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Kloster Dalheim, Lichtenau
 

Als Niederlassung von Augustinerinnen wurde das Kloster 1264 erstmals erwähnt. Überfälle und Brandschatzungen des benachbarten Landadels führten im 14. Jahrhundert zur Vertreibung der Nonnen und Abwanderung der Dorfbevölkerung. Ab 1429 erfolgte die Neubesetzung des Klosters durch Augustiner-Chorherren vom Kloster Böddecken. 1803 hatte die Säkularisation für das Kloster weitreichende Folgen. Kirche und Konventgebäude wurden zu reinen Nutzbauten eines landwirtschaftlichen Betriebes umfunktioniert. Nur im nördlichen Barockflügel wurde die Wohnung des Domänenpächters eingerichtet. Alles übrige waren Viehstallungen und Unterkünfte für Knechte und Mägde. 1835 zerstörte ein Feuer vor allem die südlichen und östlichen Teile der mittelalterlichen Gebäude. Von beiden Flügeln wurde anschließend nur noch das Erdgeschoss wiederhergestellt. 1952 kam die Domäne in Privatbesitz. Seit 1963 sind erste Restaurierungen besonders in der Kirche vorgenommen worden. 1979 hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das ehemalige Kloster erworben und dort ein Museum für sakrale Kunst mit Abgüssen westfälischer Großplastik eingerichtet. Seit 2007 beherbergt es mit "Stiftung Kloster Dalheim, LWL-Landesmuseum für Klosterkultur" ein in Deutschland einzigartiges Museum für klösterliche Kulturgeschichte.

Externe ID: T-P363N403-20080318-0001
Erfassungsdatum: 18.03.2008
Kategorie: Religion
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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1999: Kloster Dalheim

Zugehörige Objekte

Klosteranlage Dalheim (Kulturlandschaft)

 

­Eigentümer und Zugänglichkeit:
Landschaftsverband Westfalen-Lippe, 48133 Münster. Die gesamte Klosteranlage ist bis auf den Hohen/Langen Garten und das ehemalige Parterre zum Ehrenhof öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Paderborner Hochfläche, am östlichen Rand eines ausgedehnten Waldgebietes westlich des Eggegebirges. Die von einer hohen Mauer umgebene ehemalige Klosteranlage ist 8,5 Hektar groß.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Als Niederlassung von Augustinerinnen wurde das Kloster 1264 erstmals erwähnt. Überfälle und Brandschatzungen des benachbarten Landadels führten im 14. Jahrhundert zur Vertreibung der Nonnen und Abwanderung der Dorfbevölkerung. Ab 1429 erfolgte die Neubesetzung des Klosters durch Augustiner-Chorherren vom Kloster Böddecken.

1803 hatte die Säkularisation für das Kloster weitreichende Folgen. Kirche und Konventgebäude wurden zu reinen Nutzbauten eines landwirtschaftlichen Betriebes umfunktioniert. Nur im nördlichen Barockflügel wurde die Wohnung des Domänepächters eingerichtet. Alles übrige waren Viehstallungen und Unterkünfte für Knechte und Mägde. 1835 zerstörte ein Feuer vor allem die südlichen und östlichen Teile der mittelalterlichen Gebäude. Von beiden Flügeln wurde anschließend nur noch das Erdgeschoss wiederhergestellt. 1952 kam die Domäne in Privatbesitz. Seit 1963 sind erste Restaurierungen besonders in der Kirche vorgenommen worden. 1979 hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das ehemalige Kloster erworben und dort ein Museum für sakrale Kunst mit Abgüssen westfälischer Großplastik eingerichtet.

Gebäude und Ausstattung:
Während der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden die spätgotische Klosterkirche und ein vierflügeliger Konventbau mit Kreuzgang errichtet. Im späten 17. und vor allem im 18. Jahrhundert wurde das mittelalterliche Kloster umfassend barockisiert. Unter dem Prior Bartholdus Schonlau entstanden zwischen 1708 bis 1730 insgesamt 23 neue Konvent- und Gutsgebäude. An die schon bestehenden Konventbauten wurden als Nordflügel die Propstei und als Südflügel ein Gästehaus angebaut.

