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Amtshaus Reckenberg, Rheda-Wiedenbrück
 

Am Emsübergang eines Hellwegs von Soest nach Minden entstand zu karolingischer Zeit eine Missionsstation, die dem Osnabrücker Bischof zugewiesen war. 1250 wird erstmalig eine Burg auf dem Reckenberg in der Ortschaft Wiedenbrück erwähnt, die in den folgenden Jahrhunderten zu einer massiven Festung ausgebaut wurde. Diese Festung wurde nach langer Belagerung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg 1647 gründlich zerstört, aber bis 1664 unter Errichtung einer Umflut erneuert. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wird das alte Amtshaus abgerissen und zwischen 1726 und 1735 ein neues, heute noch vorhandenes Amtshaus für das Amt Reckenberg errichtet. Nach kurzfristigen Territorialwechseln zwischen 1802 und 1816 vereinigte Preußen das Amt Reckenberg sowie die angrenzende Grafschaft Rietberg und Herrschaft Rheda zum Kreis Wiedenbrück. Die Wirtschaftsgebäude wurden veräußert, das Amtshaus wird Sitz des Landrates des Kreises Wiedenbrück, blieb dies bis zur Kreisreform 1972 und ist heute noch Teil der Verwaltung des Kreises Gütersloh.

Externe ID: T-P363N403-20080313-0003
Erfassungsdatum: 13.03.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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1999: Amtshaus Reckenberg

Zugehöriges Objekt

Garten Amtshaus Reckenberg (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Kreis Gütersloh, die Anlagen sind öffentlich zugänglich. Adresse: Wasserstraße 14, 33378 Rheda-Wiedenbrück.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
An der durch die Ems gekennzeichneten Grenze zwischen Kernmünsterland und Ostmünsterland auf einer leichten Anhöhe nördlich der Ems am südöstlichen Rand des mittelalterlichen Stadtkerns von Wiedenbrück, Größe etwa 6 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Am Emsübergang eines Hellwegs von Soest nach Minden entstand zu karolingischer Zeit eine Missionsstation, die dem Osnabrücker Bischof zugewiesen war. Sie war die Keimzelle eines bischöflich-osnabrücker Territoriums an der oberen Ems, welches vom übrigen Bistumsgebiet bis zu seiner Auflösung 1818 räumlich getrennt blieb.

1250 wird erstmalig eine Burg auf dem Reckenberg in der Ortschaft Wiedenbrück erwähnt, die in den folgenden Jahrhunderten zu einer massiven Festung ausgebaut wurde. Diese Festung wurde nach langer Belagerung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg 1647 gründlich zerstört, aber bis 1664 unter Errichtung einer Umflut erneuert.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wird das alte Amtshaus abgerissen und zwischen 1726 und 1735 ein neues, heute noch vorhandenes Amthaus für das Amt Reckenberg errichtet. Nach kurzfristigen Territorialwechseln zwischen 1802 und 1816 vereinigte Preußen das Amt Reckenberg sowie die angrenzende Grafschaft Rietberg und Herrschaft Rheda zum Kreis Wiedenbrück. Die Wirtschaftsgebäude wurden veräußert, das Amtshaus wird Sitz des Landrates des Kreises Wiedenbrück, blieb dies bis zur Kreisreform 1972 und ist heute noch Teil der Verwaltung des Kreises Gütersloh.

Die Wirtschaftsgebäude wurden nach Rückkauf des gesamten Geländes durch den Kreis 1899 abgebrochen.

Gebäude und Ausstattung:
Der Reckenberg stellt heute ein architektonisch interessantes Ensemble von Verwaltungsbauten verschiedener Epochen dar.

Erhalten ist das barocke Amtshaus, ein zweigeschossiger Putzbau auf Sockel mit Walmdach und neun Fensterachsen jeweils zur Hof- und Gartenseite mit Portalen und Freitreppen in der Gebäudemitte der Längsseiten (gartenseitige Freitreppe nicht mehr vorhanden). Dazu gehört in axialer Ausrichtung eine 1732 gebaute Torbrücke}.

Erste Erweiterungen für Verwaltungszwecke erfolgten in den Jahren 1901 - 1902, 1910 und 1912 - 1913 mit drei Gebäuden im neobarocken Stil, die dem Hof heute den Charakter eines barocken Ehrenhofes geben. 1957 wurde an dem Altbau ein Atriumsbau mit Sitzungssaal und ein viergeschossiges Verwaltungsgebäude angegliedert, im ehemaligen Park wurde eine Dienstvilla für den Oberkreisdirektor errichtet. 1962 wurde räumlich abgesetzt ein weiteres Verwaltungsgebäude errichtet.

