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Kloster Hardehausen, Warburg
 

Das Kloster Hardehausen wurde 1140 als erste Niederlassung der Zisterzienser in Westfalen gegründet und liegt am Ostrand des Eggegebirges, ­ nordwestlich von Warburg. Nach der Aufhebung im Jahre 1803 wurde es preußische Domäne und nach mehreren Besitzerwechseln fand 1902 eine evangelische Erziehungsanstalt in den Gebäuden ihr Domizil. Von 1927 bis 1938 ließen sich erneut Zisterziensermönche in Hardehausen nieder. Heute wird das einstige Kloster als katholische Landvolkshochschule und Jugendbildungsstätte des Bistums Paderborn genutzt.

Externe ID: T-P363N403-20071012-003
Erfassungsdatum: 12.10.2007
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)

Zugehöriges Objekt

Klosteranlage Hardehausen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:

Erzbischöfliches Generalvikariat, Domplatz 3, 33098 Paderborn; Teile der Außenanlagen sind öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:

Ostrand des Eggegebirges, 13 km­­ nordwestlich von Warburg; die gesamte Anlage ist etwa 18 Hektar groß.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:

Das Kloster wurde 1140 als erste Niederlassung der Zisterzienser in Westfalen gegründet. Bis zur Aufhebung im Jahre 1803 gehörte es mit seinem ausgedehnten Grundbesitz dem Orden. Danach wurde es preußische Domäne und nach mehreren Besitzerwechseln fand 1902 eine evangelische Erziehungsanstalt in den Gebäuden ihr Domizil. Von 1927 bis 1938 ließen sich erneut Zisterziensermönche in Hardehausen nieder. Sie wollten besonders jungen Männern ohne Schulabschluss verschiedene Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung anbieten. Ungeklärte Vermögensverhältnisse und die Missbilligung durch das NS-Regime vertrieben die Mönche. Heute wird das einstige Kloster als katholische Landvolkshochschule und Jugendbildungsstätte des Bistums Paderborn genutzt.

Gebäude und Ausstattung:

Ältestes Klostergebäude ist eine achteckige, frühgotische Friedhofskapelle mit Beinhaus. Nach den Zerstörungen im 30jährigen Krieg errichtete man vom späten 17. bis zur 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts die barocken Konvent- und Abteigebäude sowie die Ökonomiegebäude des ausgedehnten Wirtschaftshofes. Bereits kurz nach der Säkularisation wurden 1812 die romanische Klosterkirche, der westliche Konventflügel und Teile des Refektoriums abgebrochen. Von 1962 bis 1966 entstanden ein neuer Kirchenbau sowie weitere Anbauten an die historischen Konvent- und Abteigebäude.

Das als Orangerie genutzte barocke Lusthaus am Abschluss des Prälatengartens entstand vermutlich nach Entwürfen des westfälischen Barockbaumeisters Franz Christoph Nagel. Er entwarf neben vielen Kirchenbauten im Paderborner Land auch einen Plan für den Barockgarten von Schloss Neuhaus. Ein Wappen des 1730 verstorbenen Abtes Laurentius Kremper ziert das Portal des in jüngster Zeit restaurierten Gartenhauses.

Art der Grünanlage:

Historischer Barockgarten, Nutzgärten und Landschaftspark.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:

Eine beeindruckende, fast 2 km­­­­ lange Ringmauer umschließt die insgesamt 18 Hektar große Klosteranlage mit den Hauptgebäuden im Zentrum. Bis auf den Wirtschaftshof im Süden und mehreren Teichen werden alle anderen Flächen traditionell als Gärten bewirtschaftet oder als Wiesen und Weiden genutzt.

Gärtnerisch intensiv gestaltete Bereiche zeigen alte Karten und Pläne vor allem nördlich der Hauptgebäude. Die achteckige Kapelle stand inmitten des klösterlichen Friedhofs, an den sich ein Baumgarten und verschiedene Nutzgärten anschlossen. Vor einigen Jahrzehnten mussten die Gärten in diesem Bereich einem Sportplatz weichen.

Der interessanteste Bereich ist aber der von Abt Vincenz Spancken angelegte barocke Abts- oder Prälatengarten. Ursprünglich gelangte man von der Gartenseite der Abtei über eine repräsentative Freitreppe in einen leicht ansteigenden Terrassengarten, der sich mit drei großen Parterres bis zur Außenmauer des Klosters erstreckte. Von den differenziert gestalteten und aufwendig ausgestatteten Gartenparterres haben sich noch die Mauern und Treppen der oberen Terrasse, ein vorgelagertes rundes Brunnenbecken und die Gartenskulpturen der Vier Jahreszeiten erhalten. Eine neu gepflanzte Obstbaumallee markiert heute den Verlauf der historischen Mittelachse. Als markanter Blickpunkt hat ein Lusthaus auf der oberen Terrasse den Garten am nördlichen Ende abgeschlossen.

