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Haus Vornholz, Ennigerloh-Ostenfelde
 

Vornholz war Sitz der im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich genannten Ritter von Ostenfelde. Haus Vornholz ist eine Wasserschlossanlage auf zwei Inseln. 1656 erwarb Dietrich Hermann von Nagel, der Oberkommandierende aller Münsterischen Truppen, die Anlage und ließ 1666 auf der durch einen Doppelgraben und Wall geschützten Hausinsel ein schmuckloses, barockes Herrenhaus errichten.

Externe ID: T-P363N504-20080317-0002
Erfassungsdatum: 17.03.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2002: Haus Vornholz

Zugehöriges Objekt

Gartenanlagen am Haus Vornholz, Ennigerloh-Ostenfelde (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; die Gartenanlagen sind nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; am nordöstlichen Ortsrand von Ostenfelde; etwa 2 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Vornholz war Sitz der im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich genannten Ritter von Ostenfelde. 1656 erwarb der Oberkommandierende aller Münsterischen Truppen Dietrich Hermann von Nagel die Anlage.

Bekannt wurde Vornholz vor allem durch die großen Reitturniere, die der damalige Hausherr Clemens Freiherr von Nagel-Doornick in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit internationaler Beteiligung veranstaltete. Auf den passionierten und erfolgreichen Pferdezüchter geht auch die Einrichtung eines Kavallerie-Museums in den Räumlichkeiten des Schlosses zurück.

Gebäude und Ausstattung
Haus Vornholz ist eine Wasserschlossanlage auf zwei Inseln. Anstelle eines abgebrannten Gebäudes ließ Dietrich Hermann von Nagel ab 1666 auf der durch einen Doppelgraben und Wall geschützten Hausinsel ein schmuckloses, barockes Herrenhaus errichten. Ältester Teil des dreiflügeligen Schlosses ist der zweigeschossige Mittelbau aus verputztem Bruchstein mit einem hohen Walmdach. Der Schlossbau wurde erst nach 1685 fertiggestellt. Alleiniger Bauschmuck ist über der Freitreppe das barock verzierte Hauptportal mit dem Allianzwappen Christoph Bernhard von Nagel und seiner Ehefrau Elisabeth von Brabeck. An das Herrenhaus wurden etwas später die niedrigeren Seitenflügel mit je einem Eckturm im Osten angebaut. Erst zur Mitte des 20. Jahrhunderts hat man im Westen des Hauses eine Terrasse und die Brücke über die Hausgräfte errichtet.

Schräg vor der Hausinsel liegt in östlicher Richtung die Vorinsel mit den Wirtschaftsbauten. Die meisten der langgestreckten Gebäude und die beiden Ecktürme stammen noch aus dem 17. Jahrhundert. Nur der Mittelbau in der nördlichen Gebäudereihe wurde mit seinen charakteristischen Doppeltoren im 19. Jahrhundert erneuert. Bis heute reguliert ein barocker "Wasserbär" an der äußeren Nordwestseite die Wasserzufuhr der breiten Gräften. Die Insel inmitten der breiten Gräfte im Süden wurde einst als Bleiche genutzt.

Am Rande von ausgedehnten Gartenflächen liegt südlich des Wasserschlosses die barocke Rentei. Der einstöckige, verputzte Ziegelbau mit Mansarddach wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts nach Plänen des Bauinspektors Johann Boner aus Münster errichtet. Boner war ein enger Mitarbeiter von Johann Conrad Schlaun.

Art der Grünanlage
Schlossgartenanlagen

Beschreibung
Ob die barocken Gärten am Haus Vornholz schon mit der Erbauung des Herrenhauses oder erst einige Jahrzehnte später im 18. Jahrhundert angelegt wurden, lässt sich bis heute nicht eindeutig beantworten. Einen nachhaltigen Eindruck von der Ausdehnung und mutmaßlichen Gestaltung der barocken Gärten vermittelt ein zwischen 1720 bis 1730 gefertigter Entwurf aus der Hand des bekannten Barockbaumeisters Lambert Friedrich Corfey. Der Lageplan zeigt im Westen der Hausinsel einen etwa ein Hektar großen geometrischen Garten, der sich bis zur Höhe des heutigen Steinpatts erstreckte. Die durch ein rechtwinkliges Wegesystem mit einem zentralen Wegekreuz unterteilte Fläche wurde wohl ausschließlich als Nutzgarten bewirtschaftet. Entlang der nördlichen Schlossgräfte erstreckte sich der Obstgarten. Südlich vom Wasserschloss wurde ein mehr als zwei Hektar großer, geometrischer Garten angelegt, der durch ein rechtwinkliges Wegesystem mit einem zentralen Wegekreuz unterteilt war. Im Schnittpunkt des Wegekreuzes waren vier Gartenflächen als Broderieparterres dargestellt. Ein umlaufender, schmaler Graben und eine hohe Mauer im Norden umgrenzten den gartenkünstlerisch gestalteten Garten.

