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Haus Marck, Tecklenburg
 

Als Vorgängerbau des Adelssitzes wurde im 14. Jahrhundert durch die Herren von Horne eine erste Burganlage erbaut. Die Herren standen im Dienst der Tecklenburger Grafen. Um 1550 gelangte das Haus an den kaiserlichen Obristen Jürgen von Holle, der zwischen 1562 bis 1565 die wehrhafte Anlage zu einem vierflügeligen Renaissanceschloss mit Herrenhaus, Ecktürmen und der Tordurchfahrt ausbauen ließ. Noch im 16. Jahrhundert gelangte Haus Marck an die Freiherren von Diepenbroick, deren Nachkommen noch heute das Anwesen bewohnen.
Mit Haus Marck verbinden sich zwei für die Landesgeschichte bedeutsame Ereignisse. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges fand 1643 auf der Wasserburg eine Vorverhandlung zum Westfälischen Frieden zwischen den Delegierten der protestantischen und katholischen Gegner statt. Der Verhandlungsort wurde wegen des neutralen Status der Grafschaft Tecklenburg und der gleichen Entfernungen zu den Orten des endgültigen Friedensschlusses, Osnabrück und Münster, auserwählt. Fast zweihundert Jahre später wurde im Jahre 1831 Friedrich von Bodelschwingh auf Haus Marck geboren. Als evangelischer Pfarrer übernahm er 1872 die Leitung und den weiteren Ausbau der heute weltweit anerkannten Diakonieanstalten Bethel bei Bielefeld.



Externe ID: T-P363N504-20080403-0003
Erfassungsdatum: 03.04.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2001: Haus Marck

Zugehöriges Objekt

Gartenanlage am Haus Marck, Tecklenburg (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; bis auf den Landschaftsgarten sind die Aussenanlagen öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Weserbergland - Osnabrücker Osning; in einer Talniederung am südlichen Ortsrand von Tecklenburg; Landschaftsgarten etwa 2 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Mit Haus Marck verbinden sich zwei für die Landesgeschichte bedeutsame Ereignisse. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges fand 1643 auf der Wasserburg eine Vorverhandlung zum Westfälischen Frieden zwischen den Delegierten der protestantischen und katholischen Gegner statt. Der Verhandlungsort wurde wegen des neutralen Status der Grafschaft Tecklenburg und der gleichen Entfernungen zu den Orten des endgültigen Friedensschlusses, Osnabrück und Münster, auserwählt. Fast zweihundert Jahre später wurde im Jahre 1831 Friedrich von Bodelschwingh auf Haus Marck geboren. Als evangelischer Pfarrer übernahm er 1872 die Leitung und den weiteren Ausbau der heute weltweit anerkannten Diakonieanstalten Bethel bei Bielefeld.

Als Vorgängerbau des Adelssitzes wurde im 14. Jahrhundert durch die Herren von Horne eine erste Burganlage erbaut. Die Herren standen im Dienst der Tecklenburger Grafen. Um 1550 gelangte das Haus an den kaiserlichen Obristen Jürgen von Holle. Durch Heirat seiner Tochter gelangte Haus Marck noch im 16. Jahrhundert an die Freiherren von Diepenbroick. Die Familie von Diepenbroick-Grüter bewohnt noch heute das Anwesen.

Gebäude und Austattung
Jürgen von Holle ließ zwischen 1562 und 1565 die wehrhafte Anlage hinter der Zugbrücke zu einem vierflügeligen Renaissanceschloss mit zweistöckigem Herrenhaus, Ecktürmen und der Tordurchfahrt ausbauen. Die Gebäude des 16. Jahrhunderts wurden dann zur Mitte des 18. Jahrhunderts umgebaut und vereinheitlicht. Nach der Entfernung der Ecktürme und des Obergeschosses des Herrenhauses erhielt der gesamte Baukörper nur noch ein Geschoss, große Sprossenfenster und einheitliche Walmdächer. Im 19. Jahrhundert wurde dann die Außenfassade mit einem Quaderputz versehen.

