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Haus Rüschhaus, Münster-Nienberge
 

Die repräsentative, von einer kunstvoll angelegten Gräfte umgebene Gesamtanlage war der einstige Sommersitz des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun. Als fürstbischöflicher Baumeister, Landingenieur, Generalmajor und Kommandant der Artillerie gelangte er zu hohem Ansehen und zählte zu den reichsten Bürgern der Stadt. Noch vor dem Bau seines Stadthauses in Münster richtete sich Schlaun in den Jahren 1745 bis 1749 mit Haus Rüschhaus einen ländlichen Wohnsitz ein. 1825 erwarb Freiherr Clemens August von Droste-Hülshoff, der Hausherr von Burg Hülshoff, das Anwesen mit allem Grund und Boden. Mit seiner Tochter, der berühmten Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, beginnt für Haus Rüschhaus ein neuer Zeitabschnitt. Sie wohnte nach dem Tode ihres Vaters von 1826 bis 1846 zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Jenny sowie mehreren Bediensteten in dem idyllischen Landhaus, das nur wenige Kilometer vom Familiensitz Burg Hülshoff entfernt lag. 1936 kam es zur Einrichtung einer Erinnerungsstätte für die Dichterin. 1979 verkauft die Familie von Droste-Hülshoff das Anwesen an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die Stadt Münster. Haus Rüschhaus ist heute ein Museum, das an das Wirken des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun genauso wie an das Schaffen der bedeutenden Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff erinnert.




Externe ID: T-P363N504-20080303-0003
Erfassungsdatum: 03.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2004: Haus Rüschhaus

Zugehöriges Objekt

Gartenanlagen am Haus Rüschhaus, Münster-Nienberge (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Stadt Münster / Landschaftsverband Westfalen-Lippe; die Anlage ist öffentlich zugänglich. Eine Innenbesichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; etwa 5 ­km nordwestlich der Altstadt im Süden des Ortsteils Nienberge; etwa 1 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Die repräsentative, von einer kunstvoll angelegten Gräfte umgebene Gesamtanlage war der einstige Sommersitz des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun. Als fürstbischöflicher Baumeister, Landingenieur, Generalmajor und Kommandant der Artillerie gelangte er zu hohem Ansehen und zählte zu den reichsten Bürgern der Stadt. Noch vor dem Bau seines Stadthauses in Münster richtete sich Schlaun in den Jahren 1745 bis 1749 mit Haus Rüschhaus einen ländlichen Wohnsitz ein, der kurz nach der Fertigstellung des Jagdschlosses Clemenswerth in Sögel entstand. Schlaun konnte sich mehr als 23 Jahre seines Sommersitzes erfreuen. Anschließend gelangte Haus Rüschhaus an seinen ältesten Sohn Martin Conrad Schlaun, der es an seinen Patensohn weiter veräußerte.

1825 erwarb Freiherr Clemens August von Droste-Hülshoff, der Hausherr von Burg Hülshoff, das Anwesen mit allem Grund und Boden. Mit seiner Tochter, der berühmten Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, beginnt für Haus Rüschhaus ein neuer Zeitabschnitt. Sie wohnte nach dem Tode ihres Vaters von 1826 bis 1846 zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Jenny sowie mehreren Bediensteten in dem idyllischen Landhaus, das nur wenige Kilometer vom Familiensitz Burg Hülshoff entfernt lag. Annette von Droste-Hülshoff lebte ab 1846 schwer krank im Schloss Meersburg am Bodensee, wo sie 1848 starb. Nach ihrem Tode war die Schriftstellerin zuerst vergessen. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts war sie allgemein als größte deutsche Dichterin anerkannt. Zu dieser Zeit wurde Haus Rüschhaus von weiteren Familienmitgliedern bewohnt, die auch den neugotischen Marienbildstock jenseits der Gräfte errichteten.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts ist das Anwesen verpachtet und ausschließlich landwirtschaftlich genutzt worden, bis es 1936 zur Einrichtung einer Erinnerungsstätte für die Dichterin kam. 1979 verkauft die Familie von Droste-Hülshoff das Anwesen an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die Stadt Münster. Haus Rüschhaus ist heute ein Museum, das an das Wirken des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun genauso wie an das Schaffen der bedeutenden Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff erinnert.

Gebäude und Ausstattung
Das Anwesen entspricht von der architektonischen Raffinesse dem Anspruch eines feudalen Adelssitzes wirkt aber von der Baugestalt eher wie ein bäuerlicher Gräftenhof. Neben einzelnen, vornehmen Architekturelementen erschließt sich die repräsentative Wirkung der Gesamtanlage durch eine barocke Symmetrieachse, die am Fußweg neben der heutigen Zufahrt beginnt. Hier führt eine von Gräben begleitete Allee auf den Ehrenhof des Hauses zu, auf dem zur Zeit Schlauns noch zwei Mistgruben vorhanden waren. Das Haupthaus im Zentrum entspricht dem Bautyp des westfälischen Bauernhauses mit Längsdiele und Stallungen. Nach dem Vorbild eines barocken Adelssitzes wird das Wohnhaus von zwei kleinen Nebengebäuden flankiert, die ursprünglich als Stall und Remise genutzt wurden. Beide Nebengebäude sind jeweils durch viertelkreisförmige Mauern mit dem Haupthaus verbunden und zitieren somit eine klassisches Motiv adeliger Barockarchitektur. Durch die beiden Tore der Verbindungsmauern gelangt man in den Hausgarten im Nordosten der Anlage.

