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Schlossanlage Münster mit Gärten und Parks
 

Als letzte große barocke Residenz Deutschlands entstand in fast zwanzigjähriger Bauzeit von 1767 bis 1787 die Schlossanlage von Münster. Bauherr war Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels, der den berühmten westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun mit der Gesamtplanung und Ausführung einer fürstbischöflichen Residenz beauftragte. Die Schlossanlage entstand vor den westlichen Toren der Stadt auf dem Gelände einer ehemaligen Zitadelle, die Fürstbischof Bernhard von Galen ab 1661 als Zwingburg gegen die Interessen des Münsteraner Domkapitels und des städtischen Magistrats errichten ließ. Der Bauherr erlebte die Vollendung der Schlossanlage nicht mehr und starb 1784 in Bonn. Als Nachfolger und letzter Fürstbischof von Münster wurde Max Franz von Österreich gewählt, ein Sohn der Kaiserin Maria Theresia. Er residierte lieber in Bonn und ließ für seine seltenen Besuche in Münster ein Stadtpalais am Domplatz umbauen. Die Schlossanlage diente daher nicht mehr zur Hofhaltung der Fürstbischöfe sondern wurde von den Preußen, die 1802 im Zuge der Säkularisation das Fürstbistum in Besitz nahmen, als Sitz des Oberpräsidenten Freiherr vom Stein und des kommandierenden Generals Blücher genutzt. Sie fanden gemäß ihren Funktionen eine repräsentative Unterkunft. Bis auf eine kurze Zeit, in der im Zuge der Napoleonischen Kriege von 1807 bis 1813 der französische Generalgouverneur Loison in das Schloss einzog, diente die Residenz bis zum Zweiten Weltkrieg als Dienstwohnung für die ranghöchsten Beamten der preußischen Provinz Westfalen. Die gesamte Schlossanlage erlitt im Zweiten Weltkrieg schweren Schaden. Das Schloss ist nach dem Wiederaufbau im Innern völlig verändert und wird seit dieser Zeit als Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität genutzt.

Eng mit der Geschichte der Residenz und seiner Bewohner war die Entwicklung des mehr als 14 Hektar großen Schlossgartens verknüpft. Schlauns kunstvoller Entwurf plante den Garten als eine geometrische Anlage nach französischen Idealvorstellungen. Zwischen 1784 und 1787 konnte sein Nachfolger Lipper zusammen mit dem Hofgärtner Franz Conrad Haas aus Kostengründen nur eine reduzierte Gestaltung realisieren. Auf Anregung des Freiherrn vom Stein begann man ab 1803 im Bereich des barocken Parterres des Schlossgartens unter der Leitung des ehemaligen Hofgärtners Haas mit der Anlage eines Botanischen Gartens, der 1815 fertiggestellt wurde. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Bereich des Schlossgartens, der nicht zum Botanischen Garten gehörte, auf eine Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. in einen Landschaftsgarten umgestaltet. An diesen Maßnahmen, 1860 abgeschlossen, waren mit Peter Joseph Lenné und Joseph Clemens Weyhe zwei prominente Gartengestalter des 19. Jahrhunderts beteiligt. Von den schweren Zerstörungen des Schlosses im Zweiten Weltkrieg waren auch die Gartenanlagen betroffen. Beim Wiederaufbau des Botanischen Gartens hat man die alte Größe von 4,6 Hektar und die Grundkonzeption der Sammlungen erhalten.

Der Schlossplatz wurde zur Stadt hin mit zwei eingeschossigen, rechtwinklig angelegte Wachhäuser begrenzt, die beide in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden. Die geplanten barocken Seitenbauten des Schlosses in südlicher Richtung wurden nicht ausgeführt. Nur in nördlicher Richtung umgrenzten den Schlossplatz der Marstall, das Magazinhaus und die Wagenremise. Anstelle der einstigen Esplande, dem freien Schussfeld der bischöflichen Kanonen, erweiterte der mit weitläufigen Alleen bepflanzte Neuplatz, 1928 in Hindenburgplatz umbenannt, den Schlossplatz. Beide Plätze bildeten zusammen eine der größten barocken Platzanlagen ganz Europas. Im frühen 20. Jahrhundert wurden der barocke Marstall und das Magazingebäude abgebrochen. An ihrer Stelle entstanden in neubarocken Bauformen das Oberpräsidium (1903) und das Provinzial-Schulkollegium (1911/12).

