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Kurpark Bad Westernkotten, Erwitte
 

Bad Westernkotten ist ein staatlich anerkanntes Heilbad, dessen Heilmittel auf Sole und Moor basieren.

Externe ID: T-RED-BARNARD-20131014-0001
Erfassungsdatum: 14.10.2013
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2012: Bad Westernkotten

Zugehöriges Objekt

Kurpark Bad Westernkotten (Kulturlandschaft)

 

Hinweis: Die in Klammern gesetzten Zahlen im Text beziehen sich auf die Nummern im Lageplan. 

Die Entwicklung des Heilbades und des Kurparkes in Bad Westernkotten ist, wie in den benachbarten Bädern Sassendorf und Waldliesborn sowie in Werl, untrennbar mit der Salzgewinnung verbunden. Seit dem Jahr 700 ist die Gewinnung von Salz aus Sole in Westernkotten belegt. Damals wurde das salzhaltige Wasser noch aus oberirdischen Quellen gewonnen, die in der Folge der Nutzung vertieft und zu Brunnen ausgebaut wurden. Heute wird die Sole für das Heilbad ausschließlich aus Bohrungen gewonnen. Ihren Höhepunkt erreichte die Salzproduktion 1832. Danach verdrängte das im Bergbau kostengünstiger gewonnene Steinsalz das herkömmliche Siedesalz. Die Entwicklung Westernkottens vom Sälzerdorf zum Solebad setzte ein. Ab 1842 wird die Sole auch für Heilzwecke verwendet, die reine Salzgewinnung wurde 1949 eingestellt.
Die Einführung der Gradierwerke war eine Revolution, denn dieses Verfahren reduzierte den Energiebedarf bei der Salzgewinnung deutlich. Das Gradieren, das Verdunsten des Wassers mittels Sonne und Wind beim Herabrieseln der Sole an den Schwarzdornzweigen (siehe hierzu auch die Ausführungen im Kapitel zum Kurpark Bad Sassendorf), steigerte den Salzgehalt von 7,5% auf etwa 25 bis 30%. Die so konzentrierte Sole wurde anschließend in Rohren aus ausgehöhlten Baumstämmen zu den Siedehäusern transportiert, in denen der restliche Wasseranteil durch Erhitzen der eingedickten Salzlake in riesigen Pfannen verdampfte. Übrig blieb das feste und kostbare Salz, das "weiße Gold".
Nach der Erbohrung der Solequelle 1 wurde 1845 das erste der beiden im heutigen Kurpark stehenden Gradierwerke (1) erbaut. Es ist 120 Meter lang und 12,25 Meter hoch. Das zweite, 58 Meter lange und 13 Meter hohe Gradierwerk (2) wurde 1932 fertiggestellt. Heute gelten diese beiden Denkmale als Zeugnisse der frühen Industrie im Hellwegraum. Die Tradition des Siedens lebt in Bad Westernkotten alljährlich beim Siederfest im Kurpark auf, bei dem der Verein der Heimatfreunde die Salzproduktion über dem offenen Feuer anschaulich demonstriert.
Nach der Einstellung der Salzproduktion 1949 nahm der Bade- und Kurbetrieb einen immer stärkeren Aufschwung, und man begann 1950 mit der Anlage des Kurparkes. Die Gradierwerke dienen von nun an nur noch der Freiluftinhalation, dem heilsamen Einatmen der salzhaltigen Luft, vergleichbar dem Aufenthalt in Meeresnähe. Und es genießen nicht nur die Menschen das salzhaltige Klima. Im Umfeld der Gradierwerke und des Solebrunnens haben sich, von vielen unbemerkt, über die Jahrhunderte salztolerante Pflanzen, die eigentlich an der Meeresküste zuhause sind, eingefunden. Recht unscheinbar fristen botanische Gäste wie Erdbeerklee, Salzschuppenmiere, Echter Sellerie und die Spießmelde ein bescheidenes Dasein im westfälischen Binnenland.