Eine 1836 gezeichnete Karte zeigt den weiteren Entwicklungsgang der Gärten. Im Westen ist die geometrische Flächenaufteilung des "Alten Gartens" nicht mehr vorhanden. Im südlichen "Großen Garten" wird das Zentrum der kreuzförmigen Wege durch ein großes, rundes Wasserbecken betont. Genau am Endpunkt der langen, mittleren Wegeachse erbaute man das barocke Renteigebäude. Von hier aus führte eine lange Blickachse über die einzelnen Gartenparterres bis zum Turm der katholischen Dorfpfarrkirche. Im Nordwesten des Gartens wurde hinter der hohen Gartenmauer ein Treibhaus errichtet, das zur frühzeitigen Anzucht von Gemüse und wohl auch zur Überwinterung von frostgefährdeten Pflanzen diente. Aus den Gärten von Haus Vornholz wurden auch die Bewohner und Gäste des Nagelschen Hofes am Domplatz in Münster mit frischem Obst und Gemüse versorgt. Zur 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtete man in anspruchsvoll gestalteten Gärten oder Parks häufig einen chinesischen Teepavillon. Am Haus Vornholz lag das exotische Gartenhaus auf einer landschaftlich gestalteten Insel im Osten eines verzweigten Wassersystems. Drei weitere Inseln waren untereinander mit Brücken verbunden und wurden wohl als Weideflächen genutzt. Für den Zeitraum von 1793 bis 1805 wurden neben Arbeiten am chinesischen Haus, an Bassins und Monumenten sogar ein kleines Amphitheater erwähnt. Der Teepavillon hatte anscheinend nicht lange Bestand. 1836 war er wohl schon ruinös.

Bis heute hat sich von den historischen Gartenanlagen noch der "Große Garten" erhalten. Vom Dorf aus wird der Weg zum Wasserschloss durch eine markante Allee aus Pyramidenpappeln geführt. Alleen dieser Art wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert häufig an Straßen und Wegen angepflanzt. Heute sind sie nur noch selten anzutreffen. Der ehemalige "Alte Garten" ist inzwischen Bestandteil eines ausgedehnten Golfplatzes geworden. Hinter einem schmalen Graben und der mit Efeu bewachsenen Gartenmauer liegt der "Große Garten". Den Zugang ermöglichen zwei repräsentativ gestaltete Gartentore, von denen die beiden Sandsteinpfeiler des östlichen Tores jeweils mit einer barocken Gartenvase kunstvoll verziert sind. Einen Eindruck von der nicht öffentlich zugänglichen Anlage bekommen Besucher am besten mit einem Blick durch eines der Gartentore. Von der historischen Gartenanlage haben sich noch einige alte Bäume, das barocke Wasserbecken und zwei Sandsteinfiguren erhalten. Bei den inzwischen verwitterten und stellenweise beschädigten Barockskulpturen handelt es sich vermutlich um Personifikationen antiker Gottheiten. Im Hintergrund der östlichen Figur sind noch eine ganze Anzahl bizarr durchgewachsener Hainbuchen erkennbar, die vermutlich zu einem alten Heckengang gehörten. Ursprünglich führte zwischen den beiden Skulpturen ein Weg in südlicher Richtung durch eine Buchenallee direkt auf die herrschaftliche Windmühle zu, die jenseits der Landstraße nach Oelde auf der Anhöhe stand. Vom östlichen Gartentor ausgehend, wurde so eine Sichtachse über das zentrale Wasserbecken hinweg durch die Allee bis auf die Windmühle geführt. Leider ist dieses elementare Gestaltungsmotiv des historischen Gartens im Laufe der Zeit verlorengegangen.

Pflegezustand
Das Bild der gepflegten Gartenanlagen wird heute durch umfangreiche Neuanpflanzungen bestimmt. Josef von Nagel-Doornick, der Bruder und Nachfolger des 1977 verstorbenen Clemens, pflegte ein großes botanisches Interesse und bepflanzte mit Unterstützung des befreundeten Gartenbaudirektors Viktor von Medem im Jahre 1984 die Umgebung des Wasserschlosses mit zahlreichen Gehölzen. Besonders eindrucksvoll ist im "Großen Garten" eine ansehnliche Gruppe von Mammutbäumen (Sequoiadendron giganteum). Im Bereich der barocken Rentei zeichnen sich prächtige und ausgewählte Stauden- und Rosenpflanzungen durch ihre Blütenfülle vom Frühjahr bis zum Herbst aus.

Literaturangaben

  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Senger, Klemens (2002): Ostenfelde. Geschichte der Familien, Höfe und Häuser eines Dorfes. Ostenfelde.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 138 - 141.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 88 - 92.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1995): Johann Conrad Schlaun 1695-1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart.
  • Werth, Bernd (2002): Das Wunder von Haus Vornholz. In: Jahrbuch Westfalen 2002, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00311
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Garten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
  • Archivauswertung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1685 - 1720
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037624


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2004: Haus Vornholz
2004: Haus Vornholz
2003: Haus Vornholz
2002: Haus Vornholz
2002: Haus Vornholz
Haus Vornholz
2003: Haus Vornholz
1897: Haus Vornholz