Für die Menschen, für Westfalen-Lippe Signet: LWL-GeodatenKultur
Username:  
Password:  
Trennlinie; Beginn des Seitenfußes
  Start     Karte     Suche     Auswahlliste     Objektansicht     Hilfe  
Kloster Gravenhorst, Hörstel
 

Das Kloster Gravenhorst ist ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster in der Hörsteler Bauerschaft Gravenhorst im Kreis Steinfurt. Gegründet wurde es 1256 und diente  hauptsächlich zur Versorgung von unverheirateten Töchtern des Adels. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg begannen die Nonnen bereits 1628 mit dem Wiederaufbau des Klosters, das bis 1667 zum Bistum Osnabrück gehörte. 1811 verließen die letzten Nonnen das Kloster. Die Gebäude kamen 1822 in Privatbesitz und wurden zur landwirtschaftlichen Gutsanlage ausgebaut. 1974 gelangte die Klosteranlage in Erbpacht an den Kreis Steinfurt. Im Rahmen der REGIONALE 2004 wurden der Süd- und Westflügel des Klosters zu einem multifunktionalen Kunsthaus ausgebaut.

Externe ID: T-P363N504-20080320-0003
Erfassungsdatum: 20.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



In Karte anzeigen

2008: Kloster Gravenhorst

Zugehöriges Objekt

Kloster Gravenhorst in Hörstel-Gravenhorst (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Kreis Steinfurt; Kath. Kirchengemeinde; die Außenanlagen sind öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Plantlünner Sandebene; etwa 3 km östlich von Hörstel an der Landstraße L 594 nach Ibbenbüren; etwa 6 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Am Nordhang des Teutoburger Waldes gründete 1256 der Ritter Conrad von Brochterbeck zusammen mit seiner Frau Amalgarde von Budde ein Zisterzienserinnenkloster, das dem Kloster Marienfeld bei Gütersloh unterstellt war. Erste Äbtissin von Gravenhorst wurde ihre Tochter Oda. Mit etwa 50 Bauernhöfen reich ausgestattet, diente das Kloster hauptsächlich zur Versorgung von unverheirateten Töchtern des Adels. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Abtei in Brand gesteckt. Die vorher nach Münster und Rheine geflohen Nonnen begannen schon 1628 mit dem Wiederaufbau des Klosters, das bis 1667 zum Bistum Osnabrück gehörte. 1808 erfolgte die Aufhebung und 1811 verließen die letzten Nonnen das Kloster. Die Gebäude kamen 1822 in Privatbesitz und wurden zur landwirtschaftlichen Gutsanlage ausgebaut. 1974 gelangte die Klosteranlage in Erbpacht an den Kreis Steinfurt.

Gebäude und Ausstattung
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Kloster mehrfach zerstört. Bis auf die frühgotische Kirche vom Ende des 13. Jahrhunderts wird das Bild der Gesamtanlage im Wesentlichen durch die Bauten des 17. Jahrhunderts geprägt. Der zum Mühlenteich orientierte Südflügel erhielt um 1644 einen prächtigen Schaugiebel mit Zierelementen der Renaissance. Zu den Bauten des 17. Jahrhunderts zählen auch die Klostermühle und das ehemalige Brauhaus im Süden der Anlage. Jenseits vom Mühlenteich ließ die Äbtissin Maria Agnes von Ketteler 1734 an einer Wegegabelung ein Heiligenhäuschen errichten, das sogenannte Dreihüsken. 1817 brannte ein westlich an die Kirche angeschlossener Flügel ab und wurde anschließend nicht wieder aufgebaut. Im gleichen Jahr wurde die vom Innenhof sichtbare Fassade des Westflügels mit klassizistischen Stilelementen erneuert. Der westliche Abschluss der Kirche mit dem markanten Dachreiter wurde erst 1971 bis 1974 wieder aufgebaut.

An der Nordseite der Kirche liegt noch der ehemalige Klosterfriedhof, der heute durch eine Quermauer zweigeteilt ist. Im östlichen Bereich finden sich noch einige gußeiserne Kreuze des 19. Jahrhunderts, die aus der 1804 gegründeten Gravenhorster Eisenhütte stammen, die etwa 500 m westlich vom Kloster liegt. Im westlichen Bereich finden sich bemerkenswerte Grabdenkmäler vom 14. bis 8. Jahrhundert, die an der Innenseite der Klostermauer angebracht sind.

