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Haus Borg, Drensteinfurt-Rinkerode
 

Haus Borg ist eine Wasserschlossanlage auf drei Inseln, westlich der Ortschaft Rinkerode gelegen. Die Anlage war im Mittelalter Sitz der Herren von Rinkerode und gelangte im 15. Jahrhundert an die Herren von Kerckerinck. Haus Borg war auch Wohnsitz des Engelbert Freiherrn von Kerckerinck zur Borg, eine in Westfalen bekannte Persönlichkeit. Als Präsident des westfälischen und deutschen Bauernverbandes und als konservativer Zentrumspolitiker, von 1912 bis 1918 gehörte er als Abgeordneter dem Berliner Reichstag an. Er hatte großen Einfluss auf das politische und wirtschaftliche Zeitgeschehen. Zudem war er Mitbegründer des Westfälischen Heimatbundes. 1912 veröffentlichte er zusammen mit dem Kunsthistoriker Richard Klapheck das Buch "Alt-Westfalen - Die Bauentwicklung Westfalens seit der Renaissance" und machte so die Ideen des Heimatschutzes und der Denkmalpflege einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Externe ID: T-P363N504-20080505-0002
Erfassungsdatum: 05.05.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2002: Haus Borg

Zugehöriges Objekt

Garten- und Landschaftsgestaltung am Haus Borg, Drensteinfurt-Rinkerode (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; bis auf die Garteninsel sind die Bereiche ausserhalb der Gräfte zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; westlich der Ortschaft Rinkerode; etwa 8 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Die Anlage war im Mittelalter Sitz der Herren von Rinkerode und gelangte im 15. Jahrhundert an die Herren von Kerckerinck.

Im 18. Jahrhundert beabsichtigte der kurkölnische Obersthofmarschall Jobst Stephan Freiherr von Kerckerinck den Ausbau des Herrenhauses zu einer barocken Dreiflügelanlage.

Im 19. und 20. Jahrhundert war Haus Borg Wohnsitz des Engelbert Freiherrn von Kerckerinck zur Borg. Er war damals in Westfalen eine bekannte Persönlichkeit. Als Präsident des westfälischen und deutschen Bauernverbandes und als konservativer Zentrumspolitiker, von 1912 bis 1918 gehörte er als Abgeordneter dem Berliner Reichstag an und hatte großen Einfluss auf das politische und wirtschaftliche Zeitgeschehen. Zudem war er Mitbegründer des Westfälischen Heimatbundes. 1912 veröffentlichte er zusammen mit dem Kunsthistoriker Richard Klapheck das Buch "Alt-Westfalen - Die Bauentwicklung Westfalens seit der Renaissance" und machte so die Ideen des Heimatschutzes und der Denkmalpflege einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Gebäude und Ausstattung
Haus Borg ist eine Wasserschlossanlage auf drei Inseln. Auf den beiden Hausinseln gruppieren sich jeweils um einen Hof die verschiedenen Bauten aus dem 15. bis 20. Jahrhundert. Zur Zeit der Renaissance wurde auf der Hauptinsel das mittelalterliche Burghaus zu einem größeren Wohnhaus ausgebaut und an den Schmalseiten im Westen und Osten mit einem Dreistaffelgiebel versehen. Westlich vom Hauptgebäude entstand im 16. Jahrhundert das Brauhaus, welches in nordwestlicher Richtung einen wehrhaften Rundturm mit Kegeldach erhielt. Etwa ein Jahrhundert später wurden an das Brauhaus in südwestlicher Richtung die eingeschossigen Ökonomiegebäude angefügt. Im Osten der Vorburginsel wurde im 17. Jahrhundert ein langgestrecktes Torhaus mit zwei Wehrtürmen an den Eckpunkten errichtet. Der nördliche Turm ist 1618 datiert und die Tordurchfahrt wird im Giebelfeld mit einem großen Wappen von 1664 geschmückt. Aus dem 17. bis 20. Jahrhundert stammen die verschiedenen Ökonomiebauten der Vorburginsel. Beim barocken Ausbau im Jahre 1719 wurde nur der östliche Seitenflügel nach Plänen des westfälischen Barockbaumeisters Gottfried Laurenz Pictorius realisiert. Der zweigeschossige Pavillonbau hebt sich mit einem Walmdach und zwei mächtigen Schornsteinen aus dem gesamten Bauensemble heraus. Die beiden Schornsteine sind mit einer gemauerten Firstgalerie verziert.

