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Gräflicher Park Bad Driburg
 

Das Gräfliche Kurbad Driburg mit seinem Kurpark zählt zu den besonders attraktiven und intensiv gepflegten Anlagen in Ostwestfalen-Lippe und befindet sich seit 1781 im Besitz der Familie von Sierstorpff. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten sind aus der Verbindung von traditioneller Bestandspflege, zeitgenössischen Gestaltungsmerkmalen und modernen Nutzungserfordernissen bemerkenswerte gärtnerische Anlagen entstanden. Die erste Nennung der Mineralquelle erfolgte schon 1593. Ferdinand von Fürstenberg, der wohl bedeutendste barocke Fürstbischof von Paderborn, ließ um 1665 die Hauptquelle in ein Holzbecken fassen. Bereits um 1730 ermöglichte die hervorragende Qualität des Driburger Mineralwassers den Flaschenversand bis nach Stockholm und London. 1743 entstanden über dem Brunnen ein nach allen Seiten geöffneter Pavillon sowie in unmittelbarer Nähe ein Packhaus zum Versand des Wassers. 1777 wurde ein erstes Badehaus erbaut. Ab 1781 erwarb Caspar Heinrich von Sierstorpff den Brunnen und das benachbarte Driburger Landgut der Familie von der Lippe und begann mit dem systematischen Ausbau der baulichen und gärtnerischen Kuranlagen. 

Externe ID: T-P363N403-20080314-0006
Erfassungsdatum: 14.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2010: Gräflicher Park Bad Driburg

Zugehöriges Objekt

Gräflicher Park Bad Driburg (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, Brunnenallee 1, 33014 Bad Driburg. Die Parkanlagen sind ganzjährig öffentlich zugänglich, teilweise Eintrittsgebühr.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Bad Driburg liegt am östlichen Rand des Eggegebirges im Bereich des Weserberglandes. Die Kuranlagen liegen etwa 800 m­­ östlich des Ortskerns. Die Größe der gesamten Kuranlagen beträgt etwa 60 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Seit mehr als 200 Jahren befindet sich das Gräfliche Kurbad Driburg im Familienbesitz. Der zum Bistum Paderborn gehörige Ort erlangte gegen Ende des 18. Jahrhunderts große Bedeutung als Kurort für die gehobenen Schichten.

Die erste Nennung der etwa 2 ­km­ vom Stadtkern entfernten Mineralquelle erfolgte schon 1593. Ferdinand von Fürstenberg, der wohl bedeutendste barocke Fürstbischof von Paderborn, ließ um 1665 die Hauptquelle in ein Holzbecken fassen. Bereits um 1730 ermöglichte die hervorragende Qualität des Driburger Mineralwassers den Flaschenversand bis nach Stockholm und London. 1743 entstanden über dem Brunnen ein nach allen Seiten geöffneter Pavillon sowie in unmittelbarer Nähe ein Packhaus zum Versand des Wassers. 1777 wurde ein erstes Badehaus erbaut. Ab 1781 erwarb Caspar Heinrich von Sierstorpff den Brunnen und das benachbarte Driburger Landgut der Familie von der Lippe und begann mit dem systematischen Ausbau der baulichen und gärtnerischen Kuranlagen.

Gebäude und Ausstattung:
Bis zum frühen 19. Jahrhundert hatte von Sierstorpff viele Grundstücke in der Umgebung des Brunnens erworben. Bis 1820 erfolgte die Errichtung von Bade- und Gästehäusern, überwiegend Fachwerkgebäude sowie 1822 der Bau der Brunnenhalle als Endpunkt der barocken Achse im klassizistischen Stil.

Die Mehrzahl der Bauten hat sich bis heute in ihrer Grundkonzeption erhalten, wenn auch viele Gebäude erneuert, im Innern verändert oder ergänzt worden sind.

Art der Grünanlage:
Historischer Kurpark und Kurwald mit Gestaltungselementen vom späten 18. bis ins 20. Jahrhundert.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Als erste gartenbauliche Maßnahme erfolgte 1669 die Anpflanzung einer doppelreihigen Allee zum Brunnen. Zum Beginn des 18. Jahrhunderts wurde diese Allee nach Westen bis zum Ort hin verlängert und mit Kastanien, Linden und Eichen ergänzt. Im rechten Winkel zur westlichen Allee pflanzte man in südlicher Richtung eine zweite Allee zur Landstraße nach Brakel hin. Beide auf die Hauptquelle zulaufenden Alleen bestimmen noch heute die Grundstruktur des gräflichen Parks. Mit dem Erwerb des Brunnens durch C. H. von Sierstorpff beginnt die entscheidende Gestaltungsphase der gärtnerischen Anlagen. Er lernte durch verwandtschaftliche Beziehungen zu den Adelshäusern von Hannover und Braunschweig die dort gerade neu entstandenen Landschaftsgärten kennen. Reisen nach Italien und besonders nach England erweiterten sein Wissen, das er in dem idyllischen Landstädtchen Driburg entsprechend umsetzte. Der erste landschaftlich gestaltete Parkteil entstand westlich des Hauptbrunnens im Bereich der heutigen Trinkhalle. Besonders auffällig war die abschnittsweise Gestaltung der südlichen Allee mit lombardischen Pappeln. Die zeitgenössische Gartentheorie forderte neben der Verwendung ausgewählter Pflanzen auch die Einbeziehung der Landschaft in die Gestaltung von Gärten und Parks. In Driburg diente besonders die landwirtschaftlich genutzte Umgebung als Stimmungsträger. Weite Ausblicke auf die Hügel des umliegenden Eggegebirges hoben bewusst die Grenzen zwischen den gärtnerisch gestalteten Anlagen und der umgebenden Landschaft auf. Besonders vom damals noch nicht bewaldeten Rosenberg aus reichte der Blick über die Kuranlagen und das Driburger Tal bis hinauf auf die gegenüberliegende Höhe mit der Ruine der Iburg.

