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Promenade, Münster
 

Die mittelalterliche Stadt Münster war seit dem 13. Jahrhundert durch ein starkes Befestigungssystem gesichert, das bis zur Niederlegung im 18. Jahrhundert mehrfach um- und ausgebaut wurde. Das äußere Befestigungssystem bestand aus einem Wassergraben, einem mächtig aufgeschütteten Erdwall mit kleinen Wachhäusern und Türmen sowie mehreren stark ausgebauten Bastionen. Massive Türme, stark gesicherte Stadttore und eine hohe Mauer mit breitem Wassergraben bildeten das innere Befestigungssystem. Die meiste Zeit ermöglichten neun Tore den Zugang in die Stadt. Die gesamte mittelalterliche Befestigung hatte einen Umfang von fast 5 ­km. Das mitten durch die Stadt fließende Flüsschen Aa wurde in die Wassergräben der Befestigung geleitet und 10 Wehranlagen, sogenannte "Wasserbären" hatten die Aufgabe, den Wasserstand zu regulieren.

Kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges begann auf Anregung des fürstbischöflichen Ministers Franz von Fürstenberg ab 1764 die Beseitigung der mächtigen Festungsbauwerke. Das Abbruchmaterial der mittelalterlichen Stadtmauer wurde auch beim Bau des Schlosses verwendet. Die freien Flächen des inneren Befestigungsringes gingen in die Nutzung von Privateigentümern über, die dort Häuser und Gärten anlegen konnten. Auf dem äußeren Befestigungsring mit Wall und Graben sollte eine öffentliche Promenade entstehen, die nach Plänen des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun mit der Anpflanzung einer vierreihigen, geschlossenen Lindenallee auf den Wällen einen grünen Ring um die Stadt bildete.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der schrittweise Ausbau der Promenade. Die massiven Stadttore wurden abgerissen, die mächtigen Bastionen eingeebnet und die meisten tiefen Gräben zugeschüttet. Im Bereich der ehemaligen Stadttore und Bastionen entstanden kunstvolle Schmuck- und Blumenrabatten mit Rosen- und Teppichbeeten sowie zahlreiche Ruheplätze. Landschaftlich gestaltete Promenadenabschnitte, die Anlage eines Wasserfalls und die Ausstattung mit Denkmälern entsprachen dem Zeitgeschmack und steigerten die Attraktivität der Promenade für die Bürger der Stadt, um dort zu Flanieren und zu Spazieren. Der Höhepunkt der gärtnerischen Verschönerung der Promenade reichte vom späten 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Nach erheblichen Kriegsschäden, die Altstadt wurde zu 90% zerstört, begann man 1948, nach dem Abräumen der enormen Schuttmengen, mit der vereinfachten Wiederherstellung der Promenade.

Externe ID: T-P363N504-20080311-0001
Erfassungsdatum: 11.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2003: Promenade

Zugehöriges Objekt

Promenade, Münster (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Stadt Münster; teils Land Nordrhein-Westfalen, die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; rings um die historische Altstadt; etwa 45 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte­
Die mittelalterliche Stadt Münster war seit dem 13. Jahrhundert durch ein starkes Befestigungssystem gesichert, das bis zur Niederlegung im 18. Jahrhundert mehrfach um- und ausgebaut wurde. Das äußere Befestigungssystem bestand aus einem Wassergraben, einem mächtig aufgeschütteten Erdwall mit kleinen Wachhäusern und Türmen sowie mehreren stark ausgebauten Bastionen. Massive Türme, stark gesicherte Stadttore und eine hohe Mauer mit breitem Wassergraben bildeten das innere Befestigungssystem. Die meiste Zeit ermöglichten neun Tore den Zugang in die Stadt. Die gesamte mittelalterliche Befestigung hatte einen Umfang von fast 5­ km. Das mitten durch die Stadt fließende Flüsschen Aa wurde in die Wassergräben der Befestigung geleitet und 10 Wehranlagen, sogenannte "Wasserbären" hatten die Aufgabe, den Wasserstand zu regulieren.

Kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges begann auf Anregung des fürstbischöflichen Ministers Franz von Fürstenberg ab 1764 die Beseitigung der mächtigen Festungsbauwerke. Das Abbruchmaterial der mittelalterlichen Stadtmauer wurde auch beim Bau des Schlosses verwendet. Die freien Flächen des inneren Befestigungsringes gingen in die Nutzung von Privateigentümern über, die dort Häuser und Gärten anlegen konnten. Auf dem äußeren Befestigungsring mit Wall und Graben sollte eine öffentliche Promenade entstehen, die nach Plänen des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun mit der Anpflanzung einer vierreihigen, geschlossenen Lindenallee auf den Wällen einen grünen Ring um die Stadt bildete.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der schrittweise Ausbau der Promenade. Die massiven Stadttore wurden abgerissen, die mächtigen Bastionen eingeebnet und die meisten tiefen Gräben zugeschüttet. Im Bereich der ehemaligen Stadttore und Bastionen entstanden kunstvolle Schmuck- und Blumenrabatten mit Rosen- und Teppichbeeten sowie zahlreiche Ruheplätze. Landschaftlich gestaltete Promenadenabschnitte, die Anlage eines Wasserfalls und die Ausstattung mit Denkmälern entsprachen dem Zeitgeschmack und steigerten die Attraktivität der Promenade für die Bürger der Stadt, um dort zu Flanieren und zu Spazieren. Der Höhepunkt der gärtnerischen Verschönerung der Promenade reichte vom späten 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Nach erheblichen Kriegsschäden, die Altstadt wurde zu 90% zerstört, begann man 1948, nach dem Abräumen der enormen Schuttmengen, mit der vereinfachten Wiederherstellung der Promenade.

Art der Grünanlage
Wallanlage/Promenade

Beschreibung
Zwischen 1986 und 1990 erfolgte die umfassende Erneuerung der etwa 4,5 km langen Promenade mit dem Ziel, die historische Anlage in ihrer Substanz zu erhalten und eine ökologisch wertvolle Grünanlage zu schaffen. Die Gestaltung der Promenade musste auch den Erfordernissen als Hauptwegeverbindung für Fußgänger und Radfahrer rund um die Altstadt entsprechen. Als Mobiliar wurden stilvolle Nachbildungen angefertigt, die schon zur Jahrhundertwende aufgestellt waren. Heute laden formschön und zweckmäßig gestaltete Bänke an ausgewählten Abschnitten zu erholsamen Pausen ein. Sinnvolle Knie- und Hüftholme dienen der Wegeführung und schützen den Zutritt in sensible Grünbereiche. Zahlreiche Hinweistafeln erläutern kurzweilig die Geschichte der Promenade und geben weiterführende Informationen zur Benutzung und Pflege.

Nachfolgend werden charakteristische Abschnitte der Promenade mit den jeweiligen Ausstattungselementen benannt.

Engelenschanze: Eine früher vollständig von Wassergräben umgebene Schanzanlage der Stadtbefestigung. Die Anlage ist nach Johann Joseph Engelen benannt, der in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert auf der damals noch vorhandenen Insel ein Herrenhaus mit Garten anlegte. Aus dieser Zeit stammt noch die mächtige alte Blutbuche oberhalb des stimmungsvollen Sitzplatzes am Rande des Grabens. Das Herrenhaus und der Garten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und die Schanze durch den Ausbau der Verkehrseinrichtungen verkleinert. 1962 und 1963 wurde die verbliebene Fläche in eine zeittypische öffentliche Grünanlage umgestaltet. Auf der Wiese steht seit 1975 eine "kinetische Plastik" des amerikanischen Künstlers George Rickey, deren Aufstellung bei vielen Münsteranern heftigen Widerstand hervorrief. Die drei rotierenden Quadrate des 750 kg schweren Kunstwerks drehen sich schon beim geringsten Windhauch und demonstrieren so die künstlerische Fähigkeit zum spielerischen Umgang mit dem Element Luft.