Externe ID: T-P363N504-20080218-0001
Erfassungsdatum: 18.02.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Schlossgarten

Zugehörige Objekte

Botanischer Garten Münster (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Land NRW; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Beschreibung der Anlage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; am westlichen Rand der Altstadt; etwa 4,5 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Auf Anregung des Freiherrn vom Stein begann man ab 1803 im Bereich des barocken Parterres des Schlossgartens unter der Leitung des ehemaligen Hofgärtners Haas mit der Anlage eines Botanischen Gartens. Der Botanische Garten war 1815 nach dem Abzug der Franzosen fertiggestellt. An der Gartenseite des Schlosses wurde als Arboretum eine landschaftliche Partie gestaltet, die in einen Bereich mit verschiedenen Beeten für die systematische Pflanzensammlung und spezielle Sammlungsgärten überging. Der älteste heute noch vorhandene Sammlungsgarten ist ein Alpinum, das bereits 1823 angelegt wurde. Den Mittelpunkt der Anlage bildete das Wasserbassin des barocken Gartens. Nördlich davon errichtete man ein erstes Gewächshaus. Seit der Anlage des Botanischen Gartens wurde immer darauf geachtet, dass ein freier Durchblick entlang der zentralen barocken Achse von der westlichen Bastion der Zitadelle aus auf die Gartenseite des Schlosses erhalten blieb. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erzielte die preußische Verwaltung Einnahmen durch den Verkauf von gefällten Bäumen aus dem Waldboskett und von gezüchteten Pflanzen aus dem Botanischen Garten. Im 19. Jahrhundert war der Botanische Garten der Medizinischen Fakultät angegliedert und sollte hauptsächlich dem Anschauungsunterricht in Heilpflanzenkunde für angehende Mediziner dienen. Gleichzeitig zeigte der Garten die exotische Pflanzenwelt ferner Länder und erfüllte somit einen bürgerlichen Bildungsauftrag.

Gebäude und Ausstattung
Anstelle des früheren Gewächshauses wurde 1840 aus dem Abbruchmaterial der Mauer an der Schlossterrasse die Orangerie errichtet. Sie zählt heute zu den wenigen Beispielen dieses Bautyps aus der Zeit des Klassizismus in Deutschland. Neben ihrer Funktion als Überwinterungsquartier für Citrusbäume und andere nicht winterharte Exoten, diente sie in der nachfolgenden Zeit während der Sommermonate häufig auch als Kurhaus, indem man Trinkkuren mit Heilwasser angeboten hatte.

Neben dem Bau weiterer Gewächshäuser legte man 1872 im zentralen Teich eine Insel an. 1869/97 wurde im Garten das Botanische Institut der Universität gebaut und 1907 um einen großen Hörsaal erweitert.

Beschreibung
Von den schweren Zerstörungen des Schlosses im Zweiten Weltkrieg waren auch die Gartenanlagen betroffen. Beim Wiederaufbau des Botanischen Gartens hat man die alte Größe von 4,6 Hektar und die Grundkonzeption der Sammlungen erhalten. Heute finden die Besucher neben den pflanzensystematischen Bereichen und Sammlungsgärten zahlreiche interessante Laubgehölze, Koniferen, Rhododendren, einen Bauerngarten sowie einen Riech- und Tastgarten nach Hugo Kükelhaus vor. 2003 wurde das 200jährige Jubiläum zur Gründung des Botanischen Garten mit zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt.

