Für die Menschen, für Westfalen-Lippe Signet: LWL-GeodatenKultur
Benutzername:  
Passwort:  
Trennlinie; Beginn des Seitenfußes
  Start     Karte     Suche     Auswahlliste     Objektansicht     Hilfe  
Parkanlage Friedrichstal, Detmold
 

Vor den Toren der Residenzstadt Detmold ließen sich die Grafen zur Lippe am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf dem Gelände der Meierei Pöppinghaus einen repräsentativen Barockgarten anlegen. Der Ausbau der Friedrichstaler Gartenanlagen erfolgte im Zusammenhang mit der systematischen Stadterweiterung durch die Neustadt und dem Bau des Friedrichstaler Kanals am Anfang des 18. Jahrhunderts. Vom Detmolder Residenzschloss aus konnte man mit dem Boot entlang der Neustadt zum barocken Garten in Friedrichstal fahren. Ab 1774 wurde der Barockgarten in eine landschaftliche Anlage umgestaltet. Der Park wurde im Laufe der Zeit zunehmend vernachlässigt, so dass er weitgehend verwilderte.

Externe ID: T-P363N403-20080303-0005
Erfassungsdatum: 03.03.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt: Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



In Karte anzeigen

2008: Parkanlage Friedrichstal

Zugehöriges Objekt

Parkanlage Friedrichstal (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Die Anlage ist öffentlich zugänglich, teilweise innerhalb des LWL-Freilichtmuseums Detmold (Eintritt).
­
Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Weserbergland/am Ostrand des Teutoburger Waldes, südwestlich der Altstadt von Detmold am Westhang des Büchenberges; Größe etwa 3 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Vor den Toren der Residenzstadt Detmold ließen sich die Grafen zur Lippe am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf dem Gelände der Meierei Pöppinghaus einen repräsentativen Barockgarten anlegen. Der Ausbau der Friedrichstaler Gartenanlagen erfolgte im Zusammenhang mit der systematischen Stadterweiterung durch die Neustadt und dem Bau des Friedrichstaler Kanals am Anfang des 18. Jahrhunderts. Vom Detmolder Residenzschloss aus konnte man mit dem Boot entlang der Neustadt zum barocken Garten in Friedrichstal fahren.

Gebäude und Ausstattung:
Um 1690 ließ Amalie Gräfin zu Lippe, geb. Gräfin zu Solms-Hohensolms, das sogenannte "Krumme Haus" als Orangerie- und Teehaus errichten. Die ehemalige Muschelgrotte des Barockgartens wird heute als Mausoleum der fürstlichen Familie zur Lippe genutzt. Ein barocker Muschelbrunnen aus Friedrichstal steht auf dem gärtnerisch gestalteten Schlossvorplatz in Detmold. Das einst in Friedrichstal aufgestellte Denkmal für den Grafen Simon August zur Lippe steht heute am Osteingang zum historischen Kurpark von Bad Meinberg.

Art der Grünanlage:
Historische Gartenanlage.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Das "Krumme Haus" bildete den östlichen Abschluss einer Gartenanlage, für die sich einige Schriftquellen aus den Jahren 1694 -­ 1696 erhalten haben. Baurechnungen belegen, dass 1696 mindestens zwei Bassins mit Fontainen und Böschungsmauern mit Balustraden errichtet wurden. Zwischen 1700 und 1720 ließ Graf Friedrich Adolf zur Lippe den barocken Garten mit drei querrechteckigen Gartenterrassen vollenden. Zwischen dem Krummen Haus im Osten und einer gemauerten Grotte im Westen am Fuß des Hanges im Tal der Berlebecke wurde so ein Höhenunterschied von 22 Metern überbrückt. Im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts wurde der Barockgarten durch ein zweites Orangeriegebäude auf der mittleren Terrasse sowie ein Bethäuschen und einen Eiskeller am Krummen Haus ergänzt. Nach einem verheerenden Brand in der neuen Orangerie wurde der Garten nach 1730 nicht weiter gepflegt. Die Gartenarchitekturen wurden in den fünfziger und sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts abgerissen und als Rohmaterial weiterverkauft. Graf Simon August zur Lippe und seine Ehefrau Kasimire, eine geborene Prinzessin zu Anhalt-Dessau, ließen den barocken Garten ab 1774 in eine landschaftliche Anlage umgestalten. Als Hauptgestaltungselemente wurden vier durch Kanäle miteinander verbundene Teiche angelegt, die vom oberen Wasserbassin des ehemaligen Barockgartens gespeist wurden. In dem durch geschickt arrangierte Gehölzpflanzungen komponierten Garten ermöglichten kleine Fontänen, Kaskaden und Brücken den zeitgenössischen Besuchern vielfältige und abwechslungsreiche Landschaftseindrücke.

