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Tiergarten Raesfeld, Raesfeld
 

Von 1643 bis 1658 ließ Reichsgraf Alexander II. von Velen die alte Burg der Herren zu Raesfeld zu einer prachtvollen Residenz ausbauen. Das Wasserschloss Raesfeld gilt mit dem ausgedehnten Waldgebiet des Tiergartens als eines der am besten erhaltenen Ensembles der Spätrenaissance in Deutschland. Als Korrespondenzstandort der REGIONALE 2004 wurde am Rande des Tiergartens ein neu eingerichtetes Informations- und Besucherzentrum eröffnet. Mit der umweltpädagogischen und kulturhistorischen Bildungsarbeit des Zentrums wird auch der historische Tiergarten durch die Hege von Wildtieren in seiner traditionellen Funktion neu belebt.

Externe ID: T-P363N504-20080320-0001
Erfassungsdatum: 20.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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Zugehöriges Objekt

Tiergarten Raesfeld, Raesfeld (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; die Außenanlagen sind öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Niederrheinisches Tiefland - Niederheinische Sandplatten;  im  Zentrum von Raesfeld.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Gestaltete Landschaft zum adeligen Jagdvergnügen.
Seit dem späten Mittelalter wurden an zahlreichen Burgen und Schlössern des Adels ausgedehnte Tiergärten und Jagdparks angelegt. Besonders zur Zeit der Renaissance und des Barock dienten die von einer Einfriedung umgrenzten und durch lange Sicht- und Wegeachsen gegliederten Anlagen bei Hetz- und Parforcejagden dem "Freizeitvergnügen" der herrschaftlichen Jagdgesellschaften. Gleichzeitig waren die Anlagen eine "lebendige Vorratskammer" zur Versorgung mit frischem Wild. Heute sind die historischen Tiergärten und Jagdparks häufig große Waldgebiete, die zum Spaziergang oder zu einer Wanderung einladen. Vielfach haben sich von der einstigen Funktion noch die langen, sich kreuzenden, fächerartig oder sternförmig angelegten Wegeachsen oder Jagdschneisen und Reste der Einfriedung mit Graben, Wall, Zaun oder Mauer erhalten. Neben diesen gut erkennbaren Elementen sind im Gelände oft noch die Gestaltungen von Ansitzen, Aussichtshügeln oder bewusst angelegte Bodenmodellierungen zum Treiben und Bejagen des Wildes vorhanden. Die weitläufigen und planmäßig gestalteten Tiergärten und Jagdparks sind heute wichtige Bestandteile der historischen Garten- und Landschaftsgestaltung.

Gebäude und Ausstattung
Keine Angaben.