Ludgeriplatz: Der Kreisverkehr sorgt seit 1936 für die Verteilung des innerstädtischen Verkehrs. Nahe der Pfarrkirche St. Ludgeri befand sich an dieser Stelle die mittelalterliche Befestigungsanlage des Ludgeritores. Nach Abbruch des Stadttores im Jahre 1785 wurde die Befestigung 1876 zur Grünanlage umgestaltet. Einige Altbäume zeugen noch vom einstmals beträchtlichen Baumbestand. Die im frühen 20. Jahrhundert geschaffene Figurengruppe "Magd und Ochs" und "Bauer und Pferd" flankierten bis zum Ausbau des Ludgeriplatzes den Eingang zur Altstadt. Heute sind sie in gleicher Ausrichtung im Rondell des vielbefahrenen Kreisverkehrs aufgestellt. Im späten 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war die Promenade ein bevorzugter Aufstellungsort von Kriegerdenkmälern, die der Verherrlichung des Krieges und Heroisierung des Soldatentodes dienten. An die Nordseite des Platzes stellte man 1925 als Erinnerung an die Kolonialkriege des Deutschen Kaiserreiches das "Train-Denkmal" auf.

Kanonengraben und Kanonenberg: Die Planung und Ausführung der malerischen Grünanlage lag während des späten 19. Jahrhunderts in den Händen des Gärtnermeisters und Stadtrats Adolf Kleimann. Als Rest des äußeren Wassergrabens der Stadtbefestigung wurde der Kanonengraben um die Jahrhundertwende auch zum Kahnfahren genutzt. Die Höhe des Kanonenberges gibt einen ungefähren Eindruck von der Mächtigkeit der Befestigungsanlagen, die das Aegidii-Stadttor an der Straße nach Wesel schützten. Anstelle eines zerstörten Denkmals hat man 1964 das "Kürassierdenkmal" für im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten aufgestellt. Auf dem Weg von der Höhe der einstigen Bastion hat man einen schönen Ausblick auf den Aasee, ein beliebtes Erholungs- und Freizeitgebiet.

Westerholtsche Wiese: Nach dem Überschreiten der vielbefahrenen Bundesstraße B54 geht´s vorbei an der 1948 neu aufgebauten Gaststätte "Kruse Baimken", deren Name sich vom alten Standort am krausen Baum ableitet. Die Promenade führt weiter über den hohen Wall der Befestigung des Neuwerks, von dem aus ein sehenswerter Blick auf das Panorama der Stadt mit ihren vielgestaltigen Kirchtürmen möglich ist. Hier hat sich auch der einzige Rest der mittelalterlichen Stadtmauer erhalten, die hinter der großen Wiese des Turnierplatzes und der kanalisierten Aa erkennbar ist. Der Garten vor der Mauer wird von einer mehr als 100 Jahre alten, geschnittenen Figurenhecke begrenzt. Auf dem Wall erinnert das von 1923 bis 1925 errichtete "Dreizehner-Denkmal" wieder einmal an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges. Bald überquert man ein massives Brückenbauwerk, unter dem die Aa in einer engen Schleife mit einem sogenannten "Flussloch" durch die Befestigungen in die Stadt geleitet wurde. Vorbei an der traditionsreichen Gaststätte Lindenhof führt der Weg am Kastellgraben entlang, ein Rest des seitlichen Wassergrabens der alten Zitadelle, auf deren Fläche später das Schloss und der Schlossgarten angelegt wurden.

