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Gut Bökerhof, Brakel
 

Seit Jahrhunderten befindet sich die Anlage im Besitz der Familie von Haxthausen. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war der Bökerhof die Heimstatt des "Bökendorfer Romantikerkreises" (1810 bis 1834).

Externe ID: T-P363N403-20071010-002
Erfassungsdatum: 11.10.2007
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)

Zugehöriges Objekt

Gutspark Bökerhof, Brakel (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Privateigentum. Der Gutspark mit Laubengang ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Weserbergland/Oberwälder Land, am nordwestlichen Ortsrand von Bökendorf; Größe etwa 3 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Seit Jahrhunderten befindet sich die Anlage im Besitz der Familie von Haxthausen. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war der Bökerhof die Heimstatt des "Bökendorfer Romantikerkreises". Zum Sammeln von deutschen Märchen, Sagen und Volksliedern trafen sich hier die Geschwister von Haxthausen, Werner und August von Haxthausen, mit den Gebrüdern Grimm und den Schwestern Jenny und Annette von Droste-Hülshoff. Das gemütliche Beisammensein und der intensive Gedankenaustausch führte neben vielen anderen Besuchern auch Ernst Moritz Arndt, Achim von Arnim, Clemens Brentano und Joseph von Görres in die ländliche Idylle. Einen Beitrag zur Literaturgeschichte hat Annette von Droste-Hülshoff mit der Novelle "Die Judenbuche" geschaffen. Als Nichte derer von Haxthausen erhielt sie im Hause ihrer Großeltern die Anregungen zu dem "Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen". Die nach wahren Begebenheiten geschilderte Handlung ereignete sich im benachbarten Dorf Bellersen.

Gebäude und Ausstattung:
Anstelle eines Vorgängerbaus wurde das Herrenhaus 1769 bis 1771 als schlichter, verputzter Fachwerkbau mit zwei turmartigen Seitenflügeln durch den Hildesheimer Baumeister Anton Went errichtet.

Art der Grünanlage:
Historischer Gutspark mit Laubengang.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Erste Hinweise auf einen Garten gibt es bereits zur 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eintragungen auf alten Steuerlisten belegen für 1792 die Beschäftigung eines Gärtners in Bökerhof.

Vermutlich wurde der Gutspark aber erst im frühen 19. Jahrhunderts angelegt. Einige alte Buchen, Kastanien, Fichten, Ulmen und eine prachtvolle Platane auf der Schlosswiese sind noch wenige Zeugnisse aus der Entstehungszeit des Parkes. Zeitgenössische Beschreibungen schildern häufig einen kleinen Landschaftspark, bei dem eine natürliche Gestaltung im Vordergrund stand. Die Kostbarkeit der Anlage ist ein historischer Laubengang, der den Park auf einer Länge von mehreren hundert Metern am nördlichen und westlichen Rand umgrenzt. Der überwiegend mit Hainbuchen bepflanzte Gang wurde regelmäßig auf einer Höhe von über zwei Metern so zurückgeschnitten, dass sich ein dichtes Blätterdach bilden konnte. Der Laubengang umgrenzte im 19. Jahrhundert auch den südlichen Bereich des Parks. Ob der in Westfalen relativ seltene Laubengang von einem vorherigen Barockgarten stammt oder zur Zeit des "Bökendorfer Kreises" angepflanzt wurde, ist bisher noch nicht eindeutig geklärt. Neben dieser Anlage hat sich in Ostwestfalen-Lippe nur noch am ehemaligen Klostergarten Holthausen in Büren ein historischer Laubengang erhalten. Ein garten- und landschaftsgestalterisches Kunststück ist auch eine zentrale Achse, die sich heute nur noch in reduzierter Form von der Gartenseite des Hauses in südwestlicher Richtung über die Schlosswiese bis zum ansteigenden Hang mit einer Lindenallee und einem Kreuzweg erstreckt. Am Ende des Kreuzweges steht im Wald ein großes Holzkreuz, das ursprünglich ein Pendant in nordöstlicher Richtung auf der gegenüberliegenden Höhe des Bökerberges fand. Die somit hervorgerufene perspektivische Verlängerung steigerte vom Bökerhof als zentralen Blickpunkt die Empfindung für die Weite und herbe Schönheit der Landschaft. Der östliche Teil der einstmals raumgreifenden Achse ist heute noch durch die Allee an der Hauptzufahrt zum Bökerhof angedeutet.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Die wesentlichen Elemente des Landschaftsparks (Wiesenachse mit rundlichem Gehölzbestand) und Alleen in der Landschaft sind noch gut erkennbar, der Laubengang wurde 1999 ergänzt und geschnitten. Er ist auf einem neu angelegten Rundweg begehbar. Im Park wurden einzelne Ergänzungspflanzungen vorgenommen. Der Platz vor dem Herrenhaus wurde in Anlehnung an barocke Vorbilder mit einem buchsbaumgefassten Rasenrondell und kugelförmig geschnittenen Buchsbäumen neu gestaltet.

