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Kloster Clarholz, Herzebrock-Clarholz
 

Als Niederlassung des Prämonstratenserordens wurde das Kloster im Jahre 1133 gegründet. Im späten 17. und im 18. Jahrhundert war die Blütezeit des Klosters. Vor allem unter den Pröpsten Bernhard von Kerckering und Elbert-Wilhelm von Kückelsheim erfolgte der Ausbau der mittelalterlichen Klosteranlage zu einer eindrucksvollen Barockresidenz. 1803 wurde das Kloster durch die Säkularisation aufgehoben und in der nachfolgenden Zeit einige Bauten abgerissen. Nach der Aufhebung des Klosters erwarb der Graf von Bentheim-Tecklenburg die Anlage, von der noch heute weite Bereiche im Eigentum der Familie sind.

Beim barocken Ausbau des Klosters wurden die Nutzgärten teilweise weiter bewirtschaftet, teilweise aber auch zu ansehnlichen Lustgärten umgestaltet. Nach der Säkularisation hat man die barocken Klostergärten im 19. Jahrhundert überwiegend an private Nutzer verpachtet. Im Verlauf der nachfolgenden Zeit haben sich von der Gestaltung und Ausstattung der einstigen Klostergärten nur noch geringe Reste erhalten. Trotzdem sind die wesentlichen Grundstrukturen deutlich erkennbar geblieben. In vorbildlicher Weise engagiert sich der "Freundeskreis Propstei Clarholz e. V." für die Nutzung und ein angemessenes Erscheinungsbild der ehemaligen Klosteranlage.

Externe ID: T-P363N403-20080227-0001
Erfassungsdatum: 27.02.2008
Kategorie: Religion
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Kloster Clarholz

Zugehöriges Objekt

Klostergarten Clarholz (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Prinz zu Bentheim-Tecklenburg, Steinweg 16, 33378 Rheda-Wiedenbrück; Katholische Kirchengemeinde Clarholz, Probsteihof 24, 33442 Herzebrock-Clarholz; Teilflächen sind von der Gemeinde Herzebrock-Clarholz angepachtet worden; die Außenanlagen sind öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Gütersloher Sandebene/Ostmünsterland; am südwestlichen Ortsrand von Clarholz; etwa 5 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Als Niederlassung des Prämonstratenserordens wurde das Kloster im Jahre 1133 gegründet. Im späten 17. und im 18. Jahrhundert war die Blütezeit des Klosters. Vor allem unter den Pröpsten Bernhard von Kerckering und Elbert-Wilhelm von Kückelsheim erfolgte der Ausbau der mittelalterlichen Klosteranlage zu einer eindrucksvollen Barockresidenz. 1803 wurde das Kloster durch die Säkularisation aufgehoben und in der nachfolgenden Zeit einige gestaltprägende Bauten abgerissen. Bereits 1810 wurde der Kreuzgang zwischen der Kirche und dem ehemaligen Konventshaus (heute Pfarramt und Gemeindehaus) abgebrochen. Nicht mehr vorhanden sind auch das Torhaus des einstmals dreiflügeligen Wirtschaftshofes an der Hauptzufahrt des Klosters, mehrere Ökonomiebauten und ein Hospital in der Verlängerung der Seitenachsen der barocken Propstei. Nach der Aufhebung des Klosters erwarb der Graf von Bentheim-Tecklenburg die Anlage, von der noch heute weite Bereiche im Eigentum der Familie sind.

Gebäude und Ausstattung:
Kern des Gebäudekomplexes ist die durch Umbau einer romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert entstandene gotische Kirche (2. Hälfte des 14. Jahrhunderts) (heute Pfarrkirche). Die übrigen zum früheren Kloster gehörenden Gebäude wurden vorwiegend im frühen 18. Jahrhundert in die barocke Um- und Neugestaltung der Anlage einbezogen. Neben ausgedehnten Wirtschaftsbauten entstand als auffälligstes Gebäude die 1707 fertiggestellte Propstei mit ihren drei unverkennbaren Treppenaufgängen. Die gesamte Anlage war bis auf die repräsentative Zufahrt von Norden vollständig von Gräften umgeben und nur über Brücken erreichbar.