Das Besondere des Gartens sind vier barocke Gartenskulpturen, die in den Kreuzungspunkten der Wege und am Ende der beiden zentralen Mittelwege stehen. Sie wurden erst nach dem Tode Schlauns im Jahre 1773 aufgestellt und kamen aus dem Garten seines Wohnhauses in Münster. Die reizvollen Putten stammen wahrscheinlich aus der Hand des barocken Bildhauers Johann Christoph Manskirch und stellen als Personifikationen die vier Elemente und die Jahreszeiten dar. Zur Ausstattung des barocken Gartens gehörten auch noch zwei Sandsteinbänke und eine steinerne Sonnenuhr.

Das kleine Gartenhaus ließ Jenny von Droste-Hülshoff erst 1826 im Garten errichten.

Art der Grünanlage
ehemaliger Barockgarten

Beschreibung
Als Annette von Droste-Hülshoff das Anwesen bewohnte, entsprach der Garten vermutlich mehr dem biedermeierlichen Geschmack und wurde hauptsächlich als bäuerlicher Blumen- und Nutzgarten kultiviert. Zwar blieben die Flächenaufteilung und Wege der barocken Anlage erhalten, die geschnittenen Beeteinfassungen und Hecken wurden aber damals entfernt. Neben zahlreichen Zierpflanzen hat man im Garten die unterschiedlichsten Gemüse-, Kräuter- und Obstpflanzen angebaut und im eigenen Haushalt verbraucht. Die beiden geometrischen Barockgärten wurden 1983 exakt nach einem Plan Schlauns wiederhergestellt. Der kleinere Nutzgarten im Osten ist durch ein Wegekreuz und einen kreisrunden Umgangsweg unterteilt. Vergleichbar mit zahlreichen anderen Barockgärten steht im Kreuzungspunkt der Wege eine Sonnenuhr. Der nützliche Charakter des Nebengartens zeigt sich durch eine Obstbaumwiese mit niedrigwachsenden Apfel- und Birnbäumen und vier Nutzbeete, die jeweils als Viertelkreis ausgebildet mit kurz geschnittenen Taxushecken begrenzt werden. Die einstmals intensiv bewirtschafteten Beete sind heute mit Rasen eingesät.

Zum Hauptgarten gelangt man entweder über den Außenweg am Wohnhaus vorbei durch ein weiteres Gartentor oder direkt vom Salon des Hauses über eine Treppe. Hier setzt sich die zentrale Symmetrieachse der Gesamtanlage in der Breite des Hauses über zwei stilvoll bepflanzte Parterres weiter fort und findet jenseits der Gräfte im Wald mit einem neugotischen Marien-Bildstock aus dem Jahre 1883 ihren Endpunkt. Farbige Blumenrabatten entlang der Mittelbeete und geschnittene Eibenpyramiden unterstreichen den repräsentativen Anspruch dieses Gartenbereichs. Der Hauptgarten weitet sich durch einen gestalterischer Kunstgriff mit zwei halbrunden "Exedren" in Querrichtung zum Haus aus, an deren Scheitelpunkten jeweils eine Sandsteinbank steht. Die kunstvolle Grundform des Gartens wird an beiden Seiten durch ein Wegekreuz gegliedert und erhielt als äußere Begrenzung eine Eibenhecke. Insgesamt 12 Gartenfelder sind mit Einfassungen aus Buchs umpflanzt. Diese Gartenfelder wurden ursprünglich als Obst, Gemüse- und Kräuterbeete bewirtschaftet. Der weitaus größte Bereich des Gartens war also immer ein Nutzgarten.

Ein interessanter Garten befand sich außerhalb der Gräfte im Nordwesten der Anlage. Auf einem Gutsplan von 1791 ist ein "Bosquet" eingezeichnet, das durch einen schmalen Schlängelweg in der Art eines Labyrinths erschlossen wurde. Dieser Gartenbereich ist heute im dichten Wald aufgegangen.

Literaturangaben

  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1995): Johann Conrad Schlaun 1695-1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart.
  • Der Oberstadtdirektor von Münster, Dezernat für Öffentlichkeitsarbeit - Presse und Informationsamt in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt (1994): Spaziergänge zu Baudenkmälern, Nr. 14. Münster.
  • Bieker, Josef / Romeis, Ulrike / Wollheim, Ulrich (1995): Auf Annette von Droste-Hülshoffs Spuren. Hamburg, 2. Auflage.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 18-22.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 66-69.
  • Mummenhoff, Karl E. (1996): Haus Rüschhaus. Westfälische Kunststätten, Heft 40, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00220
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Garten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Archivauswertung
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Fotos
Touristische Bedeutung: sehr hoch - ist eine Reise wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1745
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037498


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2011: Haus Rüschhaus
2011: Haus Rüschhaus
2004: Haus Rüschhaus
2004: Haus Rüschhaus
2004: Haus Rüschhaus
2004: Haus Rüschhaus
2004: Haus Rüschhaus
2003: Haus Rüschhaus
1897: Münster