Literaturangaben

  • Linten, Claudia Simone (1997): Orangerien in Westfalen. Europäische Hochschulschriften Reihe 28, Kunstgeschichte, Band 327. Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, Frankfurt/Main.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 17, Seite 23 - 29.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 70 - 75.
Externe ID: LWL-GUP00226
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Botanischer Garten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Auswertung historischer Karten
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Fotos
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1803 - 1815
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037274


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2011: Botanischer Garten
2011: Botanischer Garten
2011: Botanischer Garten
2003: Botanischer Garten
1897: Botanischer Garten

Schlossgarten Münster (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Land NRW; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; am Westrand der Altstadt; etwa 10 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Als letzte große barocke Residenz Deutschlands entstand in fast zwanzigjähriger Bauzeit von 1767 bis 1787 die Schlossanlage von Münster. Bauherr war der einem schwäbischen Adelsgeschlecht entstammende Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels. Als Nachfolger von Fürstbischof Clemens August von Bayern beauftragte er den berühmten westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun mit der Gesamtplanung und Ausführung einer fürstbischöflichen Residenz. Die Schlossanlage entstand vor den westlichen Toren der Stadt auf dem Gelände einer ehemaligen Zitadelle, die Fürstbischof Bernhard von Galen ab 1661 als Zwingburg gegen die Interessen des Münsteraner Domkapitels und des städtischen Magistrats errichten ließ.

Der Bauherr erlebte die Vollendung der Schlossanlage nicht mehr und starb 1784 in Bonn. Als Nachfolger und letzter Fürstbischof von Münster wurde Max Franz von Österreich gewählt, ein Sohn der Kaiserin Maria Theresia. Er residierte lieber in Bonn und ließ für seine seltenen Besuche in Münster ein Stadtpalais am Domplatz umbauen. Fürstbischof Max Franz hielt wenig von Repräsentation und lebte verhältnismäßig bescheiden. Die Schlossanlage diente daher nicht mehr zur Hofhaltung der Fürstbischöfe, sondern wurde von den Preußen, die 1802 im Zuge der Säkularisation das Fürstbistum in Besitz nahmen, als Sitz des Oberpräsidenten Freiherr vom Stein und des kommandierenden Generals Blücher genutzt. Sie fanden gemäß ihren Funktionen eine repräsentative Unterkunft.

Bis auf eine kurze Zeit, in der im Zuge der Napoleonischen Kriege von 1807 bis 1813 der französische Generalgouverneur Loison in das Schloss einzog, diente die Residenz bis zum Zweiten Weltkrieg als Dienstwohnung für die ranghöchsten Beamten der preußischen Provinz Westfalen.

Die gesamte Schlossanlage erlitt im Zweiten Weltkrieg schweren Schaden. Das Schloss ist nach dem Wiederaufbau im Innern völlig verändert und wird seit dieser Zeit als Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität genutzt.

Gebäude und Ausstattung
Schon im Verlauf der fast 42 Jahre währenden Regierungszeit von Clemens August, der als Fürstbischof von Münster, Paderborn, Hildesheim, Osnabrück und Kurfürst von Köln einer der mächtigsten und zugleich baufreudigsten Herrscher seiner Zeit in Deutschland war, gab es bereits erste Überlegungen zur Anlage einer standesgemäßen Schlossanlage. Nach frühen Planungen Schlauns aus dem Jahre 1733, erstellte er nach mehreren Phasen 1769 einen Generalplan für die großzügige, spätbarocke Residenz. In axialer Ausrichtung zur Stadt sah der Generalplan das Schloss als dreiflügeligen Baukörper mit Ehrenhof, die Anlage eines weiträumigen Platzes mit entsprechenden Nebengebäuden und auf der größten Fläche der ehemaligen Zitadelle einen barocken Garten vor. Von der ehemaligen Zitadelle blieben als Bestandteil des Schlossgartens der breite Wassergraben und das höher liegende Areal des Befestigungswerkes mit drei spitz zulaufenden Bastionen erhalten. Nach Schlauns Tod, er erlebte noch die Fertigstellung des gesamten Außenbaus, lag der weitere Ausbau der Residenz in den Händen seines Nachfolgers Wilhelm Ferdinand Lipper. Er übernahm, soweit noch nicht ausgeführt, die dekorative Gestaltung der Innenräume, den weiteren Ausbau einer großzügigen Platzanlage und die Ausführung des Schlossgartens.

