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Schlossanlage Burg Schnellenberg
 

Die Burg Schnellenberg im Kreis Olpe zwischen Biggesee und Attendorn ist eine eindrucksvolle Höhenburg auf dem Rappelsberg, die nach wie vor im Eigentum der Familie des Freiherrn von Fürstenberg-Herdringen ist. Das herausragende westfälische Baudenkmal ist aber auch ein ein beliebtes Ausflugsziel im Südsauerland. Heute beherbergt sie ein exklusives Hotel und Restaurant. Von den Terrassen ergeben sich herrliche Blicke in die Landschaft zwischen Ebbe- und Rothaargebirge.

Externe ID: T-RED-BARNARD-20131126-0001
Erfassungsdatum: 26.11.2013
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2011: Burg Schnellenberg, Attendorn

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Burg Schnellenberg (Kulturlandschaft)

 

Hinweis: Die in Klammern gesetzten Zahlen im Text beziehen sich auf die Nummern im Lageplan.

Burg Schnellenberg wurde 1222 an strategisch günstiger Stelle auf einem Bergsporn hoch über dem Südufer der Bigge, zeitgleich mit der Befestigung Attendorns errichtet. Der Kölner Erzbischof Engelbert vom Berg ließ die Burg zur Sicherung der "Heidenstraße" bauen, einer bedeutenden Handelsstraße, die bei Attendorn die Bigge überquerte.

