Glashütte Gernheim

LWL-Industriemuseum | Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

Menu

10.2.-25.8.2019

Leuchten der Moderne

Glasproduktion im Licht des Bauhauses

Die Sonderausstellung zum 100. Geburtstag des Bauhauses widmet sich den Rahmenbedingungen von Produktgestaltung und Industriedesign im frühen 20. Jahrhundert. Sie schlägt den Bogen vom hitzebeständigen Glas über das Industriedesign des Art Déco, die Konzepte des Bauhauses und Wilhelm Wagenfelds Entwürfe bis hin zu den Formen der sogenannten „Neuen Sachlichkeit“. Unter den gezeigten Objekten befinden sich viele seltene, noch nie gezeigte Stücke.

Begleitet wird die Präsentation von zeitgenössischen Fotos, Werbematerial, Katalogen und Entwurfszeichnungen. Das Material illustriert einen einschneidenden Abschnitt der deutschen Technik- und Designgeschichte, in der das elektrische Licht innerhalb weniger Jahre die Gaslichtbeleuchtung verdrängte.

Blick in die Ausstellung. Foto: Peter Hübbe

Die Ausstellung ist Teil des Kooperationsprojektes „100 jahre bauhaus im westen“ des Landes NRW sowie der beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehören Führungen, Workshops und Exkursionen (s.u.). Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei.

Produktion einer Leuchte nach einem Entwurf von Hanna Krüger und Jakob Gebert.

Neuinterpretationen

Die Ausstellung bietet auch Neues: Fünf Designerinnen und Designer der Gegenwart – Jörg Boner, Jakob Gebert, Ineke Hans, Hanna Krüger und Cecilie Manz – entwickelten exklusiv für die Ausstellung Neuinterpretationen einiger Wagenfeld-Leuchten, die in der Glashütte Gernheim umgesetzt wurden. Sie bezeugen damit die Relevanz der Leuchten-Gestaltung für die Gegenwart.

Zudem ist die mundgeblasene Replik einer nur noch als Entwurf erhaltenen Wagenfeld-Leuchte zu sehen.

Sammlungen in Jena

Ausgangspunkt sind zwei Sammlungen in Jena. An diesem Traditionsstandort der optisch-feinmechanischen Industrie und der Spezialglasherstellung existierte bereits seit den 1880er Jahren ein Kompetenz-Cluster zur Herstellung von Beleuchtungsglas und Beleuchtungskörpern. Für das Ausstellungsprojekt werden die Beleuchtungsglas-Bestände dieser Sammlungen erstmals präsentiert und um Exponate aus weiteren Privatsammlungen ergänzt.

Noch nie gezeigte Leuchten werden im Mittelpunkt der Präsentation stehen. Begleitet werden sie von zeitgenössischen Fotos, Werbematerial, Katalogen und Entwurfszeichnungen. Das Material illustriert einen einschneidenden Abschnitt der deutschen Technik- und Designgeschichte, in der das elektrische Licht im öffentlichen Raum ebenso wie im Innenraum innerhalb weniger Jahre die bis dahin vorherrschende Gaslicht-Beleuchtung verdrängte. Licht und Beleuchtung übernahmen in einer neuen Qualität eine entscheidende Rolle im Gepräge und der Organisation von Räumen.

Bei Schott & Gen. hatte man mit dem Roban-Glas ein hitzebeständiges Milchglas zur Verfügung, das die üblicherweise in der Leuchtenherstellung verwendeten Opalgläser wegen seiner günstigen Streuungseigenschaften überbot. Gleichzeitig arbeiteten im nahen Weimar am Staatlichen Bauhaus Gestalter an formalen Herausforderungen, die sich aus der neuen elektrischen Lichttechnologie ergaben.

Der von Walther Gropius erhobenen Forderung „Kunst und Technik eine neue Einheit!“ bot sich das Aufgabenfeld von Wohnkultur und zeitgemäßer Beleuchtung besonders an.

