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Erpernburg, Büren
 

Die Schlossanlage Erpernburg besteht aus einem umfangreichen baulichen und gärtnerischen Gestaltungskomplex, der auf ein im 18. Jahrhundert entworfenes Gesamtkonzept zurückgeht. Das barocke Gestaltungskonzept der Schlossanlage ist im Wesentlichen trotz zahlreicher Eingriffe, Umgestaltungen und Erneuerungen erkennbar erhalten geblieben.

Externe ID: T-P363N403-20080725-0005
Erfassungsdatum: 25.07.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2008: Schloss Erpernburg

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Erpernburg in Büren-Brenken (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Privateigentum. Die Anlage ist nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Weserbergland am Rande der Paderborner Hochfläche; etwa 6 ­km­ nordöstlich von Büren oberhalb des Almetales; Größe etwa 10 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Das Adelsgeschlecht derer von und zu Brenken gehört mit zu den traditionsreichsten Familien in Ostwestfalen-Lippe. Bereits im 11. Jahrhundert fand das Stammgut an der Alme seine erste urkundliche Erwähnung. Im 14. und 15. Jahrhundert hatte die Familie großen Einfluss auf das wirtschaftliche und politische Leben im Fürstbistum Paderborn. Zu dieser Zeit waren sie im Besitz der Burgen von Büren, Wewelsburg, Wünnenberg, Fürstenberg sowie Calenberg und übten das Vogtrecht über das Kloster Böddeken aus. In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts verlagerte die Familie ihren Wohnsitz vom Talgrund auf die Höhe oberhalb des Nordhangs der Alme. Der alte Wohnsitz, die sogenannte Niederburg, ist heute als Ruine sichtbar. Der neue Herrensitz wurde im Dreißigjährigen Krieg und bei einem Brand im Jahre 1684 beschädigt. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wurde unter Ferdinand von Brenken und seiner Gattin Juliane von Westfalen mit dem Ausbau der heutigen Schlossanlage begonnen. Im 19. Jahrhundert wurde der Aufschwung der Brenkenschen Wirtschaft hauptsächlich durch Franz Josef von und zu Brenken eingeleitet. Zum umfangreichen Familienbesitz gehörten neben Erpernburg auch die Güter Vernaburg, Holthausen und Wewer. 1817 übernahm sein Sohn Friedrich Carl das Erbe und erweiterte das Besitztum zu einem landwirtschaftlichen Großbetrieb mit einer Ausdehnung von etwa 275 Hektar. Friedrich Carls ältester Sohn, Reinhard Freiherr von Brenken, nahm 1851 seinen Wohnsitz im Klostergut Holthausen und regelte von dort seine Geschäfte als Bürener Landrat. Das Adelsgeschlecht hat noch heute seinen Stammsitz auf Schloss Erpernburg.

Gebäude und Ausstattung:
Die Schlossanlage Erpernburg besteht aus einem umfangreichen baulichen und gärtnerischen Gestaltungskomplex, der auf ein im 18. Jahrhundert entworfenes Gesamtkonzept zurückgeht. Das barocke Gestaltungskonzept der Schlossanlage ist im Wesentlichen trotz zahlreicher Eingriffe, Umgestaltungen und Erneuerungen erkennbar erhalten geblieben. Das zweigeschossige, verputzte Herrenhaus mit Walmdach und vier an den Schmalseiten angefügten Turmvorbauten wurde zwischen 1712 bis 1723 errichtet und bis 1734 im Innern ausgestattet. In der zentralen Achse an der Gartenseite des Herrenhauses im Süden hat man von 1728 bis 1732 die Orangerie nach Plänen des Paderborner Baumeisters Daniel Gottlieb Schleich errichtet. 1833 bis 1834 erfolgte der Umbau der barocken Orangerie in einen klassizistischen Gartenpavillon. Das Herrenhaus wird nach Norden anstelle einer ehemaligen Vorburg von zwei eingeschossigen Nebengebäuden flankiert, von denen das westliche 1804 datiert ist. Östlich an den Vorplatz des Herrenhauses schließt sich der Wirtschaftshof mit verschiedenen Gebäuden aus dem 18. bis 20. Jahrhundert an. Bestandteile der Gesamtanlage sind eine barocke Johannes Nepomuk-Statue, eine barocke Marienstatue, die Loretokapelle von 1723 und das benachbarte Erbbegräbnis mit Grabplatten aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Aus dem 19. Jahrhundert stammen ein Gartenpavillon mit Zeltdach und vorgebauter offener Laube (heute VEW-Gebäude) und östlich des Terrassengartens die hölzerne Überdeckung einer Kegelbahn sowie ein Gärtnerhaus in den Bauformen eines zeittypischen "Schweizer Hauses".