Art der Grünanlage:
Historische Klostergartenanlage mit Elementen des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Im Rahmen barocker Umgestaltung des Klosters entstand die aufwendige Gartenanlage. Der Idealzustand dieser barocken Gesamtanlage ist auf einem nach 1737 entstandenen Gemälde für den Prior Bartoldus Schonlau dargestellt. Die Gärten waren auf die Achsen der Gebäude bezogen und ergaben somit eine ausgewogene Gesamtarchitektur. Im Norden befanden sich die Gärten der Ökonomiegebäude, im Osten ein größerer Fischteich und die Bleichwiese. Im Süden und Westen schlossen sich die repräsentativen Gärten von Prälatur- und Konventgebäude an. Der Lust- oder Konventgarten im Süden war durch eine vierteilige Terrassenanlage gegliedert, die von einem hohen Heckengang umpflanzt war. Die oberste Terrasse bestand aus einer mit Obstbäumen bepflanzten Rasenfläche. Das Mittelstück war in vier mit halbhohen Hecken eingefasste Parterres unterteilt. Im Mittelpunkt befand sich ein runder Brunnen. Die dritte Terrasse war vermutlich ebenfalls mit Obstbäumen bepflanzt. Auf der untersten Terrasse befand sich ein großes Wasserbecken mit Fontäne. Optisch in den Lustgarten eingebunden waren auch zwei Fischteiche. Zwischen dem Lustgarten und dem Langen Garten befand sich vor dem Ehrenhof der barocken Konventgebäude ein in sich abgeschlossener Gartenbereich mit vier Broderieparterres. Der Zugang war durch ein aufwendig gestaltetes Gartenportal hervorgehoben. Ein Mittelweg führte direkt in der Achse über eine Treppe zum zweiten Gartentor und von hier zum Haupteingang des Westflügels. Der "Lange Garten" oder "Prälatengarten" befindet sich im Westen der Anlage auf einer höher gelegenen Terrasse, die zwischen der äußeren Klostermauer und einer Stützmauer verläuft. Der Garten wird nach Norden durch die ehemalige Orangerie begrenzt. Einen besonderen Akzent bildet das in die Klostermauer integrierte kleine Gartenhaus, in das eine Uhr eingebaut wurde. Ursprünglich waren die einzelnen, musterförmig angelegten Beete mit verschiedenen Zier-, Kräuter- und Gemüsegewächsen bepflanzt und die Eckpunkte durch pyramidal geschnittene Formbäume betont. Entlang der Stützmauer wurden im Sommer die Orangeriepflanzen aufgestellt.

Mit in die gärtnerische Gestaltung einbezogen war der vom Kreuzgang umschlossene Kreuzhof oder sogenannte Blumengarten mit vier Karrees. Bemerkenswert ist außerhalb des Klosters der Eichhof oder Eichkamp. Die inzwischen einige hundert Jahre alten Eichen erfüllten mehrere Funktionen. Sie dienten zur hochwertigen Holzgewinnung, als Wetterschutz vor den häufig kalten Westwinden und letztendlich zur Eichelmast der Schweine.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Die Topographie der ehemaligen barocken Gartenanlage ist heute noch gut zu erkennen. Die Stützmauer zum Langen Garten, das Uhrenhaus, das Tor sowie die Orangerie (heute Gaststätte) sind erhalten.

Der Lange Garten wurde von den Bewohnern als Privatgarten genutzt, er weist die typischen Elemente zeitgenössischer Gartengestaltung auf, historische Elemente sind nicht mehr vorhanden. Die ehemaligen Gartenflächen auf der Südseite der Gebäude sind mit Gras eingesät und wurden teilweise als Weide genutzt. Besonders störend ist hier das in den 1970er Jahren auf der mittleren Terrasse errichtete Gebäude der freiwilligen Feuerwehr.

Das vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 1979 erworbene ehemalige Kloster wird seit 2007 in ein deutschlandweit einzigartiges Museum für klösterliche Kulturgeschichte (seit 2007) umgestaltet. Auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie zu Kloster Dalheim erklärte sich das Land Nordrhein-Westfalen 2004 bereit, das Projekt „Museum für Klosterkultur“ im Rahmen des Stadterneuerungsprogramms im Hinblick auf die erste Ausbaustufe mit 6,2 Millionen Euro zu unterstützen; die geschätzten Gesamtbaukosten betragen 30 Millionen Euro. Zusätzlich unterstützte es die Wiederherstellung des Konventgartens südlich der ehemaligen Klostergebäude.
Eine archäologische Grabung zeigte, dass sich unter der Oberfläche tatsächlich eine Vielzahl von Relikten der ehemals vorhandenen Wege, Stützmauern, Treppen und Brunnen des Konventgartens erhalten hatten und es bestätigte sich, dass die Vedute den zeitgenössischen Zustand der Anlage nicht nur sehr detailliert, sondern auch mit außergewöhnlicher Realitätstreue wiedergab.
Da die ehemalige Klosteranlage unter Denkmalschutz steht, entschied im Frühjahr 2004 ein wissenschaftliches Kolloquium für den Konventbereich, dass eine Instandsetzung der ergrabenen Elemente des Gartens und eine behutsame moderne Ergänzung vor allem der raumbildenden Strukturen stattfinden sollte. Im Jahr 2005 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. In der über 2 m­­­ hohen, ohne Mörtel aufgesetzten Stützmauer kann man neue und alte Mauerteile entdecken. Letztere haben etwa 200 Jahre schadlos unter der Erde überdauert. Die behutsame und sich an den historischen Vorbildern orientierende Instandsetzung des Konventgartens vermittelt den Besuchern nun wieder einen Eindruck von der Gartengeschichte des Klosters. Die Besucherresonanz zeigt, dass mit der Wiederherstellung des Konventgartens die Attraktivität des LWL-Landesmuseums deutlich gesteigert werden konnte.
Der Lange Garten des Prälaten, der sich hinter einer hohen Mauer (Hoher Garten) an der Westseite des Wirtschaftshofes befindet, erhöht die Gartenvielfalt zusätzlich.
Die erste Außenskulptur des zu den Top Ten der zeitgenössischen Kunst gehörenden Malers und Bildhauers Georg Baselitz, 2009 im Konventgarten des ehemaligen Klosters aufgestellt, ist Bestandteil der Rauminszenierungen innerhalb der „Garten_Landschaft OstWestfalenLippe“.

