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Wallanlagen Soest
 

Die Wallanlage ist der verbliebene innere Ring der Soester Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert. Noch heute umschließen die Wälle zwei Drittel der Altstadt.

Externe ID: T-RED-BARNARD-20131021-0001
Erfassungsdatum: 21.10.2013
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2011: Wallanlagen Soest

Zugehöriges Objekt

Wallanlagen Soest (Kulturlandschaft)

 

Hinweis: Die in Klammern gesetzten Zahlen im Text beziehen sich auf die Nummern im Lageplan.

Soest, die alte Hanse- und "heimliche Hauptstadt Westfalens", war im Mittelalter die größte und bedeutendste Stadt Westfalens. Durch die fruchtbare und quellreiche Landschaft der Soester Börde und die Lage am Fernhandelsweg Hellweg war Soest wohlhabend und spielte bis ins 16. Jahrhundert eine wirtschaftlich herausragende Rolle in Deutschland.
Die historische Altstadt mit ihren rund 600 denkmalgeschützten Gebäuden ist das Zentrum der rund 49.000 Einwohner zählenden Kreisstadt.
Die Wallanlage ist der verbliebene innere Ring der Soester Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der die Stadt mit Armbrust, Pfeil und Bogen verteidigt wurde. Noch heute umschließen die Wälle zwei Drittel der Altstadt.
Die Wall- und Grabenanlage lässt sich während eines Spazierganges auf den Wällen erkunden. Der Weg - mit herrlichen Blicken auf die markanten Kirchtürme, die Giebel- und Dächerlandschaft und die Gärten der Altstadt sowie in den grünen Stadtgraben unterhalb der Wallmauer - ist rund 2,5 Kilometer lang. Es bieten sich immer wieder Abstecher in die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und den für Soest typischen Grünsandsteinmauern an.
Bis ins 16. Jahrhundert bestand die Befestigung der Stadt aus einer überwiegend baumfreien Doppelwallanlage. Dem inneren Wall mit einem vorgelagerten, damals zeitweise wasserführenden und etwa 20 Meter breiten Graben ("Gräfte") folgte ein bis zu 70 Meter breiter Streifen mit den Nutzgärten vor den Toren der Stadt. Er war von einem bis zu 6 Meter breiten Weg durchzogen. Dessen Verlauf zeichnen heute die verkehrsreichen Wallstraßen (1) nach. Damals grenzten ein äußerer Wall und ein weiterer, schmalerer Graben die Verteidigungsanlage stadtauswärts ab. 1586 wurde der äußere Wall eingeebnet und der Graben verfüllt. Längst sind die Flächen überbaut, nur noch an wenigen Stellen sind Reste der alten Anlage zu erkennen.
Auf Initiative Friedrichs des Großen, der die Seidenproduktion in seinem Land Preußen förderte, wurden in Soest ab 1750 über 600 Maulbeerbäume auf die verbliebenen inneren Wälle gepflanzt. Durch den Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) und wohl auch durch die ungünstigen Wachstumsbedingungen scheiterte die Seidenraupenzucht, und die Maulbeerbäume gingen ein oder wurden gefällt. Nachdem der innere Wall um 1800 verfallen war, wurde er 1818 bis 1827 wieder hergestellt. Ein mit Bäumen bestandener Promenadenweg wurde angelegt. Die westlichen und nördlichen Wälle waren mit Linden, die östlichen und südlichen Abschnitte mit mehr als 300 Pappeln bestanden. Die weniger langlebigen Pappeln wurden ab 1880 gefällt und durch Winterlinden ersetzt. Seitdem stehen rund 600 Linden auf den sechs Soester Wallabschnitten. Die einzelnen Wälle werden nach den ehemaligen Stadttoren bezeichnet, an die sie sich anschließen. Die ältesten, bald 200-jährigen Linden stehen auf dem Jakobi-Nötten-Wall und dem Nötten-Brüder-Wall.
