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Wasserschloss Haus Steinfurt, Drensteinfurt
 

Das Wasserschloss Haus Steinfurt liegt im Norden von Drensteinfurt am Ufer der Werse. Eine mittelalterliche Burg war als Vorgängerbau ab 1429 im Besitz der Herren von der Reck. Seit 1739 gehört die Anlage der Familie von Landsberg-Velen. Zum Wasserschloss gehören die Bauten der Vorburg und das Herrenhaus auf der Hauptinsel. Auf einer zweiten Insel im Nordwesten des Schlosses ist der öffentlich zugängliche Schlosspark angelegt.

Externe ID: T-P363N504-20080317-0004
Erfassungsdatum: 17.03.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2002: Haus Steinfurt

Zugehöriges Objekt

Gartenanlagen am Haus Steinfurt, Drensteinfurt (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; bis auf den Hausgarten sind die Anlagen öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; am nördlichen Rand der Altstadt von Drensteinfurt unmittelbar an der Werse; etwa 4 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Im Norden des kleinen Landstädtchens Drensteinfurt liegt am Ufer der Werse das Wasserschloss Haus Steinfurt. Eine mittelalterliche Burg war als Vorgängerbau ab 1429 im Besitz der Herren von der Reck. Seit 1739 gehört die Anlage der Familie von Landsberg-Velen. Zum Wasserschloss gehören die Bauten der Vorburg und das Herrenhaus auf der Hauptinsel. Auf einer zweiten Insel im Nordwesten des Schlosses ist der öffentlich zugängliche Schlosspark angelegt.

Gebäude und Ausstattung
Nach Plänen des westfälischen Barockbaumeisters Lambert Friedrich Corfey wurde das Herrenhaus zwischen 1706 und 1709 erbaut. Auftraggeber und Bauherr war Johann Matthias von der Reck. Er unterhielt enge verwandtschaftliche Beziehungen zu den Münsteraner Fürstbischöfen Friedrich Christian von Plettenberg und Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht. Der zurückhaltend gestaltete Dreiflügelbau wird durch zwei kurze Seitenflügel an der Hofseite und einem Mittelrisalit an der Hof- und Gartenseite gegliedert. Der hofseitige Giebel trägt das Wappen des Bauherrn.

Bis zum Neubau des barocken Herrenhauses lagen die Bauten der Vorburg auf einer eigenen Insel und waren durch einen Wassergraben vom Wohnhaus getrennt. Ältestes Gebäude der Vorburg ist ein Torhaus aus der Renaissance. Er wurde von 1585 bis 1591 errichtet. Auffällig werden die Backsteinmauern des Torhauses mit einem Rautenmuster aus farbig variierenden Ziegeln gegliedert. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Tordurchfahrt der einzig befahrbare Zugang zum Schloss. Nördlich vom Torhaus errichtete man im frühen 17. Jahrhundert ein Brauhaus. Durch mehrere Um- und Anbauten erhielt es seine heutige Gestalt. Aus westlicher Richtung wurde genau in der Mittelachse des Herrenhauses in den Jahren 1829 bis 1830 eine neue Hauptzufahrt geschaffen. Seitdem führt der Zugang auf die Schlossinsel über eine elegant geschwungene Backsteinbrücke, die von zwei klassizistischen Torhäuschen flankiert wird. Der ausführende Architekt war Johann Freyse, ein Schüler des berühmten preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel. Nicht weit von der Zufahrt zur Schlossbrücke entfernt steht eine barocke Wassermühle, die nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg als Wohnhaus neu aufgebaut wurde. Auf der Brücke über dem Mühlenstau hat man auf einen Brüstungspfeiler als Brückenheiligen die Skulptur des Hl. Johannes von Nepomuk aufgestellt.

