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Tiergarten Sassenberg, Sassenberg
 

Das am Flüsschen Hessel gelegene Sassenberg war vom Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein Standort einer befestigten Landesburg und Verwaltungsmittelpunkt des Fürstbistums Münster. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts residierte hier vorzugsweise Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen. Er ließ die Burg zu einer imposanten Residenz ausbauen, zu der auch kunstvolle Gärten und ein ausgedehnter Tiergarten gehörten. Unter Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg wurde dann ab 1695 mit dem Bau eines neuen Residenzschlosses begonnen, von dem aber nur die Vorburg zur Ausführung gelangte. Fürstbischof Clemens August von Bayern ließ sie 1721 nach Plänen des westfälischen Barockbaumeisters Gottfried Laurenz Pictorius zu Wohnzwecken ausbauen. Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts verloren die Fürstbischöfe immer mehr das Interesse an der Residenz in Sassenberg. Durch die industrielle Nutzung des Geländes im 19. Jahrhundert und die weitere Errichtung von Fabrikationsbauten ist heute von der einstigen Bedeutung der bischöflichen Residenz nur noch wenig zu erkennen. Neben dem umgebauten Teil der barocken Vorburg haben sich auf dem Fabrikgelände nur noch einige Gräben und Teiche als Reste des einstmals ausgedehnten Gräftensystems der Residenz erhalten. Mit seinen wesentlichen Gestaltungsmerkmalen ist der Tiergarten am Rande des kleinen Ortes noch gut erhalten geblieben und hat als eines der wenigen Zeugnisse der einstigen fürstbischöflichen Residenz eine grosse kulturhistorische Bedeutung.

Externe ID: T-P363N504-20080318-0001
Erfassungsdatum: 18.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2002: Tiergarten Sassenberg

Zugehöriges Objekt

ehemaliger Tiergarten Sassenberg (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit

Der Tiergarten ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe

Westfälisches Tiefland - Ostmünsterland, östlich des Ortskerns von Sassenberg.

Allgemeine Angaben zur Geschichte

Das am Flüsschen Hessel gelegene Sassenberg war vom Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein Standort einer befestigten Landesburg und Verwaltungsmittelpunkt des Fürstbistums Münster. Im 17. Jahrhundert residierte hier vorzugsweise der machtvolle und kriegerische Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen. Er ließ die Burg zu einer imposanten Residenz ausbauen, zu der auch kunstvolle Gärten und ein ausgedehnter Tiergarten gehörten. Unter dem baufreudigen Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg, er ließ auch die Schlösser in Ahaus und Nordkirchen errichten, wurde dann ab 1695 mit dem Bau eines neuen Residenzschlosses begonnen, von dem aber nur die Vorburg zur Ausführung gelangte.

Nach der Auflösung des Fürstbistums durch die Säkularisation wurde das benachbarte Warendorf preußische Verwaltungsstadt und Mittelpunkt des Kreises. 1815 wurde der Marstall der Residenz abgebrochen und die Steine als Baumaterial für das Warendorfer Landesgestüt verwendet. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte das gesamte Gelände der fürstbischöflichen Residenz mit den noch erhaltenen Baulichkeiten und Gestaltungen zur Wollspinnerei der Gebrüder Rath. Mit der weit über das Münsterland hinaus bekannten Firma Gebrasa (Gebrüder Rath Sassenberg) war das Industrieunternehmen bis zu seiner Schließung im Jahre 1981 der größte Arbeitgeber des Ortes.

Gebäude und Ausstattung

Zur Ausführung des im späten 17. Jahrhunderts begonnenen Residenzschlosses gelangte nur die großzügige Vorburg. Fürstbischof Clemens August von Bayern ließ sie 1721 nach Plänen des westfälischen Barockbaumeisters Gottfried Laurenz Pictorius zu Wohnzwecken ausbauen. Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts verloren die Fürstbischöfe immer mehr das Interesse an der Residenz in Sassenberg. Durch die industrielle Nutzung des Geländes im 19. Jahrhundert und die weitere Errichtung von Fabrikationsbauten ist heute von der einstigen Bedeutung der bischöflichen Residenz nur noch wenig zu erkennen. Neben dem umgebauten Teil der barocken Vorburg haben sich auf dem Fabrikgelände nur noch einige Gräben und Teiche als Reste des einstmals ausgedehnten Gräftensystems der Residenz erhalten.

