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Haus Welbergen, Ochtrup
 

Die Wasserburg Haus Welbergen liegt im Kreis Steinfurt zwischen Burgsteinfurt und Ochtrup an der Bundesstraße B 54. Es handelt sich um einen alten Westfälischen Adelssitz, der schon im späten 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde, wahrscheinlich aber viel eher entstanden ist. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das gotische Gebäude zu einem Herrenhaus der Renaissance ausgebaut. Seitdem steht der große, zweistöckige Ziegelbau im Süden der Vorburg mitten in der vom Gauxbach gespeisten Gräfte frei im Wasser.  Mitte des 18. Jahrhunderts wurden mit Ausnahme des Torhauses die alten Wehrbauten der Vorburg beseitigt und neue Ökonomiegebäude errichtet. Gleichzeitig wurden bis auf den alten Wehrturm in der südwestlichen Ecke der Vorburg auch der mittlere, quadratische Turm als Kapelle und der nordwestliche Turm neu aufgebaut. Außerhalb der Gräfte wurde neben der Mühle im Jahre 1840 ein Kornspeicher aus Backstein errichtet. Die schon zwischen 1625 bis 1632 errichtete Mühle wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts standen auf der Vorburg zwei mächtige Ökonomiegebäude.
Nach mehrfachem Besitzerwechsel kauften 1929 die niederländischen Bankiers Jordaan-van Heek das Anwesen. Als Rechtsnachfolger verwaltet seit 1959 die "Bertha Jordaan-van Heek Stiftung" die Anlagen. Die Stiftung engagiert sich für Projekte der Heimat-, Denkmal- und Archivpflege und fördert den kulturellen Austausch zwischen den Niederlanden und Deutschland.

Externe ID: T-P363N504-20080408-0001
Erfassungsdatum: 08.04.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2003: Haus Welbergen

Zugehöriges Objekt

Haus Welbergen, Ochtrup-Welbergen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Jordaan-van Heek Stiftung; die Außenanlagen sind öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Westmünsterland; etwa 1 ­km südlich von Welbergen.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Als Sitz der Herren von Welbergen war ein befestigtes Haus vermutlich schon im späten 13. Jahrhundert vorhanden. Fast zweihundert Jahre lang gehörte der Rittersitz einer Familie von Blome und wird als "Blomenhus" erstmals in einer Urkunde von 1415 genannt. Im frühen 16. Jahrhundert ging die Wasserburg an die Herren von Oldenhues und 1624 an die Familie von Schede. 1712 gelangte Haus Welbergen an die damals noch bürgerliche Familie Bucholtz. Franz Caspar Johann Bucholtz gehörte im ausgehenden 18. Jahrhundert zum schöngeistig literarischen Kreis der Amalie Fürstin von Gallitzin in Münster. Auf seine Einladung hin wohnte der schon schwerkranke Königsberger Philosoph Johann Georg Hamann für vier Monate auf Haus Welbergen, bevor er 1788 in Münster verstarb.

Nach dem Tode von Franz Bernhard Bucholtz im Jahre 1838 erbte seine Schwester Gertrud das gesamte Anwesen. Sie hatte den angesehenen Medizinalrat Dr. Franz Ferdinand von Druffel aus Münster geheiratet. Bis zum Verkauf an die niederländischen Bankiers Jordaan-van Heek im Jahre 1929 blieb Haus Welbergen im Eigentum der Familie von Druffel. Sie hatte bis auf den umliegenden Wald alle Ländereien des Anwesens verpachtet. Für die Wasserburg und die dazugehörigen Ländereien war es ein enormer Glücksfall, dass 1929 das niederländische Ehepaar Jan und Bertha Jordaan-van Heek die gesamte Anlage erwarb. Sie hatten von Anfang an die Absicht, dass Anwesen zu erhalten und einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen. Als Rechtsnachfolger verwaltet seit 1959 die "Bertha Jordaan-van Heek Stiftung" die Anlagen. Die Stiftung engagiert sich für Projekte der Heimat-, Denkmal- und Archivpflege und fördert den kulturellen Austausch zwischen den Niederlanden und Deutschland.

