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Schlossanlage Erwitte
 

Am nördlichen Rand des historischen Kerns der Stadt Erwitte liegt das Schloss mit dem heutigen Stadtpark.

Externe ID: T-RED-BARNARD-20131015-0001
Erfassungsdatum: 15.10.2013
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2011: Schloss Erwitte

Zugehöriges Objekt

Schloss- und Stadtpark Erwitte (Kulturlandschaft)

 

Hinweis: Die in Klammern gesetzten Zahlen im Text beziehen sich auf die Nummern im Lageplan.

Das Wasserschloss aus dem frühen 17. Jahrhundert weist anders als die Schlösser, die durchgehend im Besitz einer einzigen Familie waren, eine außergewöhnlich wechselvolle Geschichte auf: Vom ursprünglichen Adelssitz über eine Reichsschulungsburg sowie ein Lazarett in den 1930 bis 1940er Jahren, über amerikanische, britische und belgische Besatzungen in der Nachkriegszeit zur ersten Heil- und Schulungsstätte in Nordrhein-Westfalen bis 1956. Seitdem Standort der "Graf-Landsberg-Kaserne" der Bundeswehr, später Privatklinik und schließlich heute ein privat geführtes Viersterne-Hotel. In Erwitte findet man reichlich historische Spuren am Schloss, im Stadtpark und in der näheren Umgebung.
Die "Burg", wie das Schloss (1) noch heute bei den Erwittern heißt, ließ 1600 Jost von Landsberg errichten. Das Gebäude im Stil der Weserrenaissance lag nahe an zwei alten Heer- und Handelsstraßen, dem Hellweg (der heutigen Bundesstraße 1) und der Frankfurter Straße. Das Schloss "nebst Baum-, Kappes-, und Hopfengarten" diente den Grafen von Landsberg zunächst als Wohnsitz, später als Jagdschloss. Es zeigt die noch wehrhafte, aber stärker schon der Repräsentation verpflichtete Bauweise des Adels vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.
Heute ist das Bild der Gesamtanlage stark durch die baulichen Ergänzungen in den 1930er Jahren geprägt. Schon bei der Zufahrt durch die Schlossallee (2), dem historischen Hauptweg, fallen die der nationalsozialistischen Bauauffassung entsprechenden Gebäude auf. Die Linden der Schlossallee sind Nachpflanzungen der Kastanien, die ursprünglich die Zufahrt zum Schloss säumten. Markantestes Gebäude ist das Bruchsteingebäude (3), die "Feierhalle" des für das gesamte damalige Reich zuständigen Architekten Julius Schulte-Frolinde. Über dem Eingang fällt die große Adlerskulptur von Willy Meller auf. Im "Heimatstil" sind hingegen die gegenüberliegenden Gebäude (4) als Fachwerkbauten ausgeführt. Sie fungierten als Verwaltungs- und Wohnhäuser.
Der heutige, etwa 2,3 ha große Stadtpark (5) dürfte ebenfalls weitgehend auf Pflanzungen aus den 1930er Jahren zurückgehen. Vor den kulissenartigen Bäumen wurden die Freiflächen zum Lernen in "Freilichtklassen" genutzt. Von der Gartenseite der Festhalle hat man durch die Fenstertüren einen Blick in den Park. Auch deshalb ist der Stadtpark Teil des denkmalgeschützten Gesamtensembles. Einige markante Einzelbäume im Park stammen jedoch bereits aus früheren Schlossparkzeiten. Ein Barockgarten, wie an den Herrenhäusern der Zeit üblich, ist in Erwitte nicht eindeutig überliefert, wenn auch in alten Katasterkarten regelmäßig gegliederte Flächen im Bereich des heutigen Stadtparks und vor dem benachbarten Marien-Hospital zu erkennen sind. Wohl aber aus dem 18. Jahrhundert, und somit aus der Zeit des adeligen Hauses, stammt  eine markante, als Naturdenkmal besonders geschützte Linde (6). Ihre unteren Seitenzweige wurden in jungen Jahren waagerecht abgespreizt. So erhielt man mit der Zeit