In der ehemaligen Zehntscheune ist heute ein Kindergarten untergebracht. Das Konventsgebäude dient als Pfarramt. Die übrigen Gebäude werden überwiegend als Wohnungen genutzt.

Art der Grünanlage:
Historische Klosteranlage.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Auch die Klostergärten haben sich im Laufe der Jahrhunderte in ihrer Nutzung und Gestaltung verändert. Für die Gartenanlagen lassen sich in Clarholz im Wesentlichen vier Zeitabschnitte bestimmen.

Im Mittelalter existierten am Kloster vermutlich mehrere Nutzgärten zum Anbau von Obst, Gemüse sowie Kräuter- und Heilpflanzen.

Beim barocken Ausbau des Klosters wurden die Nutzgärten teilweise weiter bewirtschaftet, teilweise aber auch zu ansehnlichen Lustgärten umgestaltet. An der repräsentativen Hauptzufahrt zum barocken Kloster lagen der von einer Mauer umgrenzte Krautgarten (heute teilweise bebaut und als öffentliche Grünanlage umgestaltet) und südlich der sogenannten "Börne"- ein zum Teich ausgebauter Gräftenabschnitt - ein aufwendig gestalteter Garten zur privaten Nutzung für den Probst. Zur Ausstattung gehörten ein Gartenhäuschen, eine Voliere, eine hölzerne Pyramide und eine Blumenbank. Der prachtvollste Garten wurde aber hinter der Propstei angelegt. Von der Gartenseite des Gebäudes gelangten die Besucher und Gäste des Propstes durch ein Tor aus dem Gebäude in den barocken Lustgarten, in dessen Mittelachse als zentraler Blickpunkt ein beheizbares Gartenhaus (Orangerie) lag. Bei schönem Wetter konnte man im Probsteigarten durch geschnittene Alleen und Bosketts spazieren und bei ungünstiger Witterung beim Kegeln auf einer überdachten Kegelbahn standesgemäße Abwechslung finden. Im Anschluss an den Propsteigarten erstreckte sich der von den Mönchen genutzte Konventsgarten bis zur östlichen Gräfte des Klosters. Nördlich des Konventgartens lag der öffentlich zugängliche Bereich des Klosters mit dem Friedhof, der Schule und der Küsterei mit einem benachbarten Gasthaus. Der nördliche und westliche Abschluss der Klosteranlage wurde jenseits der Gräften mit der Pflanzung von Alleen gebildet. Eine Lindenallee führte entlang der Landstraße von Paderborn nach Münster zur Haupteinfahrt der Klosteranlage. Entlang der westlichen Gräfte beeindruckt noch heute eine mächtige Eichenallee, die weit in die freie Landschaft hinaus führt.

Nach der Säkularisation hat man die barocken Klostergärten im 19. Jahrhundert überwiegend an private Nutzer verpachtet. Sie bearbeiteten die Gärten wieder als Wirtschaftsgarten oder gar als Ackerland. Die Pächter bekamen aber von der fürstlichen Renteiverwaltung zur Auflage, die noch vorhandenen Bestandteile der vormaligen Klostergärten pfleglich zu behandeln. 1834 wurde auch der prachtvolle Lustgarten an die Mieter des Wirtschaftshofes verpachtet. 1880 verlegte man den Friedhof der Gemeinde vom Kirchhof des Klosters auf das Außengelände jenseits der südlichen Gräfte.

