TextilWerk Bocholt

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Vorschau: 25.5.-6.10.2019

Fashion Material

Modewelten von Stephan Hann

Plastiktüten, Telefonbuchseiten oder Videobänder – der Berliner Künstler Stephan Hann schneidert seine Couture aus Materialien, denen wir keine Beachtung schenken. Kombiniert mit edler Seide, Spitze oder Kristallen entstehen Kleider, bei denen die Grenze zwischen Mode und Kunst verschwimmt. In der Ausstellung „Fashion Material“ lädt das Textilwerk Bocholt zu einer Reise in die phantastischen Modewelten von Stephan Hann mit rund 60 Objekten des Künstlers ein.

Das Werk "Financial Times" aus dem Jahr 2007 fertigte Stephan Hann aus alten Zeitungen.. Foto: Sven Betz

Immer alles neu?

Die Kleiderschränke sind voll, und trotzdem ist es der Wunsch der Modeindustrie, dass sie immer wieder neu gefüllt werden. In Modezeitschriften und auf Social Media-Plattformen sehen wir immer neue Trends und werden zum Kaufen aufgefordert. Stephan Hann setzt sich in seinen Kreationen dieser Kurzlebigkeit und dem Konsum auseinander. Mit seinen Kreationen regt er zum Nachdenken über das Diktat des immer Neuen in der Mode an.

Die Ausstellung „Fashion Material“ ist Teil des Verbundprojektes „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“ mit insgesamt sechs Ausstellungen an verschiedenen Standorten des LWL-Industriemuseums. Die Ausstellung in Bocholt greift mit der Mode einen Aspekt des Themas auf, der jeden betrifft. Die Leitfrage ist: Kann Mode überhaupt neu sein, oder ist das, was als neuester Trend verkauft wird, schon einmal dagewesen und damit „geklaut“?

Der Künstler Stephan Hann

Hann ist gelernte Herrenmaßschneider und Modedesigner. Für seine Roben verwendet er alltägliche Materialien: Telefonbuchseiten, Zeitungen, Malervlies, Architekturpläne, Videoband oder Plastiktüten und andere Verpackungen. Dazu spielt der Berliner mit ikonischen Schnitten und Formen und veredelt seine Entwürfe durch den Einsatz von Seide, Spitze oder glitzernden Steinen. So entsteht in seinen Werken eine neue ästhetische Wertigkeit. Sie spielen mit Erinnerung, entlarven den Luxus und kommentieren den unstillbaren Hunger unserer Gesellschaft nach Konsum.

Als „Kommentar“ zu den Objekten von Hann zeigt das LWL-Industriemuseum Arbeiten von Modedesign-Studierenden der Hochschule Hannover. Upcycling, Recycling und Zero Waste sind Bausteine ihres Forschungsprojekts „use less: Designstrategien gegen Verschwendung und hässliche Kleidung“. Sie handeln getreu dem Motto von Vivienne Westwood „Buy less, choose well, make it last” [Weniger kaufen, bewusst auswählen und gut behandeln]. Auch von der Designerin finden sich fünf Kreationen in der Bocholter Ausstellung. Sie werden ergänzt um Entwürfe aus der Hand des italienischen Modeschöpfers Giorgio Armani.

Wand mit Bildern und Fundstücken aus dem Kreuzberger Atelier Stephan Hanns, die ihm dort als Inspiration dienen.


Hinweis für Besucherinnen und Besucher: In der Ausstellung darf nicht fotografiert werden. Wir bitten um Verständnis.