Art der Grünanlage
Klostergärten, Friedhof.

Beschreibung
Ein 1808 gezeichneter Plan zeigt die abgeschiedene Lage des Klosters inmitten ausgedehnter Wald- und Wiesengebiete. Neben der genauen Bezeichnung der verschiedenen Gebäude sind auch die Klostergärten benannt. Im Bereich der heutigen Zufahrt aus nördlicher Richtung lag unterhalb der Hörsteler Aa ein Hopfengarten (Hoppen Garten). Ausgedehnte Gärten waren südlich vom Kloster angelegt. Sie waren über die Gräftenbrücke erreichbar, die noch heute von zwei barocken Torpfeilern mit aufgesetzten Vasen markiert wird. Hier befanden sich die Küchengärten des Klosters, die neben der Klostermauer noch durch ein Bauhaus und einen Gärtnerei-Keller, der vermutlich zur Lagerung von Obst und Gemüse diente, begrenzt wurden. Die größte Anlage war eine rechteckige Gartenfläche im Süden des Mühlenteiches, der "Neue Garten". Wahrscheinlich waren am Kloster vorwiegend Nutzgärten angelegt, über einen Lustgarten ist bisher nichts bekannt. Bekannt ist aber, dass im Jahre 1732 ein Klostergärtner und auch ein Gärtnerlehrling von den Nonnen beschäftigt wurde, der zum Einkaufen von Blumenkohlsamen nach Amsterdam reisen durfte. Die Klosteranlage war zudem entlang der Wege in ein System aus Alleen eingebunden, von denen der einstige Fluchtweg der Nonnen in westlicher Richtung, der heutige "Nonnenpättken", als auffälligste Allee durch das unmittelbar angrenzende Waldgebiet führte. Nach der Aufhebung des Klosters und der Umwandlung in eine Gutsanlage wurden im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts die umfangreichen doppelten Gräften größtenteils zugeschüttet und die Gartenanlagen sowie der Mühlenteich verändert. Wohl noch zur gärtnerischen Gestaltung des 19. Jahrhundert gehört die Aufteilung der Beete und die Bepflanzung des Innenhofes mit der mächtigen Blutbuche.

Im Bereich hinter der südlichen Klostermauer wurde im Rahmen der Skulpturen-Biennale Münsterland 2001 die bedrückende Kunstinstallation "Waiting for the barbarians" des Künstlers Kendell Geers realisiert.

Pflegezustand
Im Rahmen der REGIONALE 2004 wurden der Süd- und Westflügel des Klosters zu einem multifunktionalen Kunsthaus mit ambitioniertem Programm ausgebaut. Die Gestaltung und Pflege der Außenflächen ist stellenweise das Ergebnis der Initiative des Heimatvereins und des Fördervereins Kloster Gravenhorst e. V. Auch die Planungs- und Ingenieurgemeinschaft AGN war an der Planung beteiligt. Leider ist im Zuge der Bauarbeiten die Gestaltung des Innenhofes weitgehend zerstört worden. Der ehemalige "Neue Garten" ist heute eine Ackerfläche.

Literaturangaben

  • Breuing, Rudolf (1984): Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst. In: Unterwegs im Kreis Steinfurt, Greven, 2. überarbeitete Auflage, Seite 114 - 123.
  • Pieper, Roland (2003): Historische Klöster in Westfalen-Lippe ein Reisehandbuch. Kulturlandschaft Westfalen, Band 7, Münster, 1. Auflage, Seite 83 - 85.
Externe ID: LWL-GUP00255
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Klosteranlage
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1256
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037722


In Karte anzeigen

2008: Kloster Gravenhorst
2008: Kloster Gravenhorst
2008: Kloster Gravenhorst
2008: Kloster Gravenhorst
2008: Kloster Gravenhorst
2008: Kloster Gravenhorst
2008: Kloster Gravenhorst
2003: Kloster Gavenhorst
1897: Kloster Gravenhorst