Bei einem Brandbombenangriff im 2. Weltkrieg wurde das Herrenhaus der Renaissance beschädigt und in den nachfolgenden Jahren nicht mehr bewohnt. Nach der Auswanderung der Familie Kerckerinck zu Borg in die USA erwarb ein Privatmann aus dem nicht weit entfernten Ruhrgebiet das Wasserschloss und ließ von 1982 bis 1988 die Gebäude und den Garten umfassend renovieren.

Art der Grünanlage
Garteninsel und Landschaftsgestaltung

Beschreibung
Der Hauptzugang zum Wasserschloss führt durch eine alte Lindenallee, die noch zu Lebzeiten des Freiherrn Engelbert regelmäßig kastenförmig geschnitten war. Vorbei an der Garteninsel führt der Weg durch eine hoch aufgeastete Eichenallee und knickt dann nach Westen ab. Jenseits der Garteninsel ist noch deutlich die gartenkünstlerisch gestaltete Mittelpartie mit ihren Alleen, Wassergräben, Wegen und Pflanzungen zu erkennen. Die weit in die Landschaft ausgreifenden Randalleen sind leider durch die Flurbereinigung der Nachkriegszeit verloren gegangen. Der Teich mit einer kleinen Insel in der Verlängerung der Mittelachse ist erst vor einigen Jahrzehnten angelegt worden. Unmittelbar am Teich beeinträchtigen Aufforstung mit Fichtenmonokulturen die einstmals großartige Gestaltung dieser Partie. Erhalten hat sich aber noch im Verlauf des Feldweges eine alte Eichenallee, die sich auf eine Länge von etwa 800 m bis zum anschließenden Waldgebiet in westlicher Richtung erstreckt.

Die mehr als 8 ha großen Gartenanlagen entstanden ursprünglich vermutlich nach Plänen von Gottfried Laurenz Pictorius. Die gesamte Anlage ist noch heute in ein weitläufiges System aus Eichen- und Lindenalleen eingebunden. Der Entwicklungsgang der gärtnerischen Anlagen ist im Wesentlichen durch vier Gestaltungsphasen gekennzeichnet.

Wohl im Zuge der barocken Erweiterung entstand auf der etwa 2,5 ha großen Nordinsel ein Garten mit einem großen Mittelbassin in der Hauptachse. Von der Gartenseite des Herrenhauses führte eine zentrale Blickachse über die Garteninsel hinweg bis zu einem etwa 400 m entfernten Waldstück, dem sogenannten "Alten Gartenbusch". Erstmals auf einer Urkatasterkarte aus dem Jahre 1830 verzeichnet, wurde der Gartenbusch zur Zeit des Barock vermutlich als Boskett oder als kleiner, eingefriedeter Tiergarten angelegt. Der Bereich zwischen der Garteninsel und dem Gartenbusch wurde ebenfalls durch die Anlage von Wegen mit Alleen, Bosketts und Wassergräben gartenkünstlerisch gestaltet. Durch eine symmetrische Gestaltung wurde der ausgeklügelte Effekt einer bühnenartigen Staffelung des Raumes erzielt, die den Blick von der Gartenseite des Hauses durch die Hauptachse weit in die Landschaft hinaus führte.

Im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts sollten die barocken Anlagen zusammen mit der Garteninsel in einen weitläufigen Landschaftspark umgestaltet werden. Mit den Alleen als gestalterischem Grundgerüst war geplant, die gesamte Umgebung durch eine weites Netz mit geschwungenen Spazierwegen zu erschließen. Durchgeführt wurde die landschaftliche Umgestaltung aber nur im mittleren Bereich der Garteninsel. Die äußeren Bereiche der Garteninsel im Westen und Osten wurden weiter als Wiese und Wirtschaftsgarten genutzt.

