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Schloss Hovestadt, Lippetal
 

Schloss Hovestadt, auch Haus Hovestadt genannt, liegt in der Gemeinde Lippetal im Kreis Soest. Die heutige Anlage wurde als Wasserschloss Ende des 16. Jahrhunderts im Stil der Lipperenaissance errichtet.

Externe ID: T-RED-BARNARD-20131009-0001
Erfassungsdatum: 09.10.2013
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2004: Panorama von Schloss Hovestadt mit Vorburg (von Südwesten)

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Hovestadt (Kulturlandschaft)

 

Hinweis: Die in Klammern gesetzten Zahlen im Text beziehen sich auf die Nummern im Lageplan. 

Schloss Hovestadt liegt in der Gemeinde Lippetal, am Übergang vom Hellwegraum zum Münsterland an einer Schleife der Lippe. Das Renaissanceschloss, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert dokumentiert ist, ist seit 1710 im Besitz der Familie des Grafen von Plettenberg-Lenhausen. Schloss und Park sind als Gesamtkunstwerk ein Bau- und Gartendenkmal von überörtlicher Bedeutung.
Die in den 1990er Jahren nach einem Plan aus dem 18. Jahrhundert restaurierte Parkanlage vermittelt den Eindruck  eines barocken Gartens des westfälischen Landadels. Diese Gartenanlagen hatten in ihrer Entstehungszeit keinen vorrangigen Anspruch an Repräsentation. Sie waren vielmehr dem Vergnügen der Besitzerfamilie vorbehalten.
Das die Schlossanlage umspannende, weitläufige Gräftensystem gliedert den Park in einzelne, deutlich voneinander getrennte Gartenpartien: "Schlossinsel" (1), "Garteninsel" (2), "Halbmond mit Heckentheater" (3) aus formal geschnittenen Hainbuchen - eine Rarität in Westfalen - "Boskett mit Baumsaal" (4), "Goldfischteich" (5), "Sternbusch" (6) und "Nutzgarten" (7).
Das Eindrückliche der Gartenanlagen am Schloss Hovestadt sind die raumbildenden Strukturen der Hecken- und Baumpflanzungen. Ein Besuch des Parks ist deshalb das ganze Jahr über zu empfehlen: vom Austrieb des Laubes im Frühjahr bis zu verschneiten Wintertagen, an denen die Strukturen besonders deutlich werden.
Zur Grenzsicherung und als strategisch wichtiger Stützpunkt am alten Lippeübergang bei Herzfeld ist seit dem 13. Jahrhundert eine bischöflich-kölnische Landesburg belegt. Anstelle dieser mittelalterlichen Burg ließ Goswin von Ketteler 1563 bis 1572 das jetzige Schloss errichten. Baumeister Laurenz von Brachum schuf ein Bauwerk, das aufgrund der ungewöhnlich und schmuckreich verzierten Ziegelfassaden als herausragendes Werk der Lipperenaissance gilt.
1710 kaufte Freiherr Friedrich Bernard Wilhelm, seit 1724 Graf von Plettenberg-Lenhausen, den Besitz. Bis heute ist Schloss Hovestadt Wohnsitz der gräflichen Familie. 1733 wurde mit dem großzügigen Ausbau der Vorburg (8) durch vier gleiche Bauwerke und zwei Torhäuser, die symmetrisch an der mit Rosskastanien bestandenen Zufahrtsallee (9) angeordnet sind, begonnen. Eine kleine Kapelle und eine Orangerie zur Überwinterung frostempfindlicher Pflanzen wurden in das südöstliche Gebäude (10) dieses Ensembles integriert. Der Weg über eine Steinbrücke von der Vorburg zur privaten und nicht öffentlich zugänglichen Schlossinsel wird von einer Statue des Heiligen Nepomuk (11) "bewacht". Nach einer Märtyrerlegende weigerte sich der böhmische Priester Johannes von Nepomuk im 14. Jahrhundert, das Beichtgeheimnis der Königin Sophie gegenüber ihrem Ehemann König Wenzel IV. zu brechen. Wenzel ließ  Nepomuk daraufhin foltern und von der Prager Karlsbrücke in die Moldau stürzen. Die Verehrung als Märtyrer setzte ein, die Heiligsprechung erfolgte allerdings erst Jahrhunderte später. Statuen des "Brückenheiligen" Nepomuk sind auf zahlreichen Brücken und in historischen Gärten und Parks zu finden.
Die Gartenanlagen wurden um 1733 im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Wirtschaftsbereiches erstellt. Ein "Situationsplan mit Gärten" aus dem 18. Jahrhundert, die einzige historische Quelle über den Garten, zeigt die Anlagen in geometrischen Formen nach französischem Vorbild. Der Planer der Anlage ist leider nicht überliefert. Wahrscheinlich wurden auch erst im 18. Jahrhundert alle älteren Inseln und Gärten der Schlossanlage durch eine neu angelegte, nahezu rechteckige äußere Gräfte (12) zusammengefasst. Die östliche Hälfte dieser Gesamtanlage wird von den Gärten eingenommen.
Die gegen Ende des 18. Jahrhunderts geplanten großen Erweiterungen des Schlossgartens um Anlagen im frühen landschaftlichen Gartenstil kamen letztlich nicht zur Ausführung. Der fürstlich schaumburg-lippische Architekt und Landbaumeister Clemens August von Vagedes plante seinerzeit im "Hagen", einem Waldgelände etwa 1 Kilometer südlich des Schlosses, einen "Englischen Garten", mit dem die bestehenden spät(?)barocken Gärten ergänzt werden sollten. Diese Planungen wurden jedoch nie verwirklicht, denn kurz vor Baubeginn starb von Vagedes 35jährig. Andere Planungen außerhalb der großen Schlossinsel wurden jedoch offensichtlich ausgeführt, wie ein Baumrondell mit einem "Lusthaus" östlich der Schlossinsel im Bereich "Althoff-Wiese". Dieses ist im "Situationsplan mit Gärten" aus dem 18. Jahrhundert verzeichnet.
