Für die Menschen, für Westfalen-Lippe Signet: LWL-GeodatenKultur
Benutzername:  
Passwort:  
Trennlinie; Beginn des Seitenfußes
  Start     Karte     Suche     Auswahlliste     Objektansicht     Hilfe  
Schloss Gehrden, Brakel
 

Das Kloster Gehrden ist eine ehemalige Benediktinerinnenabtei in Brakel-Gehrden im Kreis Höxter. Bereits 1142 wurde das Benediktinerinnen-Kloster von der Iburg bei Bad Driburg nach Gehrden verlegt. Die ehemalige Klosterkirche (12. und frühes 13. Jahrhundert) ist das einzige noch erhaltene Gebäude dieser Zeit, da die Klostergebäude im 17. Jahrhundert durch modernere Bauten ersetzt wurden. Sie besitzt das größte historische Glockengeläut Westfalens. Im Zuge der Säkularisation verließen die Benediktinerinnen 1810 das Kloster, das zu einem weltlichen Schloss mit barockem Park ausgebaut wurde. Mitte der 1960er Jahre ging die Anlage ins Eigentum des Erzbistums Paderborn über, das seitdem im ehemaligen Kloster ein Familienbildungswerk eingerichtet hat.

Externe ID: T-P363N403-20080317-0002
Erfassungsdatum: 17.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



In Karte anzeigen

2008: Schloss Gehrden

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Gehrden, Brakel (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Erzbistum Paderborn, Domplatz 3, 33098 Paderborn. Die Außenanlagen sind öffentlich zugänglich.
­
Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Weserbergland/Oberwälder Land, am südlichen Ortsrand. Di­e Fläche des Landschaftsparks ist etwa 2 Hektar groß.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Bereits 1142 wurde das Benediktinerinnen-Kloster von der Iburg bei Bad Driburg nach Gehrden verlegt. Aus den nachfolgenden Jahrzehnten des 12. und frühen 13. Jahrhunderts stammt die romanische Klosterkirche. Zu dieser Zeit war das Kloster schon von einer hohen Mauer umgeben, die sich bis heute noch in weiten Bereichen erhalten hat. Während der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgte der barocke Umbau des Klosters.

Im Zuge der Säkularisation wurden die Nonnen im Jahre 1810 aufgefordert, das Kloster zu verlassen. Noch im gleichen Jahr erwarb Graf Bocholtz zu Niesen das Kloster. Er ließ einen Teil der Konventgebäude abreißen, die verbliebenen zwei Gebäudeflügel umbauen und die beiden imponierenden Wappenlöwen auf den Torpfeilern an der Hauptzufahrt aufstellen. Der westfälische Adelige war als Großzeremonienmeister am Hofe von König Jérôme, dem jüngsten Bruder Napoleons, beschäftigt und stellte dem "König von Westfalen" das einstige Kloster als Sommerresidenz für ausschweifende Festlichkeiten zur Verfügung. Seit dieser Zeit spricht man nicht mehr vom Kloster, sondern vom Schloss Gehrden.

Schon 1826 wurde das Klostergut von Caspar Heinrich Graf von Sierstorpff, dem Begründer der Bad Driburger Kuranlagen, aufgekauft.

Bis 1933 blieben das Schloss, die Gutsgebäude und der inzwischen stark verwilderte Park im Besitz der Familie. Im nordöstlichen Bereich errichtete man 1952 ein Schulgebäude mit einem großen Pausenhof. Gegen Ende des Jahrzehnts erwarb ein Privatmann das Schloss und baute es zu einem Gästehaus für die Familienerholung um. Mitte der 1960er Jahre ging die Anlage ins Eigentum des Erzbistums Paderborn über, das seitdem im ehemaligen Kloster ein Familienbildungswerk eingerichtet hat.

Gebäude und Ausstattung:
Von dem ausgedehnten Ensemble des mittelalterlichen und barocken Klosters haben sich noch die Kirche und im Südwesten zwei schlichte Gebäudeflügel mit den Resten eines Kreuzganges erhalten. Die ehem. Klosterkirche (Baubeginn Mitte 12. Jahrhundert., Umbau 1667) besticht durch ihre Gesamterscheinung bei der sich romanische Architektur mit der barocken Ausstattung und Glasfenstern des späten Jugendstils verbinden. Einzigartig ist die im 13. Jahrhundert mit einem kunstvollen Eisenbeschlag verzierte Nordtür der Kirche.

Das klassizistische Schlossgebäude entstand durch Umbauten zweier Flügel des 17. Jahrhunderts um 1816. Bemerkenswert ist eine Immaculata-Statue des 18. Jahrhunderts im Hof sowie das klassizistische Tor mit imponierenden Wappenlöwen.

