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Ravensberger Spinnerei mit Parkanlagen, Bielefeld
 

Die Ravensberger Spinnerei entstand in den Jahren 1855 bis 1862 und zählte von der Entstehungszeit bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zu den größten und modernsten Flachsspinnereien Europas. Eine Bürgerinitiative verhinderte in den 1970er Jahren den Abriss der Fabrikationsanlagen und der ehemaligen Direktorenvilla. Heute befinden sich in den umgebauten Fabrikgebäuden die Volkshochschule Bielefeld, das Historische Museum Bielefeld, eine Diskothek, das städtische Ordnungsamt, ein Programmkino  und ein Kunstgewerbemuseum.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Gelände der Ravensberger Spinnerei A.G. aufwendig gärtnerisch gestaltet. Aus diesen Flächen haben sich die beiden Anlagen des Ravensberger- und des Rochdale Parks, dieser ist nach der englischen Partnerstadt von Bielefeld benannt, entwickelt. Heute sind der Ravensberger- und der Rochdale Park anschauliche Beispiele für den Funktionswandel der ausgedehnten Fabrikanlagen mit ihren ungewöhnlichen Gärten. Aus den verschiedenen Zier- und Nutzgärten der Ravensberger Spinnerei haben sich vielbesuchte Parkanlagen entwickelt.


Externe ID: T-P363N403-20080227-0007
Erfassungsdatum: 27.02.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2012: Ravensberger Spinnerei

Zugehöriges Objekt

Ravensberger- und Rochdale Park in Bielefeld (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Stadt Bielefeld, 33597 Bielefeld; öffentlich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Ravensberger Land, östlich der Innenstadt; etwa 6 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Bereits seit dem 16. Jahrhundert war das in Bielefeld produzierte Leinen auf den europäischen Märkten geschätzt. Auf dem Gelände der Bleichwiesen entstand in den Jahren 1855 bis 1862 die Ravensberger Spinnerei, die von der Entstehungszeit bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zu den größten und modernsten Flachsspinnereien Europas zählte. Zu Spitzenzeiten hatte die Fabrik mehr als 1500 Beschäftigte. Die großartige Industrieanlage wurde vermutlich vom ersten technischen Direktor der Fabrik, Ferdinand Kaselowsky, geplant. Nach dem Zweiten Weltkrieg verringerte sich die Produktion schrittweise. Neue Herstellungsverfahren und preiswerte Importe führten in den 1960er Jahren zur Schließung der Spinnerei. Eine Bürgerinitiative verhinderte in den 1970er Jahren den Abriss der Fabrikationsanlagen. Nach der Entwicklung eines neuen Nutzungskonzeptes befinden sich heute im Hauptgebäude die Volkshochschule und in den Nebengebäuden das Historische Museum der Stadt sowie Dienststellen der kommunalen Verwaltung und eine Gastronomie. In der ehemaligen Direktorenvilla fand die Kunstgewerbesammlung der Stiftung Huelsmann ihr Domizil.

Gebäude und Ausstattung:
Als architektonische Vorbilder für das Hauptgebäude dienten neben englischen Schlossbauten des Mittelalters auch das schlesische Schloss Erdmannsdorf. Vor seiner Tätigkeit in Bielefeld war Kaselowsky dort als Werksleiter einer Spinnerei beschäftigt. Bis zur Jahrhundertwende wurden in die Gesamtanlage neben den verschiedenen Fabrikationsbauten und Werkstätten auch Sozialbauten, Wohn- und Logierhäuser sowie zwei spätklassizistische Villen integriert. Als Reste der einstigen Spinnerei haben sich zudem die Ruine des Torhauses und die Schienenwege sowie eine Brücke der Betriebsbahn in den Parkanlagen erhalten.

Art der Grünanlage:
Moderne Grünanlage mit historischen Elementen.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Gelände der Ravensberger Spinnerei A.G. aufwendig gärtnerisch gestaltet. Von der Heepener Straße gelangte man durch das Torhaus auf direktem Wege über den Hofraum zum zentralen Eingang des Hauptgebäudes. Die gartenkünstlerische Gestaltung des Hofraumes mit zwei großen symmetrischen Wasserbecken und einem zentralen Springbrunnen wurde von prächtigen Schmuckpflanzungen gerahmt. Die repräsentative Erscheinung des "Fabrikschlosses" wurde somit beträchtlich gesteigert. Beide Wasserbecken und der Springbrunnen mit seiner Fontäne waren gleichzeitig Bestandteil des Kühlwassersystems der Fabrik. Nach dem Abriss zahlreicher Gebäude hat sich aus dem Hofraum mit der Ruine des Torhauses und aus dem Ziergarten der Kantine der heutige Rochdale Park entwickelt. Benannt ist die Anlage nach der englischen Partnerstadt von Bielefeld.