Art der Grünanlage:
Historischer Barockgarten und Landschaftspark.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Südlich des Herrenhauses wurde zwischen 1723 bis 1732 ein zweistufig terrassierter Barockgarten angelegt. Auf der unteren Stützmauer hat man in der zentralen Achse ein als Orangerie genutztes barockes Lusthaus erbaut. Der Terrassengarten wurde in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts teilweise umgestaltet. Auf zwei Plänen aus den Jahren 1810 und 1816 wird die Disposition der gärtnerischen Anlagen deutlich. Zu dieser Zeit wurde das gesamte gärtnerische Umfeld der Schlossanlage nach den Plänen von Carl Friedrich von und zu Brenken landschaftlich umgestaltet. Angeregt durch verschiedene geistesgeschichtliche Zeitströmungen ließ er im südwestlichen Bereich der Schlossanlage am abfallenden Nordhang des Almetales einen Landschaftspark anlegen. Ein differenziertes Wegesystem führte innerhalb der Anlage zu unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise einer Loretokapelle, einer Nepomukstatue sowie zu verschiedenen Gartenskulpturen und Einzelbäumen mit besonderer Bedeutung. Die wahrscheinlich schon im 18. Jahrhunderet angepflanzten Alleen blieben erhalten und wurden in das landschaftliche Gestaltungskonzept mit einbezogen. Dabei handelte es sich an der Hauptzufahrt von Norden um eine vierreihige Ulmenallee, im Nordwesten die auf die Johannes-Nepomuk Statue zuführende und mit Buchen bepflanzte Johannesallee und parallel dazu die mit Buchen bepflanzte vierreihige Kapellenallee. In östliche Richtung erstreckten sich die Marienallee und in Verlängerung der Kapellenallee die ursprünglich mit Eschen bepflanzt Hubertusallee, durch die der weite Blick auf die Wewelsburg geführt wurde. Nordwestlich des Herrenhauses waren ein großzügiger, formaler Küchengarten, im südlichen Anschluss daran ein Baumhof und weiter nach Süden ein Hopfengarten angelegt. Im Osten des Herrenhauses lag der barocke Tiergarten, der im Zuge der landschaftlichen Gesamtplanung in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts schrittweise umgestaltet wurde. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts war die durch umfassende gartenkünstlerische Maßnahmen verschönerte Landschaft durch ein differenziertes Sichtachsensystem geprägt, das im Zusammenspiel mit den verschiedenen Parkbauten, Kreuzwegstationen und Heiligenhäuschen zu einer ästhetisch gesteigerten Wahrnehmung führte.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Die barocke Grundstruktur des gepflegten Terrassengartens ist heute noch gut erkennbar. Die obere Terrasse wird durch ein Wegekreuz gegliedert, in dessen Zentrum ein rundes Wasserbecken mit Figurenbrunnen steht. Im Westen der mit landschaftlichen Elementen umgestalteten unteren Terrasse hat man ein Schwimmbecken eingebaut. Die Alleen sind im wesentlichen noch vorhanden. Leider sind die Allee an der nördlichen Hauptzufahrt, die Marienallee in Nordosten und die parallel dazu verlaufende Hubertusallee durch den Bau der Autobahn zerschnitten worden. An der nördlichen Hauptallee hat man die ursprüngliche Bepflanzung mit Ulmen teilweise durch Linden, Ulmen und Blutbuchen ersetzt. Die Allee führte einst in Richtung Salzkotten bis zum etwa 4 km­ entfernten Gut Wulfstal. Unmittelbar am Schloss hat man die alten Buchen der ursprünglich vierreihigen Kapellenallee stark zurückgeschnitten. Von den alten Eschen der Hubertusallee sind nur noch wenige Exemplare vorhanden. Mehrere Sichtachsen und besonders der Blick zur Wewelsburg sind heute durch die Begleitpflanzung der A 44 zugewachsen. Der Landschaftspark im Südwesten der Gesamtanlage lässt sich heute nur noch anhand der Geländemodellierung und der teilweise zugewachsenen Wegen und Plätzen erkennen. Die Anlage wird forstwirtschaftlich genutzt. Der gepflegte, landschaftlich gestaltete ehemalige Tiergarten im Osten des Schlosses wird durch weite Wiesenflächen mit zahlreichen botanische Raritäten des 19. Jahrhunderts charakterisiert. Auf dem gärtnerisch gestalteten Schlossvorplatz akzentuieren mehrere kegelförmig geschnittene große Eiben die Hauptzufahrt zur Schlossanlage. Im Bereich des Küchengartens wird mit großem Aufwand ein Laubengang rekonstruiert. Auf dem Schlossgelände sind eine Sonnenuhr des 18. Jahrhunderts vom Schloss Vornhelm, mehrere barocke Skulpturen aus dem Garten von Haus Thüle und verschiedene Spolien vom zerstörten Brenkenschen Hof in Paderborn aufgestellt. Die Erpernburg gehört mit ihren durch den Eigentümer mit großem Engagement gepflegten gärtnerischen Anlagen zu den gut erhaltenen, repräsentativen Barockschlössern in Ostwestfalen-Lippe.

Abbildungen:
Weitere Abbildungen: Westfalia Picta, Band V, Seite 223 - 229.

Literaturangaben

  • Linten, Claudia Simone (1997): Orangerien in Westfalen. Europäische Hochschulschriften Reihe 28, Kunstgeschichte, Band 327. Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, Frankfurt/Main.
  • Mummenhoff, Karl Ernst (1981): 250 Jahre Erpernburg 1731-1981. Erpernburg.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalen-Lippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Band 3.4: Stadt Bielefeld, Kreis Herford, Kreis Paderborn. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4, Band1, Seite 79 - 101.
  • Maoro, Ernst (1986): Haus Erpernburg in Brenken. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 63 - 66.
Externe ID: LWL-GUP00148
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1723 - 1732
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10034387


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1999: Schloss Erpernburg
1999: Schloss Erpernburg
1999: Schloss Erpernburg
1999: Schloss Erpernburg
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1999: Schloss Erpernburg
2008: Schloss Erpernburg
1922: Schloss Erpernburg
Schloss Erpernburg
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Schloss Erpernburg
1894: Büren