Im frühen 20. Jahrhundert erfolgte dann durch Engelbert Freiherr von Kerckerinck-Borg die Umgestaltung in eine neubarocke Gartenanlage. Der Garten war vermutlich die erste formale Anlage mit neubarocken Gestaltungselementen in Westfalen. Für seinen Garten am Haus Borg zeichnete der Freiherr mehrere Pläne, die als gestalterisches Hauptelement wieder die barocke Zentralachse vorsahen. Von der Gartenseite des Herrenhauses führte der Weg über die Gräfte auf die Garteninsel mit einem geometrischen Rosenparterre und weiter zu einem großen, vertieften Rasenparterre mit dem barocken Rundbassin. Nördlich des Bassins plante er eine zweistufige Gartenterrasse, über die der Weg durch ein Tor und über eine Zugbrücke hinweg geradewegs durch die mittlere Partie jenseits der Insel bis hin zum Gartenbusch führte. Als markanter Blickpunkt sollte der Beginn des Gartenbuschs wiederum mit einem Tor markiert werden. Auf der Garteninsel war geplant, die breite Hauptachse von hohen, geschnittenen Heckenwänden in Form von offenen Arkaden zu begrenzen, die dann mit zwei Pavillons am Nordrand der Insel abgeschlosen wurden. Ganz der ursprünglichen barocken Gestaltungsidee verpflichtet, entwarf von Kerckerinck zur Borg eine Gartenanlage, die vom gestalterischen Anspruch und von der Dimension her für einen Herrensitz des westfälischen Landadels einzigartig war. Es gelangte jedoch nicht alles zur Ausführung. Die Pavillons und die Tore wurden nicht gebaut und auch die zweistufige Terrasse wurde mit ihren vom Bassin ausgehenden Treppen nur teilweise realisiert. Zur Ausstattung des neubarocken Gartens stellte man auf der Terrasse nördlich des Bassin zwölf Skulpturen auf. Sie sind noch heute erhalten und symbolisieren die verschiedenen Monate des Jahres. Anstelle der als Arkaden geplanten Heckenwände pflanzte man auf der Garteninsel kastenförmig geschnittene Eiben, die seitdem die kulissenartig hohe Gehölzpflanzung entlang der gartenarchitektonischen Hauptachse rahmen. Das achsiale Wegesystem der begleitenden Nutzgärten wurde mit verschiedenen Laubgehölzen und Hecken betont.

Pflegezustand
Bis zur Zeit des 2. Weltkrieges wurden die historischen Gartenanlagen vorbildlich gepflegt. Zwischen 1982 bis 1988 ließ der neue Eigentümer die Garteninsel restaurieren. Leider sind seit dieser Zeit einige wichtige gartenkünstlerische Gestaltungselemente verschwunden. Besonders die gestaltprägende, barocke Sichtachse ist durch großzügige Rhododendronpflanzungen am Nordrand der Garteninsel unterbrochen worden. Dadurch bleibt zwar der private Charakter der Garteninsel gewahrt, zumal auch im östlichen Bereich der Begräbnisplatz der Familie des heutigen Eigentümers neu entstanden ist, die für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Insel wird aber genauso von der breiten, wassergefüllten Gräfte geschützt. Seit dieser Zeit ist auch die Wasserführung der Gräften durch die Erweiterung zu einem Teich mit kleiner Insel im Westen der Anlage verbessert worden. Die Garteninsel wird heute gut gepflegt.

Literaturangaben

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 126 - 129.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4, Band 3, Seite 482 - 483.
Externe ID: LWL-GUP00308
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Garten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Fotos
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1719
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10038254


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2002: Haus Borg
2002: Haus Borg
2002: Haus Borg
2002: Haus Borg
2002: Haus Borg
2002: Haus Borg
Haus Borg
2003: Drensteinfurt-Rinkerode
1909: Haus Borg
1909: Haus Borg
1909: Haus Borg
1902: Haus Borg
1897: Drensteinfurt-Rinkerode
1887: Haus Borg