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Burg Lüdinghausen
 

Die Stadt Lüdinghausen beherbergt gleich drei Burgen in ihrem Gebiet und noch weitere im näheren Umkreis. Die berühmtesten sind sicherlich Burg Lüdinghausen und Burg Vischering, die zudem beide öffentlich zugänglich und durch einen Fuß-/Radweg miteinander verbunden sind. Weiter südlich liegt die Burg Wolfsberg, ebenfalls noch im Stadtgebiet und weiter nördlich die Burg Kakesbeck. Sowohl die Burgen als ihre Gärten sind in ihrem heutigen Charakter ganz verschieden, was in der spannenden Entwicklung begründet ist.

Externe ID: T-P363N504-20080716-0001
Erfassungsdatum: 16.07.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Burg Lüdinghausen

Zugehöriges Objekt

Gärten der Burg Lüdinghausen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Stadt Lüdinghausen; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; im Zentrum von Lüdinghausen.

Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Die erste Burg in diesem Ort ist die gleichnamige Burg Lüdinghausen. Ein festes Haus ist erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt, aber Vorgänger gab es vermutlich schon weitaus früher, ebenso wie die Ritter von Lüdinghausen. Sie wurden mit der Burg durch die Abtei Werden bei Essen belehnt und waren deren Verwalter. Gleichzeitig unterstanden sie dem Bischof in Münster. Doch glaubten sie sich weit genug von beiden entfernt, um eine Art eigenen feudalen Hof zu halten. Sie verliehen Lüdinghausen beispielsweise das Stadtrecht, obwohl es nicht in ihrer Macht stand. Das offizielle Stadtrecht erhält der Ort erst 1837. Als 1271 der Bruder des auf der Burg sitzenden Ritters von Lüdinghausen weiter südlich die Burg Wolfsberg baut, ist er für den Bischof in Münster zu weit gegangen. Der Bischof lässt die später

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{@link LWL-GUP00684 Vischering genannte Burg zumindest aus- vielleicht auch erst erbauen, um dort seinen Drosten Albert aus Dülmen unterzubringen, damit dieser die Situation vor Ort kontrollieren kann. Die Burgen der Herren von Lüdinghausen werden erfolgreich belagert und diese müssen sich dem Bischof unterwerfen.

Auf Burg Lüdinghausen wird Anfang des 14. Jahrhunderts ein Torhaus, ein Steinhaus und ein Bergfried erwähnt, es ist also nach wie vor eine wehrhafte Anlage. 1406 wird hier spätestens eine Mühle gebaut, deren Nachfolger von 1711 noch heute steht, allerdings seit 1949 aufgestockt. 1433 sterben die von Lüdinghausen im Mannesstamme aus und die Burg fällt an den Bischof von Münster, ab 1509 an das Domkapitel. Nach einem Brand, der 1569 auch Teile der Vorburg erreicht, lässt Domkapitular Gottfried von Raesfeld nicht nur das Bauhaus neu erbauen (die Nordwand zeugt noch heute davon), sondern auch das Schloss im Stil der Renaissance auf den alten Mauern neu errichten. Der Südflügel steht noch immer annähernd in derselben Form. Wenig später lässt er die Lebensmittelpreise im wahrsten Sinne des Wortes in Stein hauen: Die Tafel von 1573/1574 kann noch heute bewundert werden. Aber auch sonst zeigte sich der Domkapitular sozial, er stiftete das erste Armenhaus, den Schulmeister und eine Kirche.

