TextilWerk Bocholt

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Außenansicht der Spinnerei

Spinnerei

Forum für Textilkultur

Der viergeschossige Backsteinbau der ehemaligen Spinnerei Herding ist ein typisches Beispiel aus der Boomzeit der Textilindustrie in Bocholt: Eine Handweberei war die Keimzelle des 1870 von Heinrich Schüring und seinem Schwager Max Herding gegründeten Betriebs. 1907 ließen die Firmeninhaber das Gebäude an der Aa mit Schaufassade und repräsentativen Wasserturm errichten. Mit fast 600 Webstühlen und 23.600 Spindeln gehörte die „Spinnweb“ Herding lange Zeit zu den größten Bocholter Textilbetrieben.

Im Jahr 2004 kaufte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe den viergeschossigen Backsteinbau der Spinnerei Herding als zweiten Teil seines Textilmuseums hinzu. Das gelang mit finanzieller Unterstützung des Landes, des Kreises Borken, der Stadt Bocholt und der Stadtsparkasse Bocholt. 2009 begann der Umbau mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II. Seit der Eröffnung der Spinnerei im September 2011 firmiert das Textilmuseum mit seinen beiden Standorten als „TextilWerk Bocholt“.

Im Oktober 2016 eröffnete der neue Ausstellungsbereich „Die Macher und die Spinnerei“. Auf zwei Ebenen präsentiert das LWL-Industriemuseum Geschichte und Wirken der Textilunternehmer in Westfalen. Das Spektrum der Exponate reicht vom Füllhalter über Möbel und Gemälde bis zu Mode aus verschiedenen Jahrzehnten und funktionstüchtigen Maschinen.

Parcours de la Mode

 

Im Erdgeschoss der Spinnerei befindet sich ein "Parcours de la Mode": In einer 23 Meter langen Vitrine, die als Laufsteg aufgebaut ist, nehmen historische Kleidungsstücke und Schuhe sowie textile Musterbücher die Besucher mit auf eine farbenfrohe Reise durch mehr als 100 Jahre Modetrends. Das älteste Stück, ein schwarzes Tournüren-Kleid, stammt aus dem Jahr 1885. Dieser Teil der neuen Ausstellung wird kontinuierlich sein Gesicht wandeln: Aus dem großen Fundus der Sammlung werden immer wieder neue Stücke den Laufsteg beleben und zeigen, wie vielfältig die Welt der Mode war und ist.

Der "Parcours de la Mode" zeigt die Modetrends der letzten 100 Jahre
Besucher in der Ausstellung "Die Macher und die Spinnerei"

Die Macher und die Spinnerei



Im ersten Obergeschoss präsentiert das LWL-Industriemuseum am authentischen Ort die Bedeutung der Textilunternehmer und der ansonsten selten ausgestellten Baumwollspinnerei. Die Schau zeigt die wirtschaftlichen Zusammenhänge und rückt die „Macher“ und die Lebenswelt der Unternehmer in den Fokus. Teilweise laufende Maschinen machen ein Stück Textilgeschichte der Region lebendig.

Mehr als 500 Exponate bekommen die Besucher auf 1300 Quadratmetern zu sehen. In ihrer Komposition verdeutlichen sie, dass sich die Handlungsfelder der Textilunternehmer in Westfalen – und speziell im Westmünsterland – in den vergangenen 150 Jahren kaum verändert haben.


Ausgestellt wird beispielsweise ein Schreibtisch des Textilunternehmers Carl Herding, den dieser Anfang des 20. Jahrhunderts gekauft und über viele Jahrzehnte hinweg benutzte. Der Kauf eines gebraucht gekauften Konzertflügels, ein mittleres Modell eines Montblanc-Füllfederhalters, Unternehmerporträts in Öl - alles Exponate, die darauf hinweisen, dass die „Macher“ in der Region zwar auf globalen Märkten agierten, in der Heimat jedoch bescheiden lebten. 

An einem modernen Medientisch kommen 14 Unternehmerpersönlichkeiten zu Wort. Sie berichten über die Motivation ihres Handelns, über Tradition, Familie und modernes Wirtschaften.

Medientisch mit Unternehmer-Interviews

App "Bist Du ein Macher?"

Bei dem App-Spiel "Bist du ein Macher?" schlüpfen Museumsbesucher mit ihrem Smartphone oder Tablet selbst in die Rolle eines angehenden Textilunternehmers - mit dem Ziel, die eigene Firma so erfolgreich wie möglich zu machen. Ganz nebenbei erfährt man, was einen erfolgreichen westfälischen Unternehmer wirklich ausgemacht hat, wie er seine Entscheidungen getroffen hat und was sein Leben beeinflusste.

Als potenzieller "Macher" steht der Spieler vor Aufgaben, die gelöst werden können, während er die Ausstellung erkundet.

Das Spiel läuft in der App "Biparcours", die kostenlos in den Stores für iOS und Android heruntergeladen werden kann (in der Suchfunktion "Bist Du ein Macher" eingeben).

Zur App für Android

Zur App für iOS

Technik in Funktion


Das LWL-Industriemuseum besitzt die größte Textilmaschinensammlung Europas. Einige davon wurden in den vergangenen Jahren aufwändig restauriert und sind jetzt in der neuen Ausstellung zu sehen. Die bis zu knapp 20 Meter langen Maschinen – vom Öffnerzug aus dem Jahr 1910 bis zur OE-Feinspinnmaschine von 1986 – lassen die Herstellung von Baumwollgarnen nachvollziehen.

Medienterminals zeigen zudem historische Aufnahmen und erklären die Funktionsweise der Spinnmaschinen. Einige dieser Maschinen werden den Besuchern zudem regelmäßig vorgeführt werden. Termine unter Veranstaltungen.

Blick auf die OE-Feinspinnmaschine von 1986


Jeden Sonntag findet um 14 Uhr eine offene Führung durch die Spinnerei statt. Es ist nur der Museumseintritt zu zahlen.