Östlich der Hausinsel war bis ins 19. Jahrhundert hinein die Vorburg mit ausgedehnten Wirtschaftsgebäuden angesiedelt. Von der alten Vorburg haben sich heute nur noch ein malerischer Torbogen und einige Ruinenreste erhalten. Ursprünglich führte ein Damm an der Südseite des Schlosses vorbei mitten durch den Teich zur Vorburg. Der Teich war damals durch den Damm in den Hausteich und den Mühlenteich unterteilt. An der Südostecke des Mühlenteiches lag noch die Mühle des Adelssitzes. Sie ist heute nicht mehr erhalten. Erhalten hat sich aber noch die ehemalige Garteninsel von Haus Marck.

Art der Grünanlage
Landschaftsgarten, Landschaftsgestaltung

Beschreibung
Von den historischen Gärten des Anwesens ist die ursprüngliche Gestaltung und Funktion der Garteninsel bisher nicht bekannt. Vermutlich wurde die Pflege oder Bewirtschaftung der Insel mit der Verlegung der Ökonomiegebäude von der Vorburg an die Westseite des Adelssitzes aufgegeben. Bekannt ist aber, dass um 1860 die Schwester des Landrates von Tecklenburg, Dorothee Freifrau von Diepenbroick-Grüter, im Nordwesten von Haus Marck einen etwa 2 ­ha großen Garten anlegte. Im Norden und Osten fand die Gartenanlage mit einer langen Bruchsteinmauer ihren Abschl­uss. Die westliche Gartenhälfte wurde als ausgedehnter Nutzgarten und die östliche Gartenhälfte als landschaftlicher Ziergarten mit verschiedenen Solitärbäumen, einem Teich und einer Grotte als Sitzplatz gestaltet. Der stimmungsvolle Landschaftsgarten ist heute eines der wenigen noch weitgehend erhaltenen Beispiele dieser Art in der Region. Beeindruckend sind die verschiedenen Baumgruppen und Solitärbäume des Gartens, von denen besonders eine stattliche Lindengruppe, zwei alte Edelkastanien am Zugang zum Gemüsegarten, eine mächtige Blutbuche und ein 40 m hoher Mammutbaum auffallen. Das die Schlossbewohner ihren Landschaftsgarten selbst gestalteten, war im 19. Jahrhundert durchaus nicht ungewöhnlich, zumal die botanische Sammelleidenschaft in wohlhabenden Kreisen eine weit verbreitete Leidenschaft war. Bekannt ist auch, dass die Freifrau am Rande des Landschaftsgartens zu Aufzucht von exotischen Bäumen ein Boskett kultivierte. Naturgemäß diente der Garten zum erholsamen Aufenthalt im Freien und es war ein besonderes Vergnügen, bei sonntäglichen Zusammenkünften der Familie, die Kaffeetafel im Garten zu servieren. Von der Ausstattung des historischen Gartens sind noch die von einer mächtigen Buche überragte Grotte, ein Steintisch und der Sockel einer alten Sonnenuhr.

Ohne Einschränkung ist die historische Allee am nördlichen Rand von Haus Marck zu bestaunen. Die knorrigen und markant geschnittenen Linden wurden wahrscheinlich schon zur Zeit des Barock im 18. Jahrhundert gepflanzt. Wegen des guten Erhaltungszustandes, der bucklige Weg hat noch das originale Pflaster aus alten Feldsteinen, ist die Allee eine für das Münsterland einzigartige kulturhistorische Rarität.

Literaturangaben

  • Schumann, Gert (1981): Lengerich in alten Ansichten. Bd. 2. Zaltbommel/NL.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4, Band 3, Seite 480 - 481.
  • Breuing, Rudolf (1984): Haus Marck. In: Unterwegs im Kreis Steinfurt, Burgsteinfurt, Seite 571 - 575.
  • Innemann, Volker (1997): Zum Westfälischen Frieden über Vorverhandlungen auf Haus Marck. In: Unser Kreis 1998. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt, Burgsteinfurt, Seite 79 - 83.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 48 - 51.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 167 - 171.
Externe ID: LWL-GUP00287
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Landschaftsgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1410
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037806


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