Die geplanten barocken Seitenbauten des Schlosses in südlicher Richtung wurden nicht ausgeführt. Nur in nördlicher Richtung umgrenzten den Schlossplatz der Marstall, das Magazinhaus und die Wagenremise. Im frühen 20. Jahrhundert wurden der barocke Marstall und das Magazingebäude abgebrochen. An ihrer Stelle entstanden in neubarocken Bauformen das Oberpräsidium (1903) und das Privinzial-Schulkollegium (1911/12). Der Neuplatz wurde 1928 zum Hindenburgplatz und 2012 wieder in Schlossplatz umbenannt. Die Nutzung der Schlossanlage als preußische Residenz hinterließ mit der neubarocken Brücke (1905) an der Zufahrt zur Hüfferstraße und drei Kriegerdenkmälern (Freiherr von Ketteler Denkmal 1903, Stehender Soldat 1923, Lotharinger Kreuz 1923) deutliche Spuren. 1929 kam der Konzertpavillon hinzu. Nach international viel beachteten Skulpturenausstellungen, die auch im Schlossgarten ihren Ort fanden, fallen heute neben mehreren modernen Kunstobjekten zwei Sandsteinbänke der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer auf, die zum Skulpturenprojekt 1987 im Bereich des ehemaligen Reitplatzes am Denkmal "Stehender Soldat" aufgestellt sind.

Art der Grünanlage
Schlossgarten

Beschreibung
Eng mit der Geschichte der Residenz und seiner Bewohner war die Entwicklung des mehr als 14 Hektar großen Schlossgartens verknüpft. Schlauns kunstvoller Entwurf plante den Garten als eine geometrische Anlage nach französischen Idealvorstellungen. Zwischen 1784 und 1787 konnte sein Nachfolger Lipper zusammen mit dem Hofgärtner Franz Conrad Haas aus Kostengründen nur eine reduzierte Gestaltung realisieren. Nach Schlauns Vorbild wurden nur die äußeren umlaufenden Alleen gepflanzt und das zentrale Wasserbecken angelegt. Zwei lange Rasenparterres erstreckten sich von der Schlossterrasse, die durch eine Mauer mit zentraler Treppe vom Garten abgetrennt war, bis hin zum großen Wasserbassin. Die verbliebenen Bereiche wurden als Waldboskett mit geschwungenen Wegen angelegt. Bald nach der Fertigstellung des Gartens war es 1788 den Bürgern gestattet, im Schlossgarten spazieren zu gehen und kurz nach 1800 hatte die Gastronomie im Schlossgarten eröffnet.

