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Schloss Brake, Lemgo
 

Vor den Toren der Stadt Lemgo war Brake seit dem Mittelalter lange Zeit bevorzugte Residenz der Edelherren zur Lippe. Anstelle einer mittelalterlichen Burg wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts das prächtige Weserrenaissanceschloss errichtet. Ab 1804 gelangte das Schloss vollständig in den Besitz der Detmolder Hauptlinie des Hauses Lippe. 1819 wurden im Nordflügel des Schlosses die Amtsstube und zwei Beamtenwohnungen für das Amt Brake eingerichtet und von 1825 bis 1908 im Ost- und Südflügel die fürstliche Brauerei untergebracht. Das Schloss wurde 1981 vom Landesverband Lippe übernommen und umfassend restauriert. Seit 1989 hat neben der Verwaltung des Landesverbandes Lippe das überregional bekannte Weserrenaissance-Museum seinen Sitz im Schloss.

Externe ID: T-P363N403-20080729-0005
Erfassungsdatum: 29.07.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2012: Schloss Brake

Zugehöriges Objekt

Gartenanlage Schloss Brake (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Landesverband Lippe, Schloßstraße 18, 32657 Lemgo; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage u­nd Größe:
Weserbergland/Lipper Bergland; östlich von Lemgo direkt an der Bega; Größe etwa 2 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Vor den Toren der Stadt Lemgo war Brake seit dem Mittelalter lange Zeit bevorzugte Residenz der Edelherren zur Lippe. Anstelle einer mittelalterlichen Burg ließ der kunstverständige Graf Simon VI. gegen Ende des 16. Jahrhunderts das prächtige Weserrenaissanceschloss erbauen. Bis zu ihrem Aussterben im frühen 18. Jahrhundert hatte die Nebenlinie Lippe-Brake ihren Sitz im Schloss. Zwischen 1709 bis 1737 hielt sich häufig die gräfliche Familie aus Detmold im Schloss auf, die es auch nach 1747 als Witwensitz nutzte. Ab 1804 gelangte das Schloss vollständig in den Besitz der Detmolder Hauptlinie des Hauses Lippe. Die lippische Regentin Fürstin Pauline ließ das gesamte Schlossinventar verkaufen, den baufälligen Westflügel abbrechen und im Bereich der Gartenanlagen eine Heil- und Pflegeanstalt für psychisch Kranke einrichten. 1819 wurden im Nordflügel des Schlosses die Amtsstube und zwei Beamtenwohnungen für das Amt Brake eingerichtet und von 1825 bis 1908 im Ost- und Südflügel die fürstliche Brauerei untergebracht. Das Schloss wurde 1981 vom Landesverband Lippe übernommen und umfassend restauriert. Seit 1989 hat neben der Verwaltung des Landesverbandes Lippe das überregional bekannte Weserrenaissance-Museum seinen Sitz im Schloss.

Gebäude und Ausstattung:
Das von einer Gräfte umgebene Schloss wurde im 16. und 17. Jahrhundert zu einer Vierflügelanlage ausgebaut. Zusammen mit dem sechsgeschossigen Wohnturm hat man den Nordflügel zwischen 1584 und 1592 errichtet. Der Ostflügel wurde ebenso wie der Südflügel unter Verwendung älterer Bausubstanz im 17. Jahrhundert umgebaut. Mit der Schlossbrücke wurde der barocke Ausbau des Renaissanceschlosses 1679 abgeschlossen. Der Südflügel wurde im 19. Jahrhundert umgebaut. Den westlichen Torflügel hat man 1820 abgebrochen. Westlich der Schlossanlage ist der ausgedehnte Wirtschaftshof mit mehreren Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten. Im Osten des Schlosses, jenseits der Gräfte, steht an der Bega ein Waschhaus aus dem 18. Jahrhundert.

Art der Grünanlage:
Historische Gartenanlagen.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Ab 1584 wird Brake als Hauptresidenz des Grafen Simon VI. ausgebaut. Bis 1592 wurde nördlich des Schlosses, jenseits der Bega auf einem Hochparterre, ein kleiner Lustgarten angelegt. Zur Gartenanlage gehörten auch ein Gärtnerhaus, ein Ballhaus, ein Warmhaus für Orangeriepflanzen und ein Pikierhaus. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges wurde unter Graf Casimir zur Lippe-Brake der Renaissancegarten zu einem barocken Lustgarten umgestaltet. Auf einem um 1662 entstandenen Stich lässt sich gegenüber dem nördlichen Flügel des Schlosses ein umfriedeter Bereich mit mehreren kleineren Gebäuden erkennen, der über eine Brücke vom Schloss aus zugänglich war.

Um 1700 ließ Graf Rudolf zur Lippe-Brake den barocken Lustgarten neu gestalten. Die Anlage wurde in den Jahren 1702 bis 1703 vom Hofmaler Hans Heinrich Rundt im Grundriss gezeichnet. Der aufwendige Gartenentwurf kam mit seinen zahlreichen Details wohl nur teilweise zur Ausführung. Der ältere Gartenbereich aus der Renaissance wurde zusammen mit dem Gärtnerhaus in den langgestreckten, querrechteckigen Barockgarten integriert. Baulicher Bezugspunkt der dreiteiligen Gartenanlage war nicht das Schloss, sondern die nach Entwürfen Rundts ausgeführte Orangerie mit zwei flankierenden Treibhäusern. Im Schnittpunkt der Parterres lag ein großes Wasserbassin mit Fontäne. Für den mittleren und oberen Gartenbereich waren geometrisch angelegte Obst- und Gemüsegärten vorgesehen, die mit kunstvoll gestalteten Bosketts und Heckenpflanzungen gerahmt wurden. Die aufwendige Gartenanlage hatte vermutlich nur ein halbes Jahrhundert lang Bestand. Jedenfalls wurden um 1768 aus dem Schlossgarten 12 barocke Gartenskulpturen und ein großer Steintisch in den Kurpark nach Meinberg gebracht.

