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Gut Eisbergen mit Parkanlage, Porta Westfalica
 

Das Rittergut Eisbergen wird erstmalig 1396 im Zusammenhang mit dem Eigentümer Florecke von Zersen genannt. Seit 1747 ist das Gut im Besitz der Familie von Schellersheim. Das Herrenhaus wurde 1912 nach dem Brand des Vorgängerbaus als repräsentativer Sandsteinbau mit historisierenden Jugendstil-Elementen gebaut. Die historische Gutsparkanlage des zwischen dem Ortskern von Eisbergen und der Weser gelegenen Gutes grenzt an das Flussufer.

Externe ID: T-P363N403-20080218-0002
Erfassungsdatum: 18.02.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2007: Gut Eisbergen

Zugehöriges Objekt

Parkanlage Gut Eisbergen, Porta Westfalica (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Privateigentum, die Anlage ist nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Rintelner Talweitung der Weseraue, zwischen Ortskern Eisbergen und Weser unmittelbar am Flussufer; Größe etwa 3 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Das Rittergut Eisbergen wird erstmalig 1396 im Zusammenhang mit dem Eigentümer Florecke von Zersen genannt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es um das Rittergut einen Erbschaftsstreit zwischen den Familien von Zersen und von Leuchtmar. Dieser Streit dauerte von 1694 bis 1717 und beschäftigte bis hin zum Reichskammergericht zahlreiche Gerichte.

1747 erwarb der Stiftshauptmann von Quedlinburg, der Geheimrat Paulus Andreas Freiherr von Schellersheim, das Gut, um für sich und seine Gattin Benedikte Luise von Hammerstein einen Altersruhesitz zu schaffen. Das Gut ist bis heute im Eigentum dieser Familie. Bei einem Brand im Jahre 1911 wurde das Herrenhaus völlig zerstört, das gesamte Archiv der Familie wurde hierbei vernichtet. Nach Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung wird das Gut heute vorwiegend als Reitsportanlage und für Wohnzwecke genutzt.

Gebäude und Ausstattung:
Es ist davon auszugehen, dass die Gutsanlage ab 1747 durch die Familie von Schellersheim vollständig umgestaltet wurde. Ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie die Orangerie stammen aus dieser Zeit. Das Herrenhaus wurde 1912 nach dem Brand des Vorgängerbaus als repräsentativer Sandsteinbau mit historisierenden Jugendstil-Elementen gebaut. Die zentralen Wirtschaftsgebäude wurden 1930 gebaut.

Hervorzuheben ist die Orangerie. Es handelt sich um eine für den Raum ungewöhnlich große Orangerie. Der rechteckige Fachwerkbau mit Walmdach weist zur Südseite 15 Fensterachsen auf, die die gesamte Fassade einnehmen. Der Eingang liegt am Ostgiebel auf der dem Herrenhaus zugewandten Seite. Die Orangerie wird zurzeit als Lagerraum genutzt. Vor dem Herrenhaus stehen zwei barocke Frauenskulpturen, die im Sockel auf 1783 datiert werden. Ebenfalls erhalten ist eine Vase auf Sockel aus der gleichen Zeit.

Bemerkenswert ist ein gut erhaltener Eiskeller in Form eines künstlichen Hügels am Nordwestrand des Parks.

Art der Grünanlage:
Historischer Gutspark.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Die erste Gartenanlage dürfte im Zusammenhang mit dem für den Zeitraum 1760 bis 1780 datierten Bau der Orangerie entstanden sein. Benediktine von Hammerstein stammte aus dem Raum Melle, in dem zahlreiche Orangerien und kleine Barockgärten bestanden (der restaurierte Garten am Schloss Gesmold zeigt diese Tradition). Ein eigentliches Orangerieparterre hat wohl nicht bestanden, vielmehr wurden die in der Orangerie überwinterten Palmen und exotischen Pflanzen auf der Südseite des Herrenhauses und um einen sternförmigen Brunnen im zentralen Garten zwischen Herrenhaus und Orangerie aufgestellt.

Etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde westlich des Guts entlang der Weser ein Landschaftspark angelegt. Die Preußische Landesaufnahme von 1896 zeigt einen für die Zeit typischen Landschaftspark mit Baumgruppen, Wiesen und Umgangswegen. Eine Allee am Nordrand führt auf den Gartenbereich südlich des Herrenhauses. Auf dieser zur Weser hin abfallenden Fläche sind Nutzgärten mit einem axialen Wegekreuz in Zuordnung zum Herrenhaus und einem Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahrhundert dargestellt.

Diese Fläche wurde wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Neubau des Herrenhauses 1912 in zwei Terrassen aufgeteilt, die durch eine etwa 2,5 m­ hohe Mauer mit Balustrade voneinander getrennt sind. In der Achse des Herrenhauses führt eine repräsentative Treppenanlage vom Niveau des Herrenhauses auf die untere Terrasse. In dieser Achse steht vor dem Herrenhaus ein Brunnen.

Eine Reihe von Fotos aus dem Jahr 1936 zeigen im Landschaftspark bereits eine relativ dichte Gehölzstruktur, in die kleine Wiesenbereiche um herausragende Solitärbäume, beispielsweise eine Hängebuche und Platane, eingelagert sind. Am Weserufer befand sich ein ummauerter Aussichts- und Sitzplatz, der später bei einem Hochwasser zerstört wurde. Die Terrassen vor dem Haupthaus und der Garten zwischen Herrenhaus und Orangerie sind repräsentativ gestaltet, zahlreiche Palmen in Kübeln sind gut erkennbar.

Nach Angaben des Eigentümers wurden bis 1987 noch einige Palmen gepflegt, die in der Orangerie überwinterten.

Heutiger Zustand / Nutzung:

Der heutige Zustand ist stark durch die Reitsportnutzung gekennzeichnet. Der Landschaftspark ist bis auf die noch gut zu erkennende Allee stark verwaldet, einzelne Altbäume, vor allem auch alte Eschen prägen den Bestand. Die den Park noch durchziehenden Wege werden als Reitwege genutzt.

Auf der unteren Terrasse vor dem Herrenhaus und vor der Orangerie befinden sich Sandplätze fürs Springreiten.

Die obere Terrasse vor dem Herrenhaus wird von zwei mächtigen Bäumen, einer Blutbuche und einer Federbuche dominiert. In gepflegten Rasenflächen mit Blumenrabatten finden sich die bereits erwähnten Skulpturen.

Der Brunnen in dem Gartenbereich zwischen Orangerie und Herrenhaus ist nicht mehr vorhanden. Dieser im Wesentlichen aus Rasenflächen bestehende Raum wird durch eine mächtige Hängebuche begrenzt. Er dient ausschließlich als Garten für private Nutzung.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 3720, Bückeburg. Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 85 Minden. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 85, Bonn-Bad Godesberg.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. In: Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Heft 3, Band 3.3 Kreis Gütersloh, Kreis Minden-Lübbecke. Zugl. CD-ROM, Münster.
  • Linten, Claudia Simone (1997): Orangerien in Westfalen. Europäische Hochschulschriften Reihe 28, Kunstgeschichte, Band 327. Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, Frankfurt/Main, Seite 154-159.
Externe ID: LWL-GUP00051
Erfassungsdatum: 23.08.1999
Kategorie: Gutspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1760 - 1780
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10032592


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2007: Gut Eisbergen
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2007: Gut Eisbergen
2007: Gut Eisbergen
2007: Gut Eisbergen, Orangerie
1896: Gut Eisbergen