Auf Anregung des Freiherrn vom Stein begann man ab 1803 im Bereich des barocken Parterres unter der Leitung des ehemaligen Hofgärtners Haas mit der Anlage eines Botanischen Gartens, der 1815 nach dem Abzug der Franzosen fertiggestellt war. An der Gartenseite des Schlosses wurde als Arboretum eine landschaftliche Partie gestaltet, die in einen Bereich mit verschiedenen Beeten für die systematische Pflanzensammlung und in spezielle Sammlungsgärten überging. Den Mittelpunkt der Anlage bildete das Wasserbassin des barocken Gartens. Nördlich davon errichtete man ein erstes Gewächshaus. Seit der Anlage des Botanischen Gartens wurde immer darauf geachtet, dass ein freier Durchblick entlang der zentralen barocken Achse von der westlichen Bastion der Zitadelle aus auf die Gartenseite des Schlosses erhalten blieb. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erzielte die preußische Verwaltung Einnahmen durch den Verkauf von gefällten Bäumen aus dem Waldboskett und von gezüchteten Pflanzen aus dem botanischen Garten.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Bereich des Schlossgartens, der nicht zum Botanischen Garten gehörte, auf eine Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. in einen Landschaftsgarten umgestaltet. An diesen Maßnahmen waren zwei prominente Gartengestalter des 19. Jahrhunderts beteiligt. Peter Joseph Lenné, der Generaldirektor der königlichen Gärten in Preußen, erstellte 1854 ein Gutachten zur Umgestaltung des inzwischen vernachlässigten Schlossgartens. Die weitere Planung lag in den Händen von Joseph Clemens Weyhe, der als Sohn und Nachfolger von Maximilian Friedrich Weyhe, das Amt des königlichen Garteninspektors in Düsseldorf bekleidete. Nach Weyhes Vorschlägen aus dem Jahre 1855 wurde das Arboretum des Botanischen Gartens in die angrenzenden Bereiche des Schlossgartens mit einbezogen, durch Verpflanzen einzelner Gehölze bessere Sichten geschaffen und die Wegeführung des gesamten Schlossgartens überarbeitet. Nach persönlichen Angaben des preußischen Königs wurden zudem Sichten in die freie Landschaft wiederhergestellt. 1860 waren die Maßnahmen abgeschlossen. Die nachfolgende Pflege beschränkte sich jedoch auf ein Minimum. Stattdessen erlaubte sich das preußische Militär der nahegelegenen Garnison alljährliche Pionier- und Reiterübungen im Schlossgarten durchzuführen und somit fortlaufende Schäden zu hinterlassen. Zwei kleinere private Gärten vervollständigten um die Jahrhundertwende den Schlossgarten. Im Süden lag der Garten des kommandierenden Generals und im Norden der Garten des Oberpräsidenten. Letzterer Garten ist heute mit einer Universitätsbaracke bebaut.

Von den schweren Zerstörungen des Schlosses im Zweiten Weltkrieges waren auch die Gartenanlagen betroffen. Im Gegensatz zum Botanischen Garten wird der historische Charakter des Schlossgartens heute nur noch wenig beachtet. Insgesamt gesehen, hat sich der denkmalgeschützte Schlossgarten mit seinen wesentlichen Strukturen zwar erhalten, die historischen Gestaltungsmerkmale befinden sich aber durch mangelnde Pflege in einem nicht befriedigenden Zustand.

Quellenangaben

  • Maas-Petermann, Jürgen / Turck, Cornelia (1993): Schloßgarten zu Münster - 200 Jahre öffentliche Grünanlage. Osnabrück, Fachhochschule: Diplomarbeit.

Literaturangaben

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 17 und 23-29.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1995): Johann Conrad Schlaun 1695-1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart.
  • Ringbeck, Birgitta (1993): Das Schloß zu Münster. Westfälische Kunststätten Bd. 65, Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 70-75.
  • Der Oberstadtdirektor der Stadt Münster, Dezernent für Öffentlichkeitsarbeit - Presse und Informationsamt in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt (Hrsg.) (1991): Spaziergänge zu Baudenkmälern, Nr. 5: Rund um das Schloß. Münster.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Maas-Petermann, Jürgen / Turck, Cornelia (1993): Schloßgarten zu Münster - 200 Jahre öffentliche Grünanlage. Osnabrück, Fachhochschule: Diplomarbeit.
  • Fischer, Bernd (1982): Münster und das Münsterland. Geschichte und Kultur, ein Reisebegleiter in das Herz Westfalens. DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer, Köln.
Externe ID: LWL-GUP00224
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Schlossgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1784 - 1787
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037246


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2011: Schlossgarten
2011: Schlossgarten
2011: Schlossgarten
2003: Schlossgarten, Schlossplatz und Botanischer Garten
1897: Schlossgarten, Schlossplatz und Botanischer Garten