Im Dreißigjährigen Krieg halten die Hessen die Burg drei Jahre besetzt und erweitern sie. 1636 wird dann Bernhard von Galen als Amtmann vom Domkapitel nach Lüdinghausen verpflichtet. Er bleibt bis 1650, wo er als Fürstbischof nach Münster geht. Sicherlich hat es schon zu dieser Zeit Gärten um die Burg gegeben. Erstmals nachgewiesen werden können sie erst im Jahr 1688, als sie bereits ausgedehnte Flächen einnehmen, unter anderem den heute noch erhaltenen Bereich der Wallgärten, aber auch zahlreiche Flächen von dort bis zur Burg und weiter im Osten. Besonders schön sind die Gärten 1734 vom Landmesser Ossing aufgezeigt. Einige haben romantische Namen wie "Nachtigallgarten" oder "Schiffgarten" (auf einer Insel in der Gräfte gelegen), andere Namen zeigen eher an, wo die Gärten liegen oder wie groß sie sind. Auffällig sind zwei Gartenbauten in einem Garten nahe dem heutigen Glockenkolk. Eines lässt sich auf einer ansonsten nicht detaillierten Karte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts als runder Turm identifizieren und war somit sicherlich eher ein Staffagebau. Bei dem anderen rechteckigen Gebäude handelt es sich wahrscheinlich um ein Gartenhaus oder eine Orangerie. 1788 scheinen die Burggärten fast so ausgesehen zu haben, wie heute noch. Sie waren damals jedoch keine Bürgergärten, diese lagen jenseits der Vischering-Stever oder südlich der heutigen Stever-Straße, sondern gehörten zum Domkapitel. Da in der Burg oft Gäste bewirtet wurden und es viel Personal gab, erklärt sich die Ausdehnung der Gartenanlagen, die man heute durchwandern kann. Teilweise stehen am Wegesrand noch alte Linden oder Kastanien, manche der Wallgärten sind gärtnerisch liebevoll gestaltet. Viele sind von hohen, alten Hecken umgeben, wie schon im 18. Jahrhundert, obwohl es seither einige Besitzerwechsel gab.

1803 fällt Burg Lüdinghausen zunächst an Preußen, dann aber an einen Privatmann, der 1829 den Bergfried abreißen lässt. Heute zeigt nur noch die Pflasterung im Burghof seine ursprüngliche Ausdehnung an. Von 1869 bis 1972 wurde Burg Lüdinghausen dann als Landwirtschaftsschule genutzt, ab 1879 ist sie im Besitz der Stadt, die bald darauf den Westflügel erneuert. Im 19. Jahrhundert wird auch die Vorburg erneuert und 1906 bis 1907 das Torhaus.

In den 1970er und 1980er Jahren soll die Burg umgenutzt werden. Teil der Vorbereitungen hierzu ist die Restaurierung der Gräben und die Schaffung einer Erholungslandschaft, mit Spiel- und Sitzplätzen. Im Jahr 2000 wird die Burg selber, diesmal in Abstimmung mit der Denkmalpflege, restauriert und technisch als Veranstaltungszentrum ausgestattet. Heute finden hier vor allem Seminare und Konzerte statt, aber auch Trauungen und Ausstellungen und Ritterfeste. Die ehemals ausgedehnten Gärten sind heute nur noch im Bereich der Wallgärten und nordöstlich des Torhauses nachvollziehbar.

Von Burg Lüdinghausen führt der sogenannte Kapitelweg, begleitet von Büsten kirchlicher Würdenträger, nach Norden zur Burg Vischering. Links und rechts liegen Wiesen und Weiden, westlich der Vischering-Stever das Antoniuskloster mit angrenzendem Pflegeheim und Schule. Diese drei Anlagen sind nicht öffentlich zugänglich, erlauben aber zum Teil Einblicke in ihre reizvollen Gärten.




Literaturangaben

  • Kohl, Wilhelm (1996): Zur älteren Geschichte von Kakesbeck. In: Archivpflege in Westfalen und Lippe, hrsg. vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe - Westfälisches Archivamt, Münster.
  • bearb. von Ludorff, Albert (1901): Kreis Wiedenbrück. Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 10, Paderborn.
  • Burg Lüdinghausen (Hrsg.) (2005): Spaziergang um die Renaissanceburg Lüdinghausen - Historische Spurensuche in einer Denkmallandschaft. Lüdinghausen, Infoblatt.
  • o. A. (1978): Erster Schritt zum Freizeitbereich Burg Lüdinghausen. In: Jahrbuch Kreis Coesfeld 1978, Coesfeld.
  • o. A. (1990): Neuer Garten nach altem Vorbild. In: Westfälische Nachrichten vom 28.06.1990, Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 188 - 193.
  • Burg Lüdinghausen (Hrsg.) (2003): Renaissanceburg Lüdinghausen - 900 Jahre Lebensräume - Räume zum Leben. Lüdinghausen, Infoblatt.
  • o. A. (2005): Gräftenwall wird gesichert. In: Lüdinghauser Zeitung vom 20.01.2005, Lüdinghausen.
  • o. A. (1982): Burg Lüdinghausen "träumt wieder im Wasser". In: Jahrbuch Kreis Coesfeld 1982, Coesfeld, Seite 212 ff.
Externe ID: LWL-GUP00685
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Burggarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1200
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10038436


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2005: Burg Lüdinghausen
2005: Parkanlage Burg Lüdinghausen
2005: Lüdinghausen
2005: Lüdinghausen