Um 1860 bekommt Driburg einen Anschluss an die Eisenbahn. Die Trassenführung führte zu erheblichen Eingriffen in den westlichen Bereich des Areals und zerteilte die Allee in Richtung Stadt hin. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Park nach Süden in Richtung Brakeler Landstraße vergrößert. Die landschaftliche Parkerweiterung ist durch weit geschwungene Wege, große Rasenflächen mit eindrucksvollen Solitärbäumen und an der tiefsten Stelle durch einen Teich mit Fontäne gekennzeichnet. Der kleine Gartentempel am Teich und die unterschiedlich gestalteten Gartenbrücken sind historischen Vorbildern nachempfunden. Der älteste Parkteil im Bereich des Hauptbrunnens wird in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts unter Beibelassung des alten Baumbestandes umgestaltet. Zur gleichen Zeit werden auch der Rosengarten und der Bereich um die Orchestermuschel gestaltet. Nördlich der Trinkhalle ist zu Beginn der 90er Jahre ein moderner, formaler Heckengarten angelegt worden, in dessen Zentrum ein beweglicher Brunnen der englischen Bildhauerin Angela Conner steht.

Seit 2009 ist der gräfliche Park um eine Attraktion reicher: Der international renomierte Gartenarchitekt Piet Oudolf hat einen Stauden- und Gräsergarten angelegt, der wie ein blühender Fluss durch den Landschaftspark mäandriert.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Der Gräfliche Park zählt zu den besonders attraktiven und intensiv gepflegten Anlagen in Ostwestfalen-Lippe. Aus der Verbindung von traditioneller Bestandspflege, zeitgenössischen Gestaltungsmerkmalen und modernen Nutzungserfordernissen sind über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten gärtnerische Anlagen entstanden, die von Kurgästen, Besuchern und Einwohnern des Ortes genutzt werden.

Der Rang des Parkes verdeutlicht auch die Auszeichnung von Ramona Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff 2001 mit dem goldenen Lindenblatt durch die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) und die Aufnahme als Ankergarten in das Europäische Gartennetzwerk - EGHN.

Weitere Abbildungen:
Westfalia Picta, Band V Seiten 32 bis 33, 60 bis 88 .

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 4220, Bad Driburg (Driburg). Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.
  • Stiftung Schloss Dyck, Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur (2012): http://www.eghn.org/baddriburg-prolog. Zuletzt aufgerufen 02.03.2012, Jüchen.

Literaturangaben

  • Bonk, Peter (1981): Privat-Heilbad Bad Driburg. 200 Jahre in Familienbesitz, 1781 - 1981. Bad Driburg.
  • Kaspar, Fred (1993): Brunnenkur und Sommerlust - Gesundbrunnen und Kleinbäder in Westfalen. Bielefeld.
  • Bothe, Rolf (1984): Kurstädte in Deutschland - zur Geschichte einer Baugattung. Berlin, Seite 299 - 312, Seite 299 - 312.
  • Krosigk, Klaus von (1978): Gesundbrunnen und Heilbäder im 17. und 18. Jahrhundert. In: Das Gartenamt 3/1978, Hannover, Berlin, Seite 135.
  • Pöppel, Diether (1997): Paderborner Fürstbischöfe. Gründer der "Stadt Driburg" und Förderer des "Bades". In: Jahrbuch Kreis Höxter 1997, Höxter, Seite 195 - 204.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.1: Kreis Höxter. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Oeynhausen-Sierstorpff, Ramona von (Hrsg.) (1998): Das gräfliche Kurbad Driburg. Stuttgart.
Externe ID: LWL-GUP00101
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Kurpark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Fotos
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Literaturauswertung
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: sehr hoch - ist eine Reise wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1669
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033630


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2010: Gräflicher Park Bad Driburg
2010: Gräflicher Park Bad Driburg
2008: Gräflicher Park Bad Driburg
2005: Gräflicher Park Bad Driburg
2001: Gräflicher Park Bad Driburg
1896: Bad Driburg
1806: Kurpark