Schlossplatz: Über die Gerichtsstraße kommt man zur Südseite des Schlossplatzes und weiter durch die Promenadenallee zum Schloss. In Höhe der beiden ehemaligen barocken Wachhäuser hat die Promenade eine auffällige Lücke. Seit der Anpflanzung der Alleen sollte der Blick von der Stadt auf das Schloss frei bleiben. Als fürstbischöfliche Residenz des Spätbarocks, von Schlaun geplant, war das Schloss bis zum Zweiten Weltkrieg repräsentativer Wohnsitz der höchsten Beamten der preußischen Provinz Westfalen und ist heute Sitz der Universität. Zusammen mit dem Neuplatz (später Hindenburgplatz) wurde der Schlossplatz als einer der größten barocken Stadtplätze Europas geplant. Im 19. Jahrhundert wurde der Platz von den preußischen Militärs als weitläufiger und durch Alleen untergliederter Exerzierplatz genutzt. Der Schlossplatz war bis zum Zweiten Weltkrieg eine gärtnerisch prachtvoll gestaltete Grünanlage. Heute wird der Platz als großzügige PKW-Stellfläche und Standort für Großveranstaltungen wie Reitturniere, Zirkus und den dreimal im Jahr veranstalteten "Send"-Jahrmärkten genutzt. Die Promenade führt weiter an den großzügigen neubarocken Bauten des Oberpräsidiums und des Provinzial-Schulkollegiums (heute Universitätsinstitute) vorbei.

Neutor und "Wasserbär": Am ehemaligen Neutor wurden anstelle des mittelalterlichen Stadttores 1778 zwei klassizistische Torhäuser errichtet. Es sind die Münster einzig erhaltenen Bauten des fürstbischöflichen Baumeisters und Schlaun Nachfolgers Wilhelm Ferdinand Lipper. Wie in der Vergangenheit wird noch heute dieser Bereich der Promenade durch die Bauten der Militärverwaltung bestimmt. Der Promenadenweg führt nun weiter in östlicher Richtung, vorbei an einer alten Linde aus der ersten Generation der Promenadenbäume zum sogenannten "Wasserbären". Das originelle Bauwerk diente mit seinem kleinen Turm und der niedrigen Mauer als Stauvorrichtung zur Regelung des Wasserstandes im Graben der äußeren Stadtbefestigung.

Kreuzschanze: Befestigung am ehemaligen Kreuztor. Es ist das einzige Befestigungswerk, das im vollen Flächenumfang erhalten blieb. Zwei kleinere Teiche sind noch als Reste des äußeren Wassergrabens erkennbar. Deutlich heben sich zwei Hügel aus dem Gelände hervor, auf denen ursprünglich Kanonen aufgestellt waren. Die gärtnerische Gestaltung der Kreuzschanze wurde im späten 19. Jahrhundert vorgenommen. Aus dieser Zeit stammen mehrere alte Solitärbäume, von denen besonders die Platanen, Buchen, verschiedene Kastanien und ein alter Trompetenbaum auffallen. An der Planung und Ausführung waren der Kölner Gartendirektor Adolf Kowallek und der Stadtrat und Gärtnermeister Adolf Kleimann aus Münster beteiligt. Kleimann erhielt für sein Engagement zur Verschönerung der gesamten Promenade die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Zur Ehrung und Erinnerung an verdiente Gelehrte und Künstler der Stadt stellte man die Denkmäler für die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797 bis 1848), den mit Brahms befreundeten Musikdirektor Otto Grimm (1827 bis 1903) und eine Eule als Symbol für das zerstörte Denkmal des Ornithologen und Zoologen Bernhard Altum (1824 bis 1900) auf.

Buddenturm: Südlich der Kreuzschanze. Um 1150 erbaut, ist der Buddenturm der einzig erhaltene Stadtturm des inneren Befestigungsringes. Später wurde er auch als Gefängnis und als Wasserturm genutzt. Die an den Turm angelehnte Eisenskulptur symbolisiert die alte Stadtmauer und gibt mit ihrer Breite exakt die Stärke der abgebrochen Stadtmauer wieder. Als Bestandteil der Promenade wurde vor einigen Jahren auf der Fläche eines ehemaligen Wallfriedhofes ein Kräutergarten angelegt. Er bietet den Stadtbewohnern die Möglichkeit, verschiedene Würzkräuter sowie Heil- und Giftpflanzen kennenzulernen. Der Kräutergarten hat die klösterlichen Medizingärten des Mittelalters zum Vorbild. Ein attraktiver Sitzplatz mit bepflanztem Rondell ermöglicht einen erholsamen Aufenthalt in diesem Bereich.

