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Kaiser-Wilhelm-Platz, Detmold
 

Der Kaiser-Wilhelm-Platz, benannt nach Kaiser Wilhelm I., wurde im Zuge der städtebaulichen Erweiterung des lippischen Regierungssitzes nach dem Vorbild vergleichbarer Raster- und Schmuckplätze der wilhelminischen Hauptstadt Berlin angelegt. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte in Detmold die planmäßige, westliche Stadterweiterung mit einem streng geometrisch gegliederten Rechteckschema. 1875 entstand am Rande der Altstadt unmittelbar an einer ausgebauten Ringstraße (Paulinenstraße) der repräsentative Kaiser-Wilhelm-Platz, eine großzügige, gärtnerisch gestaltete, Platzanlage, die als öffentlicher Bürgerpark fungierte.

Externe ID: T-P363N403-20080303-0008
Erfassungsdatum: 03.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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1999: Kaiser-Wilhelm-Platz

Zugehöriges Objekt

Kaiser-Wilhelm-Platz (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Stadt Detmold, 32754 Detmold; der Platz ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Weserbergland/Lipper Land; am Westrand der Innenstadt, Größe etwa 2,3 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Der Kaiser-Wilhelm-Platz wurde im Zuge der städtebaulichen Erweiterung des lippischen Regierungssitzes nach dem Vorbild vergleichbarer Raster- und Schmuckplätze der wilhelminischen Hauptstadt Berlin angelegt. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte in Detmold die planmäßige, westliche Stadterweiterung mit einem streng geometrisch gegliederten Rechteckschema. 1875 entstand am Rande der Altstadt unmittelbar an einer ausgebauten Ringstraße (Paulinenstraße) der repräsentative Kaiser-Wilhelm-Platz.

Benannt wurde die großzügige Platzanlage nach Kaiser Wilhelm I.. Er hielt sich im gleichen Jahr als Gast des lippischen Regenten Leopold III. zur Einweihung des Hermannsdenkmals in Detmold auf. Als Zeichen ihrer Verehrung widmeten die Detmolder Bürger ihrem Kaiser diesen Platz. Der gärtnerisch gestaltete Platz sollte im Stadtbild von Detmold ausschließlich die Funktion eines öffentlichen Bürgerparks übernehmen und nicht, wie die schon vorhandenen Anlagen am Schlossplatz sowie der Palaisgarten und der Lustgarten, auf die Bedürfnisse des lippischen Fürstenhauses ausgerichtet sein.

Gebäude und Ausstattung:
Im westlichen Rondell wurde als Erinnerung an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 ein mächtiges Kriegerdenkmal errichtet. Inmitten des zur Altstadt orientierten östlichen Rondells installierte man einen aufwendig gestalteten Nymphenbrunnen. Bereits 1926 entfernte man vom Schmuckplatz den Nymphenbrunnen und errichtete stattdessen ein weiteres Kriegerdenkmal. Das sogenannte "55er-Denkmal" erinnert an die im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten des 55. Infanterieregiments, von dem ein Bataillon in Detmold stationiert war.

Besonders in dem Zeitraum zwischen 1880 und 1910 entstanden unmittelbar am Platz zahlreiche repräsentative Staats- und Verwaltungsbauten. Dem spätklassizistischen Landgerichtsgebäude (1879 bis 1880) folgte 1884 die damalige Landesbank (heute Staatsanwaltschaft) in den Formen der Neorenaissance und das städtebaulich exponierte Postgebäude (1888 bis 1890) mit neobarocken Bauformen. Am nördlichen Anschluss an den Kaiser-Wilhelm-Platz errichtete man von 1905 bis 1907 die neugotische Christuskirche. Rund um die Kirche wurden anstelle des einstigen Viehmarktes kleinere Rasenflächen und eine auf den Haupteingang der Kirche zuführende Robinienallee angelegt. Das imponierende Bauensemble der Gründerzeit wurde schließlich mit dem 1911 eröffneten Lippischen Regierungs- und Landtagsgebäude (heute Amtsgericht) mit seinem weithin sichtbaren Turm vervollständigt. 1925 erbaute man als Rahmung des schmalen Kirchplatzes drei kleine barockisierende Kioske, von denen heute leider nur noch zwei vorhanden sind.

Art der Grünanlage:
Historischer Stadtplatz.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Der Kaiser-Wilhelm-Platz wurde als geräumiger Rechteckplatz angelegt, der entlang der Mittelachse von einem großen zentralen Rondell und in westlicher und östlicher Richtung jeweils von einem kleinen Rondell gegliedert war. Vom großen Rondell im Mittelpunkt der Anlage gingen sternförmig acht Wege ab. Besonders akzentuiert hatte man das mittlere Rondell mit einem eindrucksvollen Leuchter und durch eine flankierende Bepflanzung mit zwölf großen Eichen. Als äußeren Abschluss der prachtvollen Platzanlage pflanzte man eine umlaufende, doppelreihige Lindenallee. Weite Rasenflächen und nur vereinzelte Gehölzpflanzungen ermöglichten den Bürgern einen ungehinderten Blick auf die umgebende Bebauung.

Die gartengestalterische und städtebauliche Grundstruktur des Kaiser-Wilhelm-Platzes hatte fast einhundert Jahre Bestand. Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat man wesentliche Veränderungen am historischen Platzgefüge vorgenommen. Das charakteristische sternförmige Wegesystem wurde aufgegeben und die restlichen oder neu angelegten Wege überwiegend mit Betonplatten befestigt. Besonders an der südlichen Platzseite erfolgten durch die Bereitstellung von zahlreichen Autoabstellflächen erhebliche Eingriffe in die gewachsene Substanz. Auffällig sind zudem willkürliche Neupflanzungen und eine übermäßige "Möblierung" der Anlage mit Bänken, Papierkörben, Litfasssäulen sowie Pollern.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Als sichtbares Zeugnis der Entwicklungsgeschichte der einstigen Residenzstadt und heutigen Bezirkshauptstadt ist der Kaiser-Wilhelm-Platz eine intensiv genutzte innerstädtische Grünanlage, die in ihrer Grundsubstanz noch die gärtnerische Gestaltung als Schmuckplatz des 19. Jahrhunderts erkennen lässt.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1912): Blatt 4019, Detmold. Kartierung 1910, Herausgegeben 1912, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.
  • Moritz, Gabriele (1993): Der Kaiser-Wilhelm-Platz in Detmold - Gedanken zum Entwurf aus heutiger Sicht. Universität/Gesamthochschule Paderborn, Abt. Höxter, Diplomarbeit, Höxter.

Literaturangaben

  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster.
  • o.A. (2000): Ein neues, altes Gesicht. In: Lippische Landeszeitung, 02.März 2000, Detmold.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.2: Kreis Lippe. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • o.A. (1999): Stadt muss Axt an Lindenallee legen. In: Lippische Landeszeitung, 05.Juni 1999, Detmold.
  • o.A. (o.J.): Keine Vernichtung von Parkplätzen am Kaiser-Wilhelm-Platz. In: Lippe aktuell, 15. Jg., Ausgabe 19/A, Detmold.
  • Lippe, Traute Prinzessin zur (1988): Parkanlagen in Detmold - gestern und heute. der Kaiser-Wilhelm-Platz. In: Heimatland Lippe 1/1988, Detmold, Seite 18 - 26.
Externe ID: LWL-GUP00087
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Platz
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1875
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033308


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1999: Kaiser-Wilhelm-Platz
2001: Kaiser-Wilhelm-Platz
1910: Detmold