1811 hat man auf dem Gelände des barocken Lustgartens die von der lippischen Regentin Fürstin Pauline gegründete "Irrenanstalt zu Brake" angesiedelt. Die Orangerie wurde als "Tollhaus" für die Tobsüchtigen und das aufgestockte ehemalige Gärtnerhaus als "Heilanstalt" für "ruhige Irre" eingerichtet. Eingefriedete Höfe und Garten ergänzten die Einrichtungen. Ein Gesamtplan der Schlossanlage von 1836 zeigt, dass zu dieser Zeit die barocke Grundform des Schlossgartens noch erhalten war und der Bereich des ehemaligen Renaissancegartens vom Schloss aus immer noch über eine Brücke erreichbar war. Die große Fläche des ehemaligen Barockgartens hatte man zu dieser Zeit als Baumgarten genutzt. Neben den verschiedenen Nutzgärten der Ökonomiegebäude wurde südlich des Schlosses auch eine große Fläche als "Neuer Garten" eingezeichnet. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Heil- und Pflegeanstalt nach Norden erweitert und in den nachfolgenden Jahrzehnten auch der Bereich des ehemaligen Barockgartens mit einzelnen Gebäuden bebaut. Besonders die Gebäude der Frauenanstalt im Norden waren in eine großzügig gestaltete, landschaftliche Parkanlage eingebettet. Die Heil- und Pflegeanstalt galt während des gesamten 19. Jahrhunderts als psychiatrische Reformanstalt. Moderne Therapieansätze führten während der 2. Hälfte des Jahrhunderts zu einer neuen Gesamtkonzeption der Anlage, die durch einzelne freistehende Villen als Therapiegebäude mit dazugehörigen Gärten gekennzeichnet war. Unter anderem hatte man auch Freiluft-Liegekuren als Therapiemaßnahmen angewandt. Die Patienten konnten über Veranden und Terrassen in die Gärten gelangen, die mit Liegewiesen oder offenen Liegehallen ausgestattet waren. Teile der Gartenanlagen wurden auch für den Gemüse- und Obstanbau genutzt. Ab 1890 wurde die Heil- und Pflegeanstalt in Lindenhaus umbenannt. In den nachfolgenden Jahrzehnten hatte die Anstalt durchschnittlich 400 Patienten. 1951 wurde die Heil- und Pflegeanstalt aufgelöst. In der nachfolgenden Zeit hat man durch den Abriss zahlreicher Gebäude und unpassende Neubauten sowie der Vernachlässigung der gärtnerischen Anlagen die vormals einheitliche Gestaltung erheblich beeinträchtigt. 1975 ist mit dem Neubau des Amtsgerichtes historisch wertvolle Gebäude- und Gartensubstanz vernichtet worden.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Weite Bereiche des ehemaligen Renaissancegartens sind vom Gebäudekomplex des Amtsgerichtes überbaut worden. Vom ehemaligen Schlossgarten haben sich noch eine Stützmauer und die inzwischen vollständig umgebaute Orangerie erhalten. Die gärtnerischen Anlagen der Heil- und Pflegeanstalt sind stellenweise noch am Verlauf von Einfriedungen, Wegen und vor allem am alten Baumbestand erkennbar. Der sogenannte "Neue Garten" im Süden des Schlosses ist inzwischen in eine moderne landschaftliche Anlage mit nur wenigen Altbäumen und zwei kleinen Teichen umgestaltet worden. In diesen Gartenbereich hat man ein großes Glashaus hinein gebaut, in dem die Reste der 1999 aus der Weser geborgenen historischen Frachtschiffe konserviert und ausgestellt werden.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1910): Blatt 3919, Lemgo. Herausgegeben 1910, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Hanschke, Ulrike (1992): Lustgärten der Renaissance im Weserraum. In: "... uns und unseren Nachkommen zu Ruhm und Ehre". Kunstwerke im Weserraum und ihre Auftraggeber, Materialien zur Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland, Band 6, Marburg, Seite 133 - 171.
  • Meier, Burkhard / Hesterbrink, Bernhard (1998): Lippische Residenzen. Schlösser und Burgen zwischen Teutoburger Wald und Weser. Lippischer Heimatbund (Hrsg.), Detmold, Seite 92 - 101.
  • Minardo, Tania / Seidemann, Ute (1999): Historische Parkanlage Lindenhaus Lemgo. Entwicklung eines freiraumplanerischen Gesamtkonzepts für die historische Parkanlage Lindenhaus in Lemgo unter Einbeziehung der denkmalpflegerischen Aspekte. Gesamthochschule Paderborn, Abt. Höxter, Diplomarbeit, Höxter.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 85 Minden. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 85, Bonn-Bad Godesberg.
  • Maoro, Ernst (1986): Schloss Brake in Lemgo. In: Burgen, Schlösser, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 151 - 154.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Wehrmann, Volker (zusammengestellt u. bearbeitet) (1985): Burgen, Schlösser, Herrensitze, Kirchen, Bauernhöfe, Bürgerhäuser in Lippe. Lippischer Heimatbund (Hrsg.), Detmold, Seite 42 - 47.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.2: Kreis Lippe. Zugleich CD-ROM, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00031
Erfassungsdatum: 30.09.1999
Kategorie: Schlossgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Karten
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1584 - 1592
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10034695


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2012: Schloss Brake
2012: Schloss Brake
2012: Schloss Brake
2012: Schloss Brake
2012: Schloss Brake
1896: Schloss Brake
1836: Schloss Brake