Wasserfall: Die Straßen an der Promenade sind eine bevorzugte Wohngegend des Bürgertums der Stadt. Besonders auf dem weiteren Promenadenabschnitt können wir einige repräsentative Stadtvillen des 19. und 20. Jahrhunderts erkennen. Eine gartenkünstlerische Besonderheit ist in diesem Bereich der zur Jahrhundertwende angelegte Wasserfall. Der aus großen Felsbrocken und Findlingen gestaltete Wasserfall wurde 1988 nach alten Fotografien mit großem Bürgerinteresse wiederhergestellt. Zwei malerische Teiche sind noch als Rest des äußeren Wassergrabens der Stadtbefestigung vorhanden.

Coerdeplatz: Bereich des ehemaligen Neubrückentores. Das Befestigungswerk wurde im 19. Jahrhundert abgetragen, mit mehreren Häusern bebaut und teilweise als Grünanlage gestaltet. Der Kinderspielplatz gilt als die älteste Anlage dieser Art in Münster und wurde schon als vorbildlich gestaltete Anlage in einer Fachpublikation von 1904 erwähnt. Im Mittelpunkt des heute mit modernen Geräten ausgestatteten Spielplatzes steht eine historische Kleinlokomotive, die nach 1945 die mit Trümmerschutt gefüllten Loren über die Promenade aus der Stadt transportierte. Einige alte Solitärbäume haben die Kriegswirren heil überstanden und prägen heute durch ihre ausdrucksvolle Erscheinung das Bild dieser attraktiven Grünanlage.

Zwinger: Seit dem 16. Jahrhundert hatte der Zwinger als mächtiger Geschützturm die strategisch wichtige Funktion, den Austritt der Aa aus der Stadt zu schützen. Von Schlaun im 18. Jahrhundert zum Gefängnis umgebaut, wurde der massive Rundturm vom Sommer 1944 bis Anfang 1945 als Folter- und Hinrichtungsstätte der Gestapo benutzt. Eine Gedenkplatte erinnert heute an die Gräueltaten. Vom Stadtmuseum angebotene Führungen geben wissenswerte Einblicke in die Geschichte und Funktion des Zwingers.

Hörsterplatz: Bereich des 1770 abgebrochenen Hörstertores. Die kleine Grünfläche des Hörsterplatzes wurde ab 1882 angelegt. Einige alte Solitärbäume sind noch Relikte aus dieser Zeit. Das 1930 aufgestellte "Adlerdenkmal" erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des in Münster stationierten 4. Lothringischen Feldartillerie-Regiments. Gegenüber fällt der 1886 bis 1888 errichtete Neorenaissancebau des NRW-Staatsarchives auf. Die Promenade verläuft weiter parallel zur Fürstenbergstraße. Der Graben des Walls war bis zum Zweiten Weltkrieg mit prächtigen Schmuckpflanzungen gestaltet. Heute befindet sich hier nur noch eine langweilige Rasenfläche.

Mauritztor: Nördlich vom Mauritztor steht ein mächtiges Denkmal, das 1909 zur Erinnerung an die "Einigungskriege" in den Jahren 1864, 1866 und 1870 und 1871 errichtet wurde. Gegenüber steht das nach einem zerstörten Vorgängerbau von 1951 bis 1952 neu erbaute Landeshaus, Sitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Vom ehemaligen Mauritz-Stadttor führte die Straße zur außerhalb der Altstadt gelegenen Stiftskirche St. Mauritz. Auffällig ist ein um 1825 errichtetes klassizistisches Wachhäuschen, das heute ein Restaurant beherbergt. Das Gegenstück auf der nördlichen Straßenseite ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Eine 1970 gebaute Unterführung unterbricht an dieser Stelle den Verlauf der Promenade. Als Reste der alten Bepflanzung stehen noch drei mächtige ungefähr 200 Jahre alte Platanen direkt an der Fürstenbergstraße.

