigt. Die Einwohnerzahlen in Stadt- und Landkreis Celle verdoppeln sich. Die Folgen sind langfristige Veränderungen in Struktur und Charakter der Region. So wird Plattdeutsch als wichtige Regionalsprache zurückgedrängt, da man mit den Flüchtlingen auf dieser Basis nicht kommunizieren kann. Die Dörfer bekommen durch die vielen Neuansiedlungen einen städtischeren Charakter und nicht zuletzt ersetzen teilweise auch völlig neue Speisen die typischen Heidjergerichte.

Ende der 1950er Jahre kommen die ersten so genannten Gastarbeiter nach Celle. Eine zahlenmäßig besonders starke Gruppe bilden die êzidischen Kurden, die seit den 1960er Jahren nach Celle ziehen, zunächst als Arbeitsmigranten, dann ab den 1980er Jahren als ethnisch und religiös verfolgte Minderheit in der Türkei. Celle hat heute mit etwa 7.000 – 9.000 Menschen eine der größten geschlossenen êzidisch-kurdischen Ansiedlungen in Deutschland.

Exponate

Exponate stammen aus den umfangreichen Sammlungsbeständen des Bomann-Museums.

Unter anderem wurde im Rahmen und nach einer Sonderausstellung 1995 ein großer Bestand zum Thema "Flucht und Vertreibung" angelegt.
Weitere Leihgaben stammen aus Stadt- und Kreisarchiven Celle sowie von privaten Leihgebern.

 

Kontakt

Ansprechpartner:

Dr. Jochen Meiners, Museumsdirektor Celler Museen

Dr. Kathrin Panne / Hilke Langhammer M.A. (für die Ausstellung)

Links zur Ausstellungshomepage

Museumshomepage