Art der Grünanlage
Historischer Tiergarten

Beschreibung
Das weit bekannte Wasserschloss Raesfeld gilt mit dem ausgedehnten Waldgebiet des Tiergartens als eines der am besten erhaltenen Ensembles der Spätrenaissance in Deutschland. Die Anlage zieht als beliebtes Ausflugsziel seit vielen Jahren zahlreiche Besucher in ihren Bann. Als Korrespondenzstandort der REGIONALE 2004 wird am Rande des Tiergartens ein neu eingerichtetes Informations- und Besucherzentrum eröffnet. Mit der umweltpädagogischen und kulturhistorischen Bildungsarbeit des Zentrums wird auch der historische Tiergarten durch die Hege von Wildtieren in seiner traditionellen Funktion neu belebt.
Bauherr der beeindruckenden Schlossanlage war Reichsgraf Alexander II. von Velen. Als Heerführer der katholischen Allianz gelangte er im Dreißigjährigen Krieg zu erheblichem Vermögen und konnte so von 1643 bis 1658 die alte Burg der Herren zu Raesfeld zu einer prachtvollen Residenz ausbauen. Die gesamte Wasserschlossanlage war damals von einer breiten Gräfte umgeben. Hauptburg, Vorburg, die kleinstädtische "Freiheit" und ein großzügiger Lustgarten lagen ursprünglich jeweils auf einer eigenen Insel. Der Hauptzugang führte aus nordöstlicher Richtung durch eine Allee, vorbei an Karpfenteichen, über eine Brücke auf die "Freiheit" und hier vorbei an der Schlosskapelle über die Vorburg zum Hauptschloss. Im 19. Jahrhundert hat man vom Hauptschloss den Torflügel im Osten und einen schmalen Galerieflügel im Süden abgerissen. Seitdem wird das Erscheinungsbild des Schlosses vom 1606 fertig gestellten Nordflügel, mit einem prachtvollen Renaissance-Erker und dem zur Mitte des 17. Jahrhunderts errichteten Westflügel, mit seinem originellen Südturm, geprägt. Neben dem markanten Turm des Hauptschlosses ist noch der mächtige Turm der Vorburg erwähnenswert. Er diente dem Bauherrn als "Sterndeuterturm" für astronomische Beobachtungen. Zum Schloss gehörten auch die kleinen Wohnhäuser der sogenannten Freiheit. Hier lebten Bedienstete, Handwerker und später auch Kaufleute. Im Gegensatz zur 1658 errichteten Schlosskapelle St. Sebastian haben die Wohnhäuser im Laufe der Zeit durch Neubauten und Modernisierungen einiges von ihrem historischen Charme verloren. Das Schloss blieb nach dem Tod der Gräfin Charlotte von Velen im Jahre 1743 lange Zeit unbewohnt. 1822 ging das Besitztum mit den dazugehörigen Ländereien an die Familie von Landsberg-Velen über, die auf dem Anwesen später eine Landwirtschaft einrichteten. Nach verschiedenen Besitzern und Nutzungen ist in den Gebäuden heute die "Akademie des Handwerks - Europäisches Zentrum für Unternehmensführung, Sachverständigenwesen und Denkmalpflege" untergebracht.
Einen guten Eindruck von der historischen Gestaltung der gesamten Schlossanlage vermittelt ein detaillierter Plan aus dem Jahre 1729. Er zeigt neben den kunstvollen Gärten auch die Anlage des sich weit nach Westen erstreckenden Tiergartens. Mit einer Ausdehnung von mehr als 100 ha umfasste der Tiergarten ausgedehnte Wald- und Heideflächen, Wiesen, mehrere Teiche mit Mühlen sowie Bäche und Quellen. Eingefriedet war das Gebiet mit einem etwa 5 km langen und 2 m hohen Erdwall, auf dem ein Palisadenzaun stand. Als Gast der von Alexander II. ausgerichteten Jagdveranstaltungen kam auch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen nach Raesfeld. Das Außergewöhnliche am Tiergarten ist, dass seit der Entstehungzeit zur Mitte des 17. Jahrhunderts keine wesentlichen Eingriffe oder Umgestaltungen mehr durchgeführt wurden. Heute kann deshalb zu Recht behauptet werden, dass es sich um einen relativ gut erhaltenen Tiergarten aus der Zeit der Spätrenaissance handelt. Hier stand noch nicht die regelmäßig-geometrische Gestaltung des Barock mit langen Sichtachsen, Jagdschneisen und Alleen im Vordergrund. Mehr dem Ideal der Renaissance entsprechend hatte man die nach Westen an das Schloss anschließende Landschaft als eine naturhafte und harmonische Gesamtheit kultiviert. Eine weitere Besonderheit war, dass zur Zeit Alexanders II. im Tiergarten nicht nur einheimisches Wild gehalten wurde. Schon 1664 gibt es Berichte von einer Herde des damals in heimischen Jagdrevieren noch unbekannten Damwildes, das ursprünglich aus Kleinasien kam. Überliefert ist auch, dass der brandenburgische Statthalter von Kleve, Prinz Johann Mauritz von Nassau-Siegen, dem Reichsgrafen eine trächtige amerikanische Büffelkuh für den Tiergarten schenkte. So wundert es nicht, dass Alexander II. heute noch immer als "sonderlicher Freund von fremden Tieren und Biestern" bezeichnet wird. Derartige Attraktionen fanden bestimmt auch bei den Gästen des Schlossherrn, zu denen auch der Bischof von Straßburg oder der Kurfürst von Brandenburg mit ihrem Gefolge zählten, ein reges Interesse.
Eine Attraktion waren auch die gartenkünstlerischen Gestaltungen im Norden und Westen des Schlosses. Während von den kunstvollen Gärten nördlich des Schlosses heute nichts mehr zu erkennen ist - sie wurden mit der Nutzung des Schlosses als landwirtschaftliches Gut in Ackerflächen umgewandelt - hat sich westlich vom Schloss am Rande des Tiergartens noch ein Teich mit einer kreisrunden Insel erhalten. Die Insel war damals ein Weinberg, dessen Anhöhe ein plastisch gestalteter Brunnen mit einer großen Springfontäne schmückte. Die Szenerie konnte dann vom Westflügel des Schlosses aus betrachtet werden.
Unmittelbar an den Weinbergteich schließt sich nach Westen der "Lange Teich" an. Er wurde wahrscheinlich als barocker Spiegelweiher erst im 18. Jahrhundert angelegt. Vom Endpunkt des Teiches aus können Besucher des Tiergartens noch heute einen Blick auf die charakteristische Turmspitze des Schlosses werfen. Die anschließenden Teiche werden alle von den Quellen des Mühlenbaches und des Wellbrockbaches gespeist. Der weitere Weg führt an der Försterei vorbei zum Abschluss des Herrentals, wo sich von einst mehreren Mühlen im Tiergarten nur noch die Ruine der großen Mühle erhalten hat.
Im Rahmen der REGIONALE 2004 wird die historische Funktion des Tiergarten neu belebt. Neben der Vitalisierung des ursprünglichen Landschaftsbildes - die abwechslungsreichen Waldungen, Wiesen und Heideflächen sind im Laufe der Zeit durch Aufforstungen immer mehr verschwunden - soll mit der Errichtung eines Hegegatters nach altem Vorbild und dem Neubesatz mit Reh- und Damwild auch die historische Nutzung des Tiergartens besser verdeutlicht werden.