Von den Nachfolgern der Mönche wurde während der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts der Bereich des Wirtschaftshofes gärtnerisch gestaltet. Vom sogenannten "Hofgarten" sind die Reste des alten Baumbestandes und ein Teich erhalten geblieben. Der Teich war damals ein kreisrundes Wasserbecken mit einer Fontäne. Insgesamt gab es zu dieser Zeit im Hofbereich vier Brunnen mit Fontänen. Eine derart aufwendig gestaltete Anlage war für einen Gutshof dieser Zeit nicht selbstverständlich. Der mit gartenkünstlerischen Mitteln aufgeschmückte Wirtschaftshof entsprach dem damaligen Repräsentationsbedürfnis der wohlhabenden Gutsbesitzer.

Zur gleichen Zeit entstand im Osten der Gutsanlage auch ein größerer Landschaftspark. Unter Einbeziehung der Teiche des Klosters hat das stark modellierte Parkgelände ursprünglich gut ein Drittel der gesamten Fläche des Gutes eingenommen. Erschlossen wurde der Park durch einen Umgangsweg mit mehreren Seitenwegen.

Heutiger Zustand / Nutzung:

Nicht immer fachgerecht erfolgte die Restaurierung der erhaltenen Bestandteile des barocken Prälatengartens. Trotzdem können die Besucher einen guten Eindruck von der Pracht und den gartenkünstlerischen Leistungen aus der Blütezeit des Klosters bekommen.

Gegenwärtig ist die Struktur des historischen Landschaftsparks nur noch schwer zu erkennen, zumal er im Südosten abgeholzt und in eine Weidefläche umgewandelt wurde. Eine regelmäßige Baumpflanzung, die zu einem in jüngerer Zeit errichteten Holzkreuz führt, ein kleiner Steinbruch - die sogenannte "Schlucht"- und ein größerer Hügel können heute zumindest noch eine Vorstellung von der ursprünglichen Gestaltung vermitteln. Durch die Nutzung als Jugendzeltlager und die Bruchgefahr der alten Bäume bei starken Stürmen gleicht der Park eher einem Abenteuergelände als einem historischen Bestandteil des gesamten Ensembles. Eine Bestandsaufnahme und eine Konzeption zur Restaurierung und zur weiteren Pflege könnten den gefährdeten Landschaftspark retten.

Abbildungen:

Weitere Abbildungen: Westfalia Picta, Band V, Seite 556 -­ ­560

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25.000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 4420, Peckelsheim. Herausgegeben 1894, Berlin, Neuherausgegeben von der Bezirksregierung Köln, Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Kuhne, Wilhelm (o.J.): Hardehausen - Kleiner Führer durch die Jahrhunderte. Paderborn.
  • Erzbischöfliches Jugendamt Paderborn (Hrsg.) (1953): Hardehausen - Vergangenheit und Gegenwart. Paderborn.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 98 Detmold. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 98, Bonn-Bad Godesberg.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 215 - 218.
  • Möhring, Peter (1999): Zisterzienser in Hardehausen 1927 - 1938. In: Jahrbuch Kreis Höxter 1999, Höxter, Seite 217 - 233.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.1: Kreis Höxter. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Mette, Michael (1993): Studien zu barocken Klosteranlagen in Westfalen. Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Band 25. Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1988, Bonn.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1995): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. 1. Auflage, Münster, Seite 199.
  • Luckhardt, Jochen (Bearb.) et al. (1995): Kreis Höxter, Kreis Paderborn. In: Westfalia Picta, Band 5, Bielefeld, Seite 556 - 560.
  • Kuhne, Wilhelm (1989): Hardehausen pflanzt, wo die Wasser fließen. Paderborn.
  • Großmann, Ulrich (1984): Östliches Westfalen. DuMont-Kunst-Reiseführer, Köln, 2. durchgesehene Aufl., Seite 177 - 179.
  • Kuhne, Wilhelm (1986): Dem Gartenhaus die alte Eleganz zurückgegeben. In: Die Warte 52/1986, Paderborn, Seite 15 - 17.
  • Brockhoff, Antoinette (1987): Die Mauer des Klosters Hardehausen und ihre Pflanzen. In: Egge-Weser 4/1, Höxter, Seite 87 - 92.
Externe ID: LWL-GUP00092
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Klosterpark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1140
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10039437


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1999: Kloster Hardehausen
1999: Kloster Hardehausen
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1803: Kloster Hardehausen