Werbung für die Roban-Leuchte aus JENAer Glas, Entwurf Laszlo Moholy-Nagy, um 1935. Bild: SCHOTT Archiv

In der Metallwerkstatt des Bauhauses arbeitete Wilhelm Wagenfeld und stellte 1924 eine Tischleuchte mit Kuppel aus Jenaer Glas vor - ein legendärer Entwurf, bis heute populär als „Bauhaus-Leuchte.“ Ab 1931 entwickelte Wagenfeld am Jenaer Glaswerk ein Sortiment von Leuchten, unter anderem auch Modelle der „Astax“-Reihe: Leuchten, deren Korpus ganz oder teilweise verspiegelt war.Die Reklame für das moderne Glas aus Jena konzipierte Lázló Moholy-Nagy und kultivierte dabei das Licht als zeitgemäßes gestalterisches Medium.

Mit Jena ist auch der Name Zeiss als führendes Unternehmen der optisch-feinmechanischen Industrie verbunden. 1926 hatte sich das Unternehmen mit anderen Herstellern von Fotokameras zum Zeiss Ikon-Konzern mit Sitz in Dresden zusammengeschlossen. Zur Produktpalette gehörten auch verspiegelte Leuchten, produziert im Goerzwerk in Berlin. Einige Modelle entwarf Adolf Meyer, Architekt, Meister am Weimarer Bauhaus und langjähriger Mitarbeiter von Walther Gropius. Die Zeiss Ikon-Leuchten stehen beispielhaft für die klare, aus stereometrischen Einzelelementen bestehende Formensprache der Neuen Sachlichkeit.

 

Begleitprogramm

„Probieren Sie es selbst!“
Glasblasen für Kinder und Erwachsene ab 12 Jahren.

Termine: 17.2., 17.3., 31.3., 14.4., 5.5., 19.5., 23.6. jeweils 10.30-13.30 Uhr. Kosten: 5 Euro zzgl. Museumseintritt.

Anmeldung: glashuette-gernheim-shop@lwl.org oder 05707 9311-26

Führungen durch die Ausstellung
3.3., 31.3., 21.4., 16.6., 14.7., 11.8., 25.8. jeweils 15.30 Uhr. Kosten: nur Museumseintritt
19.5. (Internationaler Museumstag): 16 Uhr (freier Eintritt)

Führungen auch als Gruppe (max. 25 Personen) buchbar. Kosten: 40 € zzgl. Eintritt

Workshops
Sa, 9.3. 11-14 Uhr: Bauhaus - Workshop für Kinder von 7-11 Jahren: Erstellung einer Bauhaus-Leuchte. Kosten: 12 Euro

So, 10.3. 11-14 Uhr: Bauhaus - Workshop für Erwachsene: Erstellung einer Leuchte aus Holz, Glas und Papier. Kosten: 25 Euro zzgl. Eintritt

Exkursionen
Sa, 23.3. Fagus-Werk, Alfeld: Architektur-Führung. Kosten: 16 Euro zzgl. Anfahrt (10 Uhr Abfahrt ab Glashütte Gernheim)

Sa, 22.6. Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung, Bremen: Führung Sonderausstellung. Kosten: 10 Euro zzgl. Anfahrt (10 Uhr Abfahrt Bhf. Petershagen)

Bei beiden Exkursionen besteht die Möglichkeit, die Anfahrt auch selbst zu organisieren.

 

Anmeldungen zu Exkursionen, Workshops und Führungen unter Sabine.Jungcurt@lwl.org oder Tel. 05707 9311-38

Partner und Förderer

Die Ausstellung wurde entwickelt von Prof. Jakob Gebert, Armin Huber, Hanna Krüger und Dr. Angelika Steinmetz-Oppelland im Auftrag des LWL-Industriemuseums Glashütte Gernheim. Sie ist Teil des Kooperationsprojektes „100 jahre bauhaus im westen“ unter Schirmherrschaft von NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Die Ausstellung wurde maßgeblich durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) gefördert. Sie wird ab September 2019 im Stadtmuseum Jena zu sehen sein.

Der Katalog mit Beiträgen von Jakob Gebert, Armin Huber, Annemarie Jaeggi, Hanna Krüger, Robin Rehn, Angelika Steinmetz-Oppelland und Christoph Wowarra erscheint im März 2019 im Klartext Verlag, Essen.