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Parkfriedhof Werl
 

Der Parkfriedhof aus dem Jahre 1850 ist ein Ort der Ruhe im Südosten des Stadtzentrums. Er gehörte im 20. Jahrhundert zu den schönsten Friedhöfen Westfalens.

Externe ID: T-RED-BARNARD-20131017-0002
Erfassungsdatum: 17.10.2013
Kategorie: Religion
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2012: Parkfriedhof Werl

Zugehöriges Objekt

Parkfriedhof Werl (Kulturlandschaft)

 

Hinweis: Die in Klammern gesetzten Zahlen im Text beziehen sich auf die Nummern im Lageplan.  

Mit dem industriellen Wachstum Werls und dem Bevölkerungsanstieg wurde der Friedhof am Steinertor zu klein. 1850, etwas früher als der Kurpark, wurde 200 Meter südöstlich der Stadt an der Soester Straße ein neuer Begräbnisplatz angelegt. Der Werler Stadtbaumeister Rudolf Wegener entwarf eine Vier-Felder-Anlage mit einem rechtwinkeligen Wegesystem. In dessen Zentrum steht das vom alten Friedhof stammende, repräsentative Hochkreuz der Erbsälzerfamilie von Mellin (1). Mit einem Hektar Fläche bildete dieser Friedhofsteil den Grundstock für die heute 12 Hektar große Anlage. Auf dem Friedhof liegen die zum Teil sehr eindrücklichen Grabstätten der Werler Pröpste und Geistlichen, der Erbsälzer, und in Werl verstorbener Franziskaner. In der einzigen Grabkapelle (2) auf dem Friedhof wurde der Gründer des Werler Mariengymnasiums, Johannes Spieker, beigesetzt. Bekannte Werler wie der fromme Pilger Kaspar Schwarze ("Betkaspar"), der jährlich über 150 Kirchen in der Region besuchte und Hedwig Dransfeld, Aktive der katholischen Frauenbewegung und Politikerin Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, haben dort mit zwei Ehrenbürgern der Stadt Werl Ehrengräber.
Am Ende der Mittelachse des ältesten Friedhofteils steht der bemerkenswerteste Baum des Friedhofes, eine über 200 Jahre alte Libanon-Zeder (Cedrus libani) (2). Die immergrüne Zeder gehört zu den Kieferngewächsen und stammt aus Vorderasien. Sie ist als Wappenzeichen in der Flagge des Libanons abgebildet. In ihrer Heimat kann sie über 1.000 Jahre alt werden. Da die Werler Zeder schon vor der Anlage des Friedhofes ein beachtlicher Baum war, richtete Wegener die Gestaltung und die Wegeführung auf diesen außergewöhnlichen Baum aus. Zum Ursprung dieser exotischen Baumpflanzung schon im 18. Jahrhundert berichten Überlieferungen, dass er von einem Missionar oder einem Pilger als Pflänzchen aus dem Orient mit nach Werl gebracht wurde, was zu diesem historischen Marienwallfahrtsort passen würde. In ihrem Schatten liegt die malerische Grabes-Grotte des Probstes Alterauge aus Lavastein.
Auch die 1850 gepflanzten Gehölze wie Ahorne, Linden, Eschen, Lebensbäume und verschiedene Tannen sind zu prächtigen und raumbildenden Exemplaren herangewachsen. Von den ehemals zahlreichen, kunstvoll mit geschmiedeten Gittern umfassten Familiengräbern sind nur wenige erhalten. Die Friedhofskapelle (3) wurde 1953 in den ältesten Friedhofsteil integriert. Städtebauliche Neuplanungen westlich des Friedhofes führten dazu, dass im Jahr 2012 PKW-Stellplätze auf die Fläche des historischen Friedhofs gebaut wurden.
Nach zwei Erweiterungen 1869 und 1886/87 beauftragte die Stadt 1911 den Düsseldorfer Gartenarchitekten M. Reinhardt mit einer grundlegenden Überplanung und großzügigen Ausdehnung. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich die Stilauffassung bei der Neuanlage von Friedhöfen - weg von den schlichten, geometrischen Anlagen - entwickelt. Dem neuen Trend folgend, plante Reinhardt eine parkartige Anlage, eine Verbindung aus Friedhof und Volksgarten. Zahlreiche unterschiedliche Gehölze aus fernen Ländern und seltene Baumarten wurden gepflanzt. Eiben- und Lebensbaumhecken rahmten die Grabfelder, Alleen säumten die Wege.
Gestalterische Höhepunkte der Neuplanung sind der mit mächtigen Platanen (Platanus acerifolia) umstandene Brunnen (4), sowie ein beeindruckender Laubengang (5). Kaum zu glauben, dass die bogenförmig an Eisenstangen geführten Krim-Linden (Tilia x euchlora) schon über 100 Jahre alt sind. Konsequentes und regelmäßiges Schneiden haben zu einem sehr reduzierten Dickenwachstum geführt. Unbeschnitten hätten die Linden in diesem Zeitraum vermutlich eine Höhe von 15 Meter und einen Stammdurchmesser von über 50 cm erreicht. Sehenswert ist auch das große Michaelsdenkmal aus dem Jahre 1930 für die gefallen Soldaten der vergangenen Kriege.
Der Parkfriedhof war bei der Bevölkerung schnell geschätzt, ganze Hochzeitsgesellschaften wählten Szenerien wie die neue Brunnenanlage als Fotomotiv.
Eine zweite große Erweiterung wurde 1969 nach Plänen des Kölner Gartenarchitekten Victor Calles durchgeführt. Gemäß dem Zeitgeschmack wurden beliebte Nadelgehölze wie Stech-Fichte (Picea pungens) und Schwarzkiefer (Pinus nigra) aber auch fremdländische Blühgehölze wie Japanische Kirschen (Prunus serrulata), Blutpflaumen (Prunus cerasifera ´Nigra´) oder Kupfer-Felsenbirnen (Amelanchier lamarckii) als gestalterisches Grundgerüst gepflanzt. Eine Besonderheit in diesem neuen Parkteil ist die vom Werler Künstler Karl Brodhun gestaltete Ehrenhain mit der 70 Meter langen Reliefwand aus Beton (6), für die Opfer der Kriege, Opfer der Vertreibung und Opfer der Gewalt.
Der Parkfriedhof in Werl ist ein interessantes Beispiel für den gesellschaftlichen Wandel in der Begräbniskultur und den jeweiligen gartenkünstlerischen Umgang damit. Viele Strukturen aus den einzelnen Entwicklungsphasen sind noch heute, wenn auch erst auf den zweiten Blick, zu erkennen. Deshalb bietet der Neue Heimat- und Geschichtsverein zweimal jährlich eine zweistündige Führung über den Friedhof an, bei der man die Geschichte der Ruhestätten und die Besonderheiten des Friedhofs kennenlernt.
Der allgemeine Sparzwang bei den Kommunen und die damit verbundene reduzierte Pflege führen auch im Werl zu sichtbaren Folgen. Der Stadt ist zu wünschen, dass sie den Parkfriedhof dauerhaft im Sinne dieses Zitates einer sauerländer Pilgerin aus dem frühen 20. Jahrhundert, der Blütezeit des Friedhofes, erhält: "De Wiärlsken hiet guet stiärwen, dat is jo dat reinste Paradias! Amme jüngesten Dage well nümmes waier opstohn, säo schoin is dat huier." (Die Werler haben gut sterben, das ist ja das reinste Paradies! Am jüngsten Tag will niemand wieder aufstehen, so schön ist das hier).