Art der Grünanlage

Jagdpark und Tiergarten.

Beschreibung

Mit seinen wesentlichen Gestaltungsmerkmalen ist der Tiergarten am Rande des kleinen Ortes noch gut erhalten geblieben und hat als eines der wenigen Zeugnisse der einstigen fürstbischöflichen Residenz eine große kulturhistorische Bedeutung. Heute ist die Anlage als Sassenberger Brook (Bruch) in Verbindung mit einem Sport- und einem Schützenplatz ein beliebtes Freizeit- und Naherholungsgebiet des Ortes. Gegenüber der Kirche des Ortes führt der Weg durch die Brookstraße, vorbei an der Grundschule, die sich auf der Fläche des ehemaligen Küchengartens der Residenz befindet. Vorbei an einem alten Gräftenarm führt der Weg zur Zufahrt der Villa Rath. Die repräsentative Villa errichtete Christian Rath um 1910 auf der Fläche des ehemaligen Fürstengartens. Kurz hinter dem Schützenplatz und jenseits des schmalen Grabens mit einem Steg ist noch die Anhöhe des Schneckenberges der barocken Gartenanlagen zu erkennen. Von dieser Stelle nahmen einst die langen geraden Alleen des Tiergartens ihren Ausgangspunkt. Beim Gang über die Hesselbrücke und im weiteren Verlauf des Weges entlang des Flüsschens kommt man an einer Wiese vorbei, auf der als botanische Besonderheit im Frühjahr zahlreiche Schachbrettblumen (Fritillaria meleagris) blühen. Zurück über den Hesselsteg in den Tiergarten ist noch ein ausgedehntes Wassergrabensystem erkennbar, das zu den Resten eines Entenfangs gehört. Die sogenannte Entenkoje hatte an jeder Ecke typisch hornförmig gebogenen Kanäle, in deren äußeren Spitzen, den sogenannten Fangpfeifen, dann im Herbst die durch Fütterung und zahme Enten angelockten Wildenten mit Netzen gefangen wurden. Mitten im Wald ist auch noch das durch einen großen rechteckigen Wall und Wassergraben umgrenzte Gehege der ehemaligen Fasanerie zu erkennen. Einst wurden hier zahlreiche Pfauen und Fasane zur Jagd und zur Bereicherung der fürstbischöflichen Speisetafel gehalten. Als einer der zentralen Jagdachsen führt ein langer Weg in Nord-Süd-Richtung direkt auf den Kaninchenberg zu. Die Anhöhe gehörte zu insgesamt fünf Aussichtshügeln des Tiergartens, die als point de vue die Endpunkte der doppel- und vierreihig bepflanzten Alleen markierten.

Pflegezustand

Grosse Teile des Tiergartens werden heute als land- und forstwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet oder sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Als eines der wenigen noch gut erhaltenen und schon im 17. Jahrhundert gestalteten Anlagen ist der Sassenberger Tiergarten ein bedeutendes Zeugnis für die Geschichte des Jagdwesens und der historischen Garten- und Landschaftsgestaltung.

Literaturangaben

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 104 - 105.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 181 - 183.
Externe ID: LWL-GUP00319
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Waldflächen
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: gering - ist einen Besuch vor Ort wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1650
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037666


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2002: Tier- und Schlosspark Sassenberg
2002: Tiergarten Sassenberg
2002: Tiergarten Sassenberg
2003: Sassenberg
Tiergarten Sassenberg
1897: Sassenberg
1995: Tiergarten Sassenberg