Schiffshebewerk Henrichenburg

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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Noch bis in die 1950er Jahre wurden im Ruhrgebiet Schiffe von Hand beladen.

25.3. - 28.10.2018

Laden und Löschen

Von der Sackkarre bis zum Container

Fotografien aus den Ruhrgebietshäfen

„Laden“ und „Löschen“ begegnen uns heute meistens als Begriffe aus der Computerwelt, aber in der Fachsprache der Hafenarbeiter bezeichnen diese Wörter das Beladen und Entladen von Schiffen. Mit historischen und aktuellen Aufnahmen gibt die Schau Einblicke in die Entwicklung der Technik und der Arbeitsplätze in den Revierhäfen. Der Kohleumschlag steht im Mittelpunkt. Aber auch anderes Schüttgut wie Erz, Getreide und Sand sowie Stückgut in Säcken, Fässern und Kisten spielten eine große Rolle. Ein Zeichen des Strukturwandels sind die Containerterminals, die 1983 zunächst in Duisburg und später auch in Dortmund und Herne eröffneten.

Ludwig Windstoßer dokumentierte in den 1960er Jahren die Kohleverladung in Duisburg-Ruhrort.

Jede Menge Kohle

Jahrzehntelang spielte Kohle die Hauptrolle im Revier. Anfangs schleppten Arbeiter diesen Rohstoff in Körben auf die Schiffe, schon bald halfen Handkippwagen und Schüttrinnen. Vor allem die Häfen von Duisburg und Ruhrort waren Impulsgeber: Hier arbeiteten Krane, die mit Dampf oder Elektrizität betrieben wurden, und Kohlenkipper, die den Inhalt ganzer Waggons auf einmal in die Schiffe beförderten.

Am Rhein-Herne-Kanal entstanden ab 1914 zahlreiche Zechenhäfen, die ebenfalls mit modernen Krananlagen ausgerüstet wurden. Nun sparten sich viele Bergwerke den teuren Bahntransport der Kohle nach Duisburg und luden den Rohstoff direkt an den Kaimauern auf die Schiffe. Mit dem allmählichen Rückgang der Steinkohlenförderung im Ruhrgebiet ab den 1960er Jahren verschwanden viele dieser Anlegestellen wieder.

Die Hochzeit des Kohleumschlags in den 1950er und 1960er Jahren dokumentierte der Stuttgarter Fotograf Ludwig Windstoßer, aus dessen Nachlass das LWL-Industriemuseum interessante Bestände erworben hat. Im Auftrag der Ruhrkohle AG hielt er die beeindruckenden technischen Einrichtungen in Duisburg und Dortmund im Bild fest.

Postkarten

 

Wie sehr die Häfen zum Revier gehör(t)en, zeigen auch die vielen historischen Postkarten, die das LWL-Industriemuseum besitzt. Die großen Krane und weitläufigen Hafenbecken waren schon immer Wahrzeichen der Städte am Wasser. Nicht nur in Duisburg und Dortmund, sondern auch in Gelsenkirchen und Wanne waren Grußkarten mit Hafenmotiven bei Reisenden und Einheimischen beliebt. Die Austellung zeigt eine Auswahl an Motiven im Großformat.

Historische Postkarte vom Dortmunder Hafen.

Siegeszug des Containers

Nach der Kohlenkrise von 1957 ging die Förderung der Zechen im Ruhrgebiet allmählich zurück. Ein Jahr zuvor hatte der amerikanische Transportunternehmer Malcom McLean das erste Containerschiff auf die Reise geschickt. Innerhalb weniger Jahrzehnte krempelte der Container die Weltwirtschaft um. In den Seehäfen hatte dieser Wandel dramatische Folgen, denn er machte tausende von Hafenarbeitern überflüssig. Den Binnenhäfen im Ruhrgebiet half die Standard-Box jedoch, da Güter, die in einem Container stecken, im Binnenland genauso leicht von vom Schiff auf den Lkw oder die Bahn umgeladen werden können wie an den Meeresküsten. Vor allem Duisburg profitierte nachhaltig von dieser Entwicklung.

Duisburg Intermodal Terminal. Foto: Brigitte Kraemer

Als einziger Binnenhafen taucht „duisport“ in der Liste der 100 größten Häfen weltweit auf. 2017 wurden in den neun dortigen Terminals mehr als vier Millionen Standard­container umgeschlagen. Regelmäßige Zugtransporte verbinden Duisburg mit China.

Diese aktuelle Entwicklung hat die Herner Fotografin Brigitte Kraemer im Auftrag des LWL-Industriemuseums dokumentiert. 2017 erhielt sie Zutritt zu den streng abgeschotteten Terminals in Duisburg, um dort den Umschlag der Container einzufangen. Neben den beeindruckenden Kranbrücken entdeckt man auf ihren Fotos auch immer wieder die Menschen, die dafür sorgen, dass wir täglich die von uns gewünschten Waren einkaufen können. Hier weitere Bilder der Serie von Brigitte Kraemer:

Der Ausstellungsort

Der passende Schauplatz für die Ausstellung ist der 1926 gebaute Lastkahn „Ostara“. Das LWL-Industriemuseum bewahrt aber nicht nur Schiffe, sondern auch historische Großgeräte, die den Warenumschlag an den Kanälen und Flüssen bewerkstelligen halfen. Auf diese Weise ist in Waltrop ein Freilichtmuseum der Binnenschifffahrt entstanden. Die vier historischen Krane, die dort in den letzten Jahren restauriert und wieder nutzbar gemacht wurden, kommen im Rahmen der Ausstellung ebenfalls zur Geltung.

Das Austellungsschiff "Ostara" am Oberwasser.
Die Container auf dem Spielplatz laden zum Klettern und Entdecken ein.

Katalog

Laden und Löschen – von der Sackkarre bis zum Container. Fotografien aus den Häfen im Ruhrgebiet, Hg. LWL-Industriemuseum, Arnulf Siebeneicker und Michael Grünwald. 156 Seiten, Essen 2018, ISBN 9783837519419, Preis: 19,95 Euro

Zur Pressemitteilung mit Fotos zum Download.