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Schlossanlage Herdringen
 

Schloss Herdringen im gleichnamigen Arnsberger Stadtteil ist seit fast 400 Jahren Sitz der Freiherren von Fürstenberg-Herdringen und gilt als einer der bedeutendsten neugotischen Profanbauten in Westfalen. Bereits Ende des 14. Jahrhunderts wurde das damalige Rittergut erstmals erwähnt. Das heutige Schloss wurde in den Jahren 1848 bis 1852 von einem damaligen Kölner Dombaumeister erbaut.

Externe ID: T-RED-BARNARD-20131031-0001
Erfassungsdatum: 31.10.2013
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2007: Schlosspark Herdringen

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Herdringen (Kulturlandschaft)

 

Hinweis: Die in Klammern gesetzten Zahlen im Text beziehen sich auf die Nummern im Lageplan.

Der Landschaftspark (4) am Schloss Herdringen gehörte im 19. Jahrhundert zu den größten Parkanlagen Westfalens. In seiner ausgedehnten Gesamtgestaltung ist er einzigartig für Westfalen. Noch heute ist in Herdringen die Einheit von Bauwerk und Park beeindruckend. Das Schloss ist im Eigentum des Freiherrn von Fürstenberg-Herdringen. Es ist ebenso wie die privaten Parkbereiche nur zu besonderen Anlässen zugänglich. Jedoch ergeben sich von den umgebenden, weitläufigen Wegen immer wieder herrliche Blicke über die Wiesen auf das bedeutendste neugotische Schloss Westfalens.
Im Nordosten der Gesamtkomplexes liegt der Burghügel der "Keppelburg" (7). Die Burg war der historische Vorgängerbau des Schlosses, ihre Wälle sind noch erkennbar. Hier liegt auch der älteste Teil des Schlossparks (8) mit stattlichen Altbäume. Die Anlage eines Golfplatzes um 1960 hat die Geländemodellierung des historischen Landschaftsparks überformt. Im "Kettelburgsiepen"(9) kann man noch Reste historischer Fischteiche erkennen. "Siepen" ist eine regionaltypische Bezeichnung für ein schmales Bachtal. Entlang des Golfplatzes und durch ein Wäldchen hat der Weg zum Teil einen  historischen Verlauf.
Immer wieder bieten sich eindrucksvolle Blicke auf das Schloss und in den Park. "Edgar Wallace lässt grüßen" könnte man beim Anblick des Herrenhauses denken. Man fühlt sich an ältere englische Kriminalfilme erinnert, wurde es doch im neogotischen Stil, der sich hier am Tudorstil orientiert, erbaut. Und tatsächlich war das Schloss in den 1960er Jahren Drehort und Kulisse für Filmaufnahmen des legendären britischen Krimiautors.
Die Schlossanlage (1) entstand gut erkennbar in zwei getrennten Bauphasen: Die wehrhaft wirkende dreiflügelige Unterburg (2) wurde zwischen 1680 und 1723 erbaut. Zu dieser Zeit entstanden bereits Gärten. Das Gartenhaus (3) von 1686 und die Einfassungsmauern eines barocken Gartenparterres (10) sowie ein Brunnenbecken sind erhalten. Ein Plan zeigt den Zustand nach 1736 mit großflächigen, das Schloss umgebenden  Nutzgärten, aber auch einem Ziergarten. Eine Fontäne, Statuen und eine Treppe im Parterre vor dem Gartenhaus sind bemerkenswerte Elemente dieses Ziergartens. Nördlich des "Buiterweges" (heute "Zum Herdringer Schloss") bestanden Nutzgärten und ein vermutlich mit Obstbäumen bepflanzter Baumgarten (11).
1848 bis 1852 wurde das Schloss (1) vom Schinkel-Schüler und Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner als Ersatz für das in einem Hausteich (Gräfte) gelegene Herrenhaus gebaut. Das Besondere des Neubaus ist die bewusste Ausrichtung der Schauseite des Gebäudes auf den Talraum: Zwirner veränderte den Schlossstandort und legte die Hauptfassade auf die neu zu gestaltende Gartenseite. Schloss und Park wurden in ihrer Wirkung aufeinander bezogen, was sich an der kilometerlangen und gartenkünstlerisch inszenierten Sichtachse über das Wiesental hinweg bis zum Arnsberger Wald zeigt. In der englischen Gartenkunst des 18. und frühen 19. Jahrhunderts stand  das neue, romantische, von Empfindsamkeit geprägte Verhältnis zur Natur im Vordergrund. Im "natürlichen" Garten wurden dem Betrachter Landschaftserlebnisse in wechselnden Bildern und Stimmungen geboten. Besonders bemerkenswert für Herdringen sind die erhaltenen Blickbeziehungen über die Tal- und Parkwiesen auf die Schlossanlage, sowie von deren Gartenfassade in den Landschaftsraum des Sauerlandes. Detailliert geplante Pflanzungen betonen und lenken die Blicke über den bewusst offen gehaltenen, sich nach Osten erstreckenden Talraum. In der Nähe des Schlosses pflanzte man vermehrt exotische Bäume, weiter entfernt gruppierte man vorwiegend heimische Baumarten.
Den Entwurf für einen landschaftlichen Park fertigte der königliche Gartenbaudirektor Maximilian Friedrich Weyhe (1775 bis 1846) aus Düsseldorf. Dieser zu seiner Zeit berühmte Gestalter zahlreicher herausragender Parkanlagen im Rheinland und in Westfalen hatte mit den Planungen schon begonnen, bevor der Neubau des Schlosses ins Auge gefasst worden war. Weyhes Gärtenpläne waren noch auf das alte Herrenhaus ausgerichtet. Die Umsetzung seines letzten großen Werkes erlebte er nicht mehr. Jakob Greiß, ein Schüler Weyhes und Kölner Gartendirektor, übernahm die Fortsetzung der Planungen und die Neuausrichtung des Parks auf den Zwirnerbau. Greiß starb 1853. Sein Nachfolger im Kölner Amt, Anton Strauß, wurde mit den weiteren Arbeiten betraut.
Zwischen dem Schloss und dem Landschaftspark wurde vor dem Haus ein "Pleasureground" (13) angelegt. Dieser Gartenteil stellte nach englischem Vorbild den Übergang vom Gebäude zum natürlich-landschaftlichen Park dar. Er war kunstvoll mit Beeten, geschwungenen Wegen und einem Teich gestaltet. Über den erhaltenen Teich, er ist Rest der ehemaligen Gräfte, führt eine neugotische gusseiserne Brücke. Gartenskulpturen beleben die Szenerie.
Beim "Lichterzauber", einer Schloss- und Parkillumination, oder für Konzerte steht auch dieser Parkbereich den Besuchern offen. Die Räumlichkeiten des Schlosses können für Feste, Feierlichkeiten oder Messen angemietet werden. Das Ambiente wird von Hochzeitsgesellschaften geschätzt.
Bekannteste Persönlichkeit des Hauses Herdringen ist übrigens Franz Freiherr von Fürstenberg, 1729 im Schloss geboren. Er war Staatsminister des Fürstbistums Münster und gründete 1780 die heutige Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Literaturangaben

  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Kalle, Hartmut et al. (2013): Parks + Gärten in Südwestfalen Kreis Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis. Steinfurt.
  • Dehio, Georg (2011): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Band 2: Westfalen. Berlin /München.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
Externe ID: LWL-GUP01058
Erfassungsdatum: 31.10.2013
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: i.d.R. 1 : 5.000 (größer als 1 :20.000)
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Auswertung historischer Schriften
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1848 - 1852
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10063619


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