Literaturangaben

  • Rohrer, Amalie (1987): Eindringliche Mahnung zum Frieden. In: Jahrbuch g-h-m, o.O., S. 7.
  • Mensing, Roman, Prälat (2000): Nicht Tod - nur Übergang ein vergessenes Denkmal. In: Jahrbuch, o.O., S. 7.
  • Leidinger, Wendelin (1987): Ruhestätte für alle Zeiten. In: Jahrbuch g-h-m, o.O., S. 23.
  • Kalle, Hartmut et al. (2013): Parks + Gärten in Südwestfalen Kreis Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis. Steinfurt.
  • Wortmann, Adolf (1933): Vom schönen Werler Friedhof. In: Soester Heimatkalender 1933, Soest, S. 27.
  • Sobbe, Andrea (2000): "De Wärlsken het guet stärwen" Beitrag zur Geschichte, Funktion und Entwicklung des Werler Parkfriedhofs. Diplomarbeit an der Universität-Gesamthochschule Paderborn / Abteilung Höxter, Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, Paderborn/Höxter.
Externe ID: LWL-GUP01019
Erfassungsdatum: 17.10.2013
Kategorie: Gemeindefriedhof
Erfassungsmaßstab: i.d.R. 1 : 5.000 (größer als 1 :20.000)
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Fotos
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1850
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10062856


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2012: Parkfriedhof Werl
2011: Parkfriedhof Werl
2012: Parkfriedhof Werl
2012: Parkfriedhof Werl
2012: Parkfriedhof Werl
2011: Parkfriedhof Werl