eine nahezu flache Ebene von zunehmend stärker werdenden Ästen. Auf diesen Ästen positionierte man Holzbänke, auf denen Musiker saßen und zum Tanz unter der Krone aufspielten. Über eine Holztreppe gelangten die Musiker auf ihre "Bühne" in der Krone. Die Erwitter sprechen folglich von ihrer "Musiklinde". Es ist überliefert, dass in Erwitte sowohl zu Zeiten des Lazarettes als auch in der Nachkriegszeit noch unter der Linde getanzt wurde. Andernorts in Westfalen werden diese besonderen Bäume, vornehmlich Linden, als "Tanzbäume" bezeichnet. Bei älteren und stark ausgeprägten "Tanzlinden" wurde sogar auf den Ästen ein "Tanzboden" ausgelegt, der seitlich durch ein Geländer gesichert war. Die Musiker vereinten sich unter der Baumkrone zu ihrem Spiel. Neben dem Stadtpark ist der Wehrgang (7) aus den 1930er Jahren am Brockbach bzw. Mühlenteich (8) ebenfalls von Interesse, von wo sich darüber hinaus immer wieder reizvolle Blicke auf die Schlossanlage und weitere historische Bauten bieten.  Das aufgrund seiner Erscheinung oft als "Wehrturm" bezeichnete Gebäude (9) am Mühlenteich ist eigentlich ein unspektakuläres Trafohaus aus dem Jahr 1934/35. Am Uferweg begegnet man auch - wie so oft in Westfalen -  einer Heiligenfigur des Johannes-Nepomuk (10). Das Marien-Hospital (11), das nicht nur räumlich einen nahen Bezug zum Schloss Erwitte hat steht auf einer alten Burganlage der Herren von Erwitte aus dem 12. Jahrhundert. Nachdem die Anlage an die Herren von Landsberg überging, wurde sie im 15. Jahrhundert durch eine Gräfte in eine südliche und eine nördliche Hälfte geteilt. Die südliche Hälfte ging im 16. Jahrhundert an die Herren von Droste. Diese ließen 1703 das Herrenhaus bauen, das 1859 zum Krankenhaus umgewidmet wurde und heute den baulichen Kern des Marien-Hospitals bildet. Die nördliche Hälfte mit dem Schloss außerhalb der Zweiinselanlage verblieb im Besitz der Herren von Landsberg. Der Teich (12) zwischen dem Schloss und dem Marienhospital zeugt vom alten Gräftensystem und der historischen Teilung der beiden Herrenhäuser. Die Wehrmauer (13) aus den 1930er Jahren und das ehemalige Verwaltungsgebäude (4) begrenzen den ehemaligen "Appellhof" (14) der Schulungsburg.
Am genannten Teich steht ein unscheinbares historisches Zeugnis, ein Taubenhaus (15) aus dem 18. Jahrhundert. Anders als im 20. Jahrhundert, als die Taube sich in breiten Bevölkerungsschichten, vor allem bei den Bergarbeitern im Ruhrgebiet, einer großen Beliebtheit erfreute, waren Taubenhäuser in dieser Zeit Statussymbole und Zeichen des Überflusses. Nur Wohlhabende konnten es sich damals leisten, kostbares Brotgetreide an Tiere zu verfüttern, die relativ viel Futter verbrauchten, aber wenig Fleisch brachten.

Literaturangaben

  • Kalle, Hartmut et al. (2013): Parks + Gärten in Südwestfalen Kreis Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis. Steinfurt.
  • Dehio, Georg (2011): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Band 2: Westfalen. Berlin /München.
Externe ID: LWL-GUP01005
Erfassungsdatum: 15.10.2013
Kategorie: Park
Erfassungsmaßstab: i.d.R. 1 : 5.000 (größer als 1 :20.000)
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Fotos
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1600
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10062771


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2012: Schloss Erwitte
2012: Schloss und Stadtpark Erwitte
2012: Schloss Srwitte
2011: Schloss Erwitte
2011: Schloss Erwitte
2011: Schloss Erwitte