Quellenangaben

  • Aufmkolk, Gerd / Ziesel, Sigrid (2002): Tiergarten Raesfeld - Rahmenkonzept. Nürnberg.

Literaturangaben

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 177, 184 - 187.
  • Friedrich, Adalbert (1995): Bevor die Herren von Velen nach Raesfeld kamen. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1985, Borken, Seite 61 - 63.
  • Van Stegen, Johannes (1988): Ein Beispiel alter Handwerkskunst im Sterndeuterturm der Raesfelder Vorburg. In: Jahrbuch Kreis Borken 1988, Borken, Seite 91 - 94.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 106 - 107.
  • Kreis Borken / Gemeinde Raesfeld (Hrsg.) (o.J.): Reaktivierung eines Renaissance-Tiergartens. Landschaftsbezogene Erholung Informations- und Besucherzentrum. Nachhaltige Regionalentwicklung. Borken/Raesfeld.
  • Pallada, Jürgen W. (1984): Schloss Raesfeld in heutiger Zeit - Leben mit und in einem Denkmal. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1984, Borken, Seite 49 - 51.
  • Friedrich, Adalbert (1995): Baugeschichtliche Anmerkungen zum früherem Wehrturm der Raesfelder Burg. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1995, Borken, Seite 249 - 253.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Trägerverein "Tiergarten Schloss Raesfeld" (Hrsg.) (2005): Tiergarten Schloss Raesfeld - Ein Projekt der Regionale 2004. Raesfeld.
Externe ID: LWL-GUP00343
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Park
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1643
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037694


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2006: Schloss Raesfeld
2006: Schloss Raesfeld
2006: Tiergarten Raesfeld
2006: Tiergarten Schloss Raesfeld
2006: Tiergarten Raesfeld