Historische Fotografien belegen eindrücklich, dass bis 1950 die Flächen rund um die beiden Gradierwerke und den Solebohrturm Äcker und Nutzgärten waren und somit frei von Bäumen und Sträuchern. Der Aufbau des Solbades wie auch die Anlage des Kurparkes wurden dem damaligen Kurdirektor des benachbarten Bad Waldliesborn übertragen. Überliefert ist, dass Schulkinder mit ihren Lehrern bei der Anlage des Kurparkes und zum Pflanzen der Gehölze geholfen haben. Für die körperlich anstrengenden Arbeiten wie den Ausbau der Wege wurden sogar Häftlinge eingesetzt, die bei der Arbeit bewacht wurden. So wurden bis Ende 1951 bereits 14.000 Gehölze im Kurpark angepflanzt. Schon 10 Jahre später erkennt man auf einem Luftbild deutlich die pflanzlichen Strukturen des noch jungen Parks.
Heute, gut 60 Jahre später, ist der Kurpark eine weitläufige gepflegte Parkanlage im Nordwesten der zur Stadt Erwitte gehörenden Gemeinde. Die schattenspendenden Baumgruppen, markanten Einzelbäume und weitläufigen Rasenflächen, ergänzt um farbenfrohe Blumenpflanzungen, sind zu einem Anziehungspunkt für Erholungssuchende geworden. Zur sportlichen Betätigung laden Minigolf (3), Boccia, Tischtennis, Gartenschach und der "NordicAktivPark" ein. In einem Wassertretbecken (4) können Anwendungen nach den Lehren des Pfarrers Kneipp vollzogen werden.
Gleichzeitig mit dem Bau der Kurhalle (5) und anlässlich der 700-Jahrfeier erhielt Westernkotten 1958 den Titel "Bad". Heute befindet sich in der Kurhalle neben dem "Sälzerstübchen" und dem Veranstaltungssaal auch die "Wunderkammer", eine Ausstellung mit Exponaten aus Natur, Historie, Technik und Kunst. In den Sommermonaten lädt der windgeschützte Sonnenhof vor der Kurhalle zum Verweilen ein.
Staatlich anerkanntes Heilbad ist Westernkotten seit 1975. Ebenfalls in den 1970er Jahren wurden der Brunnen vor der Kurhalle und der große Fontänenbrunnen (6) im Park gebaut. Ein aus sieben Granitscheiben und Edelstahl bestehender, moderner Brunnen (7) markiert seit 1994 den Übergang vom Kurpark zu den Hellweg Sole-Thermen (8) an der Kurpromenade. Die Promenade (9) ist eine beliebte Flaniermeile, die den Kurpark und die Thermen mit dem Ortskern verbindet. Hier trifft man nach einer kurzen Wegstrecke im Garten des Kurhauses auf den historischen Kornspeicher (10) des Gutes Weringhof, ein Baudenkmal aus dem 17. Jahrhundert. Beim gemütlichen Promenieren entlocken die "Alltagsmenschen", lebensnah gestaltete Betonskulpturen der Wittener Künstlerin Christel Lechner, den Gästen und Besuchern immer wieder ein leichtes Schmunzeln. Sie sind eine moderne Ergänzung der verschiedenen Kunstwerke im Kurpark.
Dank wiederholter Neugestaltungen, Erweiterungen oder Umsetzungen neuer Ideen ist der Kurpark ein gern aufgesuchter Ort bei Kurgästen, Ausflüglern und der heimischen Bevölkerung. Ausgedehntere Spaziergänge führen in das "Muckenbruch", ein Niedermoorgebiet, in dem der Torf für die Anwendungen im Moorbad abgebaut wird.
Zahlreiche Veranstaltungen beziehen den Kurpark mit ein. Höhepunkte sind das erwähnte Siederfest und das auch jährlich stattfindende Lampionfest mit Illuminationen und einem Feuerwerk im Park.

Literaturangaben

  • Kalle, Hartmut et al. (2013): Parks + Gärten in Südwestfalen Kreis Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis. Steinfurt.
Externe ID: LWL-GUP01004
Erfassungsdatum: 14.10.2013
Kategorie: Kurpark
Erfassungsmaßstab: i.d.R. 1 : 5.000 (größer als 1 :20.000)
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1845
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10062745


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2012: Bad Westernkotten
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2011: Bad Westernkotten
2011: Bad Westernkotten
2011: Bad Westernkotten
2011: Bad Westernkotten