Historische Ansicht der Zeche Hannover von 1905

Vom Denkmal zum Museum

Die Geschichte der Zeche Hannover

Die Anfänge

Die Zeche Hannover entstand 1857 auf einem Acker am Rande der Bauernschaft Hordel und erhielt ihren Namen nach dem Wohnsitz ihres Gründers Carl Hostmann im damaligen Königreich Hannover. Die aufwändige Gestaltung der beiden mächtigen Fördertürme verlieh der Zeche einen festungsartigen und zugleich repräsentativen Charakter.

1872 kaufte der Essener Industrielle Alfred Krupp die Zeche Hannover zur Versorgung seiner Gussstahlfabrik mit hochwertiger Kohle und errichtete im nahe gelegenen Günnigfeld die Schachtanlage Hannover III. Mit dem Bau eines Kraftwerks, einer neuen Kokerei und des neuen Förderschachtes V wurde die Zeche Hannover bis 1908 zur Großzeche ausgebaut. Die Zeche mit ihrem ständig steigenden Arbeitskräftebedarf zog zunächst Arbeitswillige aus Westfalen, Hessen und dem Rheinland an. Darüber hinaus fanden Zuwanderer aus West- und Ostpreußen, Schlesien, Posen und Masuren eine Einstellung auf Hannover.

1960 kamen die ersten Griechen, bald darauf auch Italiener, Jugoslawen, Türken und Marokkaner. Im Umland der Zeche fehlte stets geeigneter Wohnraum für Bergleute. Nach dem Bau der Kolonien Hannover und Eickel durch die Bergwerksgesellschaft ließ Krupp ab 1907 die Kolonie Dahlhauser Heide errichten. Es wurde eine riesige Werkssiedlung aus 339 Doppelhäusern als Gartenstadt mit geschwungenen Straßen und einer zentralen Parkanlage geschaffen.

Innovationen - Fördertechnik für den Tiefbau

Die Zeche Hannover erwies sich als Entwicklungszentrum für Spitzentechnologie. Neben zahlreichen Innovationen bei Kohlegewinnung und Transport war die Zeche federführend in der Entwicklung der Fördersysteme. 1877 setzte Bergwerksdirektor Friedrich Koepe erstmals eine Treibscheibe anstelle einer Seiltrommel ein. Ursprünglich wurde das Förderseil in nebeneinander liegenden Rillen auf eine Seiltrommel aufgezogen, die von der Dampfmaschine angetrieben wurde. Der Vorstoß des Kohleabbaus in weitere Tiefen setzte allerdings immer wieder eine Verlängerung des Förderseils und eine Vergrößerung der Seiltrommel voraus.

Die Kosten und Umstände dieser Vorgehensweise wuchsen immens über die Möglichkeiten der Zeche Hannover hinaus. Die umständliche Förderung änderte sich ab 1877, denn nach der Umrüstung der Fördermaschine von der Seiltrommel zur Treibscheibe wurde auf Schacht I erstmalig nach dem Koepe-Prinzip Kohle gefördert.

Das Förderseil wurde fortan nicht mehr aufgewickelt, sondern bildete eine Schleife, wobei der obere Teil des Seils die Treibscheibe in der Maschinenhalle umschloss. Das Unterseil wurde jeweils unterhalb der beiden Förderkörbe abgebracht und verband diese miteinander. Bei jeder Drehung der von der Dampfmaschine angetriebenen Treibscheibe bewegte sich das Förderseil nun mit. Durch die abwechselnde Drehung der Treibscheibe vorwärts und rückwärts hob sich ein Förderkorb während der andere sank.

Das neue Fördersystem eignete sich besser für hohe Belastungen bei der Förderung aus großen Tiefen als das herkömmliche Aufspulen der Förderseile auf eine Trommel. Bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich das Koepe-System weltweit zum Standard der Tiefbauzechen.

Das Ende einer Ära

Aus der 1958 einsetzenden Bergbaukrise ging die Zeche Hannover zunächst als Sieger hervor: 1967 wurde der Schacht II zum zentralen Förderschacht aller Bochumer Bergwerke ausgebaut. Die Zeche Hannover wurde 1969 in die neu gegründete Ruhrkohle AG eingebracht.

Mit der anhaltenden Bergbaukrise kam jedoch bald das Aus: 1973 wurde die Zeche Hannover als letztes Bergwerk in der ehemaligen Bergbaustadt Bochum stillgelegt. 1979 erfolgte der Abriss der Betriebsgebäude.

Zeche Hannover vor der Restaurierung

Nur die ältesten – der Malakowturm mit Maschinenhalle sowie das Grubenlüftergebäude blieben als Industriedenkmal erhalten. 1981 übernahm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Zeche Hanover in sein LWL-Industriemuseum und restaurierte das Gebäude. Seit 1995 ist das Denkmal für Besucher zugänglich.

Straßenbild der Dahlhauser Heide (1911)

Eine Siedlung für Bergarbeiter

Dahlhauser Heide

Nach dem Ausbau zur Großzeche ließ Krupp ab 1907 die Kolonie Dahlhauser Heide errichten. Sein Architekt Robert Schmohl gestaltete die Werkssiedlung als Gartenstadt mit einer zentralen Parkanlage. Die insgesamt 339 Doppelhäuser waren westfälischen Bauernhäusern nachempfunden und verfügten über große Gärten. Damit entsprachen sie den Lebensgewohnheiten der vor allem aus den ländlichen Regionen von Hessen, Ostpreußen, Schlesien und Polen zugewanderten Bergmannsfamilien. Mit Gemüseanbau und Kleintierhaltung sicherten die Familien ihre Ernährung.

Die Kolonie Dahlhauser Heide ist in die die Route der Industriekultur eingebunden. Mit ihrem dörflichen Charakter und als Enwurf nach der "Gartenstadtidee" ist die Kolonie wichtiger Bestandteil der Themenroute Arbeitersiedlungen.

Die Bergarbeiterhäuser am Rübenkamp

Nicht nur die Bergwerksgesellschaft und Zechenbesitzer Alfred Krupp ließen Wohnraum für Bergleute bauen. Auch Privatleute errichteten Wohnhäuser nahe der Zeche und vermieteten sie gewinnbringend an Bergleute.

Ein Ensemble von drei privat gebauten Siedlungshäusern aus den 1890er Jahren konnte vom LWL-Industriemuseum erhalten werden und wird in das Museum der Zeche Hannover einbezogen.

Häuser am Rübenkamp

Die Häuser verfügten ursprünglich über je 131 Quadratmeter Wohnraum und boten Platz für vier bis fünf Wohnungen. Ein Haus ist heute annähernd im Originalzustand von 1890/91 erhalten. Die anderen wiesen nach dem Zweiten Weltkrieg einen hohen Schadensgrad auf und wurden beim Wiederaufbau 1949/50 teilweise verändert. Seit 1997 sind die drei Gebäude ein eingetragenes Denkmal und stehen heute im Besitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.