Als Kaspar von Fürstenberg 1594 die Burg Schnellenberg erwarb, hatte sie bereits mehrere Besitzerwechsel und Umbauten erlebt. Bei seinem Kauf war die Anlage allerdings in einem ruinösen Zustand. Die neuerlichen Bautätigkeiten unter seiner Regie dauerten über 12 Jahre, und erst 1607 zog Kaspar von Fürstenberg endgültig von seinem bisherigen Lebensmittelpunkt, der Burg Bilstein im Gebiet der heutigen Stadt Lennestadt, auf die Burg Schnellenberg. Hier ging der Pflanzensammler und Gartenliebhaber knapp 25 Jahre lang intensiv seiner grünen Leidenschaft nach und ließ mehrere Gärten anlegen. Spuren dieses Schaffens sind heute, 400 Jahre später, noch im Umfeld der Burg gegenwärtig. Sie laden zu einer Reise in die Gartenkultur ab dem frühen 17. Jahrhundert ein, wie sie an einem der bedeutendsten westfälischen Adelshöfe dieser Zeit gepflegt wurde. Mit seiner zweiten Frau Enneke lebte er 5 Jahre auf der Burg, bis er 1613 zum Landdrosten ernannt wurde und nach Arnsberg zog, wo er 1618 starb.
Die Familie von Fürstenberg war sehr angesehen und einflussreich, was sich in den drei großen Schlossanlagen Schnellenberg, Adolfsburg und Herdringen spiegelt. Man kann deshalb davon ausgehen, dass die Gartenbegeisterung Kaspar von Fürstenbergs und seiner Nachfolger außerordentliche Beachtung fand und einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der gesamten Gartenkultur Südwestfalens hatte.  
Kaspar von Fürstenbergs Tagebücher belegen, dass er über all die Jahre, parallel zu den Bauarbeiten an der Burg, intensiv die Anlage von Gärten vorangetrieben hat. Immer wieder gibt es Einträge, nach denen er ganze Tage mit Pflanzarbeiten, Veredelungen von Obstbäumen oder der Beaufsichtigung von Bauarbeiten im Garten verbrachte. Bewässerungsleitungen wurden verlegt, der Bau von Brunnen beauftragt und Mauern zur Terrassierung des Geländes errichtet. Die Gärten wurden, den topografischen Gegebenheiten angepasst, an geeigneten Stellen um die Burg angelegt. Diese bestand damals lediglich aus der heutigen Oberburg (1). In den Tagebüchern ist von einem "klein weingärtchen für der pforten" oder einem Baumgarten, der damaligen Bezeichnung für einen mit Obstbäumen bestandenen Garten, "im grunde unter dem schnellenbergh" die Rede. An anderer Stelle wird ein "neuwer gemachter garten vor dem haus" oder ein "kuchengärtchen bei dem vurwerk" erwähnt. Auch die heute noch vorhandenen sechs Fischteiche gehen auf Kaspar von Fürstenberg zurück. Bauliche Reste weisen auf eine Mühle (2) hin, die er 1596 am fünften Teich errichten ließ.
Viele der benötigten Pflanzen für die Gärten wurden auf dem Gut Hengstebeck kultiviert, das zwischen den Burgen Bilstein und Schnellenberg liegt. Sie wurden wagenweise nach Schnellenberg gebracht. Kaspar von Fürstenberg betrieb einen regen Pflanzentausch innerhalb der Familie. Sein Bruder Dietrich residierte ab 1585 als Fürstbischof von Paderborn im Schloss Neuhaus. Nicht wenige Tagebucheinträge geben Hinweise wie: "Ich uberkomme ettliche gartengewechs als artischok und anders vom Neuwenhauß." Oder: " Der gartener vom Neuwenhauß kumbt darzu und richtet mir das gartlin zu." Aus dem Garten am Kloster Oelinghausen, Kaspars Schwester Ottilia war dort Äbtissin, kamen neben den laut Tagebuch gelieferten Erbsen gewiss auch Heil- und Würzkräuter in das Schnellenberger "krautgärtchen". Der fürstbischöfliche Bruder war es übrigens, der die kostbare Ausstattung der erhaltenen Hauskapelle im Obergeschoss des Torturms anregte. Nach Absprache können die Kapelle und die "Schatzkammer" besichtigt werden.  
Die auf Kaspar von Fürstenberg folgenden Generationen entwickelten die Burg weiter und verfeinerten die Burggärten. Eine intensive Bautätigkeit hat ab 1686 der Burg die gegenwärtige dreiteilige Gestalt gegeben. Der Urenkel Kaspar von Fürstenbergs, Ferdinand von Fürstenberg (1661 bis 1718) ließ zwischen 1687 und 1694 die mächtige Vorburg (3) errichten, in der heute das Hotel untergebracht ist. Einem Jagdschloss ähnlich, war sie mit zahlreichen Zimmern für auswärtige Gäste und mit Pferdeställen ausgestattet. 1708 erfolgte der Bau des Wirtschaftshofes mit der Unterburg (4).
Pläne aus dem frühen 18. Jahrhundert geben Hinweise, wie die Gärten (5) im Barock ausgesehen haben könnten. Der Planverfasser ist nicht bekannt, es ist jedoch denkbar, dass die Entwürfe von Gottfried Laurenz Pictorius (1663 bis 1729) stammen. Er war ein berühmter Architekt seiner Zeit, von ihm stammen zum Beispiel die Baupläne zum fürstbischöflichen Residenzschloss in Nordkirchen im Münsterland. Dem Zeitgeschmack entsprechend zeigen die Pläne symmetrische Anlagen in barocker Pracht. Eine Mittelachse mit einem Fontänenbrunnen im Zentrum zielte auf einen Endpunkt mit einer figurenbestandenen Kaskade. Über flankierende Treppen, der Geländeversprung ist noch deutlich zu erkennen, gelangte man auf einen höher gelegenen Gartenteil, der durch Karreebeete gegliedert war. Seitlich führte eine Treppe zu einem Pavillon. Über einen Graben wurde Wasser von den umgebenden Hügeln in einen Speicher ("Waßerfang zur Cascade") zum Betrieb der Wasserspiele geleitet. Mit Phantasie kann man sich das luxuriöse höfische Leben auf den heute zum Teil brach liegenden Flächen vorstellen.
Ein Urhandriss von 1831/1832 zeigt den damaligen Bestand an Gärten. Neben dem "großen Garten" (5) wird auch ein "Platzgarten" (6) zwischen der Unter- und der Vorburg dargestellt. Als "der tiefe Garten" (7) wird die Fläche zwischen der südlichen Burgmauer und dem ersten Teich bezeichnet. Der "Hofraum" (8) und ein Plateau (9) im Nordosten der Oberburg werden nicht speziell als Garten benannt, obwohl die im Plan schwach dargestellten Wege auf der großen ebenen Fläche auf eine derartige Gestaltung hinweisen und zumal ein als "Solitude" (Einsamkeit) (10) bezeichnetes und erhaltenes Gartenhaus diesen Bereich nach Norden abgeschlossen hat. Ein doppelläufiger Zick-Zack-Weg (11) führte von der Oberburg hinunter in "Das Friedrichs-Thal" und zu den Fischteichen. Bemerkenswert ist das Wegesystem, das die Burg umgeben hat und in seinen Grundzügen heute noch besteht. Gleich drei Wege führten zu einem geebneten, nahezu runden Platz (12) abseits im Wald: Die "Seuffzer Allée" (13) westlich, ein Weg (14) östlich der Burg und mittig ein Weg von der "Solitude" vorbei an "Robinsons Hütte".
Der burgnahe Wald zwischen der Bigge und dem Nebentälchen mit den Fischteichen im Osten, war der "Der Thiergarten von Fürstenberg" (15). Tiergärten waren abgeschlossene Waldbereiche, in denen heimisches Wild und manchmal auch exotische Tiere gehalten wurden. Sie dienten der gesellschaftlichen Jagd und als lebende Vorratskammer für die Versorgung des Hofes mit frischem Fleisch.
Burg Schnellenberg strahlt nun nach knapp 800 Jahren immer noch eine Faszination auf die Besucher aus. Die Blütezeit der Burggärten ist längst vergangen und dennoch können die überkommenen Reste der Gärten eine Ahnung von der Entwicklung der Gärten und den Lebensbedingungen  auf einer herrschaftlichen  Höhenburg vermitteln.

Literaturangaben

  • Kalle, Hartmut et al. (2013): Parks + Gärten in Südwestfalen Kreis Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis. Steinfurt.
  • Dehio, Georg (2011): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Band 2: Westfalen. Berlin /München.
Externe ID: LWL-GUP01088
Erfassungsdatum: 26.11.2013
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: i.d.R. 1 : 5.000 (größer als 1 :20.000)
Erfassungsmethode:
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Archivauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1607
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10064349


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2011: Burg Schnellenberg, Attendorn
2012: Burg Schnellenberg
2011: Burg Schnellenberg, Attendorn
2011: Burg Schnellenberg, Attendorn
2011: Burg Schnellenberg, Attendorn
2011: Burg Schnellenberg, Attendorn
2011: Burg Schnellenberg, Attendorn