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Gut Böckel, Rödinghausen
 

Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Böckel lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals waren die Ober- und Unterburg durch breite Wassergräben voneinander getrennt. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erbauten Heinrich von Voß und seine Gattin Magdalene, geborene von Steinberg, auf der Hauptinsel das alte Herrenhaus mit seinen beiden charakteristischen Ecktürmen. Ab 1874 befand sich die Gutsanlage im Eigentum der Familie Koenig.

Externe ID: T-P363N403--20071010-001
Erfassungsdatum: 11.10.2007
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)

Zugehöriges Objekt

Gutspark Böckel, Rödinghausen-Bieren (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Privateigentum. Der Gutspark ist nicht öffentlich und nur zu besonderen Veranstaltungen geöffnet.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Ravensberger Land, nordwestlich von Bünde; Größe etwa 2,5 Hektar. ­

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Bis ins 14. Jahrhundert lässt sich die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Böckel zurückverfolgen. Damals waren die Ober- und Unterburg durch breite Wassergräben voneinander getrennt. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erbauten Heinrich von Voß und seine Gattin Magdalene, geborene von Steinberg, auf der Hauptinsel das alte Herrenhaus mit seinen beiden charakteristischen Ecktürmen. Ab 1874 befand sich die Gutsanlage im Eigentum der Familie Koenig. Zu literarischem Ruhm gelangte die Tochter des Eigentümers, Herta Koenig. Ihre vielbeachteten Werke waren besonders in den 20er und 30er Jahren bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung bekannt. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1976 pflegte sie vielseitige Kontakte zu zeitgenössischen Persönlichkeiten. Ihren Einladungen auf das Gut Böckel kamen neben Bundespräsident Theodor Heuss, der Philosoph Martin Heidegger, die Dramatiker Frank Wedekind und Oskar Maria Graf und vor allem der Dichter Rainer Maria Rilke nach. Rilke wohnte während des 1. Weltkrieges, im Sommer 1917, vier Monate im Ostturm des alten Herrenhauses.

Gebäude und Ausstattung:
Die Familie König errichtete südlich vom alten Herrenhaus ein neues Hauptgebäude in den Formen der Neorenaissance. Das repräsentative Wohnhaus ist dann im frühen 20. Jahrhundert soweit umgebaut worden, dass heute aus der Gründerzeit nur noch der Portikus, die Fensterlaibungen und die doppelläufige Treppe erhalten sind. Historische Gartenlaube, zwei steinerne Gartenvasen und eine Gartenskulptur.

Art der Grünanlage:
Historische Gartenanlage geometrisch/landschaftlich des späten 19. Jahrhunderts.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Mit der Gestaltung der gärtnerischen Anlagen beauftragte die Familie Koenig im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts den Hamburger Gartenarchitekten Rudolph Jürgens. Malerisch von einer Gräfte umgeben, entstand östlich der beiden Wohngebäude ein geometrischer Gartenbereich mit zwei Parterres. Ein Blumenrondell mit einem kleinen Brunnen an der Auffahrt zum gründerzeitlichen Wohnhaus und beeindruckend große, stumpfkegelig geschnittene Eiben am Mittelweg der Parterres sind die auffälligsten Gestaltungsmerkmale. Am Rande des Gartens steht eine inzwischen sehr selten gewordene Gartenlaube mit reichen Verzierungen. Vermutlich aus einer vorherigen Gartenanlage stammen zwei steinerne Vasen. An den geometrischen Gartenteil schließt sich jenseits der Gräfte ein etwa zwei Hektar großer Landschaftspark mit schönen alten Solitärbäumen an. Bei den Planungen für Böckel wurde Jürgens durch die gartenkünstlerischen Schriften und Theorien Alfred Lichtwarks, dem damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle beeinflusst. Lichtwark forderte eine Abkehr von der landschaftlichen Gartengestaltung hin zum formalen, architektonischen Garten.

Heutiger Zustand / Nutzung:
In den vergangenen Jahren hat der Eigentümer erhebliche Aufwendungen zur Restaurierung des Landschaftsparks gemacht. Die Gehölzbestände wurden ausgelichtet, ein zentraler Kiesweg wieder hergestellt und eine verwilderte ehem. Tennisanlage im Park wurde zu einer Rasenfläche entwickelt.

Ein hinter dem Herrenhaus liegender ehemaliger Kuhstall wurde in einen Veranstaltungsaal für Kultur- und sonstige Veranstaltungen ausgebaut und im Jahr 2000 in Betrieb genommen. Im Zusammenhang mit Veranstaltungen auf dem Gut kann auch der Park benutzt werden, zu allen übrigen Zeiten ist er nicht bzw. nur auf Voranmeldung für Gruppen zu besuchen.

Aufgrund ihrer Bedeutung für die "Geschichte der Gartenkunst" wurden die Gartenanlage "Gutspark Böckel" in das Europäische Gartennetzwerk (EGHN) aufgenommen.­

Quellenangaben

  • Stiftung Schloss Dyck, Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur (Hrsg.) (2012): http://www.eghn.org/boeckel-prolog. Zuletzt aufgerufen 02.03.2012, Jüchen.
  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 3717 Kirchlengern (Quernheim). Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Maoro, Ernst (1986): Gut Böckel. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 67 - 69.
  • Kuhlmann, Jürgen / Schöffel, Joachim (1992): Rittergut Böckel - Parkanlage. Gesamthochschule Kassel Fachbereich Landschaftsplanung, Projektarbeit, Kassel.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalen-Lippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Band 3.4: Stadt Bielefeld, Kreis Herford, Kreis Paderborn. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 85 Minden. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 85, Bonn-Bad Godesberg.
  • Petzet, Wiegand / Tausend, Hermann (1976): Rilke und Hertha Koenig, ihre Begegnung auf Gut Böckel. In: Herforder Jahrbuch 1976/77, Herford, Seite 96 - 119.
  • Kaldewei, Gerhard (Hrsg.) (1986): Hertha Koenig 1884 - 1976. Spuren einer westfälischen Dichterin. Bielefeld.
  • bearb. von Ludorff, Albert (1908): Kreis Herford. Die Bau- und Kunstdenkmäler in Westfalen, Band 24, Münster.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 41 - 43.
Externe ID: LWL-GUP00044
Erfassungsdatum: 30.06.1999
Kategorie: Landschaftsgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1890 - 1899
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10039380


In Karte anzeigen

2005: Gut Böckel
2005: Gut Böckel
2005: Gutspark Böckel
2004: Gutspark Böckel
2003: Gutspark Böckel
1896: Gut Böckel