Gebäude und Ausstattung

Christian von Oldenhues baute um 1560 bis 1570 ein vorhandenes, gotisches Gebäude zu einem Herrenhaus der Renaissance mit typischen Dreistaffelgiebeln aus. Seitdem steht der große, zweistöckige Ziegelbau im Süden der Vorburg mitten in der vom Gauxbach gespeisten Gräfte frei im Wasser. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Vorburginsel zum Schutz vor Überfällen und Plünderungen mit Mauern und Türmen verstärkt und im 18. und 19. Jahrhundert mit weiteren Gebäuden ausgebaut. Franz Caspar Cajetan Bucholtz gestaltete von 1730 bis 1746 das Herrenhaus hauptsächlich im Innern barock um. Mit Ausnahme des Torhauses ließ er auch die alten Wehrbauten der Vorburg beseitigen und neue Ökonomiegebäude errichten. Gleichzeitig wurden bis auf den alten Wehrturm in der südwestlichen Ecke der Vorburg auch der mittlere, quadratische Turm als Kapelle und der nordwestliche Turm neu aufgebaut.

Außerhalb der Gräfte wurde neben der Mühle im Jahre 1840 ein Kornspeicher aus Backstein errichtet. Die schon zwischen 1625 bis 1632 errichtete Mühle wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts standen auf der Vorburg zwei mächtige Ökonomiegebäude. Sie waren zum Herrenhaus hin mit einem hohen Metallgitterzaun vom übrigen Hofbereich abgetrennt.

Art der Grünanlage
Barockgarten und Landschaftspark

Beschreibung
Im Gegensatz zur Geschichte der Bewohner des Hauses und den verschiedenen Bauphasen der Anlage steht die Erforschung der historischen Garten- und Landschaftsgestaltungen noch aus. Im Nordosten des Anwesens liegt hinter der Mühle eine langgestreckte Gartenfläche, die, vergleichbar mit einer barocken Garteninsel, zum größten Teil von einer Gräfte begrenzt wird. Zwei 1730 datierte Torpfeiler markieren den Eingang zum Garten. Bis heute haben sich von der historischen Gestaltung am nordöstlichen Rand des Gartens ein kleiner als zentraler Blickpunkt errichteter Pavillon und mehrere alte Bäume erhalten. Wahrscheinlich gehören die als Naturdenkmale unter Schutz gestellten Bäume, zu denen eine mächtige Platane, eine große Eibe und eine knorrige Eiche gehören, noch zur Bepflanzung des barocken Gartens. Ob es sich bei dem inzwischen mit Obstbäumen und als Bienenweide genutzten Garten um einen ehemaligen Lustgarten oder um einen großzügigen Wirtschaftsgarten handelt, ist bisher nicht bekannt. Belegt ist aber eine Pflanzenrechnung für Haus Welbergen aus dem Jahre 1740, die eine Lieferung von Tulpen- und Hyazinthenzwiebeln sowie Tabakpflanzen aus dem holländischen Harleem auflistet. Zudem werden in einem 1871 verfassten Brief mehrere Pomeranzen (Orangenbäume) erwähnt. Wo die anspruchsvoll zu kultivierenden Pomeranzen aufgestellt waren und wie man sie überwinterte, muss bisher offen bleiben.

Außerhalb der Gräfte wird der Zugang in einen weiteren interessanten Gartenbereich wiederum durch zwei 1730 aufgestellte Torpfeiler markiert. Vorbei am Kornspeicher verläuft der Weg zwischen der Hausgräfte und dem Gauxbach durch eine landschaftlich gestaltete Anlage mit schönen Solitärgehölzen und zahlreichen alten Rhododendren. Dieser Bereich gehörte einst zum vorgelagerten Wall der stark befestigten Wasserburg. Vermutlich wurde der Wall mit dem barocken Ausbau des Herrensitzes durch Franz Caspar Cajetan Bucholtz eingeebnet und im Laufe der Zeit mit verschiedenen Gehölzen bepflanzt. Bis auf eine mächtige alte Buche an der Südostecke des ehemaligen Wallbereichs wurden die meisten Solitärgehölze und die Rhododendren im 19. und frühen 20. Jahrhundert gepflanzt. Der weitere Weg führt entlang des Gauxbaches durch ein kulturlandschaftlich interessantes Waldgebiet mit einem ausgedehnten Gräftensystem. Noch im 19. Jahrhundert war die vom Bachlauf und zwei Gräftenarmen umschlossene Fläche im Süden der Wasserburg nicht bewaldet und wurde vermutlich als Weide oder als Bleiche genutzt. Wahrscheinlich hat man das weitläufige Gräftensystem zur besseren Verteidigung des Herrensitzes und zur Wasserhaltung der breiten Hausgräfte angelegt. Möglich wäre aber auch die Gestaltung als Tiergarten zur jagdlichen Nutzung im 17. oder 18. Jahrhundert. Von der Familie Bucholtz ist jedenfalls überliefert, dass sie zwar bürgerlicher Herkunft war aber durchaus einen adeligen Lebensstil führte.