Art der Grünanlage:
Ehem. Barockgarten, öffentliche Grünanlage.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Ein Plan von 1766 zeigt auf der Südseite des Amtshauses einen schmalen barocken Garten, dessen Hauptausdehnung parallel zur Längsseite des Gebäudes von Westen nach Osten verläuft. Eine Längsachse mit drei Querachsen und Rondellen an den Schnittpunkten der Wegeachse kennzeichnen die Struktur des Gartens. Südlich an den Garten grenzt ein Teich, östlich und westlich liegen die, das gesamte Burgareal umgebenden Wassergräben.

Ein Kupferstich von 1760 zeigt ebenfalls die Gartenseite des Hauses. Die Darstellung des Gartenparterres aus symmetrisch angelegten, am äußeren Rand geschwungenen Rasenbeeten sowie von Baumreihen und geschnittenen Eiben gibt im Vergleich zur kartographischen Darstellung eher Hinweise auf die Ausstattung des Gartens, denn auf seine Form und Lage.

Die Kgl. Preußische Landesaufnahme von 1895 zeigt noch die vollständige Umflut, ansonsten lässt die Grünland- und Gartensignatur nicht auf einen Park schließen. Ein Foto aus dem Jahr 1932 zeigt eine für diese Zeit typische Gartengestaltung mit Rasenflächen und Rosen- und Staudenbeeten sowie randlichem Baumbestand. Der heutige Altbaumbestand auf dem Gelände dürfte eher zu verschiedenen Zeiten in Zuordnung zu einzelnen Um- oder Neubaumaßnahmen gepflanzt worden sein. Größere Teile des Gartens gingen durch den Bau der Villa für den Oberkreisdirektor nebst zugeordnetem Privatgarten verloren.

Die Umflutgräben dürften spätestens mit dem Neubau der Verwaltungsgebäude 1957 verteilt worden sein.

Im Rahmen der Neugestaltung der Wiedenbrücker Innenstadt wurde im Jahre 2000 die östliche und nördliche Umflut teilweise wieder hergestellt und in einen neu entstandenen Grünzug vom Amtshaus zur Ems integriert.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Durch den neuen Grünzug öffnet sich wieder ein Blick über den noch erhaltenen Teich und die Rasenflächen mit einzelnen Altbäumen zum barocken Amtshaus, so dass von Süden gesehen die historische Struktur wieder erahnt werden kann. Ebenso hat die barocke Brücke durch das Öffnen der Umflut ihre Funktion wiedergewonnen.

Die übrigen Flächen sind durch die Architektur der Verwaltungsgebäude und alten Baumbestand geprägt, sie sind in einem guten Pflegezustand.

Es wäre anzuregen, die wenig genutzten Rasenflächen auf der Gartenseite des Amtshauses in einer Weise umzugestalten, die der Bedeutung dieser Anlage für 750 Jahre Territorial- und Verwaltungsgeschichte in Ostwestfalen-Lippe gerecht wird.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1895): Blatt 4115, Rheda-Wiedenbrück (Wiedenbrück). Herausgegeben 1895, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Ossenbrink, Jochen (2000): 750 Jahre "Reckenberg" - Von bischöflicher Burg bis Kreishaus Wiedenbrück. In: Heimat-Jahrbuch Kreis Gütersloh, Gütersloh, Seite 22 - 35.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. In: Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Heft 3, Band 3.3 Kreis Gütersloh, Kreis Minden-Lübbecke. Zugl. CD-ROM, Münster.
  • Meisel, Sofie (1960): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 97 Münster. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 97, Bonn-Bad Godesberg.
  • Schmitt, Michael (Bearb.) (2002): Minden-Ravensberg Stadt Bielefeld - Kreis Gütersloh Kreis Herford - Kreis Minden-Lübbecke. In: Westfalia Picta, Band 7, Münster, Seite 404 - 405.
Externe ID: LWL-GUP00020
Erfassungsdatum: 29.10.1999
Kategorie: Park
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: gering - ist einen Besuch vor Ort wert
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1760
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033504


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1999: Amtshaus Reckenberg
2001: Amtshaus Reckenberg, Torbrücke
2001: Amtshaus Reckenberg
2001: Park am Amtshaus Reckenberg
2001: Park am Amtshaus Reckenberg
1895: Innenstadt Wiedenbrück
1760: Amtshaus Reckenberg