Im Verlauf der nachfolgenden Zeit haben sich von der Gestaltung und Ausstattung der einstigen Klostergärten nur noch geringe Reste erhalten. Trotzdem sind die wesentlichen Grundstrukturen deutlich erkennbar geblieben. Ein kleiner Bereich des Konventgartens wurde im 20. Jahrhundert als Pfarrgarten genutzt. Mangelnde Pflege und die nicht mehr durchgeführte Bewirtschaftung der Gärten veranlassten die Eigentümer in den 60er Jahren, vor allem die Flächen im Probsteigarten mit Rasen einzusäen. Die Gestaltung dieses Bereichs wird seitdem durch einen kreisrunden Umgangsweg mit vier konzentrisch angeordneten Rosenbeeten charakterisiert.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Die Disposition der barocken Gesamtanlage lässt sich heute leicht mit einer vor Ort aufgestellten großen Informationstafel erschließen. Eine Vorstellung von der Ausdehnung des Ehrenhofes vor der Propstei ermöglichen die beiden Sandsteinpfeiler mit wappentragenden Löwen. Zwei weitere von Löwen bekrönte Torpfeiler flankierten zudem die nördliche Hauptzufahrt. Erwähnenswert sind die Eingangstore zum Pfarrgarten und zum Friedhof. Hier hat man die im späten 17. Jahrhundert geschmiedeten Gittertore der Altarschranken aus dem Innern der Kirche zu stilvollen Gartenausstattungen umfunktioniert.

Mit einer in den letzten Jahren durchgeführten Bestandserfassung konnten zahlreiche historische Kultur- und Nutzpflanzen nachgewiesen werden. Das gartenökologische Gutachten bildet eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung der Gärten am einstigen Kloster. Eine aktuelle Planung möchte im Probsteigarten nach barockem Vorbild wieder ein rechtwinkeliges Wegesystem herstellen.

In vorbildlicher Weise engagiert sich der "Freundeskreis Propstei Clarholz e. V." für die Nutzung und ein angemessenes Erscheinungsbild der ehemaligen Klosteranlage. Der Verein beabsichtigt zudem mit dem Projekt "Renaturierung der Axtbachaue" die durch den Landesausbau des Klosters geprägte historischen Kulturlandschaft zu erhalten und im nachhaltigen Sinne weiter zu entwickeln.

Bereits 1999 wurde der Gartenteil hinter dem Pfarrhaus durch Anlage von Wegen und Rasenflächen instandgesetzt und mit repräsentativen Toren versehen.

Die Gemeinde Herzebrock-Clarholz, der Fürst zu Bentheim-Tecklenburg, die katholische Kirchengemeinde und der Freundeskreis hatten sich schon seit längerem für eine angemessene Nutzung der ehemaligen Klostergärten eingesetzt, als mit dem Projekt "Garten-Landschaft OstWestfalenLippe des LWL im Jahre 2000 plötzlich umfangreiche finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Nach Plänen der Landschaftsarchitektin Ina Bimberg, Iserlohn, sollte auch im Propsteigarten nach barockem Vorbild wieder ein rechtwinkliges Wegesystem hergestellt werden. Mit den Arbeiten, die auch die Entschlammung der Gräften und die Neugestaltung des Ehrenhofes beinhalten, wurde im Herbst 2001 begonnen und die Klostergärten wurden nach gartenkünstlerischen Gesichtspunkten umgestaltet und im Sinn ihrer geschichtlichen Bedeutung wiedererlebbar gemacht. Am 13. und 14. September 2003 konnten die wieder hergestellten Gärten feierlich eingeweiht werden.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1897): Blatt 4015, Harsewinkel. Herausgegeben 1897, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 65-68.
  • Meisel, Sofie (1960): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 97 Münster. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 97, Bonn-Bad Godesberg.
  • Meier, Johannes (1990): Kloster Clarholz und die Pfarrkirche von Lette. Westfälische Kunststätten, Heft 56, Münster.
  • Mette, Michael (1993): Studien zu barocken Klosteranlagen in Westfalen. Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Band 25. Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1988, Bonn.
  • Bertzen, Günter (1998): Historische Nutz- und Kulturpflanzen im Garten der Propstei Clarholz. In: Natur- und Landschaftskunde 34/1998, Krefeld, Seite 25 - 29.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. In: Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Heft 3, Band 3.3 Kreis Gütersloh, Kreis Minden-Lübbecke. Zugl. CD-ROM, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00090
Erfassungsdatum: 01.08.1999
Kategorie: Klostergarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Archivauswertung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Fotos
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1133
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033084


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2005: Kloster Clarholz
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2003: Kloster Clarholz
2003: Kloster Clarholz
1999: Kloster Clarholz
1895: Herzebrock-Clarholz