Wall und Gräfte bilden heute die größte städtische Grünanlage. Durch die ehemalige Gräfte, heute mit zum Teil exotischen Bäumen und Sträuchern bepflanzt, mit Kinderspielplätzen und mit vielen  Kunstwerken ausgestattet, führt ein Rad- und Fußweg. Die zahlreichen modernen Skulpturen haben einen dauerhaften Ausstellungsort in der Gräfte bekommen. Die "Tanzenden Bären" (5) erinnern an den Soester Tierpark, der sich in den 1950er bis 1960er Jahren in der Gräfte befand. Sie wurden 1969 vom Soester Künstler Fritz Viegener aus Anröchter Grünsandstein geschaffen. In unmittelbarer Nähe steht ein Werk ohne Titel des Soester Künstlers Bernd Ellebracht, ein Quader mit keilförmiger Spitze, ebenfalls aus Anröchter Grünsandstein. Ausführliche Informationen zu allen Skulpturen der Gräfte findet man im Internet unter www.skulpturenverzeichnis-soest.de
Das Osthofentor (2) wurde 1523 bis 1526 erbaut und ist das letzte erhaltene von ehemals 10 Stadttoren. Wer etwas zur Soester Geschichte erfahren möchte, besucht das Museum im Turm des Tores mit einer Sammlung von 25.000 mittelalterlichen Armbrustbolzen. Weitere Museen der Stadt geben vertiefende Auskunft.
Der Wallabschnitt führt durch eine malerische Lindenallee in Richtung Thomätor. Bis zu 36 Wehrtürme haben vermutlich den gesamten ehemaligen inneren Stadtwall gesichert. Der Unterbau (3) eines der ursprünglich vier Türme auf dem Osthofen-Thomä-Wall ist erhalten. Von hier aus ergeben sich schöne Blicke auf die Stadt und in die Gräfte.
Über den Thomä-Grandweger-Wall (4) gelangt man zum Grandweg-Ulricher-Wall. Hier sind die baulichen Reste des einzigen Wehrturmes (6) dieses Wallabschnittes erhalten. Der Wall hat zwei Durchbrüche: 1925 wurde eine Verbindung zu einer bereits 1913 gebauten Beamtensiedlung geschaffen. Die "Beamtenlaufbahn" ist heute mit einem Lichtbogen des Soester Künstlers Richard Cox versehen. 1943 wurde ein Fußgängertunnel, der zu zwei Luftschutzkellern in der Gräfte führte, gebaut. Vielen Menschen ist vom Vorbeifahren auf dem "Brunowall" die auffallende Skulptur (7) des Paderborner Künstlers Wilfried Hagebölling aus dem Jahr 1973 bekannt.
Der Ulrich-Jakobi-Wall (8) war mit ehemals fünf Wehrtürmen stark gesichert. Der Katzenturm (9) aus dem Jahr 1230 ist der einzige vollkommen erhaltene Turm des ehemaligen inneren Stadtwalls. Wenige Meter hinter dem Turm öffnet sich der Blick auf den "Rosengarten"(10), der in der ehemaligen Gräfte angelegt ist. Diese Gartenanlage erinnert an die Beliebtheit üppiger Rosengärten in den 1950er bis 70er Jahren. So wie damals beherrscht die Königin der Blumen konkurrenzlos die Beete und duldet keine Staude neben sich. Lediglich die zahlreichen Solitärsträucher und Bäume haben sich zu prachtvollen Exemplaren entwickelt. Der schnellwüchsige Urweltmammutbaum überragt alle anderen Gehölze. Im Rosengarten blüht es farbenfroh vom zeitigen Frühjahr mit Beginn der Blüten der Magnolien und der Japanischen Kirschen bis zum Welken der späten Rosensorten im Herbst. Auch im Rosengarten stehen einige Kunstwerke der Soester Skulpturensammlung.  
Unmittelbar am Jakobitor befindet sich das Pilgrimhaus (11), eines der ältesten Gasthäuser Westfalens. Dort rasteten schon im 14. Jahrhundert Pilger auf dem Jakobsweg.
Der Jakobi-Nötten-Wall weist an einer Stelle eine halbkreisförmige, bastionsartige Verbreiterung (12)  auf. Es handelt sich jedoch nicht um die Reste eines Wehrturmes, sondern um das Fundament einer Bockwindmühle. Mehrere solcher Windmühlen standen zwischen etwa 1340 und 1750 hier. Vom "Windmühlenberg" führt eine Treppe  in die Altstadt, wo in der Nähe der Bergenthalpark liegt