Aufgrund ihrer Bedeutung für die "Geschichte der Gartenkunst" wurden die Gartenanlage "Kloster Dalheim" 2008 in das Europäische Gartennetzwerk (EGHN) aufgenommen.

Weitere Abbildungen:
Westfalia Picta, Band 5, S. 317 bis 319

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Quellenangaben

  • Stiftung Schloss Dyck, Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur (Hrsg.) (2012): http://www.eghn.org/dalheim-prolog. Zuletzt aufgerufen 02.03.2012, Jüchen.
  • Beinert, Astrid / Ottensmeier, Manfred (1990): Das Kloster Dalheim. Fachhochschule Osnabrück, Diplomarbeit, Osnabrück.
  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25.000 - Neuaufnahme (1894): Blatt 4419, Kleinenberg. Herausgegeben 1894 Berlin, Neuherausgegeben von der Bezirksregierung Köln, Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Balzer, Manfred (1990): Kloster Dalheim. Kurzführer. Münster.
  • Pieper, Roland (2000): Dalheim. Pfarrort - Kloster - Staatsdomäne. Münster, 1. Auflage.
  • Mette, Michael (1993): Studien zu barocken Klosteranlagen in Westfalen. Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Band 25. Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1988, Bonn.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 176 - 180.
  • Wolkers, Ursula (1980): Kloster Dalheim bleibt der Nachwelt erhalten. In: Die Warte 27/1980, Paderborn, Seite 23 - 26.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalen-Lippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Band 3.4: Stadt Bielefeld, Kreis Herford, Kreis Paderborn. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Müller, Manfred (1998): Dalheim - Wiedererweckung einer regionalen kulturellen Kraft. In: Die Warte 98/1998, Paderborn, Seite 6.
Externe ID: LWL-GUP00091
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Klostergarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • Archäologische Grabung
  • Archivauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Touristische Bedeutung: sehr hoch - ist eine Reise wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1708 - 1730
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033742


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2008: Kloster Dalheim
2008: Kloster Dalheim
2008: Kloster Dalheim
2007: Kloster Dalheim
2006: Kloster Dalheim
1897: Lichtenau
Kloster Dalheim

Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur (Museen)

 

Mittelalterliches Frauenkloster, Augustiner Chorherrenstift, barocke Blütezeit, Preußische Staatsdomäne, Gutshof - Nach 550 Jahren bewegter Vergangenheit ist das Kloster Dalheim in eine neue Epoche seiner Geschichte eingetreten. Seit 2007 beherbergt es ein in Deutschland einzigartiges Museum für klösterliche Kulturgeschichte. Bedeutsame und wertvolle Exponate finden ihren Platz in der fast vollständig erhaltenen Klosteranlage, die sich bis heute ihre beeindruckende Kraft und Ruhe bewahrt hat. Mit seinen gotischen Kreuzgängen, üppigen Gärten und den neu gestalteten Ausstellungsräumen lädt das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur ein, die faszinierende Fülle klösterlicher Kultur zu entdecken. Und dazu gehören nicht nur "Ora et labora" (lat.: Bete und arbeite), sondern auch Musik und Theater, Essen und Trinken, bedeutende Kunstschätze, Bau-, Buch- und Gartenkunst.

Auf den Spuren der Dalheimer Geschichte gewinnen Besucherinnen und Besucher einen außergewöhnlich lebendigen Eindruck von dem, was klösterliches Leben über die Jahrhunderte hinweg bedeutet hat. Und auch davon, warum es für uns heute so wichtig ist.

 

  • Der LWL erwarb die Klosteranlage bereits 1979 und setzte sie behutsam instand.
  • 2003 fiel die Entscheidung zur Einrichtung des Dalheimer Landesmuseums für Klosterkultur durch den LWL
  • 2005 wurde der Grundstein gelegt
  • im Frühjahr 2007 der erste Bauabschnitt übergeben.

Mehr dazu im Internet unter www.kloster-dalheim.de

Externe ID: A-P363N403-20080319-0001
Erfassungsdatum: 19.03.2008
Kategorie: Spezialmuseum (Schloss, Schatzkammer, einer Person gewidmet etc.)
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Fernerkundung
Touristische Bedeutung: sehr hoch - ist eine Reise wert
Naturnähe: künstlich
Historischer Zeitraum: ab 1979
Datenherkunft: LWL-Museen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033728


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