Art der Grünanlage:
Historischer Schlosspark.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Im Gegensatz zu anderen Klosteranlagen der Region legten die Benediktinerinnen keinen repräsentativen Barockgarten an, sondern bewirtschafteten bis zur Säkularisierung die seit dem Mittelalter vorhandenen Nutzgärten.

Zum Beginn des 19. Jahrhunderts entstand an der Stelle des klösterlichen Baum- und Bleichegartens im Norden des Schlosses ein fast zwei Hektar großer Landschaftspark. Im Mittelpunkt des leicht modellierten Geländes hatte man damals einen kleinen Teich mit einer benachbarten Grotte angelegt. Unmittelbar neben die Grotte pflanzte man eine Ulme. Ebenso wie die alte Bergulme stammen die großen Solitärbäume, von denen besonders eine Hängebuche, eine Blutbuche und ein mächtiger Bergahorn auffallen, aus der landschaftlichen Gestaltungsphase des Parks. Wahrscheinlich wurden zur damaligen Zeit auch die beiden großen Steinvasen im Park aufgestellt.

Ob die nachfolgenden Erben der Familie von Oeynhausen-Sierstorpff weitere Umgestaltungen im Park vorgenommen haben, ist bisher nicht bekannt.

Nach der zwischenzeitlichen Nutzung als Grabeland wurde der Schlosspark vor allem in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts verändert. In diesem Zeitraum wird im Hofbereich nach barocken Vorbildern ein großes Rasenparterre mit einer Marienstatue im Zentrum angelegt und der Schlosspark sowie die weitläufigen Freiflächen um die Kirche neu gestaltet.

Aus der Frühzeit des Klosters hat sich mit der eindrucksvollen "Zwölf-Apostellinde" ein außergewöhnliches Denkmal erhalten. Nach überlieferten Aussagen wurde die mächtige Sommerlinde vor mehr als 800 Jahren von den Nonnen gepflanzt. Sie setzten symbolisch für die 12 Apostel die gleiche Anzahl junger Bäume so eng aneinander, dass sich daraus ein einzelner Baum bilden konnte. Heute hat die Linde einen Stammumfang von etwa 8 Metern und einen Kronendurchmesser von mehr als 30 Metern. Von den einstmals 12 Einzelstämmen haben sich im Laufe der Jahrhunderte noch 11 erhalten können.

1956 wurde die Fläche um die neu errichtete Schule sowie die "Zwölf-Apostellinde" als öffentliche Grünfläche gestaltet. Als letzte Ergänzung wurde nördlich der Kirche ein Dorfweiher und Gedenkstein errichtet.

Heutiger Zustand / Nutzung:
In einigen Bereichen prägt die Gestaltung der 1960er Jahre bis heute den Außenbereich. In Zukunft wäre es vorteilhafter, wenn die historisch gewachsene Gartensubstanz besser zur Geltung käme.

Weitere Abbildungen: Westfalia Picta V S. 179-183

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 4320, Willebadessen. Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.1: Kreis Höxter. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Pöppel, Diether (1992): Vor 850 Jahren - Klostergründung in Gehrden. In: Die Warte 73/1992, Paderborn, Seite 32 - 33.
  • Hoffjann, Dietmar (1996): Klostergarten-Schlosspark - Der Park als Kulturspiegel. Universität/Gesamthochschule Paderborn, Abteilung Höxter : Diplomarbeit, Höxter.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 98 Detmold. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 98, Bonn-Bad Godesberg.
  • Häser, Andrea (1996): Schlosspark Gehrden - Gestaltung, Pflege und Entwicklungskonzept. Universität/Gesamthochschule Paderborn, Abteilung Höxter: Diplomarbeit, Höxter.
  • Mette, Michael (1993): Studien zu barocken Klosteranlagen in Westfalen. Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Band 25. Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1988, Bonn.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 204 - 207.
  • Großmann, Ulrich (1984): Östliches Westfalen. DuMont-Kunst-Reiseführer, Köln, 2. durchgesehene Aufl., Seite 206 - 207.
  • Schröder, Markus (1986): Schloss Gehrden in Brakel. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 60 - 62.
Externe ID: LWL-GUP00150
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Archivauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1142
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033672


In Karte anzeigen

2009: Schlosspark Gehrden
2008: Schlosspark Gehrden
2008: Schloss Gehrden, Klostertor
1998: Schlosspark Gehrden
1934: Schlosspark Gehrden
Schloss Gehrden
1896: Brakel