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Schloss Crassenstein, Wadersloh-Diestedde
 

Erste urkundliche Erwähnung einer befestigten Anlage der Burggrafen von Stromberg im Jahre 1177. Von 1411 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Haus Crassenstein der Familie von Wendt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des 20. Jahrhunderts diente es als Schule mit Internatsbetrieb. 1999 wurde das Schloss verkauft und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Mechatronik eingerichtet.


Externe ID: T-P363N504-20080421-0001
Erfassungsdatum: 21.04.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2002: Schloss Crassenstein

Zugehöriges Objekt

Schloss Crassenstein, Wadersloh-Diestedde (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; die Anlage ist teilöffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; am nördlichen Ortsrand von Diestedde; etwa 3,5 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Erste urkundliche Erwähnung einer befestigten Anlage der Burggrafen von Stromberg im Jahre 1177. Von 1411 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Haus Crassenstein der Familie von Wendt. Franz III. von Wendt zu Crassenstein ließ vermutlich im 16. Jahrhundert das Wasserschloss der Renaissance erbauen. Nach dem Aussterben der Crassensteiner Linie im Jahre 1710 fiel der gesamte Besitz an Franz Egon II. von Wendt zu Holtfeld. Nach der Vereinigung der Linien Holtfeld, Hardenberg und Crassenstein verlegte Friedrich Wilhelm von Wendt ab 1808 den Hauptsitz der Familie aus Schloss Hardenberg bei Neviges nach Crassenstein. Sein Sohn Rudolf ließ zwischen 1840 und 1845 das gesamte Anwesen im Stil des Klassizismus um- und ausbauen. Durch Heirat kam das Besitzturm an die verwandte Adelslinie der gräfliche Familie von Marchant und Ansembourg. Nach dem Tod der Clothilde von Marchant und Ansembourg im Jahre 1912 stand das Schloss leer und verwahrloste. Graf Wladimir von Marchant und Ansembourg erbte 1925 das Schloss und verpachtete es nach dem Zweiten Weltkrieg an den Internatsverein Lüdinghausen e. V. , der im Schloss und in zusätzlichen Neubauten im Park zwischen 1951 bis 1982 das Realschulinternat St. Marien unterhielt. 1983 erwarb die von Erzbischof Marcel Lefèbvre gegründerte "Priesterbruderschaft des heiligen Pius X." das Schloss und die Schulgebäude. Die Priesterbruderschaft betreibt seit dieser Zeit in den Schulgebäuden die Don-Bosco-Schule, ein humanistisches Gymnasium mit angeschlossenem Internat. Das Schloss wurde 1999 an Prof. Dr.-Ing. Paul Drews verkauft, der dort ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Mechatronik eingerichtet hat.

Gebäude und Ausstattung
Wasserschlossanlage der Renaissance auf zwei Inseln vermutlich aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ursprünglich als rechteckige Hofanlage mit vier Ecktürmen geplant, wurde Crassenstein aber nur mit zwei kurzen Seitenflügeln an der Südseite und zwei spitzwinkligen Eckpavillons im Norden zur Hälfte ausgeführt. Die beiden freistehenden, spitzwinkeligen Eckpavillons standen ursprünglich am Südrand der Hausinsel. Die Schlossanlage wurde zwischen 1840-45 vermutlich durch den Mindener Baumeister Konrad Niemann klassizistisch verändert und ausgebaut. 1850 folgte noch der Umbau der beiden freistehenden Pavillons. An die Ostseite des Herrenhauses erfolgte gleichzeitig der Anbau eines grossen Palmenhauses, das schon 1922 wieder abgebrochen wurde. Nach einem Brand des Dachstuhls erhielt das Schloss zwischen 1921 und 1923 ein Mansarddach. Die Pläne dazu kamen von Freiherr Engelbert von Kerckerinck zu Borg. Gleichzeitig wurde auch der damals unverputzte Mittelrisalit und eine neue Treppe angelegt. Durch den letzten Eigentümer erfolgten zwischen 1999 bis 2001 umfassende Restaurierungen.

Von der barcken Ausstattung des Gartens sind heute die beiden Gartenskulpturen eines Herkules und des Milon von Kroton auf der Hausinsel aufgestellt. Auf der ehemaligen Vorburginsel steht die 1732 datierte Skulptur des Hl. Nepomuk. Die Marienskulptur im Rasenparterre an der Vorfahrt der Hausinsel wurde erst im Zuge der Nutzung als Realschulinternat in den 1950er Jahren aufgestellt.