Beim Spaziergang über die gepflegten Wege des Waldes können aufmerksame Besucher noch zahlreiche Einzelheiten der historisch gewachsenen Kulturlandschaft entdecken. Ein historisches Gartenelement ist auch eine alte Hecke aus durchgewachsenen Hainbuchen, die an drei Seiten eine große rechteckige Fläche umgrenzt.

Heute sind die Gartenanlagen auf der Vorburginsel für die meisten Besucher das attraktivste Ausflugsziel. Anstelle der einst mitten auf dem Hof stehenden Wirtschaftsbauten und zwei unmittelbar an die Nordmauer angebauten Gebäuden hat die Stiftung ab 1962 einen geometrischen Garten angelegt, der barocken Vorbildern nachempfundener ist. Die Pläne für die stimmungsvolle Anlage stammen von Egon Barnard, dem damaligen Leiter des Westfälischen Amtes für Landespflege in Münster. Zur Gartenplanung dieser Zeit gehört auch der Brunnen im Zentrum des Gartens, der nach Vorbildern aus der Renaissance angefertigt wurde. Der Garten ist besonders zur Zeit der Stauden- und Rosenblüte während der Sommermonate eine reizvolles Besucherziel. Jenseits der Marienkapelle befindet sich noch einer kleinerer Gartenbereich, der bis ins Zeitalter der Renaissance nachweisbar ist. Lange Zeit wurde der Garten vermutlich als Nutzgarten bewirtschaftet und erst im 19. Jahrhundert in eine kleine landschaftliche Anlage mit ausgewählten Solitärgehölzen umgestaltet. Zu den ältesten Pflanzen gehören heute eine alter Buchsbaum und ein auffällig beschnittener Eschenahorn. An der Südseite der Marienkapelle liegt ein geschützter Sitzplatz zum Aufenthalt im Freien.

Pflegezustand
Der ehemalige Barockgarten ist heute eine großzügige Obstwiese. Die umliegenden von Wassergräben durchzogenen Flächen werden forstwirtschaftlich genutzt.

Literaturangaben

  • Reimann, Norbert (2001): Haus Welbergen. Aus der Geschichte eines Rittersitzes im Münsterland. In: 850 Jahre Welbergen. Portrait eines Dorfes im Münsterland. Christoph Goldt (Hrsg.), Ochtrup, Seite 277 - 296.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
  • Mühlen, Franz (1984): Haus Welbergen. In: Westfälische Kunststätten, Heft 30, Münster.
  • Jakob, Volker (2000): Das Vermächtnis der alten Dame. In: Westfalenspiegel 2, 2000, Münster, Seite 36 - 37.
  • Pfützenreuter, Günther (1993): Begegnungen mit Schloß Welbergen. In: Unser Kreis 1994. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt, Steinfurt.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 131 - 135.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 30 - 33.
Externe ID: LWL-GUP00276
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Landschaftsgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Auswertung historischer Karten
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1415
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037848


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2004: Haus Welbergen
2003: Haus Welbergen
2003: Haus Welbergen
2003: Haus Welbergen
2001: Haus Welbergen
2001: Haus Welbergen
2003: Haus Welbergen
2003: Haus Welbergen
Haus Welbergen
Haus Welbergen
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Haus Welbergen
2003: Ochtrup
1897: Ochtrup