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Abteigarten Lemgo
 

Die Bezeichnung als Abteigarten geht auf das schlichte Adelspalais im Westen des Parks zurück. 1769 ließen Graf Ludwig Heinrich Adolf zur Lippe und seine Gattin Anna Friederike Wilhelmine zu Hessen-Phillipsthal-Barchfeld ein schon vorhandenes Renaissancegebäude umgestalten und einen großen Garten anlegen. Nach dem Tode des Grafen ging der "Annenhof" als Erbschaft in das Eigentum seiner Schwester über, die Äbtissin des benachbarten Klosters St. Marien war. Die jeweiligen Äbtissinnen des evangelischen Damenstifts - es waren ausschließlich Prinzessinnen des lippischen Fürstenhauses - nahmen zur Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Wohnsitz im "Annenhof". Der erst nach der Gattin des Grafen Ludwig benannte Garten wird seit dieser Zeit als Abteigarten bezeichnet. Die letzte Äbtissin, Prinzessin Carola zur Lippe, bewohnte das Haus bis zu ihrem Tod im Jahre 1958. Seit dem Erwerb des Anwesens durch die Stadt Lemgo wird das Gebäude als Volkshochschule und der Garten als Stadtpark genutzt.

Externe ID: T-P363N403-20070525-001
Erfassungsdatum: 25.05.2007
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)

Zugehöriges Objekt

Abteigarten Lemgo (Kulturlandschaft)

 

­­Eigentümer und Zugänglichkeit
Stadt Lemgo, Heustraße 36-38, 32655 Lemgo; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Weserbergland/Lipper Bergland; im südöstlichen Bereich der Altstadt; Größe etwa 2 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Die Bezeichnung als Abteigarten geht auf das schlichte Adelspalais im Westen des Parks zurück. 1769 ließen Graf Ludwig Heinrich Adolf zur Lippe und seine Gattin Anna Friederike Wilhelmine zu Hessen-Phillipsthal-Barchfeld ein schon vorhandenes Renaissancegebäude umgestalten und einen großen Garten anlegen. Nach dem Tode des Grafen ging der "Annenhof" als Erbschaft in das Eigentum seiner Schwester über, die Äbtissin des benachbarten Klosters St. Marien war. Die jeweiligen Äbtissinnen des evangelischen Damenstifts - es waren ausschließlich Prinzessinnen des lippischen Fürstenhauses - nahmen zur Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Wohnsitz im "Annenhof". Der erst nach der Gattin des Grafen Ludwig benannte Garten wird seit dieser Zeit als Abteigarten bezeichnet. Die letzte Äbtissin, Prinzessin Carola zur Lippe, bewohnte das Haus bis zu ihrem Tod im Jahre 1958. Seit dem Erwerb des Anwesens durch die Stadt Lemgo wird das Gebäude als Volkshochschule und der Garten als Stadtpark genutzt.

Gebäude und Ausstattung
Als Bestandteil der sentimentalen Ausstattung des ehemaligen anglo-chinoisen Gartens ist ein Denkmal einem Vogel gewidmet. Die Inschriften auf der Tafel des Obelisken und am Sockel erinnern gefühlvoll an das Leben und den Tod eines Kranichs. Zur Ausstattung der Entstehungszeit gehört auch das klassizistische Denkmal für den Grafen Ludwig, der hier im Jahre 1800 bestattet wurde. Das nach seinem Tod errichtete Grabdenkmal erinnert mit der halbverhüllten Urne an den Bauherrn des Annenhofes und des Gartens. Die romantisch von Efeu umschlungene Säule war ursprünglich über dem Grab des Prinzen Friedrich zur Lippe (1797 bis 1854) im Lippegarten aufgestellt. Bei der Überbauung des Lippegartens wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Abteigarten versetzt.

Art der Grünanlage
Grünanlage mit historischen Elementen.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte
Weitaus interessanter als die gegenwärtige Erscheinung des Abteigartens vermuten lässt, war die gartenkünstlerische Gestaltung zur Entstehungszeit in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Während die nördliche Hälfte als Baumgarten mit zahlreichen Obstbäumen bepflanzt war, existiert für die südliche Hälfte ein Gartenentwurf, der auf einer Fläche von 206 m­­ Länge und nur 38,50 m­­ Breite eine kunstvoll gestaltete Anlage zeigt. Damals forderte die zeitgenössische Gartentheorie eine abwechslungsreiche und vielfältige Ausstattung der Gärten. Dadurch sollten bei den empfindsamen Betrachtern die verschiedensten Gefühle und Stimmungen hervorgerufen werden. Direkten Einfluss auf die Gestaltung des "Annengartens" hatte der westfälisch-lippische Gartentheoretiker Ludwig August Unzer. Mit seiner 1773 vermutlich in Lemgo erschienenen Schrift "Über die chinesischen Gärten" beschäftigte sich Unzer mit dem Einfluss der chinesischen Gartenkunst auf die Theorien der maßgeblichen englischen Garten- und Landschaftsgestalter. Der für den "Annengarten" um 1795 gezeichnete, unsignierte Plan zeigt am Endpunkt einer zentralen Wegeachse eine rechteckige Garteninsel mit einem spiralförmig angelegten Schneckenberg. Nachdem man an einer Grotte vorbeiging, gelangte man auf der Anhöhe zu einem achteckigen Freundschaftstempel. Ein System aus Schlängel- und Spiralwegen führte ebenso zu einer Eremitage (Einsiedelei), einem kleinen botanischen Garten, einer "Laube von Jasmin" oder zu einer kleinen Insel, deren Ufern mit Muscheln belegt waren. Typisch waren solche Anlagen mit anglo-chinoisen Gestaltungselementen für den Übergang vom geometrischen Barockgarten zum landschaftlich gestalteten Park. Bereits 1841 musste der Freundschaftstempel wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Erst um 1960 wurden die Reste der Grotte unterhalb des Freundschaftstempels und der Schneckenberg entfernt.

Heutiger Zustand / Nutzung
Der einstmals kunstvoll gestaltete "sentimentale" Garten ist seit 1962 zur öffentlichen Parkanlage ausgebaut worden. Nach der Umgestaltung in den 60er Jahren haben sich bis heute im Abteigarten neben einigen alten Bäumen noch drei bemerkenswerte Denkmäler erhalten.­

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1910): Blatt 3919, Lemgo. Herausgegeben 1910, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Harms, Harry (1980): Gehölze in den Parkanlagen von Lippe - Abteigarten in Lemgo. In: Lippische Mitteilungen für Geschichte und Landeskunde 49/1980, Detmold, Seite 236 - 241, Seite 237 - 241.
  • Gaul, Otto / Korn, Ulf-Dietrich (1983): Stadt Lemgo. Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 49, Teil 1, Münster.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 111 - 114.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.2: Kreis Lippe. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 85 Minden. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 85, Bonn-Bad Godesberg.
Externe ID: LWL-GUP00003
Erfassungsdatum: 06.04.1999
Kategorie: Volkspark, Stadtpark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1769
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10039521


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2000: Abteigarten
1896: Abteigarten Lemgo