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Haus Lütkenbeck, Münster
 

Haus Lütkenbeck ist eine ehemalige mittelalterliche Wasserburg im westfälischen Münster. Die Gebäude, im Südosten der Stadt nahe dem Hafen am Lütkenbecker Weg gelegen, sind der Rest einer in den Jahren von 1695 bis 1720 errichteten barocken Anlage. Die Kapelle des Hauses wird noch für Gottesdienste und Konzerte genutzt. Der ehemalige Barockgarten ist heute in unmittelbarer Hausnähe neu gestaltet. Der weitaus größte Bereich der Anlage wird als Wiese und Wald genutzt.

Externe ID: T-P363N504-20080228-0003
Erfassungsdatum: 28.02.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2004: Haus Lütkenbeck

Zugehöriges Objekt

ehemaliger Barockgarten am Haus Lütkenbeck, Münster (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; die Anlage ist nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; etwa 2,5 ­km südöstlich der Altstadt; etwa 15 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Die früheste schriftliche Erwähnung von Haus Lütkenbeck stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, als die Familie von Drolshagen vom Bischof aus Münster mit dem Gut belehnt wurden. Die Familie war über dreihundert Jahre auf dem Gut ansässig, bis 1695 der Domscholaster und Hofkammerpräsident Heidenreich Ludwig Freiherr Droste zu Vischering das Anwesen erwarb und es zu einer prächtigen barocken Schlossanlage ausbauen ließ. Nach fünfzehnjähriger Bauzeit brannte das Herrenhaus kurz nach der Fertigstellung im Jahre 1720 ab und wurde nicht wiederaufgebaut. Das Anwesen war im frühen 19. Jahrhundert für mehrere Jahre Sommersitz des Grafen Leopold von Stolberg, der dort viele namhafte Persönlichkeiten empfing. Von 1830 bis 1875 war in dem alten Zehnthaus eine vornehme Kaffee- und Gartenwirtschaft eingerichtet. Während des 2. Weltkrieges wurde die Anlage durch Bombenangriffe schwer beschädigt und bis 1972 wiederhergestellt. Seit dieser Zeit sind in der südwestlichen Vorburg mehrere Wohnungen eingerichtet. Bis auf die Marienkapelle sind die Bauten der nordöstlichen Vorburg seit dem Tode des Bauherrn im Jahre 1723 an einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb verpachtet.

Gebäude und Ausstattung
Von dem Vorgängerbau, eine mittelalterliche Wasserburg, ist im Osten der Anlage noch deutlich das Grabensystem mit zwei Inseln erkennbar. Die barocke Gesamtanlage entstand auf einer symmetrisch von Nordwest nach Südost verlaufenden Achse vermutlich nach Plänen des westfälischen Barockbaumeisters Gottfried Laurenz Pictorius. Die Erbauung der Vorburg begann 1698 wahrscheinlich unter Beteiligung des Barockbaumeisters Lambert Friedrich Corfey mit zwei oktogonalen Pavillons, die jeweils im Nordosten als Kapelle und im Südwesten als Gerichtshaus und Gefängnis errichtet wurden. Die Pavillons sind durch viertelkreisförmig zum Hof geöffnete Arkadengänge mit jeweils einem langgestreckten Ökonomiebau verbunden. Der Südwestbau wurde ursprünglich als Zehnthaus mit unterschiedlichen Funktionen und der Nordostbau als Bauhaus mit einer Pächterwohnung genutzt. Als Abschluss des Binnenhofes wurde ab 1705 mit dem Bau eines prachtvollen Herrenhaus begonnen, das 1720 abbrannte. Das übriggebliebene Baumaterial des Herrenhauses fand 1754 beim Bau des Erbdrostenhofs in Münster Verwendung. Vor dem Südgiebel des ehemaligen Zehnthauses stand ursprünglich ein Wohnturm, der 1835 abgerissen wurde. Der nordöstliche Ökonomiebau wurde 1847 nach einem Brand erneuert.

Art der Grünanlage
Ehemaliger Barockgarten

Beschreibung
Ob mit dem Bau des Herrenhauses auch ein barocker Ziergarten geplant und ausgeführt wurde, ist nicht bekannt. Als einziger Hinweis auf einen geplanten Garten hat sich am südöstlichen Ende ein kreisrunder Teich erhalten, der genau in der Mittelachse der barocken Schlossanlage liegt. Auffällig wird der vorbei fließende Hohnebach, er umgrenzt anstelle der ausgedehnten Gräfte die Gesamtanlage nach Osten, mit einem Schwung in der Art einer Exedra um den Teich herumgeführt. Vermutlich wurde mit der Gestaltung des Gartens zusammen mit der Fertigstellung des Herrenhaus schon begonnen, mit dem Brand des noch nicht bewohnten Herrenhauses aber eine weitere Ausführung des Gartens nicht realisiert. Auf einer während des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1760 gezeichneten Karte ist zwar ein regelmäßiger Garten zu erkennen, der jedoch außerhalb der Mittelachse liegt und mehr Beziehung zur alten Wasserburg hat, deren Bauten zu dieser Zeit noch vorhanden waren. Eine Katasterflurkarte aus dem Jahre 1828 und ein Plan aus dem Jahre 1884 zeigen genau in der Mittelachse eine regelmäßige Gartenanlage, die wahrscheinlich als Nutzgarten bewirtschaftet wurde. Heute wird der weitaus größte Teil der ehemaligen Gartenfläche als Wiese und Weide genutzt. Nur unmittelbar an den Gebäuden der südwestlichen Vorburg haben die Bewohner kleinere Vor- und Hausgärten neu angelegt. Zur barocken Gesamtanlage gehörte auch der Sternbusch im Norden. Zusammen mit dem Telgenbusch im Westen wurde er als Jagdgebiet genutzt. Neben den Alleen entlang der Gräfte in nordwestlicher Richtung wurde zur Entstehungszeit der barocken Anlage genau in der zentralen Achse eine Allee gepflanzt, die in nordwestlicher Richtung ursprünglich den Blick auf die Türme des Domes in Münster lenkte.

Pflegezustand
Der Gartenbereich ist heute in unmittelbarer Hausnähe neu gestaltet. Der weitaus größte Bereich der Anlage wird als Wiese und Wald genutzt. Die Hauptallee in Richtung der Altstadt von Münster ist vor einigen Jahren neu gepflanzt worden. Die Blickbeziehung ist heute nicht mehr vorhanden.

Literaturangaben

  • Merveldt, Dietrich von (1973): Haus Lütkenbeck - Ein Landsitz vor dem früheren Servatiitor zu Münster. In: Westfalen 51, 1973, Münster, Seite 284 - 304.
  • Folkerts, Liselotte (2003): Haus Lütkenbeck. Münster.
Externe ID: LWL-GUP00216
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Garten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1705 - 1760
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037442


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2012: Haus Lütkenbeck
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1841: Haus Lütkenbeck