Der Bergenthalpark ist mit gut einem Hektar die größte Parkanlage innerhalb der Stadtmauern. Er ist nach einem seiner Besitzer, Constantin Wilhelm Bergenthal (1834 bis 1893), einem Pionier der Frühindustrialisierung in Soest benannt. Ursprünglich handelte es sich bei der Gesamtanlage um einen großzügigen Adelshof der Familie von Bockum-Dolffs mit Wohnhaus, Scheune, Stallung und Gärten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Aus dem 18. Jahrhundert stammt auch das Teehaus (13) im Garten. Es ist das letzte seiner Zeit in Soest.
Das ehemalige Wohnhaus wird heute von der Volkshochschule genutzt. In der renovierten Fachwerkscheune lebte und arbeitete der vielseitige Tischler, Künstler, Pädagoge und Architekt Hugo Kükelhaus (1900 bis 1984). Im "Haus Kükelhaus" ist das unveränderte Arbeitszimmer des Künstlers zu besichtigen. In den historischen Gebäuden ist eine Begegnungsstätte untergebracht.
Von den Soestern wird der Park, ein ruhiges Kleinod inmitten der Stadt, besonders wegen seines wertvollen, bis 160 Jahre alten und zum Teil seltenen Baumbestandes geschätzt. Die Farnblättrige Buche und die Eichenblättrige Hainbuche sind dendrologische Raritäten. Die auf Hugo Kükelhaus (1900 bis 1984) zurückgehenden Spielstationen wie die "Partnerschaukel" oder das "Drei-Zeiten-Pendel" sind bei Jung und Alt beliebt. Sie entstammen dem "Erfahrungsfeld der Sinne" des Künstlers.
Wer die Wallanlage in ihrer ganzen Ausdehnung sehen möchte, folgt der Wallpromenade weiter bis zum Nötten-Brüder-Wall (14). Auf Höhe des Bergenthalparkes gibt es einen weiteren Mauerdurchgang in die ehemalige Gräfte.
Der gesamte Wall weist heute immerhin noch zwei Drittel seiner ursprünglichen Länge auf. Das nördliche Drittel der Stadtumwallung wurde im 19. Jahrhundert im Rahmen der Stadtentwicklung rund um den Bahnhof abgebrochen. Veränderungen gab es bereits Ende des 16. Jahrhunderts: Damals wurde das Schonekindtor geschlossen und an seiner Stelle eine mächtige fünfeckige Bastion (15) errichtet, die bei Belagerungen der Stadt gegen Geschütze einen besseren Schutz versprach.
1912 gab Engelbert Freiherr von Kerckerinck zur Borg folgenden poetischen Hinweis, der bis heute für den grünen Gürtel der Stadt seine Gültigkeit hat: "Soest muß man aufsuchen im Frühling. Man muß auf den Wällen spazieren, hinunterschaun auf die Stadt. Eingehüllt liegt sie da, in ein Blütenmeer gebettet. Aus dem Schnee der Obstblüten wachsen die roten Dächer heraus und sammeln sich um den grün verwitterten Dom des Patroklus und die Kirchen des heiligen Paul und des heiligen Peter und die gotischen Helme der Wiesenkirche."

Literaturangaben

  • Kalle, Hartmut et al. (2013): Parks + Gärten in Südwestfalen Kreis Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis. Steinfurt.
  • Kerckerinck zur Borg, Engelbert von / Klapheck, Richard (1978): Alt-Westfalen. Die Bauentwicklung Westfalens seit der Renaissance. Frankfurt/Main, unveränderter Nachdruck von 1912.
Externe ID: LWL-GUP01015
Erfassungsdatum: 21.10.2013
Kategorie: Grüngürtel
Erfassungsmaßstab: i.d.R. 1 : 5.000 (größer als 1 :20.000)
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Fotos
  • Archivauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1101 - 1199
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10062896


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2011: Wallanlagen Soest