Servatiiplatz: Ehemaliges Servatii-Stadttor. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Pfarrkirche St. Servatii war an dieser Stelle ursprünglich ein starkes Befestigungwerk mit dem Servatii-Stadttor angelegt. Das Stadttor wurde 1770 abgebrochen und die Fläche in der nachfolgenden Zeit zu einer repräsentativen Grünanlage umgestaltet. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Servatiiplatz mit kunstvollen Schmuckpflanzungen und einem Brunnen mit hoher Fontäne ein beliebter Treffpunkt. Selbst 32 große Phönix-Palmen, ein Geschenk des Herzogs von Arenberg aus Schloss Nordkirchen, wurden hier in den Sommermonaten aufgestellt. Heute wird die Anlage von einer verkehrsreichen Kreuzung dominiert und das Bild des Platzes durch typische Gestaltungen der 60er Jahre mit dem Iduna-Hochhaus, großzügigen Plattenwegen und attraktiven, im jahreszeitlichen Wechsel bepflanzten Beeten bestimmt. Zur Ausstattung dieser Zeit gehört auch das 1960 aufgestellte Mahnmal "Unteilbares Deutschland".

Promenade an Synagoge und Museum für Lackkunst: Auf der zur Altstadt zugewandten Seite befindet sich die 1961 neu erbaute Synagoge. 1938 wurde an dieser Stelle die alte Synagoge während der "Reichskristallnacht" von Nazis zerstört. Wenige hundert Meter entfernt liegt das Museum für Lackkunst in einem klassizistischen Stadtpalais.

Die Promenade ist für Münster von großer stadtgeschichtlicher Bedeutung, ein Gartendenkmal von überregionalem Rang und eine für das Münsterland in ihrer Geschlossenheit einzigartige historische Grünanlage, die den Vergleich mit den bekannten Wallanlagen in Köln, Bremen oder Lübeck nicht scheuen muss.

Bei der Naturkatastrophe Kyrill am 18./19.01.2007, als dieser Orkan über Deutschland fegte, wurde die Promenade leider nicht verschont. Allein knapp 200 Bäume lagen umgeweht auf dem Promenadenabschnitt vor dem Schloss und mussten ersetzt werden. Durch eine „Aktion Bürgerbäume“ wurde zusätzlich eine große Summe privater Spendengelder gesammelt, die es ermöglichte, bereits ein Jahr später mit der Wiederherstellung der Allee zu beginnen.


Literaturangaben

  • Riepenhausen, Hans (1998): Baudenkmale in Münster : Inschriftentafeln an historischen Baudenkmalen der Stadt Münster. Westfälische Kunststätten Bd. 27, Münster, 4. erweiterte und aktualisierte Neuauflage.
  • Geisberg, Max (1932-1941): Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Die Stadt Münster Bd. I-IV. Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 17 und Seite 46-55.
  • Haunfelder, Bernd / Olliges, Ute / Lechtape, Andreas (1994): Die Promenade in Münster. Vom Festungsring zum Grüngürtel. Bilder aus drei Jahrhunderten. Münster.
  • Stadt Münster - Amt für Grünflächen und Naturschutz / Tauchnitz, Hartmut (Text) (1990): Promenade Münster, der grüne Ring um die Altstadt. Münster.
  • Fischer, Bernd (1982): Münster und das Münsterland. Geschichte und Kultur, ein Reisebegleiter in das Herz Westfalens. DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer, Köln.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 82-89.
  • Kössel, Barbara (1986): Moderne Kunst in Münster. Münster.
Externe ID: LWL-GUP00229
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Grüngürtel
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Literaturauswertung
  • Archivauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1764
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037540


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2003: Promenade an der Engelenschanze
2003: Promenade am Ludgeriplatz
2003: Promenade am Kanonengraben
2003: Promenade an der Westerholtschen Wiese
2003: Promenade am Neutor
2003: Promenade an der Kreuzschanze
2003: Promenade
2002: Promenade am Hörsterplatz
2003: Promenade am Mauritztor
2003: Promenade am Servatiiplatz
2007: Promenade
2003: Münster
1990: Münster
1897: Münster
1839: Grundriss der Provinzialhauptstadt Münster nebst deren Umgebung
1636: Vogelschauansicht der Stadt Münster