Schlossplatz Münster (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Stadt Münster, Land NRW; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; am Westrand der Altstadt; etwa 16 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Als letzte große barocke Residenz Deutschlands entstand in fast zwanzigjähriger Bauzeit von 1767 bis 1787 die Schlossanlage von Münster. Bauherr war der einem schwäbischen Adelsgeschlecht entstammende Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels. Als Nachfolger von Fürstbischof Clemens August von Bayern beauftragte er den berühmten westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun mit der Gesamtplanung und Ausführung einer fürstbischöflichen Residenz. Nach frühen Planungen Schlauns aus dem Jahre 1733, erstellte er nach mehreren Phasen 1769 einen Generalplan für die großzügige, spätbarocke Residenz. In axialer Ausrichtung zur Stadt sah der Generalplan das Schloss als dreiflügeligen Baukörper mit Ehrenhof, die Anlage eines weiträumigen Platzes mit entsprechenden Nebengebäuden und auf der größten Fläche der ehemaligen Zitadelle einen barocken Garten vor. Nach Schlauns Tod, er erlebte noch die Fertigstellung des gesamten Außenbaus, lag der weitere Ausbau der Residenz in den Händen seines Nachfolgers Wilhelm Ferdinand Lipper. Er übernahm, soweit noch nicht ausgeführt, die dekorative Gestaltung der Innenräume, die Ausführung des Schlossgartens und den weiteren Ausbau einer großzügigen Platzanlage, die sich in den Schloßplatz im Westen und den Neuplatz im Osten gliederte. Der Neuplatz wurde 1928 zum Hindenburgplatz umbenannt.

Gebäude und Ausstattung
Der Schlossplatz wurde zur Stadt hin mit zwei eingeschossigen, rechtwinklig angelegte Wachhäuser begrenzt, die beide in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden. Die geplanten barocken Seitenbauten des Schlosses in südlicher Richtung wurden nicht ausgeführt. Nur in nördlicher Richtung umgrenzten den Schlossplatz der Marstall, das Magazinhaus und die Wagenremise. Anstelle der einstigen Esplande, dem freien Schußfeld der bischöflichen Kanonen, erweiterte der mit weitläufigen Alleen bepflanzte Neuplatz den Schlossplatz. Beide Plätze bildeten zusammen eine der größten barocken Platzanlagen ganz Europas. Im frühen 20. Jahrhundert wurden der barocke Marstall und das Magazingebäude abgebrochen. An ihrer Stelle entstanden in neubarocken Bauformen das Oberpräsidium (1903) und das Provinzial-Schulkollegium (1911/12).

Art der Grünanlage
Platzanlage

Beschreibung
Die großzügige Platzanlage wird noch heute durch mehrere Lindenalleen gegliedert.

Pflegezustand
Gegenwärtig wird die städtebauliche Erscheinung und Nutzung des Schlossplatzes der historischen Bedeutung und der Würde der gesamten Schlossanlage nicht gerecht. Ursprünglich als weitläufige und repräsentative Grünanlage geplant, verkam in den letzten Jahrzehnten besonders der ehemalige Hindenburgplatz zu einem gestaltlosem Aschenfeld mit unregelmäßigem Baumbestand, der neben seiner Funktion als Veranstaltungsplatz bei Volksfesten zum weitaus größten Teil als großflächiger PKW-Abstellplatz gebraucht wird. Selbst die einstmals kunstvoll gärtnerische Gestaltung des Schlossplatzes wird heute als einfache Rasenfläche für verschiedene Publikumsveranstaltungen im "stimmungsvollen Rahmen" vorgehalten.

Literaturangaben

  • Der Oberstadtdirektor der Stadt Münster, Dezernent für Öffentlichkeitsarbeit - Presse und Informationsamt in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt (Hrsg.) (1991): Spaziergänge zu Baudenkmälern, Nr. 5: Rund um das Schloß. Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, 70-75.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, 17 und 23-29.
  • Ringbeck, Birgitta (1993): Das Schloß zu Münster. Westfälische Kunststätten Bd. 65, Münster.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1995): Johann Conrad Schlaun 1695-1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart.
Externe ID: LWL-GUP00225
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Platz
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: naturfern (stark verändert/beeinflusst)
Historischer Zeitraum: ab 1769
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10037260


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2007: Schlossplatz
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1897: Schlossplatz