Als der Schlossgarten Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr intensiv genutzt und gepflegt wurde, verwilderte er. Der Park, mit Ausnahme der ihn umgrenzenden Hecken, die weiter regelmäßig geschnitten wurden, verfiel in einen Dornröschenschlaf. Anfang der 1980er Jahre keimten erste Bestrebungen auf, den Schlossgarten wiederzubeleben. Detaillierte Bestandsaufnahmen der Landschaftsarchitekten Gustav und Rose Wörner aus Wuppertal und der Vergleich mit dem Übersichtsplan aus dem 18. Jahrhundert ließen erkennen, dass der historische Garten in seinen Grundstrukturen im Wesentlichen erhalten und noch ablesbar war.  Ein wertvolles Zeugnis eines französischen Gartens des 18. Jahrhunderts war wiederentdeckt worden, und man begann mit den Planungen zur Erneuerung der Anlagen.
Der Urzustand des Gartens konnte im Rahmen einer Restaurierung von 1994 bis 1997 in großen Teilen wieder sichtbar gemacht werden. Raumbildende Baumpflanzungen aus dem 19. Jahrhundert wurden jedoch erhalten und nicht der puristischen Rebarockisierung geopfert. Seit 1997 sind die Gartenanlagen am Schloss Hovestadt der Öffentlichkeit zugänglich.1998 wurden die Schlossgärten mit dem Westfälischen Denkmalpreis ausgezeichnet.
Der ehemalige Nutzgarten, ein von hohen Windschutzhecken umfriedeter Gartenteil, wird heute als Pferdeweide und zur Kultivierung von Nadelgehölzen genutzt. Durchblicke in den Hecken auf der Hälfte der Mittelachse lassen die überlieferte optische Nord-Südachse erkennen.
Im Osten schließt sich der "Sternbusch" mit seinen von hohen Hecken umfassten acht Wegen an, die von einem Mittelplatz ausgehen. Die Diagonalachsen dieses Wegesystems sind von untergeordneter Bedeutung, die Nord-Südachse jedoch leitet zum anschließenden Boskett mit dem Heckentheater über. Das Heckentheater besteht aus einer doppelreihigen Hainbuchenhecke. Die in der Verwilderungszeit der Anlage durchgewachsenen Hainbuchen sind wieder gut gepflegt. Im Scheitel des halbmondartigen Heckenraumes befinden sich die "Bühne" sowie die perspektivischen Heckenkulissen mit Seitengängen.
Im südlichen Bereich dieses Gartenquartiers liegt ein runder Baumsaal, ein Kranz aus sechs mächtigen, hochgewachsenen Linden. Eine weiße Holzbrücke führt auf die Garteninsel östlich des Schlosses. Diese fast quadratische, ganz von Wasser umgebene Fläche, stellt eine waldartige Kulisse dar. Ein Wegesystem entlang der Grenzen erlaubt einen Rundgang durch diesen Gartenteil mit Ausblicken auf das Schloss, die Herzfelder Wallfahrtskirche St. Ida sowie auf die Lippe und die umgebende Landschaft. An den Nordwest- und Südwestecken sind kleine Sitzplätze ausgespart. Der aufmerksame Beobachter bemerkt in der Mitte der Garteninsel eine große abgesenkte Fläche. Ob es sich bei dieser Fläche um einen ehemaligen Weiher oder möglicherweise um ein sogenanntes "Boulingrin", eine Rasenfläche für Ballspiele handelt, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen.
Der Garten auf der Schlossinsel ist der Privatgarten der gräflichen Familie und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Bei einem Spaziergang entlang der Lippe (13) bekommt man aber reizvolle Blicke auf die prächtige Rückseite des Schlosses. Ein Besuch der nahegelegenen Wallfahrtskirche St. Ida Herzfeld ist zu empfehlen.

Literaturangaben

  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4, Seite 212.
  • Kalle, Hartmut et al. (2013): Parks + Gärten in Südwestfalen Kreis Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis. Steinfurt.
  • Dehio, Georg (2011): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Band 2: Westfalen. Berlin /München.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Kerckerinck zur Borg, Engelbert von / Klapheck, Richard (1978): Alt-Westfalen. Die Bauentwicklung Westfalens seit der Renaissance. Frankfurt/Main, unveränderter Nachdruck von 1912.
Externe ID: LWL-GUP01006
Erfassungsdatum: 09.10.2013
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: i.d.R. 1 : 5.000 (größer als 1 :20.000)
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Archivauswertung
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1563 bis 1572 -
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10062632


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2009: Schlosspark Hovestadt, Lippetal
2011: Schlosspark Hovestadt
2012: Schlosspark Hovestadt, Lippetal
2012: Schlosspark Hovestadt, Lippetal
2012: Schlosspark Hovestadt, Lippetal
2012: Schlosspark Hovestadt, Lippetal