Art der Grünanlage
Schlossgarten

Beschreibung
Nach der Vollendung des barocken Herrenhauses im frühen 18. Jahrhundert wurden ausgedehnte Gärten angelegt. Die meisten Gärten sind bis heute erhalten geblieben, wenn auch nicht mehr im originalen Zustand. 1709 entstand an der Gartenseite im Südosten des Herrenhauses ein kleinerer Hausgarten, der in mehrere geometrische Parterres unterteilt war. Da ein Wassergraben das Gebäude bis auf die Hofseite umschloss, war ein direkter Zugang in den Garten nicht möglich. Jeweils zwei weitere Gartenparterres waren den Seitenflügeln des Hauses vorgelagert, durch die dann der Weg seitlich am Haus vorbei in den Hausgarten führte. Als "point de vue" des von hohen Mauern umgebenen Gartens errichtete man 1715 eine Orangerie. Sie wurde 1944 durch einen Bombentreffer zerstört. 1820 zeichnete der bekannte Düsseldorfer Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe zwei Pläne zur landschaftlichen Umgestaltung des barocken Hausgartens. Die Planungen Weyhes umfassten auch die unmittelbar vor dem Haus gelegenen Parterres. Ob die Entwürfe ausgeführt wurden, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Jedenfalls haben sich heute im Hausgarten noch einige alte Bäume erhalten, die vermutlich zu dieser Zeit gepflanzt wurden.

Die gärtnerisch anspruchsvolle Gestaltung des Schlosshofs ist seit dem späten 19. Jahrhundert durch zeitgenössische Fotografien und mehrere Pläne gut dokumentiert. Das große, langgestreckte ovale Rasenparterre war damals durch schmale Wege in regelmäßige Beete unterteilt. Am Rand war das Rasenparterre umlaufend mit zahlreichen Hochstammrosen bepflanzt. Kunstvoll arrangierte Pflanzschalen an den Eckpunkten und symmetrisch angeordnete Beete mit Rosen, Stauden und jahreszeitlicher Wechselbepflanzung schmückten das Rasenparterre des Schlosshofs bis zum Zweiten Weltkrieg. Die historische Gestaltung des großen Hofparterres zeigt neben den vorherrschenden Gartenmoden in der Bepflanzung auch den hohen Anspruch an die gartenkünstlerische Gestaltung des ländlichen Adelsitzes. Heute ist der Schlosshof durch eine reduzierte gärtnerische Gestaltung gekennzeichnet. Das stimmungsvolle Ambiente wird durch markant geschnittene Eiben, Rosenpflanzungen und mit einer Sonnenuhr akzentuiert, die im Zentrum eines mit Rosen bepflanzten Rondells aufgestellt ist.

Im Nordwesten des Schlosses finden die Besucher auf einer Insel einen weiteren ursprünglich barocken Garten vor. Vermutlich wurden auf der etwa 2,5 Hektar großen Garteninsel einst ein großzügiger Nutzgarten und eine Obstplantage bewirtschaftet. Die Flächen des ausgedehnten Obstgartens gliederten sich durch ein differenziertes Wegesystem. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts erfolgte dann wahrscheinlich die landschaftliche Umgestaltung der Gärten. Heute haben sich noch zahlreiche Altbäume vor allem in den Randbereichen der Insel erhalten. Der Zugang auf die Garteninsel führt durch ein kunstvolles Tor. Die Torpfeiler mit aufgesetzten Deckelvasen stammen noch aus der Zeit des Barock. Das Eisengittertor zeigt klassizistische Gestaltungsmerkmale.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Garteninsel zu einem öffentlichen Stadtpark ausgebaut. Seitdem präsentiert sich die Anlage als weite und offene Rasenfläche, die für Volksfeste und Veranstaltungen genutzt wird. Das Wegesystem ist nach dem Vorbild der barocken Flächengliederung neu angelegt worden.

Quellenangaben

  • Schulze Dernebockholt, Ulrike (1989): Garten- und Parkanlagen des Wasserschlosses Haus Venne in Drensteinfurt. Osnabrück, Diplomarbeit Fachhochschule Osnabrück.

Literaturangaben

  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1995): Johann Conrad Schlaun 1695-1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4, Band 3, Seite 482.
  • Kamps, Markus (1999): Haus Steinfurt und die Loretokapelle in Drensteinfurt. Westfälische Kunststätten, Heft 87, Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 110 - 113.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
Externe ID: LWL-GUP00306
Erfassungsdatum: 01.01.2008
Kategorie: Garten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1706 - 1709
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037652


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2002: Haus Steinfurt
2002: Haus Steinfurt
2002: Haus Steinfurt
2002: Haus Steinfurt
2003: Drensteinfurt
1894: Drensteinfurt