Henrichshütte Hattingen

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

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15.7. - 9.9.2018

Lange Weile

Auf der Suche nach der leeren Zeit

Mit dem Ausstellungsprojekt wagt das LWL-Industriemuseum ein interdisziplinäres Experiment. Studierende des Masterstudiengangs Bühnenbild_ Szenischer Raum der TU Berlin haben sich mit dem Thema „Langeweile“ beschäftigt und ihre Ideen und Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Medien umgesetzt.

Mit der Installation „Labyrinth“ von Anne Laure Jullian de la Fuente auf dem Außengelände des Museums kann der Besucher sich entscheiden, ob er die Entschleunigung des Umweges wählt, oder doch den direkten Weg zum Ziel nimmt und sich „keine Zeit lässt“. In seiner Performance im Keller des Gebläsehauses beschäftigt sich Takaya Kobayashi mit Zeit, Raum, Körper und der Grenze zwischen Kunst und Leben - live und virtuell. Im angrenzenden Raum macht die Light/Sound-Komposition von Victor Treushchenko-Bernhardt den Takt der vergehenden Zeit fühlbar und sensibilisiert für den Umgang mit Raum und Zeit. Beim „MüßigGang“ von Amina Nouns können die Besucher auf einem Audio-Pfad dem Hochofen 3 lauschen, der sich – nach der Werksschließung 1987 in „Rente“ – seine ganz eigenen Gedanken zum Thema Langeweile macht.

Die Installation "Labyrinth" besteht aus rund 6.000 Backsteinen. Foto: LWL
An den verschiedenen Stationen des Audio-Pfads sind die Gedanken des Hochofens nach seiner "Pensionierung" 1987 zu hören. Foto: LWL

Hinter dem zunächst eher negativ besetzten Begriff der Langeweile eröffnet die Ausstellung eine tiefere Ebene. „Die ‚leere Zeit‘ kann als Ausgangspunkt für kreative Prozesse dienen, der ‚leere Raum‘ kann Inspiration sein und mit Ideen und Projekten gefüllt werden“, so Johann Jörg, TU Berlin. „Gleichzeitig handelt es sich um einen unterschätzten, einen facettenreichen Begriff dessen Konnotation sich im Laufe der Zeit gewandelt hat. Ist der Begriff in der eigenen Erinnerung vielleicht eher mit negativen Gefühlen besetzt, als Zeitraum, in dem nichts passiert, in dem sich die Zeit schier endlos in die Länge zieht, wird Langeweile heute vielmehr mit ‚freier Zeit‘ assoziiert und ersehnt. In Zeiten unendlicher Beschäftigungsmöglichkeiten, Zwängen und hoher Arbeitsbelastung ist sie fast schon zum Luxus geworden.“

 

„Langeweile ist fraglos fordernd“, so Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums. „Für die Szenografie, die mit einem vorgegebenen Ort, seiner Geschichte und seinen Räumen umgehen muss, und genauso für das Museum mit der immer wieder neuen Chance, Plattform zu sein für andere und kreative Potenziale bei Machern und Publikum zu wecken.“

Bis zum 9. September kann der Pfad der Langeweile im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen begangen werden.