Henrichshütte Hattingen

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

Menu

Vorschau: 24.5.-3.11.2019

BOOM!

Die Hütte zwischen Abbruch und Aufbruch

In der Sonderausstellung „Boom!“ geht es um die wechselvolle Geschichte der Henrichshütte vom Kaiserreich über die Weltkriege und die Zeit des Wiederaufbaus bis zum Strukturwandel. Den roten Faden bilden die Umbrüche in der Geschichte der Henrichshütte: der Einbruch der Industrie in das Idyll der Ruhrlandschaft sowie Zäsuren durch neue Technologien, neue Besitzer und neue Produkte. Es kommen Frauen und Männer zu Wort, die dabei waren, als es „Boom!“ machte und große Teile des Werks abgerissen wurden. Zeitzeugen des Strukturwandels erzählen von der Angst vorm Stillstand, dem Mut, Entscheidungen zu treffen und den Chancen, die ein Neuanfang bieten kann.

Ende und Neuanfang und Ende

Dass in jedem Ende auch immer die Chance auf einen Neuanfang liegt, bildet den philosophischen Überbau der Ausstellung. Meilensteine der Hüttengeschichte werden in der Schau auf dieses Prinzip hin befragt. Mit der Gründung des Hüttenwerkes begann 1854 eine wechselhafte Geschichte voller Umbrüche. Innovative technische Verfahren wurden entwickelt, etabliert und wieder abgelöst. Die Besitzer wechselten, von Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode zu Henschel & Sohn, Ruhrstahl, Rheinstahl bis zur Thyssen AG - der Name "Henrichshütte" blieb erhalten. Der wirtschaftliche "Boom" der Henrichshütte veränderte auch die Hattinger Ruhrlandschaft: Als 1959 der Ruhrverlauf verlegt wurde, um das Produktionsgelände des Hüttenwerkes zu vergrößern, spiegelt dies die zeitgenössischen Prioritäten wider. Heute wird diskutiert, den ursprünglichen Zustand durch eine Renaturierung wiederherzustellen.

Sprengung des Dampfkraftwerkes im Januar 2005. Im Hintergrund der sogenannte „Satkom Tower“ mit der markanten Erdkugel. Er entstand im Jahr 2000 durch den Umbau eines ehemaligen Luftschutzbunkers zum Veranstaltungs- und Technologiezentrum. Foto: LWL

Mit der Stilllegung der Henrichshütte ab 1987 begann ein neues Kapitel: Die Henrichshütte wurde Standort des LWL-Industriemuseums. Nicht länger als Produktionsstätte, sondern als Schauplatz für Bildung und Kultur, entwickelte sich die Hütte über die Grenzen der Stadt Hattingen hinaus zum gesellschaftlichen Ankerpunkt. Aber auch das Museum durchlief einen Wandlungsprozess und entwickelte sich von einer Asservatenkammer der Vergangenheit zu einem gesellschaftlichen Forum.

Im Jahr 2000 wurde die "Cupola" in Hattingen gefertigt. Sie steht auch für einen Neuanfang auf der Henrichshütte: Erstmals wurde mit Aluminium auf der Henrichshütte gearbeitet. Foto: LWL / Hudemann

Filmdokumente, Fotos und Objekte veranschaulichen in der Schau den Wandel: der Spaten von der Grundsteinlegung, der Eisenträger vom Abriss des Stahlwerkes ebenso wie Objekte, die die persönlichen Geschichten der Menschen erzählen, in deren Leben die Hütte eine Rolle spielte und noch immer spielt. Als materielle Zeugnisse verdeutlichen diese Erinnerungsstücke, wie stark die Henrichshütte auch über 30 Jahre nach ihrer Stilllegung im kollektiven Gedächtnis der Region verankert ist.

Mit der "Cupola" - dem "Fenster zum All" - kommt außerdem ein ganz besonderes Objekt aus der Endphase der Hüttenproduktion zur Henrichshütte zurück: Die "Cupola" wurde im Jahr 2000 von der VSG Energie- und Schmiedetechnik in Hattingen gefertigt und ist eine baugleiche Version der Beobachtungskuppel der internationalen Raumstation ISS. Sie bietet mit ihren sechs seitlich angebrachten Fenstern und einem etwa 80 Zentimeter großen Fenster auf dem "Dach" einen Panoramablick auf die Erde.

Führungen zur Ausstellung

Offene Führung für Erwachsene

Jeden Samstag während der Laufzeit der Ausstellung von 15–16.30 Uhr:

Ruhridylle, Rüstungsbetrieb, Rosthaufen

Chancen und Risiken von Auf-, Um- und Abbrüchen

Was verbindet einen goldenen Dukaten von 1824, Panzerstahl der „Tirpitz“, einen chinesischen Bambusschutzhelm und das Transparent „Hattingen muss leben“? Sie stehen für die zahlreichen Umbrüche, die das Ruhrtal bei Hattingen seit Mitte des 19. Jahrhunderts durchgemacht hat – gerade noch ländliche Idylle und – BOOM – schon Industriestandort. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung kommen wir ins Gespräch: War es Segen oder Fluch für die Region, dass aus dem beschaulichen Adelssitz Haus Bruch ein modernes Hüttenwerk wurde? Welchen Einfluss hatten die Weltkriege auf die Entwicklung der Henrichshütte? Welche Sorgen begleiteten die Hattinger Ende der 1980er Jahre bei ihrem Kampf um die Hütte und welche Chancen eröffneten sich für die Stadt durch den neuen Gewerbe- und Landschaftspark?

Für Gruppen auch buchbar: max. 15 Personen, Buchung unter 02324/9247-111 oder slavica.mohr@lwl.org

 

Für Schulen ab 5. Klasse

Streiten, streiken, diskutieren: Transparente und Meinung gestalten

Freitags für das Klima protestieren? Fast kein Problem! Über das Internet und seine sozialen Medien teilen wir Meinungen, beziehen Position und verabreden Widerstand. Aber: Wie leicht kann man für oder gegen etwas sein? Aus einem idyllischen Flusstal wird eine moderne Industrielandschaft. Aus einem Hüttenwerk wird ein Rüstungskonzern. Aus dem größten Arbeitgeber der Stadt wird ein Touristenmagnet.

Nach einem Rundgang durch die Ausstellung beziehen wir Position. Die Aufgabe: In Kleingruppen suchen wir Umbrüche und Aufbrüche, für die es sich zu streiten, zu streiken und zu diskutieren lohnt. Das Ziel: Ein kritischer Dialog, der dem Gegenüber unsere Werte und Ziele nahelegt. Dafür entwickeln wir Parolen und gestalten Transparente.

Lernziel: Das Programm lehnt sich an die Fächer Deutsch und Geschichte/ Gesellschaftslehre an. Es fördert den Umgang mit Informationen, die Wiedergabe in sachgerechter Sprache und die Kreativität.

Dauer:120 Minuten, Kosten: 55 Euro, max. 15 Personen, Eintritt frei, Buchung unter 02324/9247-111 oder slavica.mohr@lwl.org