Art der Grünanlage
Schlosspark

Beschreibung
Die Geschichte der Gartenanlagen von Haus Crassenstein ist bisher nur wenig erforscht. Erste Hinweise auf gärtnerische Anlagen gibt eine 1722 vom Landmesser Bolte angefertigte Federzeichnung. Jenseits der Hausgräfte lag im Westen der "Grosse Garten", der in gleicher Richtung mit einer Allee und einem Graben abschloss. Im Süden der Vorburginsel lag eine mit "Alter Garten" bezeichnete Fläche, die vermutlich schon seit der Renaissance als Nutzgarten bewirtschaftet wurde. Die Flächengliederung und Gestaltung der gärtnerischen Anlagen wird aus einem 1755 von Johann Gottfried Carle gezeichneten, kolorierten Plan deutlich. Während der Nutzgarten im Süden in regelmäßige Beete aufgeteilt war, zeigt der Bereich westlich des Herrenhauses jeweils zwei geometrische Gartenparterres mit einem zentrierten, sternförmigen Wegesystem. Dieser repräsentative Garten war gleichzeitig Standort der beiden barocken Gartenskulpturen. Für die landschaftliche Umgestaltung des 19. Jahrhunderts finden sich insgesamt vier Gartenpläne. Ein erster mit Peter Custodis aus Neuss signierter Plan entstand 1831 im Auftrag von Baron Rudolf von Wendt. Er zeigt detailliert die Umgestaltung und Erweiterung der gärtnerischen Anlagen in einen zeitgemäßen Landschaftspark. Die nördliche Grenze bildete der Liesenbach. Zwei vermutlich zur gleichen Zeit entstandene Pläne zeigen eine andere Variante und eine vergrößerte Detailplanung für den westlichen Bereich. Ein wahrscheinlich noch vor dem Ausbau zur klassizistischen Schlossanlage von Carl von Schorlemer gezeichneter Plan stellt neben der landschaftlichen Umgestaltung des Walls der Hausinsel und des ehemaligen barocken Herrengartens die Erweiterung jenseits des Liesenbaches nach Norden dar. Welcher Plan letztendlich zur Ausführung gelangte, ist nicht bekannt. Sicher ist jedenfalls, das der Landschaftspark in nördlicher Richtung über den Liesenbach hinaus nicht erweitert wurde. Eine 1861 oder 1862 gedruckte Farblithografie zeigt den Blick über eine weite Wiesenfläche auf die Gartenseite des Schlosses mit dem angebauten Palmenhaus und der auffälligen Anlage eines Rondells auf der Hausinsel und vermittelt somit eine ungefähre Vorstellung von der Gestaltung dieser Zeit. Vermutlich wurde der Landschaftspark nur von zwei oder drei Generationen der Familie von Wendt bzw. von Marchant und Ansembourg genutzt und gepflegt. Fotografien aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zeigen die schrittweise Vernachlässigung der gärtnerischen Anlagen, zumal ab 1912 keines der Familienmitglieder mehr dauerhaft im Schloss wohnte.

Pflegezustand
Heute sind vom Landschaftspark nur noch einige stattliche Altbäume und Baumgruppen erhalten geblieben. Der grösste Teil der Fläche wird von der benachbarten Schule als Sport- und Freizeitgelände genutzt. Erhalten hat sich noch die landschaftliche Gestaltung des 19. Jahrhunderts auf dem Wall zwischen der Hausgräfte und der alten Vorburggräfte im Osten des Schlosses. Die nördlich des Liesenbaches vom Heimatverein aufgestellten "Schmucksteine" stammen wahrscheinlich von einem Brunnen oder einer Grotte des barocken Herrengartens.

Literaturangaben

  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4, Seite 484.
  • o.A. (1933-36): Schloss Crassenstein. Aufsatz und Abbildungen in der Zeitschrift. In: Die Glocke am Sonntag, Beckum, Nr. 17, 23. 4. 1933, S. 13; Nr 49, 9. 12. 1934, S. 5; Nr. 50, 16. 12. 1934; Nr. 36, 6. 9. 1936.
  • Brüggemann, Erich-Werner (1986): Schloss Crassenstein und seine Besitzer. In: 850 Jahre Diestedde. Heimatverein Wadersloh-Diestedde (Hrsg.), Wadersloh, Seite 236 - 274.
  • Brüggemann, Erich-Werner (1993): Älteste Darstellung des Schlosses Crassenstein von 1755. In: Heimatkalender Kreis Warendorf 1993, Warendorf, Seite 147 - 149.
  • Schmitt, Michael (Bearb.) (2002): Münsterland Kreis Borken - Kreis Coesfeld - Kreis Steinfurt - Kreis Warendorf. Westfalia Picta, Band VI, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00328
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: gering - ist einen Besuch vor Ort wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1177
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10038044


In Karte anzeigen

2002: Schloss Crassenstein
2002: Schloss Crassenstein
2003: Schlosspark Crassenstein
2002: Schloss Crassenstein
2002: Schloss Crassenstein
2003: Schloss Crassenstein
1897: Schloss Crassenstein
Schloss Crassenstein
1840: Plan der Englischen Anlagen zu Crassenstein
1831: Schlosspark Crassenstein
1831: Schlosspark Crassenstein