Im Gebäude befindet sich ein kleines Museum, mit dem sich die Bökerhof-Gesellschaft mit verschiedenen Veranstaltungen und Vorträgen sowie Veröffentlichungen für den Erhalt und die weitere Nutzung des Gebäudes und des Parks engagiert.

Am Rand des Parks wurde ein neuer Parkplatz angelegt.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 4221, Brakel. Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Kremeyer, Frank (1990): Der Bökerhof in Bökendorf - Überlegungen zur Entwicklung des Parks aus gartendenkmalpflegerischer Sicht. Universität/Gesamthochschule Paderborn. Abteilung Höxter, Diplomarbeit, Höxter.
  • Hizen, Eiichi (1985): August Freiherr von Haxthausen. Böckendorf und Böckerhoff. In: Westfälische Zeitschrift 137/1987, Münster, Seite 273 - 346.
  • Krus, Horst-Dieter (1992): August von Haxthausen (1792 - 1866). In: Die Warte 74/1992, Paderborn, Seite 12 - 13, Seite 12-13.
  • Ernst, Ulrich (1990): Der Bökerhof - Vergangenheit mit Zukunft?. In: Jahrbuch Kreis Höxter, 1990, Höxter, Seite 197 - 216, Seite 273-346.
  • Volmer, Melanie (1995): Bökendorf und Bökerhof. Vom Romantikerkreis im 20. Jahrhundert - Chancen und Perspektiven unter dem Aspekt Dorferneuerung und Dorfentwicklung. Universität/Gesamthochschule Paderborn, Abteilung Höxter, Diplomarbeit, Höxter.
  • Hamacher, Theodor (1965): Aus vergangenen Tagen - 100 Jahre Bökendorf 965/1965. Paderborn.
  • Krus, Horst-Dieter (1991): Die Gutsgemeinde Abbenburg-Bökerhof. In: Die Warte 70/1991, Paderborn.
  • Tiggesbäumker, Günter (1996): Der Bökendorfer Kreis und der Bökerhof. In: Jahrbuch Kreis Höxter, Höxter, Seite 9 - 28, Seite 9-28.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 98 Detmold. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 98, Bonn-Bad Godesberg.
  • Naumann, Elfriede (1989): Schloss Bökerhof erwacht aus dem Dornröschenschlaf. In: die Warte 62/1989, Paderborn, Seite 7 - 8, Seite 7-8.
  • Alber-Longère, Christine (1986): Bökerhof in Brakel. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen, Bielefeld, Seite 54 - 56, Seite 54-56.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 199-201.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.1: Kreis Höxter. Zugleich CD-ROM, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00045
Erfassungsdatum: 10.01.2000
Kategorie: Gutspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1750 - 1792
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10039394


In Karte anzeigen

2007: Gut Bökerhof
1896: Gut Bökerhof
Haus Bökerhof