Ein historisches Kleinod ist im Bereich des Ravensberger Parks der Garten an der ehemaligen Direktorenvilla. Der kleine Landschaftsgarten wurde mit seinem alten Baumbestand in den letzten Jahren umfassend restauriert. Von der Originalgestaltung sowie Ausstattung haben sich die beiden Wasserbecken mit Fontänen, die flache Brücke, eine Grotte und in reduzierter Form der Verlauf der Wege erhalten. Der gepflegte Direktorengarten schafft eine angemessene Umgebung für die heute in der Villa präsentierte Kunstgewerbesammlung. Aus den einstmals zahlreichen Obst- und Gemüsegärten hat sich der Ravensberger Park mit seinen weiten Rasenflächen und stattlichen Solitärbäumen entwickelt. Anstelle ehemaliger Magazingebäude und Lagerschuppen sind Gehölzpflanzungen und Wildstaudenbeete angelegt worden. Eine Hochgarage dominiert den südöstlichen Bereich des Parks. Mitten im Park zeugt das technische Denkmal der Lorenbrücke vom Verlauf der einstigen Betriebsbahn. Der Bereich südlich des historischen Gartens an der Direktorenvilla wurde in den letzten Jahren überwiegend als Veranstaltungsfläche und Ersatzparkplatz genutzt. Seit dem Jahr 2000 wurde dieser Bereich in eine "grüne Mehrzweckfläche" umgestaltet. Neu gepflanzte Bäume und die Schaffung von Blick und Sichtbeziehungen steigern die Attraktivität der gesamten Anlage.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Von den verschiedenen Gärten aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich der repräsentative "Hofraum" mit zwei großen Wasserbecken und einem charakteristischen Fontänenbrunnen sowie der historische Garten der Fabrikantenvilla erhalten. Auf dem insgesamt 6 Hektar großen Industriegelände wurden damals weite Bereiche als Obst- und Gemüsegärten genutzt. Aus diesen Flächen haben sich die beiden Anlagen des Ravensberger- und des Rochdale Parks entwickelt. Heute sind der Ravensberger- und der Rochdale Park anschauliche Beispiele für den Funktionswandel der ausgedehnten Fabrikanlagen mit ihren ungewöhnlichen Gärten. Aus den verschiedenen Zier- und Nutzgärten der Ravensberger Spinnerei haben sich vielbesuchte Parkanlagen entwickelt, die eine sinnvolle und zweckmäßige Verbindung von Traditionspflege und modernen Nutzungsansprüchen widerspiegeln.

Einzelne Parkbereiche haben sich zu sozialen Brennpunkten entwickelt, so dass erstmalig in Bielefeld ab dem Jahr 2000 eine teilweise Videoüberwachung des Parks vorgesehen wurde.

Quellenangaben

  • Stadt Bielefeld (1996): Ravensberger Park - Freiflächenkonzept. Mit kurzem Erläuterungsbericht (Beschlussvorlage der Verwaltung), Bielefeld, Maßstab 1:500.
  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 3917, Bielefeld. Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 92 - 95.
  • Großmann, Ulrich (1984): Östliches Westfalen. DuMont-Kunst-Reiseführer, Köln, 2. durchgesehene Aufl., Seite 60 - 61.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 85 Minden. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 85, Bonn-Bad Godesberg.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalen-Lippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Band 3.4: Stadt Bielefeld, Kreis Herford, Kreis Paderborn. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • o.A. (2000): Ravensberger Park erst im EXPO-Jahr umgestaltet. In: Neue Westfälische 19.01.2000, Bielefeld.
Externe ID: LWL-GUP00140
Erfassungsdatum: 26.08.1999
Kategorie: Volkspark, Stadtpark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Fotos
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1855 - 1862
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033154


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1999: Ravensberger Spinnerei, Rochdale Park
1999: Rochdale Park
1999: Ravensberger Park
1999: Ravensberger Park
1999: Ravensberger Park
Villa Huelsmann
1895: Bielefeld
1889: Ravensberger Spinnerei