Eine weitere Umgestaltung ließ Fürstin Pauline zur Lippe um 1803 durchführen, die gleichzeitig den Garten der Öffentlichkeit zugänglich machte. Planierungsarbeiten und die Neuanpflanzung von Nadelgehölzen veränderten das Erscheinungsbild der Anlage. 1855 wird schließlich die barocke Muschelgrotte im Tal der Berlebecke zum fürstlichen Mausoleum mit einer neugotischen Fassade umgestaltet. Der Park wurde im Laufe der Zeit zunehmend vernachlässigt, so dass er weitgehend verwilderte.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Die Struktur der ehemaligen Gartenanlage ist noch gut durch die im Relief ablesbaren Terrassierungen erkennbar. Bei den 1996 - 1998 vom LWL-Archäologie für Westfalen (vormals Westf. Amt für Bodendenkmalpflege) durchgeführten gartenarchäologischen Grabungen konnten erstaunliche Befunde gemacht werden, die das Wissen über die Geschichte und Gestaltung des Gartens erheblich erweiterten. Von den Gartenarchitekturen sind heute noch das "Krumme Haus", das inzwischen als Verwaltungsgebäude des LWL-Freilichtmuseum Detmold genutzt wird, eine Fasanerie aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts und die zum Mausoleum umgebaute Muschelgrotte erhalten.

Bei der Bestandsaufnahme zur „Parklandschaft Friedrichstal“ 2006 wurden verschiedene Defizite deutlich: Das Schloss mit seinem Park, die historische Altstadt, der Friedrichstaler Kanal, die Allee, das Neue Palais und das Mausoleum – jedes Element an sich bereits ein Kleinod – werden als komplexe „historische Stadtachse“ nicht wahrgenommen. So wurde ein Entwicklungskonzept erstellt, dessen vorrangiges Ziel es war, die räumlichen und funktionalen Zusammenhänge im Bereich der Parklandschaft zu entwickeln, aufzuwerten und wiederherzustellen. Aus finanziellen Gründen war eine Neugestaltung des barocken Lustgartens mit seinen Grotten, Wasserspielen und umfangreichen Pflanzungen und der Vier-Türme-Insel in der Inselwiese auszuklammern. Eher schien eine Rekonstruktion der Kanäle von der Inselwiese zum Schloss realisierbar. Im Jahre 2006 fasste der Rat der Stadt Detmold den Beschluss zur Umsetzung der vom Ministerium für Bauen und Verkehr des Land NRW geförderten Maßnahmen. Wesentliche Maßnahmen waren die Stärkung des Elements Wasser durch eine Wasserterrasse am Schlossgraben und die Anlage eines Stillgewässers an der heute unter Naturschutz stehenden Inselwiese. Der Teich an der Oberen Mühle sollte an die ursprünglich an der Inselwiese endende Bootsfahrt vom Schloss zum Barockgarten (Höhe heutiges LWL-Freilichtmuseum) erinnern. Drei am Ufer liegende Bootskörper symbolisieren die drei Schiffe, die vor über 300 Jahren für die Bootsfahrten angefertigt wurden. Eine der Kernmaßnahmen war die Aufwertung der attraktiven Wegeverbindung vom historischen Stadtkern zum LWL-Freilichtmuseum Detmold. Darüber hinaus wurde eine Entschlammung des Kanals und eine Sanierung der Uferbefestigungen durchgeführt.
Im Frühjahr 2009 konnte die „Parklandschaft Friedrichstal“ mit „Feiern und Flanieren“ eingeweiht werden.

Weitere Abbildungen:
Westfalia Picta, Band 10, Seite 361 - 373

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1912): Blatt 4019, Detmold. Kartierung 1910, Herausgegeben 1912, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, 129-130.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.2: Kreis Lippe. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Seick, Carsten (2000): Landschaftsgärten in Ostwestfalen-Lippe. In: Querbeet durch historische Gärten in Ostwestfalen-Lippe. Historisches Museum Bielefeld, Anja Schöne (Hrsg.), Schriften der Historischen Museen der Stadt Bielefeld, Band 16, Bielefeld, Seite 127 - 142.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Low-von Schopf, Regine (2000): Renaissance- und Barockgärten in Ostwestfalen-Lippe. In: Querbeet durch historische Gärten in Ostwestfalen-Lippe, Schriften der Historischen Museen der Stadt Bielefeld, Anja Schöne (Hrsg.), Band 16, Bielefeld.
  • Dann, Thomas (2010): Das Neue Palais in Detmold. Lippische Kulturlandschaften, Heft 16, Detmold.
  • Salesch, Martin (1999): Der Barockgarten in Friedrichstal, die Detmolder Vorstadt und der Fürstentitel. In: Lippische Mitteilungen 68/1999, Detmold, Seite 105 - 118.
  • Voithenberg, Erdmuthe von (1987): Parkanlagen in Detmold - gestern und heute. In: Heimatland Lippe, 9/1987, Detmold, Seite 284 - 291.
  • Schmitt, Michael / Schuchert, Patrick (2007): Lippe. In: Westfalia Picta, Band 10, Münster.
  • Salesch, Martin (1997): Ein Garten wie in Versailles. In: Lippische Blätter für Heimatkunde (Beilage der Lippischen Landeszeitung), 19.11.1997, Detmold, Seite 4.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 98 Detmold. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 98, Bonn-Bad Godesberg.
Externe ID: LWL-GUP00029
Erfassungsdatum: 05.09.2000
Kategorie: Landschaftsgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • Archäologische Grabung
  • Archivauswertung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Fotos
  • Geländebegehung/-kartierung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1694 - 1700
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033266


In Karte anzeigen

2008: Parkanlage Friedrichstal
2008: Friedrichstaler Allee
2008: Parkanlage Friedrichstal
2001: Parkanlage Friedrichstal
2008: Parkanlage Friedrichstal
1910: Parkanlage Friedrichstal