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Tiergarten Wolbeck, Münster-Wolbeck
 

Vor den Toren der westfälischen Bischofsstadt Münster liegt bei Wolbeck das ausgedehnte Waldgebiet des Tiergartens. Die Anlage gehörte früher zum fürstbischöflichen Schloss in Wolbeck. Das Schloss wurde schon im Siebenjährigen Krieg zerstört und 1767 endgültig abgetragen. Der ursprünglich von einem kombinierten Wall-/Grabensystem und einem Holzzaun umgrenzte Tiergarten war im 18. Jahrhundert das Jagdgebiet der machtbewussten und auf Repräsentation bedachten Fürstbischöfe Franz Arnold von Wolff-Metternich und Clemens August von Bayern. Mit ihren Jagdgesellschaften führten sie als gesellschaftliches Ereignis im Tiergarten die zur Zeit des Barock beliebten Parforcejagden durch.

Externe ID: T-P363N504-20080320-0002
Erfassungsdatum: 20.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2003: Tiergarten Wolbeck

Zugehöriges Objekt

Tiergarten in Münster-Wolbeck (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Land NRW; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; südöstlich des Ortsteils Wolbeck; etwa 300 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Vor den Toren der westfälischen Bischofsstadt Münster liegt bei Wolbeck das ausgedehnte Waldgebiet des Tiergartens. Die Anlage gehörte früher zum fürstbischöflichen Schloss in Wolbeck. Das Schloss wurde schon im Siebenjährigen Krieg zerstört und 1767 endgültig abgetragen.

Der ursprünglich von einem kombinierten Wall-/Grabensystem und einem Holzzaun umgrenzte Tiergarten war im 18. Jahrhundert das Jagdgebiet der machtbewussten und auf Repräsentation bedachten Fürstbischöfe Franz Arnold von Wolff-Metternich und Clemens August von Bayern. Mit ihren Jagdgesellschaften führten sie als gesellschaftliches Ereignis im Tiergarten die zur Zeit des Barock beliebten Parforcejagden durch. Die breiten Jagdschneisen erleichterten das Vorwärtskommen der Pferde und schnitten somit den Fluchtweg des Wildes ab. Das Wild konnte so unmittelbar vor die Schützen getrieben werden. Eine der Jagdschneisen führte direkt auf einen barocken Jagdpavillon am Ufer des Flüsschens Angel zu. Aus einem Zimmer des Obergeschosses konnte, wie von einem Hochsitz aus, auf das vorbeilaufende Wild geschossen werden.

Gebäude und Ausstattung
Der ehemalige fürstbischöfliche Jagdpavillon ist ein zweigeschossiger, unverputzter Ziegel-Werksteinbau mit drei Achsen. In der Mitte die Eingangstür mit profilierter Rahmung und darüber das 1712 datierte Wappen des Fürstbischofs Franz Arnold von Wolff-Metternich. Das Gebäude erhielt später einen Anbau aus Fachwerk und wurde lange Zeit als Försterei genutzt. Heute wird es privat bewohnt. Gegenüber eine Fachwerkremise aus dem 19. Jahrhundert. Nicht weit von der Remise entfernt ist ein alter Grenzstein mit dem Wappen des Fürstbischofs Clemens August von Bayern aufgestellt. Er stand ursprünglich an der Umwallung des Tiergartens, wo der Fürstbischof im 18. Jahrhundert alle 200 bis 300 m einen Grenzstein zur Markierung des Jagdgebietes aufstellen ließ. Heute ist der barocke Grenzstein das einzig erhaltene Exemplar seiner Zeit im Stadtgebiet von Münster. Erhalten haben sich am Ortsrand von Wolbeck noch zwei neubarocke Torpfeiler, die im 19. Jahrhundert zusammen mit einem Sanatorium errichtet wurden. Die nach barocken Vorbildern gemauerten Torpfeiler markierten damals den Hauptweg, der vom Sanatorium durch einen heute verwilderten Kurpark zum Tiergarten führte.

Art der Grünanlage
Historischer Tiergarten

Beschreibung
Der ehemalige Tiergarten ist heute ein forstlich bewirtschaftetes Waldgebiet. Spaziergänger und Wanderer erreichen den weitläufigen Tiergarten am Besten vom Parkplatz an der Alverskirchener Strasse aus. Schon nach kurzem Weg vorbei an den alten Gräben und Wällen zur Umfriedung des Tiergarten gelangt man über das Flüsschen Angel in den Wald. Neben den Gräben und Wällen am Rande der ausgedehnten Anlage sind auch noch die alten Jagdschneisen erkennbar, die heute als Forstwege genutzt werden. Zu Forschungszwecken hat die Forstverwaltung einzelne Flächen als sogenannte Naturwaldzellen ausgewiesen. Dabei handelt es sich um typische Waldbestände mit fast natürlicher Artenzusammensetzung, die sich in Zukunft ohne menschliche Eingriffe ungestört weiterentwickeln können.

Pflegezustand
Nach der Zerstörung des Wolbecker Schlosses wurde die Unterhaltung und Pflege des barocken Tiergartens für die Parforcejagd vernachlässigt und mit der Säkularisation im frühen 19. Jahrhundert aufgegeben. Seit dieser Zeit wird der Tiergarten forstlich genutzt und ist heute eine beliebtes Naherholungsgebiet für Spaziergänger und Wanderer.

Literaturangaben

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 104.
  • Schmeken, Heinrich (1972): Die Geschichte Wolbecks. Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 177, 179 - 180.
Externe ID: LWL-GUP00247
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Waldflächen
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Auswertung historischer Karten
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: naturnah (kaum verändert/beeinflusst)
Historischer Zeitraum: ab 1706
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037708


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2003: Tiergarten Wolbeck
2003: Tiergarten Wolbeck
2003: Tiergarten Wolbeck
2003: Wolbeck
1897: Wolbeck